Afghanistan

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Geographie

Die "Islamische Republik Afghanistan" (Dari: Dowlat-e Eslami-ye Afghanistan, Paschtu: De Afghanistan Islami Dawlat) ist ein Binnenstaat in Zentralasien. Er grenzt an sechs Nachbarländer: am äußersten Ostende an China, im Osten und Süden - mit der längsten Grenze von 1 810 km - an Pakistan, im Westen an den Iran, im Nordwesten an Turkmenistan, im Norden an Usbekistan und im Nordosten an Tadschikistan.

Afghanistan ist ein Hochgebirgsland: Knapp die Hälfte der Landesfläche liegt zwischen 600 m und 1 800 m über dem Meeresspiegel, ein Drittel zwischen 1 800 m und 3 000 m und rund ein Zehntel über 3 000 m. Mit einer Landesfläche von insgesamt 652 090 km² ist das Land etwa doppelt so groß wie Deutschland. Das Land wird vom zentralen Hindukusch (indisch für Gebirge) in einen Süd- und einen Nordteil gegliedert. Der Hindukusch ist ein Hochgebirge, dessen vergletscherter Hauptkamm im Tirich Mir, der bereits auf pakistanischem Staatsgebiet liegt, mit 7 690 m seine höchste Erhebung hat. Höchster Berg Afghanistans ist mit 7 485 m der Nowshak. Nach Südwesten zu gliedert sich die Gebirgskette auf und erreicht nur noch Höhen bis 4 000 m. Zahlreiche Pässe über das Gebirge liegen über 3 000 m. Nördlich des Hindukusch befindet sich das Tiefland von Turan. Im Süden geht das Hochland in flachere Bergländer, Steppen und Halbwüsten über. Im Grenzbereich zum Iran im Südwesten des Landes liegt die Sistan-Ebene mit einer Vielzahl von Salzsümpfen.

In einer schmalen Landzunge, die sich etwa 200 km nach Osten zieht, besitzt das Land mit der Region Wakhan Anteile an der Pamirregion. Die meisten Flüsse des Landes entspringen im zentralen Hochland und versickern innerhalb der Landesgrenzen. Eine Ausnahme bildet der Kabul, der westlich der Stadt Kabul entspringt und beim pakistanischen Attock in den Indus fließt, der in den Indischen Ozean mündet. Der Helmand (persisch Darya-ye Helmand) mit einer Länge von 1 150 km mündet in die Sümpfe im iranisch-afghanischen Grenzgebiet. Der Amu Darya (in der Antike Oxus genannt) ist mit 2 540 km (mit dem längsten Zufluss) einer der längsten Flüsse Zentralasiens. Er bildet teilweise die Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan. Der Nordwesten wird vom Hari Rud (persisch Rudkhaneh-ye Harirud) dominiert, der etwa 1 100 km lang ist und in der Karakum-Wüste in Turkmenistan versickert. Die wichtigsten Seen des Landes sind der Saberi im Südwesten und die Saline Istadeh-ye Moqor im Südosten.

Klima

Das kontinentale Klima des Binnenlandes ist von großen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter geprägt. So betragen die Temperaturen im Januar in Herat im Nordwesten 3 °C, in Kabul im Südosten -3 °C und in Kandahar im Süden 6 °C. Im Juli dagegen steigen die Temperaturen auf Werte von 29 °C in Herat, 24,5 °C in Kabul und 29 °C in Kandahar an. Das trockene bis semitrockene Klima zeigt sich an den Niederschlagswerten in allen drei Städten: In Herat und Kandahar liegen sie bei unter 200 mm, in Kabul bei 339 mm durchschnittlich pro Jahr. Nur der Osten weist sommerliche Monsunregen auf.

Flora und Fauna

Die Vegetation des Landes ist überwiegend karg und durch Steppen und Wüstensteppen geprägt. Insbesondere im zentralen Hochland finden sich dornige Polsterpflanzen und Beifußgewächse. Die tieferen Lagen des Hindukusch weisen Baumfluren mit Pistazienbäumen auf, in größerer Höhe wachsen Wacholderbestände. In den Wüstenregionen des Südens finden sich Salzpflanzen, so genannte Halophyten. Auch finden sich Saxaulbäumchen, deren knorrige Äste Schuppenblätter ausbilden. An der Südostabdachung mit höheren Niederschlagsmengen gibt es kleinere Wälder (insgesamt sind nur rund 3 % der Landesfläche bewaldet), die vor allem aus Steineichen bestehen. In höheren Lagen besteht die größere Vegetation aus Himalajazedern und Tränenkiefern, ab 2 600 m folgen Fichten und Tannen, die über 3 000 m in Birkenbestände und Buschwerk übergehen. Tamarisken, Weiden und Pappeln finden sich vereinzelt an den Flussläufen. Eine Ausnahme ist im Becken von Jalabad zu finden: Hier gedeiht subtropische Vegetation in Form von Palmen, Feigenbäumen und Bambus.

Die einst zahlreichen großen Säugetierbestände im Land sind stark dezimiert. In den Gebirgsregionen leben noch Wölfe, Füchse und Schneeleoparden; Wildkatzen sind weit verbreitet. Im Hochgebirge leben Schraubenziegen (Markhor) und Steinböcke, hier finden sich auch Wildschafe (insbesondere das Marco-Polo-Schaf) und Braunbären. Kleinere Wirbeltiere sind Maulwürfe, Spitzmäuse, Igel und Fledermäuse. Beutevögel wie Geier und Adler gibt es in großer Zahl. Daneben leben Krähen, Rebhühner, Schnepfen, Pelikane, Kraniche, Wachteln und Fasane im Land. In den Steppenregionen leben Hyänen, Schakale, Gazellen und Wildhunde.

Bevölkerung

Afghanistan hat insgesamt rund 32 Millionen Einwohner. Größte Stadt ist die 3 500 Jahre alte Hauptstadt Kabul mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern. Zweitgrößte Stadt des Landes ist Kandahar im Süden Afghanistans mit 450 000 Einwohnern, das von Alexander dem Großen gegründete Herat im Nordwesten mit 350 000 Einwohnern sowie Mazar-e Sharif in Nord-Afghanistan, das ca. 300 000 Einwohner zählt und mit dem Grab des vierten Kalifen Ali ein Wallfahrtsort ist. (Auf Grund der starken Binnenmigration infolge des jahrzehntelangen Bürgerkriegs und den damit verbundenen millionenstarken Flüchtlingsströmen sind allerdings alle Angaben zu Bevölkerungszahlen stark schwankend.)

Die Bevölkerung Afghanistans setzt sich aus unterschiedlichen Ethnien und Sprachen zusammen. Die Paschtunen (früher auch Afghanen) sind das staatstragende Volk Afghanistans und bilden die größte Bevölkerungsgruppe (40 %). Sie zeichnen sich durch einen strengen Ehrenkodex aus. Zweitgrößte Gruppe sind die Tadschiken, die etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Usbeken (5 %) und Hesoren (15 %) sowie die Aimak sind weitere Minderheiten.

Amtssprachen sind Paschtu und Dari. Beide gehören zu den indoeuropäischen Sprachen. Daneben werden unter anderem Usbekisch, Turkmenisch und Kirgisisch gesprochen.

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (84 %) sind Moslems sunnitischer Ausprägung. Die Völker der Hesoren und Kisilbasch sind Schiiten. Auch kleine Minderheiten an Sikhs, Juden und Hindu leben im Land. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 44 Jahren, nur 36 % der Afghanen (21 % der Frauen) können lesen und schreiben.

Politisches System

Hamid Karzai (Übergangspremier seit Dezember 2001) wurde im Oktober 2004 durch reguläre Wahlen bestätigt und 2009 für eine zweite Amtszeit vereidigt. Am 16. Januar 2004 wurde eine neue Verfassung unterzeichnet, die ein Präsidialsystem mit einer starken Stellung des Staatsoberhaupts (zugleich Regierungschef) vorsieht. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt, seine Amtszeit ist auf maximal zwei Amtsperioden beschränkt.

Die gesetzgebende Gewalt besteht aus einem Parlament mit zwei Kammern (Nationalversammlung). Die Mitglieder des Unterhauses (Haus des Volkes, Wolesi Jirga; maximal 249 Sitze) werden direkt vom Volk gewählt - 68 Sitze sind für Frauen und zehn für die Nomaden-Minderheit der Kuchis reserviert -, die Mitglieder des Oberhauses (Haus der Älteren, Meschrano Jirga; 102 Sitze) durch Provinzräte bzw. vom Präsidenten ernannt (jeweils ein Drittel im Wechsel; Wahlperiode: vier Jahre). In seltenen Fällen kann der Präsident auch den Obersten Rat (Loya Jirga, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Nationalversammlung und Vertretern der Provinzen) konsultieren; dieser wiederum kann den Präsidenten anklagen.

Afghanistan ist eine "Islamische Republik", Staatsreligion ist der Islam; kein Gesetz darf im Widerspruch zum Koran stehen. Männer und Frauen sind rechtlich gleichgestellt.

Die Verwaltung ist in 34 Provinzen unterteilt.

Wirtschaft

Afghanistan ist ein sehr armes Land. Von 1979 bis 2001 haben die sowjetische Invasion, Bürgerkriege und schließlich die Angriffe durch US- und verbündete Truppen große Teile der Infrastruktur und der Produktionsanlagen zerstört. Seit 2003 kam es infolge der politischen Stabilisierung zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, das BIP stieg um ca. 30 % an. Trotzdem decken die Eigeneinnahmen nur einen Teil der laufenden Kosten des Staatshaushaltes, welcher nach wie vor durch Subventionen und Zahlungen der internationalen Gemeinschaft gestützt werden muss.

Rund 80 % der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Bewässerungsfeldbau war bis zum Krieg die wichtigste Anbauweise. Tierhaltung wird insbesondere in nomadischer Lebensweise vollzogen. Haupterzeugnisse der Landwirtschaft sind Weizen, Mais, Gerste, Reis, Baumwolle, Obst, Nüsse und Pistazien. Als Motor für das Wirtschaftswachstum hat sich vor allem der Dienstleistungssektor entwickelt.

Besonders im Grenzgebiet zu Pakistan wird Mohn angebaut. Der Anteil Afghanistans an der Weltopiumproduktion beträgt etwa 90 %. Auch der Drogentransithandel ist einer der wenigen profitablen Wirtschaftszweige. Erfolgen bei der Bekämpfung des Drogenanbaus im Norden und Nordwesten des Landes stehen Misserfolge in Zentralafghanistan und im Süden gegenüber. Den Bauern fehlen nach wie vor einträgliche Alternativen.

Hauptausfuhrprodukte des Landes sind - neben Opium - Erdgas, Obst, Trockenfrüchte und Nüsse, Häute und Felle sowie Baumwolle, Wolle, Teppiche und Halbedelsteine. Eingeführt werden alle wichtigen Industriegüter, Maschinen, Fertigwaren, Mineralien, Öl, Nahrungsmittel und Textilien. Seltene Erden, Kupfererz, Lithium, Eisenerz, Gold, Erdöl und Erdgas sind die wichtigsten geförderten Rohstoffe.

Durch den Bau von Straßen, Flughäfen und Eisenbahnstrecken konnte die infrastrukturelle Anbindung des Landes verbessert werden.

Währung ist der Afghani (= 100 Puls).


Fl afghanistan.jpg Wappen afghanistan.svg
Da Afghānistān Islāmī Dschomhoriyat (Paschtu)

Dschomhuri-ye Eslāmi-ye Afghānestān (Persisch)

Amtssprache

Paschtu, Persisch

Hauptstadt

Kabul

Staatsform Präsidialsystem mit starker Stellung des Staatsoberhaupts
Fläche 652.090 km²
Einwohner 29.930.000
Währung Afghani
Zeitzone UTC +4,5
KFZ-Kennzeichen AFG
Internet-TLD .af
Telefonvorwahl 0093