Äquatorialguinea Geschichte

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    Anfänge

    Bantu-sprechende Völker, die überwiegend von Wander-Ackerbau und Viehzucht lebten, besiedelten vermutlich ab etwa 1000 n.Chr. das Gebiet des heutigen Äquatorialguinea. In der zweiten Hälfte des 15. Jh.s wurde eine vom Bantu-Volk der Bubi bevölkerte Insel (heute: Bioko) von dem portugiesischen Seefahrer Fernão do Póo entdeckt, der sie aufgrund ihrer Schönheit Formosa nannte. Später wurde die Insel in Fernando Póo umbenannt. Im folgenden wurde die Insel von Portugiesen besiedelt und auch an der Festlandsküste wurden erste Niederlassungen errichtet. Das Hinterland blieb noch längere Zeit von den Europäern unberührt.

    Kolonialzeit

    Im Jahr 1778 tauschte Portugal seine Besitzungen in den Gebieten des heutigen Äquatorialguinea (das heutige Bioko und Pugalu und das Küstengebiet auf dem Festland) ein gegen spanische Ländereien in Brasilien. 1827 wurde von den Briten auf dem heutigen Bioko ein Stützpunkt zur Bekämpfung des Sklavenhandels eingerichtet. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurden größere spanische Ansiedlungen auf dem Festland gegründet. 1900 wurden Spanien die Besitzrechte an dem Gebiet des Río Muni (das heutige Mbini) von den anderen europäischen Großmächten zuerkannt. 1904 wurde die Verwaltung von Festland und der Insel Fernando Póo (Bioko) zusammengelegt, 1938 bildete beides zusammen mit der Insel Annobón (Pugalu) die Kolonie "Spanisch-Guinea".

    Unabhängige Republik

    Ende der 60er Jahre erhielten die Gebiete den Status einer spanischen Überseeprovinz mit beschränkter innerer Autonomie, die Bevölkerung erhielt die spanischen Bürgerrechte. 1963 wurde der Kolonie die Selbstverwaltung zugestanden als Provinz Äquatorialguinea. Im Oktober 1968 wurde das Land nach einer Volksabstimmung zur unabhängigen Republik mit der Hauptstadt Santa Isabel auf der Insel Fernando Póo. Erster Präsident des Landes wurde Francisco Macías Nguema, der dem Bantuvolk der Fang angehörte und in der Folgezeit mit Unterstützung des Militärs eine Diktatur errichtete. 1970 gründete er die Einheitspartei Partido Unico Nacional und ernannte sich durch eine Verfassungsänderung zum Präsidenten auf Lebenszeit, das Land wurde zur Demokratischen Volksrepublik erklärt (1973). Alleiniger Machtinhaber war der Staatspräsident, politische Parteien waren nicht zugelassen.

    Große Teile der Bevölkerung flohen vor der Schreckensherrschaft aus dem Land, unter ihnen viele Plantagenbesitzer bzw. Plantagenarbeiter. Die Produktion der Hauptexportgüter Kakao und Kaffee sank in den nächsten zwei Jahrzehnten kontinuierlich, was die ohnehin schlechte Wirtschaftslage des Landes und der Bevölkerung weiter verschlimmerte. Diejenigen, die im Land blieben, wurden teilweise zur Zwangsarbeit im eigenen Land verpflichtet. 1979 wurde Präsident Francisco Macías Nguema durch einen Putsch gestürzt und inhaftiert, später verurteilt und hingerichtet. Sein Neffe General Teodoro Obiang Nguema Mbasogo übernahm die Führung des Landes und versprach eine baldige Demokratisierung. 1983 wurden erste Parlamentswahlen abgehalten, doch die zur Wahl stehenden Kandidaten waren keine Volksvertreter (oppositionelle Parteien waren nach wie vor verboten), sondern Kandidaten des Präsidenten. 1991 wurde die Verfassung erneut geändert (wie schon 1982), diesmal wurden - durch Druck ausländischer Kreditgeber auf das hochverschuldete Äquatorialguinea - offiziell oppositionelle Parteien zugelassen. De facto wurden Regimegegner auch unter Teodoro Obiang Nguema Mbasogo verfolgt.

    Im November 1993 fanden die ersten Parlamentswahlen statt, bei denen mehrere Parteien zugelassen wurden. Doch nur Politiker, die in den vergangenen zehn Jahren im Land gelebt hatten, konnten sich zur Wahl stellen, wodurch die aus dem Exil zurückgekehrten Oppositionellen nicht kandidieren konnten. So gewann die Regierungspartei "Partido Democrático de Guinea" (PDGE) von Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo die absolute Mehrheit und stellte alle Mitglieder der Regierung. Auch weiterhin wurden oppositionelle Politiker im Land verfolgt bzw. inhaftiert. 1996 und 2002 wurde Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt. 1999 errang die Regierungspartei PDGE erneut 75 von ingesamt 80 Sitzen, ab 2004 stellte sie sogar 98 der 100 Parlamentsabgeordeten.

    Im März 2004 kam es zu einem erfolglosen Putschversuch, in dessen Folge der Brite Simon Mann zu 34 Jahren Gefängnis veruteilt wurde. Später stellte sich heraus, dass auch Sir Mark Thatcher, Sohn der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher, an dem Umsturzversuch beteiligt gewesen war. Simon Mann wurde im November 2009 per Dekret von Präsident Obiang begnadigt.

    2006 entließ Präsident Mbasogo den bisherigen Premierminister Miguel Abia Biteo Borico wegen Korruption und Inkompetenz. Sein Nachfolger wurde Ricardo Mangue Obama Nfubea.

    Die regulär spätestens im April 2009 abzuhaltendenden Parlamentswahlen zog die Regierung um ein Jahr vor, und hielt sie zusammen mit den Kommunalwahlen im Mai 2008 ab. Nach eigenen Angaben wollte sie dadurch Aufwand und Kosten begrenzen. Einheimische Beobachter - internationale waren nicht zugelassen - kritisierten die Wahl als weder frei noch fair. Die Regierungspartei PDGE errang 99 der 100 Sitze im Parlament.

    Die noch zur Jahrtausendwende ärmlichen Verhältnisse haben sich dank der Erdölförderung der letzten Jahre mittlerweile etwas gebessert, allerdings ist der Lebensstandard der Bevölkerung bei weiten nicht so stark gestiegen wie das Wirtschaftswachstum. 2007 wurden östlich der Insel Bioko neue Erdöl- und Erdgaslagerstätten entdeckt und unterstrichen die Position des Landes als inzwischen drittgrößter Erdölproduzent der Subsahara.