Angola Geschichte

Aus Länder-Lexikon.de

Anfänge

Ab dem 6. Jh. n.Chr. ließen sich auf dem Staatsgebiet des heutigen Angola verschiedene Bantuvölker nieder. Sie vertrieben die ursprünglich ansässigen "Buschmänner" (San). Ab 1400 gehörten nördliche Teile des Gebietes zum großen Königreich Kongo.

Kolonialzeit

Gegen Ende des 15. Jh.s begannen portugiesische Seefahrer mit der Erkundung des Landes von der Mündung des Kongo aus. Sie errichteten Handelsniederlassungen entlang der Küste und christianisierten im Laufe der Zeit die Bevölkerung, mit der rege Handelsbeziehungen aufgenommen wurden. Ein Haupthandelsgut waren schwarze Sklaven aus dem Landesinneren, die von den Portugiesen vor allem nach Südamerika verschifft wurden (bis Mitte des 19. Jh.s rund zwei Millionen Menschen). 1575 wurde der Militärstützpunkt Luanda gegründet, die heutige Hauptstadt Angolas. Bei der Eroberung des Hinterlandes stießen die Portugiesen auf erbitterte Widerstände bei der einheimischen Bevölkerung, die bis ins 19. Jh. hinein nicht ganz unterworfen wurde.

Mitte des 19. Jh.s wurde der Sklavenhandel international verboten, die portugiesischen Kolonialherren (1653 wurde das Gebiet des heutigen Angola zur Kolonie erklärt) begannen mit dem Anbau von Kaffee und Zuckerrohr. Für die Arbeit auf den Plantagen wurden Angolaner zwangsverpflichtet. Das Gebiet der heutigen Provinz Cabinda im Norden des Landes (heute durch einen schmalen Landstreifen der Demokratischen Republik Kongo vom übrigen angolanischen Staatsgebiet getrennt) wurde von den Portugiesen 1883 in Besitz genommen. 1885 wurden auf der Kongo-Konferenz in Berlin die Grenzen der portugiesischen Kolonie Angola und der Exklave Cabinda festgelegt und von den europäischen Mächten anerkannt.

1951 erklärte das Mutterland Portugal Angola zur überseeischen Provinz mit beschränkter innerer Selbstverwaltung, um dem Druck der wachsenden Unabhängigkeitsbewegungen der afrikanischen Bevölkerung zu begegnen. Doch nur Weiße und eine kleine Anzahl von Angolanern, die unter bestimmten Voraussetzungen das portugiesische Bürgerrecht erlangten, konnten am politischen Leben aktiv teilnehmen, der Großteil der schwarzen Bevölkerung galt als unterprivilegiert. Daraufhin entstanden mehrere Unabhängigkeitsbewegungen, die sich 1953 zur "Movimento Popular de Libertação de Angola" (MPLA, Volksbewegung zur Befreiung Angolas) zusammenschlossen und eine Loslösung von Portugal forderten. Auf die Unterdrückungsmaßnahmen der portugiesischen Regierung folgten Anfang der 60er Jahre mehrere Streikwellen und Unruhen, die vom portugiesischen Militär niedergeschlagen wurden (geschätzte Zahl der Toten: 10 000 bis 50 000 Menschen). Maßnahmen wie die Abschaffung der Zwangsarbeit und die theoretische Gewährung des portugiesischen Bürgerrechts für alle Angolaner (nicht aber für Analphabeten) konnten nicht verhindern, dass 1962 die "Nationale Front zur Befreiung Angolas" (FNLA, Frente Nacional de Libertação de Angola) entstand, die auf dem Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo eine Exilregierung bildete. Eine weitere Unabhängigkeitsbewegung ("União Nacional para a Independência Total de Angola", UNITA, Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas) nahm 1966 in Angola den bewaffneten Kampf gegen die Portugiesen auf.

Unabhängige Republik

Nach dem Ende der Diktatur 1974 in Portugal ("Nelkenrevolution") beschlossen die drei maßgeblichen angolanischen Unabhängigkeitsgruppierungen MPLA, FNLA und UNITA gemeinsam mit der neuen portugiesischen Regierung die Unabhängigkeit Angolas. Doch die Gegensätze zwischen den Befreiungsbewegungen (die kommunistisch orientierte MPLA wurde durch die Sowjetunion und Kuba unterstützt, die pro-westlich gesinnte FNLA und UNITA erhielten militärische Hilfe von den USA, Portugal und Südafrika) führten zu schweren Machtkämpfen innerhalb des Landes. Die Truppen der MPLA übernahmen 1976 die Kontrolle über Angola und etablieren ein Einparteiensystem in der Volksrepublik Angola. Die FNLA und die UNITA agierten weiterhin von den umliegenden Ländern aus, bis 1994 kamen bei diesem Bürgerkrieg schätzungsweise bis zu einer Million Menschen ums Leben, Hunderttausende flüchteten aus Angola.

1980 gehörte Angola (zusammen mit Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Swasiland und Tansania) zu den Gründungsmitgliedern der "Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika" (SADC, Southern African Development Community), deren Ziel die engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten im südlichen Afrika war. 1988 kam es nach langen Friedensverhandlungen unter amerikanischer Führung zwischen Angola, Südafrika und Kuba zu einem Beschluss, der den Abzug der kubanischen Truppen bis Mitte 1991 vorsah (und gleichzeitig den Abzug südafrikanischer Truppen aus Namibia).

Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989 führte auch in Angola zu einer Wende in der Politik. Der amtierende Staatschef José Eduardo dos Santos (seit 1979, MPLA) kündigte weitreichende Reformen an. 1991 wurde ein Friedensabkommen zwischen der in Angola regierenden MPLA und der Widerstandsbewegung UNITA unterzeichnet, das die Einführung des Mehrparteiensystems und der freien Marktwirtschaft vorsah. 1992 fanden die ersten freien Mehrparteienwahlen in Angola statt (seit 1975, als eine Übergangsregierung gewählt worden war). Die Vertreter der MPLA und die amtierende Regierung Santos konnte die Mehrheit der Stimmen erlangen, doch der Führer der UNITA, Konas Savimbi, erkannte das Wahlergebnis nicht an. Der Bürgerkrieg flammte erneut auf, 1993 kontrollierten die Truppen der UNITA annähernd zwei Drittel des Staatsgebiets Angolas. Friedensverhandlungen scheiterten wiederholt, daraufhin stellten die USA ihre Unterstützung für die UNITA ein und erkannte die Regierung von José Eduardo dos Santos an.

Im November 1994 kam es zum Abschluss eines erneuten Friedensvertrages (Friedensprotokoll von Lusaka) zwischen der regierenden MPLA und der UNITA. Beide Führungen stimmten ein Jahr später der Stationierung einer 7 000 Mann starken UN-Friedenstruppe zu, die die schrittweise Entwaffnung der UNITA-Rebellen überwachen und mit der Beseitung der zahllosen Landminen (geschätzt: neun bis 15 Millionen) beginnen sollte, die täglich Opfer bei der Zivilbevölkerung forderten. Neben der unzureichenden Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und Trinkwasser hatten sich im ganzen Land zahlreiche Infektionskrankheiten ausgebreitet, die eigentlich kostenlose medizinische Versorgung konnte aufgrund der vollkommen zerstörten Infrastruktur nicht mehr greifen.

Auch in den folgenden Jahren kam es zu keiner Befriedung der Lage in Angola. Angebote zu einer gemeinsamen "Regierung der Nationalen Einheit und Versöhnung" (GURN) aus MPLA und UNITA, bei der der Führer der Rebellenorganisation Jonas Savimbi das Amt des Vizepräsidenten übernehmen sollte, wurden von der UNITA wiederholt zurückgewiesen. 1997 lenkte die UNITA ein und es kam zur ersten Bildung der GURN-Regierung, insgesamt stellte die Organisation vier Minister und sieben stellvertretende Minister. Jonas Savimbi erhielt einen Sonderstatus zugesprochen ("Führer der größten Oppositionspartei" und "Berater des Präsidenten"). Ungeachtet dessen kam es 1998 erneut zum Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen UNITA und Regierungstruppen im Norden des Landes (hier liegt ein Großteil der Diamantenminen, mit denen die UNITA ihre Organisation finanziert). Daraufhin verschärfte der Weltsicherheitsrat die bereits 1993 gegen die UNITA verhängten Sanktionen. Im September 1998 spaltete sich ein Flügel der UNITA ab und gründete die UNITA Renovada, die von der Regierung als alleiniger Vertreter der UNITA angesehen wird (die meisten der ins Parlament gewählten UNITA-Vertreter gehören der UNITA Renovada an). 1999 beschloss die UN, ihre Friedenstruppen aus Angola abzuziehen. Die UNITA kontrollierte zu diesem Zeitpunkt erneut mehr als zwei Drittel des Landes (und etwa zwei Drittel der Diamantenminen).

Anfang des Jahres 2001 hatte sich die Lage der Zivilbevölkerung in Angola laut internationalen Menschenrechts- und Hifsorganisationen noch weiter verschlechtert. Rund 1,7 Millionen Menschen waren auf der Flucht vor den Übergriffen sowohl der UNITA-Rebellen als auch der Regierungstruppen. Durch die starke Verminung der Landes war die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser nicht mehr gewährleistet, die Zahl der Menschen, die mit Infektionskrankheiten infiziert waren, nahm weiter ständig zu. Nach dem Tod des Rebellenführers Jonas Savimbi im Februar 2002 bestand Hoffnung auf Entspannung. Die militärisch bereits angeschlagene UNITA sah sich wie erwartet zu Friedensgesprächen gezwungen, und am 4. April wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, der seither eingehalten wird. Die UNITA wandelte sich zur unbewaffneten politischen Partei.

Zu Beginn des Jahres 2007 trat Angola offiziell als zwölftes Vollmitglied der OPEC bei. Der Erdölexport führte zu einem rasanten Anwachsen des Bruttoinlandsprodukts, der wachsende Wohlstand kommt jedoch nicht bei der einfachen Bevölkerung an.

Im September 2008 fanden zum ersten Mal seit dem Ende des Bürgerkriegs Parlamentswahlen statt, bei denen die regierende MPLA 191 der 220 Parlamentssitze gewann. Die UNITA legte zunächst Beschwerde gegen das Wahlergebnis ein, zog den Protest anschließend aber zurück, woraufhin es im Land friedlich blieb.

Im Jahr 2010 wurde in Angola eine neue Verfassung verabschiedet. Der Staatspräsident wird seitdem nicht mehr direkt vom Volk, sondern von der Nationalversammlung gewählt, und bekleidet außerdem das Amt des Regierungschefs. Bei den Parlamentswahlen 2012 erreichte die MPLA 71 % der Stimmen. Damit übt auch Präsident José Eduardo dos Santos (MPLA) sein Amt weiterhin aus.