Aserbaidschan Geschichte

    Aus Länder-Lexikon.de


    Frühzeit

    Bereits Jahrtausende vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung war die historische Landschaft Aserbaidschan zwischen südlichem Kaukasus, Armenischem Hochland und Kaspischem Meer von Nomadenstämmen bewohnt. Es folgte in vorchristlicher Zeit das Reich der Meder, das im 6. Jahrhundert v.Chr. vom persischen König Kyros II. erobert wurde. Im 4. Jahrhundert war es der Makedonier Alexander der Große, der zuerst Anatolien und dann auch die Kaukasusregion und damit große Teile Aserbaidschans eroberte. Nach seinem frühen Tod teilten sich dessen ehemalige Feldherren, insbesondere Ptolemaios und Seleukos (Diadochen) das Reich auf. Seleukos gelangte an die Macht in Mesopotamien und schließlich auch in Aserbaidschan. Den Diadochen folgten die Epigonen (griechisch für Nachgeborene) als neue hellenistische Herrschergeneration nach.

    Mitte des 2. Jahrhunderts v.Chr. drangen Parther aus dem heutigen Iran ins Land und lieferten sich jahrhundertelange Kämpfe mit den Römern, die von Anatolien aus nach Vorderasien vorrückten und den Landstrich Albania nannten. Die Kämpfe um die Vormacht in Vorderasien endeten im 3. Jahrhundert n.Chr. mit der Errichtung des Sassanidenreiches. Das Großreich dieser persischen Herrscherdynastie wurde im 7. Jahrhundert durch die Eroberung der Araber zerstört. Mit den arabischen Eroberern kam auch der Islam als Religion ins Land.

    Mittelalter und frühe Neuzeit

    Im 11. Jahrhundert wanderten türkische Stämme in das heutige Aserbaidschan ein und die Seldschuken, ein alttürkisches Herrschergeschlecht in Vorderasien, errichteten die Seldschukenherrschaft. Konnte Aserbaidschan nach dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert noch eine relative Eigenständigkeit bewahren, wurde es vom 16. bis ins 18. Jahrhundert zum Streitobjekt zwischen Persien und der Türkei.

    Eine maßgebliche Wende für das weitere Schicksal der Region trat ein, als 1723 der russische Zar Peter I., auch der Große genannt, den Nordteil Aserbaidschans besetzen ließ.

    19. und frühes 20. Jahrhundert

    Etwa ein Jahrhundert später vollendete Zar Nikolaus I. die Okkupation, indem er nach einem weiteren Krieg nahezu die gesamte Staatsfläche Aserbaidschans eroberte. Der Fluss Arax wurde zum Grenzfluss zwischen Persien und Russland. Ein knappes weiteres Jahrhundert später brachten russische Truppen den gesamten Transkaukasus im Rahmen des Ersten Weltkriegs unter ihre Herrschaft, wurden aber nach der Oktoberrevolution 1917 aus Georgien, Armenien und Aserbaidschan wieder abgezogen.

    Die Sowjetherrschaft

    1918 erklärt sich Aserbaidschan zur unabhängigen Republik und wurde 1920 erst anerkannt, dann aber auf Befehl Stalins besetzt und zur Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik erklärt. In den folgenden Jahren folgte eine rasche Sowjetisierung des islamischen Landes, die mit Abschaffung des privaten Eigentums, Zwangskollektivierungen, Planwirtschaft und politischen Säuberungen einherging. Aufstände wurden blutig niedergeschlagen; Tausende Aserbaidschaner gehörten zu den Millionen von Sowjetbürgern, die in der Stalinzeit ermordet oder in Zwangslager verschleppt wurden. Nachdem sich die Autonome Sowjetrepublik zur Transkaukasischen SFSR (zusammen mit Georgien und Armenien) zusammengeschlossen hatte, wurde es 1936 als Sozialistische Sowjetrepublik integraler Bestandteil der UdSSR.

    Ende der 80er Jahre zeigte die Sowjetunion deutliche Auflösungserscheinungen. Sie konnte den Ausbruch eines Krieges zwischen den Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan um das von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach weder verhindern noch mit Militärpräsenz unter Kontrolle bringen. 1990 besetzten russische Truppen die Hauptstadt Baku, um die Auseinandersetzungen zu unterbinden und über Berg-Karabach wurde der Ausnahmezustand verhängt.

    Von der Unabhängigkeit bis heute

    1991 proklamierte die Republik Aserbaidschan die Unabhängigkeit und der Altkommunist Ajas Mutalibow wurde erster Staatspräsident und Baku am Kaspischen Meer zur Hauptstadt erklärt. Noch im gleichen Jahr trat die Republik der Nachfolgeorganisation der UdSSR, der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten), bei. Dies konnte jedoch nicht den Ausbruch eines offenen Krieges zwischen Aserbaidschan und der Region Berg-Karabach verhindern.

    Mitte 1992 wählte das Land Abulfas Eltschibej von der "Nationalen Volksfront" (NFA) zum Staatspräsidenten und Aserbaidschan trat aus der GUS aus und wendete sich politisch und wirtschaftlich der Türkei sowie den ebenfalls turksprachigen Ländern Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan zu. 1993 führten jedoch wiederholte Niederlagen gegen die Armenier zu einem weiteren politischen Richtungswechsel. Der KP-Chef Hejdar Alijew wurde vom Nationalrat zum Staatschef ernannt. Er erhob seinerseits Surat Hasseinow zum Regierungschef und die Republik trat wieder in die GUS ein, Alijew wurde in Wahlen bestätigt. Die Situation in der Berg-Karabach-Region hatte sich inzwischen zu Ungunsten der Zentralregierung in Baku verändert. Den Aufständischen war es 1994 gelungen, den gesamten Südwesten des Landes unter ihre Kontrolle zu bekommen, was zu einer Flüchtlingsbewegung muslimischer Aserbaidschaner aus der Region führte. Die fortwährenden Kosten für den Krieg um die Region hatten Aserbaidschan überdies wirtschaftlich in eine sehr schwierige Lage gebracht. So war es der Regierung willkommen, als sie sich mit zwölf ausländischen Ölkonzernen auf die Förderung neu entdeckter Erdölvorkommen im Kaspischen Meer einigen konnte, die die dringend benötigten Devisen bringen sollten.

    Es folgte ein Waffenstillstand mit den Berg-Karabachern, doch die innenpolitische Lage blieb unübersichtlich. Alijew setzte Sarat Husseinow ab und Fuad Gulijew wurde neuer Ministerpräsident. Umsturzversuche gegen Alijew misslangen und Ende 1996 wurde Artur Rasisade zum neuen Regierungschef ernannt. Im Folgejahr kam es zu Verhaftungen als Gegenreaktion auf Putschversuche. Trotzdem gelang es Hejdar Alijew 1998, in einer direkten Wahl als Staatspräsident bestätigt zu werden. Bereits 1995 hatte eine neue Verfassung ein Präsidialsystem etabliert, das dem Präsidenten weitreichende Vollmachten einräumt. 2002 stimmte eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für eine Änderung der Verfassung in 39 Punkten, eine weitere Verstärkung der Machtfülle von Präsident Alijew. Nachdem Ministerpräsident Artur Rasisade im August 2004 aus - seinen Angaben zufolge - gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war, wurde Präsidentensohn Ilham Alijew vom Parlament zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Dieser wurde im Oktober 2003 (bestätigt 2008) als Nachfolger seines Vaters Hejdar Alijew zum Präsidenten gewählt. Das Amt des Ministerpräsidenten füllt seitdem wieder Artur Rasisade aus. Ausländische Beobachter berichteten wiederholt von groben Unregelmäßigkeiten bei Wahlen.

    Im März 2008 kam es im Konflikt um die Region Berg-Karabach zu den schwersten Zusammenstößen seit dem Krieg 1991-1994. Entlang der Waffenstillstandslinie kommt es immer wieder zu bewaffneten Zusammenstößen, bei denen schon mehrere Soldaten getötet wurden. Ende 1998 begannen offizielle Friedensverhandlungen, doch nach wie vor halten bewaffnete Armenier das auf aserbaidschanischem Staatsgebiet liegende Gebiet besetzt.