Argentinien

    Aus Länder-Lexikon.de



    Geographie

    Argentinien nimmt fast die gesamte Südspitze Südamerikas ein. Die Republik erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von 3 799 km, dies entspricht auf Entfernungen in Europa umgerechnet der Strecke zwischen Nordkap und Madrid. Das Land ähnelt in der Form einem lang gezogenen Dreieck und erreicht an seiner breitesten Stelle entlang des 27. Breitengrades 1 432 km. Die Fläche Argentiniens von 2 780 403 km² entspricht der achtfachen Fläche von Deutschland.

    Im Osten grenzt Argentinien mit einer 4 725 km langen Küstenlinie an den Atlantik, die Westgrenze wird durch den lang gestreckten Gebirgszug der Anden gebildet, hinter dem sich Chile befindet. Im Norden grenzt das Land im Uhrzeigersinn gesehen an die beiden einzigen Binnenstaaten Südamerikas, Bolivien und Paraguay, dann an Brasilien und Uruguay.

    Drei Landschaftstypen prägen die geologische Gestalt: erdgeschichtlich alte Gebirge im Osten, jüngere Kettengebirge im Westen und eine große Ebene dazwischen, die durch Aufschüttung und Ablagerung entstanden ist. Die großen Ebenen gliedern sich in die subtropischen Trockenwald- und Buschsavannen des Gran Chaco (Quechua für "Jagdgrund") im Norden, das sumpfig-fruchtbare Zwischenstromland, das zwischen den Flüssen Uruguay und Paraná liegt, und in die fruchtbare Pampa (was in der Quechua-Sprache Ebene bedeutet). Der Paraná ist das wichtigste Flusssystem Argentiniens.

    Die weiten Grasfluren der Pampa sind sowohl historisch als auch wirtschaftlich das Kerngebiet Argentiniens. An diese Region schließt sich im Süden eine karge Steppenlandschaft an, die auf bis zu 1 500 m ansteigt: Patagonien. Eine felsige Steilküste spitzt sich zum einst von Seefahrern gefürchteten Kap Hoorn am südlichsten Punkt des Kontinents zu. Über die ganze Länge des Kontinents zieht sich parallel zum pazifischen Ozean die Gebirgskette der Anden, in denen sich auch der Cerro Aconcagua, der mit 6 959 m höchste Berg Argentiniens befindet. Über 50 Vulkane, darunter der Ojos del Salado, mit 6 880 m der höchste Vulkan der Welt, sind hier zu finden.

    Klima

    Auf Grund seiner lang gestreckten Form weist Argentinien unterschiedliche Klimazonen auf. Im Norden und Nordosten ist das Klima subtropisch, in der nördlichen Gebirgsregion trocken. Im größten Teil des Landes herrscht jedoch ein warm-gemäßigtes Klima vor, das weiter südlich trocken kühl, im äußersten Süden subpolar wird. Die mittleren Temperaturen betragen in der Hauptstadt Buenos Aires im Januar 24 °C, im Juli 10 °C, in Sarmiento in Patagonien sind es im Sommer 19 °C, im Juli jedoch sinken die Temperaturen auf durchschnittlich 3 °C ab.

    Eine wichtige Rolle bei den Niederschlägen spielen die Nordostpassate im Sommer, die weitgehend im äußersten Nordosten Argentiniens abregnen. Diese Region ist daher durch eine lang andauernde Regenzeit von Oktober bis April und eine Trockenzeit im Winter geprägt. Der Küstenbereich im Norden wird zudem von winterlichen zyklonalen Südostwinden betroffen, so dass dieser Landstrich neben Sommerregen auch Winterregen aufweist.

    Ein großer Teil - etwa zwei Drittel - des argentinischen Staatsgebietes liegen in einer Trockenzone entlang der hohen Bergrücken der Anden. Die vom Pazifik kommenden Wolken regnen dadurch auf der chilenischen Seite ab. Dem Süden zu liegt das Land dagegen ungeschützt den Polargebieten gegenüber, dadurch stehen auch zentrale Teile Argentiniens unter dem Einfluss von trockener und kalter Polarluft, die immer wieder zu großen Temperaturstürzen mit starken Regenfällen führt.

    Flora und Fauna

    Das Land weist entsprechend seiner Ausbreitung von den Tropen bis zum Südpol unterschiedlichste Vegetationsbereiche und Tierarten auf. So finden sich subtropische Regenwälder mit Riesenzedern und Lorbeerbäumen in der Provinz Misiones im Nordosten. Eine weitere Besonderheit sind die extrem widerstandsfähigen Quebracho-Bäume (spanisch für Axtbrecher) in Mesopotamien, aus deren Kernholz Tannin und aus deren Rinde Gerbstoffe gewonnen werden. Xeromorphe, d.h. durch bestimmte Schutzvorrichtungen vor Austrocknung geschützte Pflanzen wie z.B. Dornbüsche und Kakteen, gibt es im Gran Chaco, weites Grasland mit einer großen Vielfalt an Wildgräsern in der Pampa húmeda.

    In Ostpatagonien finden sich karge Steppen, im südlichen Feuerland Wälder mit Scheinbuchen und Araukarien (Andentannen). In ganz Patagonien wachsen u.a. zahlreiche verschiedene Kräuterarten, Wildgräser und Brombeersträucher. In den Anden gibt es neben Nadelgehölzen auch Hartlaubbäume und Erlen. In der Puna, einem Hochland im Bereich der mittleren Kordilleren, treten oberhalb von 3 500 m dicht beblätterte Polsterpflanzen und insbesondere Tolaheide auf.

    Die sehr artenreiche Tierwelt Argentiniens umfasst im Norden Säugetierarten wie Affen, Jaguare, Pumas, Ozeloten, Ameisenbären, Tapire und Waschbären. Einheimische Vögel sind Flamingos und verschiedene Kolibri- und Papageienarten. In der Pampa und teilweise auch in Patagonien leben Gürteltiere, Füchse, Marder, Wildkatzen, Hasen, Hirsche und der Nandu, ein straußenähnlicher Laufvogel. An Vogelarten kommen z.B. Falken, Reiher, Regenpfeifer und Rebhühner vor. Die heute in Patagonien wild lebenden Schweinerassen stammen vom Hausschwein ab, das die europäischen Siedler einst ins Land brachten. In den kälteren Bergregionen der Anden sind unter anderem Lamas und Kondore beheimatet. In den Küstengewässern finden sich zahlreiche Fische und Seelöwen, in den Flüssen im Landesinneren gibt es große Vorkommen an Süßwasserfischen.

    Bevölkerung

    Von den rund 40,8 Millionen Einwohnern des Landes wohnen allein 13,2 Millionen (Agglomeration) in Buenos Aires, der Hauptstadt des Landes. Fast ein Drittel aller Argentinier lebt somit in der Hauptstadt und ihrer unmittelbaren Umgebung. Auch im übrigen Land lebt der überwiegende Teil der Bevölkerung in den großen Städten (Córdoba, Rosario, Morón usw.).

    Mit ca. 15 Einwohnern pro km² gehört Argentinien zu den dünn besiedelten Staaten der Erde. Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus etwa 95 % Weißen sowie Mestizen, Indios und Menschen anderer Abstammung. Römisch-katholisch sind über 75 % der Argentinier, 8 % sind Pfingstkirchler, es gibt Minderheiten von Protestanten, Juden und Muslimen.

    Seit etwa 1850 wanderten Europäer in großer Zahl in das Land ein (insbesondere Italiener und Spanier), in Argentinien leben heute im Vergleich zu den anderen südamerikanischen Ländern die meisten europäischen Nachfahren. Die indianische Urbevölkerung wurde von den eingewanderten Europäern verdrängt und zählt heute ca. 30 000 Menschen, die überwiegend im Chaco und in Patagonien leben. Argentinien hat die niedrigste Analphabetenrate (knapp 3 %) in Südamerika, auf dem Land ist sie allerdings regional deutlich höher. Der Besuch der Schule vom 6. bis zum 14. Lebensjahr ist Pflicht. Die älteste Universität des Landes wurde bereits 1613 in Córdoba im Landesinneren gegründet.

    Das Bevölkerungswachstum beträgt nur 1 %; die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 76 Jahren.

    Neben der Amtssprache Spanisch werden verschiedene europäische Sprachen und Quechua gesprochen.

    Politisches System

    Die Argentinische Republik ist eine Präsidiale Bundesrepublik. Der auf vier Jahre gewählte Präsident ist gleichzeitig Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte (Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, seit Dezember 2007); eine einmalige unmittelbare Wiederwahl ist möglich.

    Der Nationalkongress besteht aus einer Senatorenkammer (Senado) mit 72 Senatoren (indirekt für sechs Jahre gewählt; Teilwahl alle zwei Jahre) und einer Abgeordnetenkammer (Cámara de Diputados) mit 257 Mitgliedern (direkt für vier Jahre gewählt; Teilwahl alle zwei Jahre). Die wichtigsten Parteien des Landes sind die Partido Justicialista-Frente para la Victoria (PJ-FPV) und die Unión Cívica Radical (UCR).

    Ein eigenständiges Richter- und Juristengremium schlägt der Regierung die Ernennung von Richtern vor und kann Verfahren wegen missbräuchlicher richterlicher Amtsführung einleiten.

    Jede der 22 Provinzen, das Nationalterritorium Feuerland und der autonome Bundesdistrikt von Buenos Aires haben eine eigene Verfassung und wählen Gouverneur, Abgeordnete und Richter ohne Eingreifen der Bundesregierung.

    Wirtschaft

    Argentinien ist weiterhin die größte Volkswirtschaft des spanischsprachigen Südamerikas. Das Land baut seine wirtschaftliche Entwicklung auf mehreren Sektoren auf: Zum einen besitzt das Land mit seinen fruchtbaren Ebenen hervorragende Grundlagen für eine produktive Landwirtschaft. Zum anderen ist der Industriesektor sehr wichtig, die Automobilindustrie spielt eine tragende Rolle.

    Die wichtigsten Exportgüter des Landes sind nach wie vor Agrarprodukte (Sojaöl, Mais, Weizen, Milch- und Fischereierzeugnisse, Obst , Rind- und Geflügelfleisch sowie Wein), außerdem Kraftfahrzeuge, Roh- und Brennstoffe sowie chemische Produkte. Importiert werden chemische Produkte sowie Kraftfahrzeuge und Maschinen. Die größten Industriebetriebe finden sich im Großraum Buenos Aires und gehören der Konsumgüterindustrie an. Primär für den heimischen Markt werden hier Produkte aus Fleisch, Getreide, Zucker und Öl produziert und weiter verarbeitet.

    Eine starke Energierohstoffbasis (Erdgas, Erdöl, Wasserkraft, Kernkraft) macht das Land nahezu autark. Weiterhin positiv wirkt sich ein großes Potenzial an bisher unerschlossenen Bodenschätzen auf die Zukunftschancen des Landes aus. Zu den bereits abgebauten und produzierten Rohstoffen gehören Asbest, Blei, Kupfer, Wolfram, Zink, Zinn, Gold und Silber, Mangan, Uran, Erdöl und Erdgas.

    Währung ist der Argentinische Peso (=100 Centavos)