Bahrain Geschichte

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Arabische und persische Vorherrschaft

Etwa ab 2000 v.Chr. war die heutige Hauptinsel des Emirats Bahrain wichtige Zwischenstation für das Seefahrervolk der Sumerer auf ihrem Handelsweg nach Indien. In sumerischen Quellen wurde das Land Tilmun genannt, in etwa: Land des Paradieses. Den in der Antike eingewanderten Griechen folgten um 300 n.Chr. die Sassaniden (Perser), die bis ins 7. Jh. die Insel beherrschten, bevor sie von muslimischen Arabern besetzt wurde. Bahrain wurde Teil eines großen, einheitlichen Staates, der fast die gesamte Arabische Halbinsel umfasste und unter der Herrschaft des Kalifen Abu Bakr stand, dem Nachfolger des Propheten Mohammed.

Ende des 9. Jh.s wurde Bahrain von schiitischen Karmaten erobert, im 11. Jh. erneut von den Persern. Arabische und persische Herrscher wechselten sich ab, bis 1515 auch die Portugiesen am lukrativen Perlenfischen teilnehmen wollten und die Insel eroberten. Sie mussten um 1602 erneut den persischen Safawiden weichen.

In den Jahren 1782/83 übernahmen die Mitglieder der sunnitisch-islamischen Al-Khalifah-Dynastie, die von der Halbinsel Katar geflohen waren, die Herrschaft auf Bahrain (und haben sie bis heute inne).

Britisches Protektorat

Gegen die Bedrohung durch das Persische und das Osmanische Reich unterzeichnete der Scheich von Bahrain 1820 den ersten einer Reihe von Schutzverträgen mit Großbritannien, der europäischen Großmacht, die seit dem Beginn des 19. Jh.s immer mehr Einfluss in der Golfregion gewann. Bahrain wurde offizielles Protektoratsgebiet, ohne dass dabei die innere Autonomie des amtierenden Emirs angetastet wurde. Für die Briten wurde die Insel ein wichtiger Flottenstützpunkt.

Bis Anfang der 30er Jahre war der Handel mit Perlen wichtiger Wirtschaftsfaktor für Bahrain. Durch das Aufkommen von Zuchtperlen verlor dieser Sektor seine Bedeutung und wurde durch die Förderung und den Verkauf von Erdöl ersetzt, das seit Mitte der 20er Jahre auf Bahrain entdeckt worden war. Damit war das Land der erste Golfstaat, der Öl förderte. Mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft wurde in den nächsten Jahrzehnten in Bahrain das Bildungs- und Gesundheitswesen und die Infrastruktur ausgebaut.

Unabhängiger Staat

Gegen den Einfluss und die Präsenz Großbritanniens (Bahrain gehörte zu den wichtigsten militärischen Stützpunkten der europäischen Großmacht) kam es seit den 40er Jahren wiederholt zu Protesten und Unruhen unter der Bevölkerung. Gleichzeitig brachen religiöse Konflikte zwischen der Mehrheit der Schiiten und der Minderheit der Sunniten, die aber die führende Schicht des Landes darstellten, aus. 1971 wurde von Emir Isa Ibn Sulman Al-Khalifah die Unabhängigkeit des Landes proklamiert. Kurz darauf trat das Land der Arabischen Liga bei, einer 1945 in Kairo gegründeten Organisation, die die wirtschaftliche, politische und militärische Zusammenarbeit der arabischen Staaten verbessern sollte. Gleichzeitig wurden Freundschaftsverträge mit Großbritannien und den USA geschlossen.

Bei den 1973 abgehaltenen Parlamentswahlen, die in der Verfassung vorgesehen waren, wurden vom Volk 30 Vertreter gewählt, diese hatten allerdings nur eine beratende Funktion. Alleiniger Inhaber der politischen Macht war der Emir. Aufgrund innenpolitischer Unruhen (Weigerung des Emirs, Gewerkschaften zuzulassen; Verfall des Ölpreises) löste Emir Isa Ibn Sulman Al-Khalifa 1975 das gewählte Parlament auf, setzte die Verfassung von 1973 außer Kraft und regierte fortan als monarchischer Herrscher.

Ende der 70er Jahre verschärfte sich der erneut aufflackernde Konflikt mit dem Iran, der immer wieder Gebietsansprüche auf Bahrain erhob. Ähnliche Konflikte mit Katar führten 1986 zu kurzen militärischen Auseinandersetzungen (ab 1997 wurde dieser Konflikt mit diplomatischen Gesprächen beigelegt). Im zweiten Golfkrieg (1990/91) beteiligte sich Bahrain an der anti-irakischen Koalition, überwiegend mit finanziellen Mitteln. Der 1977 aufgelöste Stützpunkt für amerikanische Truppen auf der Insel wurde wiedereingerichtet.

1993 richtete Emir Isa Ibn Sulman Al-Khalifah einen Konsultativrat (Madjlis al-Shura) mit beratender Funktion ein und begegnete damit den massiven Forderungen nach mehr Demokratie, die vor allem vom schiitischen Teil der Bevölkerung getragen wurden, der sowohl politisch als auch sozial benachteiligt wurde. Die Unzufriedenheit der schiitischen Bevölkerung zeigte sich auch in den nächsten Jahren immer wieder durch Demonstrationen und Bombenanschläge. Zahlreiche Schiiten wurden verurteilt und inhaftiert. Emir Hamad Ibn Isa Al-Khalifah (ab März 1999) erließ eine Amnestie für politische Häftlinge und kündigte die Wiedereinsetzung einer gewählten (wenn auch weiterhin nur beratenden) Nationalversammlung für das Jahr 2004 an. Im Februar 2001 stimmten 98 % der Wähler Bahrains für die Annahme einer neuen Verfassung, die eine vom Emir berufene Kommission ausgearbeitet hatte. Die Verfassung sah die Umwandlung des Emirats in eine konstitutionelle Monarchie vor, ein gewähltes Zwei-Kammern-Parlament, die Unabhängigkeit der Justiz und die politische Gleichstellung von Mann und Frau (damit ist Bahrain der erste Staat der Golfregion, der Frauen das Wahlrecht gewährt). Die neue Verfassung trat am 14. Februar 2002 in Kraft. Bei den Parlamentswahlen 2006 traten 23 Kandidatinnen an, einer davon gelang als erster Frau der Einzug in das Parlament.

Als erster amtierender US-Präsident besuchte George W. Bush im Januar 2008 Bahrain, das die USA als wichtigen Verbündeten betrachten. Im März 2008 unterzeichneten beide Länder ein Kooperationsabkommen im Atomsektor.

Bei den Parlamentswahlen 2006 und 2010 gewann die schiitische oppositionelle Gruppierung INAA die meisten Mandate. Während des Arabischen Frühlings im Frühjahr 2011 gingen auch in Bahrain zehntausende, mehrheitlich schiitische Demonstranten auf die Straße und forderten Reformen (der König ist sunnitischen Glaubens). Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften gab es mehrere Todesopfer. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und schiitischen Demonstranten halten weiter an.