Antigua und Barbuda Geschichte

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1493 wurde Antigua von Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Reise entdeckt, er benannte sie nach einer Kirche in Sevilla (Santa María de la Antigua). In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann die dauerhafte Besiedlung durch Europäer, vor allem Briten ließen sich auf der Insel nieder. Bis zu diesem Zeitpunkt war die einheimische Bevölkerung (Kariben, die ab 1100 die Aruak-Indianer vertrieben hatten) von spanischen Seefahrern als Arbeitssklaven verschleppt worden. Für die Arbeit auf den entstehenden Zuckerrohr- und Tabakplantagen wurden von den Briten schwarzafrikanische Sklaven auf die Insel geholt.

Auf Grund der Lage der Insel und der natürlichen Häfen hatte Antigua über Jahrhunderte hinweg ein hohe strategische Bedeutung und war während verschiedener Kriege wichtiger Stützpunkt für die Engländer. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1834 arbeiteten viele der Schwarzen mangels Alternativen für extrem niedrige Löhne weiter auf den Plantagen. Die Insel Barbuda befand sich bis 1860 in britischem Privatbesitz, erst dann fiel sie an die britische Krone. Von 1871 bis 1956 gehörten Antigua, Barbuda und die kleine unbewohnte Insel Redonda zur britischen Kolonie der Leeward Islands.

Im 20. Jahrhundert begann auch auf Antigua langsam der Prozess der Entkolonialisierung. 1939 bildete sich die Antigua Trades and Labour Union, eine der führenden Persönlichkeiten wurde hier der spätere langjährige Regierungschef Vere C. Bird. Ein erster Schritt in die Unabhängigkeit war die Mitgliedschaft in der Westindischen Föderation (1958-62). 1960 erhielten die Inseln beschränkte innere Autonomie, die konservative Labour Party von Antigua (ALP) gewann die Parlamentswahlen, Vere C. Bird wurde erster Regierungschef. 1967 erhielten die Inseln den Status eines mit Großbritannien assoziierten Staates und damit die volle innere Autonomie. Offizielle Hauptstadt des Landes wurde Saint John's auf Antigua. Eine Splitterpartei der Labour Party, die Progressive Labour Party (PLM), intensivierte die Forderung nach voller staatlicher Unabhängigkeit. Im November 1981 wurde der Inselstaat Antigua und Barbuda im Rahmen des Commonwealth unabhängig. Staatsoberhaupt der parlamentarischen Monarchie blieb das britische Königshaus. Premierminister und damit Regierungschef des Landes wurde erneut Vere C. Bird. Noch im gleichen Jahr wurde der Staat in die UNO aufgenommen. Anfang der 90er Jahre forderte eine Volksbewegung auf Barbuda die Loslösung der Insel von Antigua und die Gründung eines souveränen Staates (auf Barbuda leben rund 2 000 Menschen). Grund dafür war Unzufriedenheit mit der Zentralregierung auf Antigua, der Korruption und die Verwicklung in Drogen- und Waffengeschäfte nachgesagt wurde. Auch nachdem Vere C. Bird 1994 im Alter von 84 Jahren als Premierminister zurückgetreten war, blieb das politische Geschehen des Landes in den Händen der Familie Bird: Nachfolger wurde sein Sohn Lester Bryant Bird, Vorsitzender der ALP.

2004 gelangte die United Progressive Party (UPP) an die Macht, ihr Vorsitzender Baldwin Spencer wurde Premier- und Außenminister. Sowohl Regierungsmitglieder als auch ansässige Banken wurden immer wieder beschuldigt, in Drogen- und Waffenschmuggel verwickelt zu sein. Bei den Parlamentswahlen im Juni 2014 übernahm die ALP mit Gaston Browne als Premierminister erneut die Führung des Landes.