Afrika (Geschichte)

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Inhaltsverzeichnis

Von der Vorzeit bis zum Mittelalter

Vorzeit

Urmenschenfunde bei Oran (Algerien), Casablanca und Rabat (Marokko), Broken Hill (Simbabwe), Soldanha (Südafrika), Oldoway (Kenia), z.T. mit dem Javamenschen verwandt; Kulturreste liegen aus der frühen bis späten Altsteinzeit vor. Im Allgemeinen die gleichen Stufen von der Faustkeil- zur Klingenkultur wie in Europa. In Nordafrika, Tunesien, Algerien, Marokko mit Ausläufern zum Niger und Nil im Übergang zur Jungsteinzeit ausgeprägt die Capsienkultur; der Mensch dieser Zeit gleicht dem europäischen Cro-Magnon-Menschen, Wechselbeziehungen zur gleichzeitigen Kulturwelt der Pyrenäenhalbinsel und Siziliens sind sicher; der Capsien-Mensch kannte keine Beile, er fertigte Gefäße aus Straußeneiern mit Ritzornamenten an; er bewohnte auch die damals noch vegetations- und tierreiche Sahara (Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Warzenschweine, Giraffen, Hirsche, Rinder, die er auf Felsen zeichnete oder farbig ausmalte); seit dem 5. Jt. v.Chr. allmähliche Verbreitung des Ackerbaus. Die Zeitfolge der Verbreitung und die Wanderbewegungen der heutigen Rassen sind unsicher; als Altrassen gelten in der Regenwaldzone die hell- bis gelbhäutigen, kleinwüchsigen Pygmäen, die einst viel weiter verbreitet waren und heute noch steinzeitlich leben; den Altrassen gehören ebenfalls an die mittelwüchsigen Buschmänner im Süden, deren Felszeichnungen Beziehungen zur Spanien- und Sahara-Felskunst aufzuweisen scheinen, und die hochwüchsigen Hottentottenvölker im Süden und Südwesten. Auf Madagaskar wurden schon früh die Altstämme von indonesischen Einwanderern überlagert. Spät verbreiteten sich, wahrscheinlich aus ihrem Kerngebiet um die großen ostafrikanischen Seen, die braun- bis sehr dunkelhäutigen Völker über den Kontinent, vermischten sich mit früheren Völkern, nahmen neue Lebensformen an und wurden wieder sesshaft; der Norden war Wohngebiet mittelmeerischer, äthiopischer (osthamitischer), berberischer Völker; erst der Sklavenhandel der Araber brachte Afrikaner in großer Zahl an die Nordküste; die Europäisierung setzte bereits in der frühen Antike ein.

Altertum

Afrikanische Metallskulptur aus dem 17. Jhd; Kopf eines Kriegers

Afrika wurde im Altertum zunächst als Teil Asiens angesehen (zu dem auch Ägypten gerechnet wurde).

In der Niloase erste Reichsgründung um 3000 v.Chr. (noch steinzeitliche Kultur); seit etwa 1200 v.Chr. phönizisch-semitische Handelskolonien entlang der Nordküste, besonders im heutigen Tunesien (Karthago, Phöniker), Ausbildung libyscher und berberischer Lebensformen; um 800 v.Chr. Gründung des Reiches Kusch im mittleren Sudan; um 700 v.Chr. im äthiopischen Hochland Anfänge des späteren Reiches von Aksum; um 600 v.Chr. vermutlich erste Umseglung Afrikas durch die Phöniker vom Roten Meer aus, Rückkehr durch die Straße von Gibraltar; im 6. Jh. v.Chr. Fahrten des Hanno, vielleicht bis zum Kamerunberg, des Kolonialgriechen Euthymenes wahrscheinlich bis zur Senegalmündung.

146 v.Chr. wurde das Gebiet um das (zerstörte) Karthago als "Africa" römische Provinz. 30 v.Chr. kam Ägypten hinzu, 42 n.Chr. Mauretanien. Um 20 v.Chr. drang Cornelius Balbus in Libyen vor (bis Fezzan?), um 25 v.Chr. C. Petronius bis Nubien, 41/42 n.Chr. Suetonius Claudius ins Atlasgebirge, bald danach römische Zenturionen bis zu den Nilsümpfen.

Zeitenwende

Um die Zeitwende scheint eine neue große Völkerbewegung von Zentralafrika ausgegangen zu sein, deren Stämme bereits Eisen fördern und schmelzen konnten und im Besitz besserer Waffen waren; sie breiteten sich vor allem in bisherigen Leerräumen aus; unter ihnen vermutlich auch die Stammesgruppen der Bantus. Anfang des 2. Jh.s soll der Römer Julius Maternus den Tschadsee erreicht haben. Im 7. Jh. stießen die Araber bis zur Westküste Nordafrikas vor und besiedelten im 10. Jh. die Ostküste, wohin schon früh chinesische Handelsfahrten führten (Porzellanfunde in Tansania).

Mittelalter

lm Mittelalter blühten zahlreiche Königreiche und Kulturen, besonders im Sudangürtel und im Nigergebiet. Das Christentum behauptete sich nur in Äthiopien und im koptischen Ägypten. Seit dem 16. Jh. geriet Nordafrika unter türkische Herrschaft oder Oberhoheit.

Entdeckungsgeschichte seit dem Mittelalter

Um die Mitte des 14. Jh.s berührten Italiener Madeira und Azoren, die aber erst im 15. Jh., dem Zeitalter der Entdeckungen, wirklich bekannt wurden. 1402 erreichte der Normanne Bethencourt die Kanarischen Inseln. Die Erschließung der Westküste war ein Werk der Portugiesen (1446 Cap Verde umfahren, 1456 Goldküste, 1471 Guineaküste entdeckt, 1486 Kongomündung erreicht); 1487 umschiffte Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung, 1497/98 fand Vasco da Gama von dort den Seeweg nach Ostindien.

Mit der Erforschung lnnerafrikas begannen 1788 die Engländer, sie wurde gefördert durch "Afrika-Gesellschaften" (1788 London, 1873 Berlin, 1876 Brüssel) und vorangetrieben durch die Kolonialpolitik der europäischen Mächte, in großen Zügen erst 1900 abgeschlossen.

Kolonialzeit

Große Moschee in Ghana

Der Erforschung folgte die Aufteilung Afrikas, die Ende des 19. Jh.s in ein Wettrennen nach Kolonien ausartete und Afrika zum Hauptschauplatz der imperialistischen Konflikte machte. Bis dahin hatten die seefahrenden Nationen nur befestigte Stützpunkte zur Sicherung des Seeweges nach Ostindien (Portugiesen: Mosambik, Angola) oder für den Sklavenhandel angelegt. Eine Ausnahme war Kapland, das 1652 den Spaniern von den Holländern entrissen und zur Siedlungskolonie ausgebaut wurde. Den Auftakt zur Kolonialpolitik neuen Stils bildete die Eroberung Algeriens durch Frankreich; 1880 stellte der französische Ministerpräsident Ferry ein großes koloniales Aktionsprogramm auf und verwirklichte es mithilfe des Generals Faidherbes: 1881-1883 wurde durch Verträge das Protektorat über Tunis errichtet, durch Expansion in Westafrika wurde Algier mit Senegambien und Gabun verschmolzen zu einem riesigen, mit dem Mutterland unmittelbar verbundenen Kolonialreich. In Ägypten war England zuvorgekommen (1882), nachdem bereits 1806 die Kapkolonie erobert worden war; seit den 80er Jahren propagierte Cecil Rhodes den Zusammenschluss aller britischen Afrika-Besitzungen durch die Verbindung "Von Kapstadt nach Kairo". 1898 Zusammenstoß mit Frankreich im Sudan (Faschoda-Krise), französischen West-Ost-Vorstoß gegen den oberen Nil abgebrochen. England blieb Herr des Sudans und unterwarf 1900-1902 die Burenrepubliken Oranje und Transvaal (1910 mit Kapland und Natal zur Dominion Südafrikanischen Union zusammengeschlossen). Belgien erwarb den Kongostaat durch Initiative König Leopolds II. (1885). Im Norden Interessenkonflikte Frankreichs mit Italien um Tunis (1881), mit Deutschland um Marokko (1905/06 und 1911; Marokko).

Entstehung unabhängiger Staaten

Deutschland verlor durch den Ersten Weltkrieg seine Besitzungen (Erwerbungen: 1884 Deutsch-Südwest-Afrika, Togo, Kamerun; 1885 Deutsch-Ost-Afrika, führender Kolonialpionier: Peters); ebenso verlor Italien seine Kolonien (erworben: 1889 Eritrea, Somaliland; 1912 Tripolis und Cyrenaika = Libyen; 1936 Abessinien) durch den Zweiten Weltkrieg. Die Auflösung der britischen, französischen, spanischen und portugiesischen Kolonialreiche nach dem Zweiten Weltkrieg ließ zahlreiche selbstständige Staaten entstehen.

Seit der Bildung national unabhängiger Staaten wird verstärkt die archäologische und historische Erforschung der voreuropäischen Geschichte Afrikas fortgesetzt. Zum Problem wurde der Besitz der neuen Rohstoffgebiete der Sahara, der Hinterländer Marokkos und Tunesiens; Gegensätze bestehen nicht nur zwischen Afrikanern und Indern, Muslimen und den Gläubigen einheimischer Kulte, zwischen Christen und Nichtchristen und Schwarz- und Weißafrika, sondern auch zwischen der panafrikanischen und panarabischen Bewegung, den Vertretern der panafrikanischen und der nationalstaatlichen Ideen, des Föderalismus und Zentralismus, der demokratischen und autokratischen Regierungsformen, den Fortschrittlern und Traditionalisten, den unterentwickelten und agrarstarken oder industrialisierten Gebieten.