Afghanistan
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Geografie
Die "Islamische Republik Afghanistan" (Dari: Dowlat-e Eslami-ye Afghanistan, Paschtu: De Afghanistan Islami Dawlat) ist ein Binnenstaat in Zentralasien. Er grenzt an sechs Nachbarländer: am äußersten Ostende an China, im Osten und Süden - mit der längsten Grenze von 1 810 km - an Pakistan, im Westen an den Iran, im Nordwesten an Turkmenistan, im Norden an Usbekistan und im Nordosten an Tadschikistan.
Afghanistan ist ein Hochgebirgsland: Knapp die Hälfte der Landesfläche liegt zwischen 600 m und 1 800 m über dem Meeresspiegel, ein Drittel zwischen 1 800 m und 3 000 m und rund ein Zehntel über 3 000 m. Mit einer Landesfläche von insgesamt 652 090 km² ist das Land etwa doppelt so groß wie Deutschland. Das Land wird vom zentralen Hindukusch (indisch für Gebirge) in einen Süd- und einen Nordteil gegliedert. Der Hindukusch ist ein Hochgebirge, dessen vergletscherter Hauptkamm im Tirich Mir, der bereits auf pakistanischem Staatsgebiet liegt, mit 7 690 m seine höchste Erhebung hat. Höchster Berg Afghanistans ist mit 7 485 m der Nowshak. Nach Südwesten zu gliedert sich die Gebirgskette auf und erreicht nur noch Höhen bis 4 000 m. Zahlreiche Pässe über das Gebirge liegen über 3 000 m. Nördlich des Hindukusch befindet sich das Tiefland von Turan. Im Süden geht das Hochland in flachere Bergländer, Steppen und Halbwüsten über. Im Grenzbereich zum Iran im Südwesten des Landes liegt die Sistan-Ebene mit einer Vielzahl von Salzsümpfen.
In einer schmalen Landzunge, die sich etwa 200 km nach Osten zieht, besitzt das Land mit der Region Wakhan Anteile an der Pamirregion. Die meisten Flüsse des Landes entspringen im zentralen Hochland und versickern innerhalb der Landesgrenzen. Eine Ausnahme bildet der Kabul, der westlich der Stadt Kabul entspringt und beim pakistanischen Attock in den Indus fließt, der in den Indischen Ozean mündet. Der Helmand (persisch Darya-ye Helmand) mit einer Länge von 1 150 km mündet in die Sümpfe im iranisch-afghanischen Grenzgebiet. Der Amu Darya (in der Antike Oxus genannt) ist mit 2 540 km (mit dem längsten Zufluss) einer der längsten Flüsse Zentralasiens. Er bildet teilweise die Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan. Der Nordwesten wird vom Hari Rud (persisch Rudkhaneh-ye Harirud) dominiert, der etwa 1 100 km lang ist und in der Karakum-Wüste in Turkmenistan versickert. Die wichtigsten Seen des Landes sind der Saberi im Südwesten und die Saline Istadeh-ye Moqor im Südosten.
Klima
Das kontinentale Klima des Binnenlandes ist von großen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter geprägt. So betragen die Temperaturen im Januar in Herat im Nordwesten 3 °C, in Kabul im Südosten -3 °C und in Kandahar im Süden 6 °C. Im Juli dagegen steigen die Temperaturen auf Werte von 29 °C in Herat, 24,5 °C in Kabul und 29 °C in Kandahar an. Das trockene bis semitrockene Klima zeigt sich an den Niederschlagswerten in allen drei Städten: In Herat und Kandahar liegen sie bei unter 200 mm, in Kabul bei 339 mm durchschnittlich pro Jahr. Nur der Osten weist sommerliche Monsunregen auf.
Flora unfd Fauna
Die Vegetation des Landes ist überwiegend karg und durch Steppen und Wüstensteppen geprägt. Insbesondere im zentralen Hochland finden sich dornige Polsterpflanzen und Beifußgewächse. Die tieferen Lagen des Hindukusch weisen Baumfluren mit Pistazienbäumen auf, in größerer Höhe wachsen Wacholderbestände. In den Wüstenregionen des Südens finden sich Salzpflanzen, so genannte Halophyten. Auch finden sich Saxaulbäumchen, deren knorrige Äste Schuppenblätter ausbilden. An der Südostabdachung mit höheren Niederschlagsmengen gibt es kleinere Wälder (insgesamt sind nur rund 3 % der Landesfläche bewaldet), die vor allem aus Steineichen bestehen. In höheren Lagen besteht die größere Vegetation aus Himalajazedern und Tränenkiefern, ab 2 600 m folgen Fichten und Tannen, die über 3 000 m in Birkenbestände und Buschwerk übergehen. Tamarisken, Weiden und Pappeln finden sich vereinzelt an den Flussläufen. Eine Ausnahme ist im Becken von Jalabad zu finden: Hier gedeiht subtropische Vegetation in Form von Palmen, Feigenbäumen und Bambus.
Die einst zahlreichen großen Säugetierbestände im Land sind stark dezimiert. In den Gebirgsregionen leben noch Wölfe, Füchse und Schneeleoparden; Wildkatzen sind weit verbreitet. Im Hochgebirge leben Schraubenziegen (Markhor) und Steinböcke, hier finden sich auch Wildschafe (insbesondere das Marco-Polo-Schaf) und Braunbären. Kleinere Wirbeltiere sind Maulwürfe, Spitzmäuse, Igel und Fledermäuse. Beutevögel wie Geier und Adler gibt es in großer Zahl. Daneben leben Krähen, Rebhühner, Schnepfen, Pelikane, Kraniche, Wachteln und Fasane im Land. In den Steppenregionen leben Hyänen, Schakale, Gazellen und Wildhunde.
Bevölkerung
Afghanistan hat insgesamt rund 32 Millionen Einwohner. Größte Stadt ist die 3 500 Jahre alte Hauptstadt Kabul mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern. Zweitgrößte Stadt des Landes ist Kandahar im Süden Afghanistans mit 450 000 Einwohnern, das von Alexander dem Großen gegründete Herat im Nordwesten mit 350 000 Einwohnern sowie Mazar-e Sharif in Nord-Afghanistan, das ca. 300 000 Einwohner zählt und mit dem Grab des vierten Kalifen Ali ein Wallfahrtsort ist. (Auf Grund der starken Binnenmigration infolge des jahrzehntelangen Bürgerkriegs und den damit verbundenen millionenstarken Flüchtlingsströmen sind allerdings alle Angaben zu Bevölkerungszahlen stark schwankend.)
Die Bevölkerung Afghanistans setzt sich aus unterschiedlichen Ethnien und Sprachen zusammen. Die Paschtunen (früher auch Afghanen) sind das staatstragende Volk Afghanistans und bilden die größte Bevölkerungsgruppe (40 %). Sie zeichnen sich durch einen strengen Ehrenkodex aus. Zweitgrößte Gruppe sind die Tadschiken, die etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Usbeken (5 %) und Hesoren (15 %) sowie die Aimak sind weitere Minderheiten.
Amtssprachen sind Paschtu und Dari. Beide gehören zu den indoeuropäischen Sprachen. Daneben werden unter anderem Usbekisch, Turkmenisch und Kirgisisch gesprochen.
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (84 %) sind Moslems sunnitischer Ausprägung. Die Völker der Hesoren und Kisilbasch sind Schiiten. Auch kleine Minderheiten an Sikhs, Juden und Hindu leben im Land. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 44 Jahren, nur 36 % der Afghanen (21 % der Frauen) können lesen und schreiben.
Politisches System
Hamid Karzai (Übergangspremier seit Dezember 2001) wurde im Oktober 2004 durch reguläre Wahlen bestätigt. Am 16. Januar 2004 wurde eine neue Verfassung unterzeichnet, die ein Präsidialsystem mit einer starken Stellung des Staatsoberhaupts (zugleich Regierungschef) vorsieht. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt, seine Amtszeit ist auf maximal zwei Amtsperioden beschränkt.
Die gesetzgebende Gewalt besteht aus einem Parlament mit zwei Kammern (Nationalversammlung). Die Mitglieder des Unterhauses (Haus des Volkes, Wolesi Jirga; maximal 249 Sitze) werden direkt vom Volk gewählt - 68 Sitze sind für Frauen und zehn für die Nomaden-Minderheit der Kuchis reserviert -, die Mitglieder des Oberhauses (Haus der Älteren, Meschrano Jirga; 102 Sitze) durch Provinzräte bzw. vom Präsidenten ernannt (jeweils ein Drittel im Wechsel; Wahlperiode: vier Jahre). In seltenen Fällen kann der Präsident auch den Obersten Rat (Loya Jirga, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Nationalversammlung und Vertretern der Provinzen) konsultieren; dieser wiederum kann den Präsidenten anklagen.
Die Legislative besteht aus zwei Häusern: Wolesi Dschirga (Haus des Volkes), auf fünf Jahre gewählt, und Meschrano Dschirga (Haus der Älteren), auf vier Jahre gewählt. Afghanistan ist eine "Islamische Republik", Staatsreligion ist der Islam; kein Gesetz darf im Widerspruch zum Koran stehen. Männer und Frauen sind rechtlich gleichgestellt.
Parteien sind verboten und die Abgeordneten dürfen keine Verbindungen zu bewaffneten Organisationen haben.
Die Verwaltung ist in 34 Provinzen unterteilt.
Wirtschaft
Afghanistan ist ein sehr armes Land. Von 1979 bis 2001 haben die sowjetische Invasion, Bürgerkriege und schließlich die Angriffe durch US- und verbündete Truppen große Teile der Infrastruktur und der Produktionsanlagen zerstört. 2005 waren fast 200 000 der intern Vertriebenen noch nicht in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt. Die Mehrheit der Afghanen leidet an ungenügender medizinischer Versorgung, Lebensmittel und Wohnungen sind knapp. Die Versorgung der Bevölkerung wird weitgehend über internationale Hilfsorganisationen bewerkstelligt. Seit 2003 kam es infolge der politischen Stabilisierung und dem Ende einer langen Dürre zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, das BIP stieg um ca. 30 % an. Diese Steigerung ist v.a. auf den Bausektor zurückzuführen, da mit Hilfe von internationalen Organisationen Straßen, Tunnel etc. fertig gestellt werden konnten.
Rund 75 % der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Bewässerungsfeldbau war bis zum Krieg die wichtigste Anbauweise. Tierhaltung wird insbesondere in nomadischer Lebensweise vollzogen. Haupterzeugnisse der Landwirtschaft sind Weizen, Mais, Gerste, Reis, Baumwolle, Obst, Nüsse und Pistazien.
Besonders im Grenzgebiet zu Pakistan wird Mohn angebaut. Dieser Opiumanbau erreichte 2007 eine neue Rekordhöhe und stieg im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel auf 8200 Tonnen. Der Anteil Afghanistans an der Weltopiumproduktion beträgt damit etwa 93 %. Laut einem Bericht des UN-Drogenbüros und der Weltbank ist erwiesen, dass sich die Taliban durch die Drogenproduktion finanzieren, obwohl diese vormals als unislamisch verboten wurde. Auch der Drogentransithandel ist einer der wenigen profitablen Wirtschaftszweige. Erfolgen bei der Bekämpfung des Drogenanbaus im Norden und Nordwesten des Landes stehen Misserfolge in Zentralafghanistan und im Süden gegenüber. Den Bauern fehlen nach wie vor einträgliche Alternativen.
Steinkohle, Steinsalz, Lapislazuli zur Schmucksteinherstellung, Baryt und Talk sind die wichtigsten geförderten Rohstoffe. Es werden große Erdöl-, Eisen- und Kupfervorkommen vermutet, die jedoch bisher wenig erschlossen sind. Lediglich 10 % der Bevölkerung sind in der Industrie (Textilien, Seife, Dünger, Zement) und ebenso viele im dritten Wirtschaftssektor tätig.
Hauptausfuhrprodukte des Landes sind - neben Opium - Erdgas, Obst, Trockenfrüchte und Nüsse, Häute und Felle sowie Baumwolle, Wolle, Teppiche und Halbedelsteine. Eingeführt werden alle wichtigen Industriegüter, Maschinen, Fertigwaren, Mineralien, Öl, Nahrungsmittel und Textilien.
Afghanistan schuldet Drittstaaten, v.a. Russland, rund 8 Milliarden US-Dollar; derzeit befinden sich die Hilfsorganisationen aus 60 Ländern im Staat. Währung ist der Afghani (= 100 Puls).
Geschichte
Frühzeit und Mittelalter
Vor etwa 4000 Jahren ließen sich Indo-Arier in der afghanischen Region nieder, die ab dem 6. Jahrhundert v.Chr zum Perserreich der Achämeniden zählte. 329 eroberte Alexander der Große die Region. Wenige Jahrzehnte nach dem Beginn der christlichen Zeitrechnung wanderten aus China die buddhistischen Kushana ein und brachten einen Teil des heutigen Afghanistan unter ihre Herrschaft, indem sie das Reich der Kuschan begründeten. Ab Mitte des 5. Jahrhunderts n.Chr. herrschten die persischen Sassaniden. Mitte des 7. Jahrhunderts mussten sie sich den Angriffen der Araber ergeben, die das Land rasch islamisierten und bis zum Indus vordrangen.
Erst nach dreihundert Jahren gelang es dem muslimischen Sultan Mahmud von Ghazni, wieder ein eigenständiges Reich zu gründen: das Reich der Ghasnawiden. Der Westen ging im 11. Jahrhundert an die Seldschuken, der Süden im 12. Jahrhundert an die Ghuriden verloren. In den nächsten 300 Jahren gehörte Afghanistan verschiedenen mongolischen Reichen an. Der Westen wurde ab dem 16. Jahrhundert von persischen Safawiden beherrscht, der Osten wurde von Persien und dem Mogulreich gleichermaßen beansprucht, der Norden wurde von usbekischen Schaibaniden beherrscht.
Das 18. Jahrhundert
Am Anfang des 18. Jahrhunderts erhoben sich afghanische Stämme gegen die Safawiden. 1747 übernahm Ahmed Schah Durrani das unabhängige afgahnische Emirat und begründet damit die afghanische nationale Geschichte. Die Durrani-Dynastie blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein an der Macht. Von Kandahar aus, später von Kabul, bildete das Emirat bis 1810 ein einheitliches Staatsgebilde. Dann zerfiel es mit dem Tod von Mahmud Schah in einzelne Khanate und wurde im 19. Jahrhundert zum Streitobjekt zwischen Russland, das einen direkten Zugang zum Meer suchte, und Großbritannien, das seine Besitzung in Indien erweitern wollte. Bereits im späten 18. Jahrhundert hatten sich Belutschistan und Sind selbstständig gemacht, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen Kaschmir und das Pandschab verloren.
Unabhängigkeit in der Kolonialzeit
Im Jahr 1842 nahm der neue Herrscher Dost Mohammed Khan den Titel des Emirs von Kabul an. Die Konfrontation zwischen den beiden Hegemonialmächten Russland und Großbritannien stellte eine ambivalente Situation dar: Einerseits bedeutete es immer wieder Kriege auf afghanischem Territorium, andererseits verhinderte der Konflikt, dass Afghanistan im 19. Jahrhundert von einem der Länder eingenommen werden konnte.
In zwei Kriegen gegen Afghanistan versuchten die Briten 1839-42 und 1878-79 vergeblich, ihre Vorherrschaft festzuschreiben. Militärische Gesichtspunkte legten Ende des 19. Jahrhunderts die Grenzen zwischen Pakistan und Afghanistan fest, die ungefähr den heutigen entsprechen und die nach wie vor umstritten sind. Als Großbritannien in einem dritten Krieg eine Entscheidung suchte, konnten sich die Afghanen unter dem späteren König Emir Amanullah behaupten und errangen 1921 die volle Unabhängigkeit. Innere Reformen und wirtschaftliche und kulturelle Bemühungen des neuen Königs wurden aber bereits Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts von religiösen Fanatikern für einige Jahre unterbunden, bis 1932 eine behutsame Fortsetzung der Reformbemühungen unter Nadir Schah und seinen Nachkommen in Gang gesetzt wurden.
1953 bis 1979
1953 wurde ein Verwandter des Sohnes von Nadir Schah neuer Regierungschef Afghanistans. Diktatorisch regierend gelang ihm in den folgenden zehn Jahren eine weitere Modernisierung des Landes zwischen den weltpolitischen Blöcken USA und Sowjetunion. 1963 verstärkten sich die demokratischen Bemühungen durch die Neubesetzung des Regierungschefs, der erstmals nicht der königlichen Familie angehörte. 1964 rief König Sahir Schah eine neue Verfassung aus, die den Königsmitgliedern jegliches politisches Mitspracherecht versagte, und 1965 wurde ein Parlament in freien Wahlen gewählt.
Nach politischen Unruhen putschte 1973 das Militär unter Führung von Mohammed Daud Khan (der von 1953-63 Premierminister des Landes gewesen war). Daud Khan errichtete ein autoritär geführtes Regime und erklärte Afghanistan zur Republik. Fünf Jahre später verlor er bei einem Putschversuch sein Leben. Als Führer eines Revolutionsrates übernahm Nur Mohammed Taraki die Macht, setzte die Verfassung außer Kraft und ging mit großer Brutalität gegen jegliche Opposition vor. Zugleich führte er eine Bodenreform durch und unterzeichnete einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion. In den Bergregionen Afghanistans bildeten sich Gruppen von muslimischen Widerstandskämpfern, die sich "Streiter Gottes", Mujahedin nannten. Taraki ließ daraufhin zahlreiche Bergdörfer bombardieren.
Intervention der Sowjetunion
1979 wurde Taraki von seinem Außenminister Hafisollah Amin gestürzt, dessen prowestlicher Kurs dazu führte, dass Ende Dezember 1979 sowjetische Truppen einmarschierten und Hafisollah Amin töteten. Als neues Staatsoberhaupt wurde der Kommunist Babrak Karmal eingesetzt.
In den folgenden Jahren flohen Millionen von Menschen über die Berge in den Iran und nach Pakistan. Die Mudschaheddin, die vom Westen unterstützt wurden, leisteten den sowjetischen Truppen erbitterten Widerstand, schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen kamen im Bürgerkrieg um, 1,7 Millionen wurden durch Minen verletzt. Auch unter Karmals Nachfolger, Mohammed Nadschibullah (ab 1986), gingen die Auseinandersetzungen weiter. Knapp zehn Jahre nach der Intervention, Anfang 1989, verließen die letzten sowjetischen Truppen Afghanistan, doch die Kämpfe zwischen den Mudschaheddin und den Regierungstruppen hielten unvermindert an.
Die Taliban
Im April 1992 gelang es den Mudschaheddin-Verbänden unter Ahmed Schah Massud, in Kabul einzumarschieren und die kommunistische Regierung von Nadschibullah zu stürzen. Der Bürgerkrieg wurde für beendet erklärt. Eine Übergangsregierung aus Fundamentalisten, Gemäßigten und Traditionalisten führte die islamische Rechtsprechung ein.
Nachdem der gemeinsame Feind überwunden war, brach die in sich uneinheitliche Mudschaheddin-Bewegung in kleinere Gruppierungen auseinander, die sich gegenseitig bekämpften. 1994 griffen die radikal-muslimischen Taliban-Milizen in die Auseinandersetzungen ein. Sie kontrollierten 1996 zwei Drittel Afghanistans sowie Kabul und begannen, einen streng islamischen Staat in den von ihnen kontrollierten Regionen zu errichten. Gemäß der Scharia, dem islamischen Sittengesetz, wurde ein Arbeits- und Ausbildungsverbot für Mädchen und Frauen erlassen (1997).
Im Oktober 1997 riefen die Taliban das Islamische Emirat Afghanistan aus. Eine mögliche Ausweitung des inneren Konflikts wurde 1998 durch UN-Vermittlung verhindert. Als 1999 der in Afghanistan lebende Multimillionär Osama Bin Laden in einem Interview die Beteiligung an einen Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi zugab, bei der 253 Menschen getötet und über 5 000 verletzt wurden, verhängten die USA Sanktionen gegen das Land, wenige Monate später folgten Sanktionen der UN, kurz darauf stellte nach eigenem Bekunden auch Pakistan die finanzielle und militärische Unterstützung der Taliban ein. Auch mit Russland, das der afghanischen Regierung vorwarf, die Rebellen in Tschetschenien militärisch zu unterstützen, geriet das Land in Konflikt.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends war die Taliban-Regierung, die etwa 90 % der Staatsfläche kontrollierte, außer von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von keinem Staat der Erde anerkannt. Angebote über Verhandlungen, die von der afghanischen Exil-Regierung in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe gemacht wurden, lehnte die Taliban-Regierung strikt ab. Um die schlechte Lage der Zivilbevölkerung zu verbessern, die zusätzlich von den Folgen der schwersten Dürre seit 30 Jahren betroffen war, wurden umfangreiche Nahrungsmittel-Lieferungen ins Land gebracht. Anfang 2001 ließ die Taliban-Regierung monumentale Buddhastatuen in Bamian sprengen, um das islamische Postulat der Bildlosigkeit der Gottesdarstellung zu bestärken. Diese Aktion stieß auf weltweite Empörung.
Nach einer Reihe von Attentaten auf die USA am 11. September 2001 (unter anderem Zerstörung des World Trade Centers mit Tausenden von Todesopfern) forderte die US-Regierung die Taliban erneut auf, den als Drahtzieher verdächtigten Osama Bin Laden auszuliefern. Die Taliban-Regierung erklärte jedoch, Bin Laden sei für sie außer Reichweite. Daraufhin griffen die USA und ihre NATO-Verbündeten Afghanistan im Oktober 2001 an. Nach der Vertreibung der Taliban-Regierung aus Kabul und Kandahar wurde im Dezember 2001 eine Übergangsregierung vereidigt, außerdem wurde eine internationale Friedenstruppe stationiert. Im Juni 2002 wurde Übergangspremier Hamid Karzai zum Interims-Präsidenten ernannt; seine Regierung leitete demokratische Wahlen in die Wege.
Die Islamische Republik
Im Januar 2004 wurde von der Loya Jirga eine neue Verfassung verabschiedet, die ein Präsidialsystem mit einer starken Stellung des Staatsoberhaupts vorsieht. Afghanistan ist damit eine "Islamische Republik", Staatsreligion ist der Islam. Hamid Karzai wurde im Oktober 2004 durch reguläre Wahlen bestätigt. Die erste Wahl des Parlaments fand am 18. September 2005 statt. Aus Angst vor Anschlägen der Taliban lag die Wahlbeteilung bei dieser ersten Parlamentswahl nur bei etwa 54 %. Es sind weiterhin Tausende NATO- bzw. ISAF-Soldaten im Land, um die politische Stabilität zu gewähren. Die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF ist eine Sicherheits- und Aufbaumission unter NATO-Führung in Afghanistan.
In den vergangenen Jahren hat sich die Lage nach anfänglichen Erfolgen der NATO- bzw. ISAF-Truppen erneut verschlechtert, die Selbstmordanschläge nehmen zu, die Taliban kontrollieren wieder größere Landesteile im Süden des Landes an der nur schwer zu überwachenden Grenze zu Pakistan. Zwischen den an der ISAF-Mission beteiligten Staaten kam es zu Meinungsverschiedenheiten über Ausmaß und Ort (aufgrund der regional unterschiedlichen Gefahrenlage) ihres Engagements. Auch gegen den weiter zunehmenden Opiumanbau findet der Staat nach wie vor kein Mittel.
Kunst
Verbindungsglied zwischen den Kulturen Indiens und Mesopotamiens schon in der Vorgeschichte (keramische Funde); typisch für den griechisch-buddhistischen Stil sind die Ausgrabungen des Klosters Schotorak (gesamte Anlage mit Gebäuden, Höfen und Stupas, mit Buddha-Darstellungen, Reliefs, 2. Jh., Museum von Kabul); das Felsenheiligtum von Bamian (3.-7. Jh.), meist Mönchszellen, künstliche Höhlen und zwei riesige Buddha-Statuen, ist iranisch-buddhistischen Stils. Die beiden Statuen wurden im März 2001 von der afghanischen fundamentalistischen Taliban-Regierung gesprengt, weil sie nach Ansicht der Taliban nicht mit dem islamischen Glauben vereinbar waren.
Zur islamischen Kunst zählen z.B. die beiden Minarette von Ghazni (12. Jh.) und die prunkvollste Moschee Afghanistans, die Grabmoschee des Kalifen Ali in Mazar-i-Sharif (spätes 15. Jh.). Die religiösen Holzschnitzereien aus Nuristan sind ein gesonderter Bereich der afghanischen Kunst.
Weblinks
| Da Afghānistān Islāmī Dschomhoriyat (Paschtu)
Dschomhuri-ye Eslāmi-ye Afghānestān (Persisch) | |
|---|---|
| Amtssprache | Paschtu, Persisch |
| Hauptstadt | Kabul |
| Staatsform | Präsidialsystem mit starker Stellung des Staatsoberhaupts |
| Fläche | 652.090 km² |
| Einwohner | 29.930.000 |
| Währung | Afghani |
| Zeitzone | UTC +4,5 |
| KFZ-Kennzeichen | AFG |
| Internet-TLD | .af |
| Telefonvorwahl | 0093 |