Amerika

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Der Kontinent ist nach dem Florentiner Seefahrer Amerigo Vespucci benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Mit 43 Millionen km² der zweitgrößte Erdteil. Amerika hat rund 887 Millionen Einwohner. Der Kontinent besteht aus den zwischen dem Atlantik und dem Pazifik gelegenen Landmassen und erstreckt sich von Cap Murchizon (Halbinsel Botthia Felix), 72° nördlicher Breite, bis zum Cap Forward in Patagonien, 54° südlicher Breite. Nach seiner Gestalt kann man Amerika als zwei Kontinente betrachten: Nord- und Südamerika - Mittelamerika bildet die Brücke zwischen beiden. Mit einer Länge von 15 000 km erstreckt sich Amerika durch vier Klimazonen. Von allen Kontinenten reicht es am weitesten nach Süden. Von Norden nach Süden ist Amerika von dem Kordilleren-Gebirge durchzogen.

Vorkolumbische Geschichte

Amerika ist vermutlich ursprünglich ein "menschenleerer" Kontinent gewesen. Erste Einwanderung (Jäger und Sammler) aus dem asiatischen Sibirien über die damals noch festländische oder vereiste Beringstraße ist seit etwa 15 000 v.Chr. (vielleicht schon früher) nachweisbar. Es gab auch Einwanderung über den Stillen Ozean, von Südasien her, über die pazifische Inselwelt. Kulturstufe der Mittelsteinzeit vermutlich seit 10 000 bis 2500 v.Chr.; früheste bekannte Menschenfunde: Fischgrätenhöhle bei Reno (Nevada) um 9500 v.Chr. und Santa-Rosa-Insel (kalifornische Küste) um 8000 v.Chr.; allmählicher Übergang zu sesshafter Lebensweise (steinzeitliche Talkulturen, Anfänge der Keramik), Besiedlung des ganzen Doppelkontinents bis Südpatagonien. Weitere Einwanderungswellen aus Südostasien über den Stillen Ozean, beginnend wahrscheinlich gegen Ende des 3. Jh.s v.Chr. Auch weiterhin Einsickern nomadisierender Jägervölker aus Sibirien, die aber meist im Norden des Kontinents blieben. Jäger, Sammler und Pflanzer entwickelten Hochkulturen, besonders in Mittelamerika und im Hochland von Peru. Aufnahme des Landbaus, später vor allem Maiskultur. Kulturzentrum war Mexiko mit der Teotihuacan-Kultur, davon stark beeinflusst das Reich der aus Nordamerika in Mexiko einbrechenden Tolteken (5./6. Jh. n.Chr.) und die Mayastaaten in Guatemala, San Salvador und auf der Halbinsel Yucatán. Im 13./15. Jh. n.Chr. bildete sich auf dem mexikanischen Hochland das Reich der kriegerischen Azteken, der Nachfolger der Tolteken. In Peru seit 1200 das Inkareich, Höhepunkt im 15. Jh. n.Chr.

Entdeckungsgeschichte vor Kolumbus

Um 1000 landeten zum ersten Male Europäer an der Atlantikküste Amerikas: 981 Entdeckung Grönlands durch den Wikinger Erik den Roten; 985 n.Chr. sichtete der Isländer Bjarni, durch Stürme vom Kurs nach dem von Erik dem Roten besiedelten Grönland abgetrieben, die Küste von Nordamerika; Leif, der Sohn Eriks, und dessen Bruder landeten in "Helluland" (wahrscheinlich Labrador), "Markland" (wahrscheinlich Neuschottland oder Neufundland) und "Vinland hit goda" = das gute Weinland, d.h. wahrscheinlich südlich des St.-Lorenz-Golfs. Daueransiedlung aber durch Indianerüberfälle unmöglich, immerhin noch Schiffsverbindung bis zum 14. Jh.; später Kenntnisse von Amerika in Europa bis Kolumbus fast ganz verloren gegangen.

Kolumbus und nachkolumbische Geschichte

Nach Sperrung der alten West-Ost-Handelswege von Europa nach Indien durch die Türken Suche nach neuen Seewegen zu den Reichtümern Ostasiens, vor allem durch Portugal und Spanien; die Erkenntnis von der Kugelgestalt der Erde führte zu Versuchen, Indien auf dem Westweg über den Atlantik zu erreichen. Als Erster landete der Genuese Christoph Kolumbus (in spanischen Diensten) 1492 auf Guanahani, einer der Bahama-Inseln, in der Annahme, Indien von Westen her erreicht zu haben ("Westindien"), entdeckte Kuba, Haiti ("Hispaniola"); Entdeckungen 1493 bis 1496: die Kleinen Antillen, Jamaika, Puerto Rico; Entdeckungen 1498: die Nordküste Südamerikas; Entdeckungen 1502 bis 1504: die Küste Mittelamerikas. 1497/98 erreichte der Venezianer Caboto Neufundland, die Cap-Breton-Insel, den St.-Lorenz-Golf bis zur Hudsonmündung, Entdeckung Kolumbiens (1499) und der La-Plata-Länder (1518); 1513 gelangte Balboa über den Isthmus von Darien (Panama) und sichtete die Südsee, den Stillen Ozean; im selben Jahr landete Juan Ponce de Leon in Florida. Dias de Solis erkundete 1515/16 die Ostküste Südamerikas; 1517 durchforschte Hernandez de Cordoba Yucatán (Maya-Kultur). Entscheidender Fortschritt: Magellan umsegelte 1519/20 als erster Südamerika (Straße nach ihm benannt) und durchquerte den Stillen Ozean.

Den Entdeckungen folgten Eroberungen, Zeit der Konquistadoren: Nach der Erkundung der mexikanischen Küste (1518) wurde 1519 bis 1521 Mexiko von Cortes erobert, die Kulturen der Azteken wurden vernichtet. Nicaragua wurde von Gil Gonzales de Avila entdeckt (1522). Die Welser erschlossen Venezuela, das ihnen Kaiser Karl V. 1527 verpfändete. Pizarro eroberte 1531 bis 1536 das Inkareich (Peru), Almagro, dessen Rivale, Chile, Paraguay und Bolivien (1535 bis 1537). Gleichzeitig mit dem spanischen Kolonialreich entwickelte sich ein portugiesischer Kolonialbesitz. Grundlage für die Abgrenzung der beiden rivalisierenden Kolonialmächte war die Demarkationslinie, von Papst Alexander VI. auf Wunsch des spanischen Königs Ferdinand 1493 festgelegt und durch den spanisch-portugiesischen Vertrag von Tordesillas 1494 bestätigt (21. Grad als Grenzlinie, die aber fehlerhaft festgelegt wurde, so dass Brasilien portugiesisch, Argentinien, Mexiko usw. spanisch wurden). Brasilien von Cabral als Erstem betreten, wurde seit 1530 von Portugiesen kolonisiert; die erste Einfuhr von Sklaven aus Afrika 1574 (in Mittelamerika bereits 1502).

Weitere Erfolge der Entdeckungsfahrten: Um eine Nordwestpassage zu erschließen, fuhr Frobisher 1576-1578 entlang der Küste Labradors bis zur Hudsonbai, fand John Davis 1585-1587 die nach ihm benannte Davisstraße (zwischen Grönland und Baffinsland); 1607 gelang Hudson die nordöstliche Einfahrt in das Polarmeer zwischen Spitzbergen und Grönland; 1725-1728 segelte Vitus Bering östlich durch die nach ihm benannte polare Meeresstraße, die Amerika von Asien trennt.

Erst im 16./17. Jh. traten England und Frankreich in der Neuen Welt als Kolonisatoren auf, Frankreich in Kanada und im Mississippi-Gebiet, England an der Atlantikküste, wo die "Neuenglandstaaten" entstanden; erste englische Kolonie Virginia (1607), Landung der Mayflower in Plymouth (1620); Neuenglandkolonien: Massachusetts (1630), Providence und Rhode Island, Connecticut, New Maren, New Hampshire, Maine, New Jersey, Pennsylvania, Maryland, Carolina und Georgia. Frankreich machte schon im 16. Jh. Versuche mit kolonialen Niederlassungen, die sich indes nicht hielten: 1541 Cartiers Kolonie bei Quebec, Colignys Hugenottensiedlung in Florida. Im Zuge der Kolonialpolitik Richelieus mehrere Gründungen: Port Royal in Akadien (1604), Quebec, Three Rivers und Montreal in Kanada (in der ersten Hälfte des 17. Jh.s); 1682 das große Gebiet beiderseits des Mississippi: Louisiana; ferner Handelsplätze auf Martinique, Guadeloupe und Barthelemy. Die Niederlande gründeten 1626 auf der Insel Manhattan Neu-Amsterdam (später New York). Die Rivalität zwischen England und Frankreich verursachte dauernde Kämpfe auch im kolonialen Amerika: 1629 Kanada vorübergehend in englischem Besitz, im Utrechter Frieden 1713 verlor Frankreich Akadien, Neufundland und die Hudsonbai an England. Die Entscheidung fiel im Kolonialkrieg, gleichzeitig mit dem Siebenjährigen Krieg, aus dem England siegreich als größte Kolonialmacht hervorging: Die französischen Truppen, vom Mutterland nicht genügend unterstützt, unterlagen den englischen; 1759 Eroberung Quebecs nach einem nächtlichen Überraschungsangriff des englischen Heeres. Der Friede von Paris (1763) sprach Kanada den Engländern zu, Louisiana wurde spanisch. 12 Jahre später Aufstand der 13 englischen Kolonien 1775, der zum Krieg mit dem Mutterland (Unabhängigkeitskrieg) und zur Gründung der Vereinigten Staaten von Nordamerika führte. Nur Kanada blieb britische Kolonie. In der ersten Hälfte des 19. Jh.s machte sich auch das spanische und portugiesische Südamerika unabhängig: Entstehung der selbstständigen Staaten Lateinamerikas. Die europäische Kolonialpolitik auf dem amerikanischen Kontinent war damit bis auf kleine Reste beendet.

Die machtpolitische Überlegenheit der Vereinigten Staaten von Nordamerika (USA) beherrschte von jetzt ab (wirtschaftlich und in zweiter Linie erst politisch) den Doppelkontinent: bis 1927 in der Form des Imperialismus, dann durch eine Politik des "guten Nachbarn" weiter auf dem Weg einer staatlichen "Dollardiplomatie". Im Zweiten Weltkrieg traten fast alle lateinamerikanischen Staaten an der Seite der Vereinigten Staaten in den Krieg. 1948 entstand in Bogotá unter der Führung der USA die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Kennzeichnend für das Verhältnis der USA zu den Staaten Lateinamerikas ist das gegenseitige wirtschaftliche Interesse und das Bemühen, die Ausbreitung des Kommunismus in den von sozialen und politischen Unruhen geprägten Ländern Lateinamerikas zu verhindern.