Bangladesch Geschichte

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Die Geschichte von Bangladesch, dem "Land der Bengalen", ist eng mit der des heutigen Indien verknüpft. Lange bevor im 13. Jahrhundert mit dem Sultanat von Delhi der Islam Einzug hielt auf dem Gebiet des heutigen Bangladesch, wurde das Land von der buddhistisch geprägten Maurja-Dynastie und vom hinduistisch geprägten Gupta-Reich beherrscht. Im 16. Jahrhundert gelangten mit den portugiesischen Seefahrern erste europäische Einflüsse nach Bengalen, und ab Mitte des 18. Jahrhunderts war das Land unter britischer Oberherrschaft. Bis zur Unabhängigkeit Indiens gehörte Bangladesch zu Britisch-Indien.

Territoriale Neuordnungen führten dazu, dass sich West- und Ostbengalen immer weiter auseinander entwickelten. In Westbengalen begannen die Hindus an Einfluss zu gewinnen, indem sie sich mit der britischen Herrschaft arrangierten. In Ostbengalen kristallisierte sich eine anti-britische und anti-hinduistische Führung heraus. Schon 1940 gab es konkrete Pläne hinsichtlich einer Teilung von Britisch-Indien bei Erreichen der Unabhängigkeit: Indien (mit West-Bengalen als Teil) sollte als hinduistischer Staat, Pakistan (mit Ost-Bengalen) ein muslimisch dominiertes Land werden.

Als im August 1947 die britische Kolonialherrschaft endete, wurde diese Teilung vollzogen. Ost-Bengalen, das heutige Bangladesch, wurde zu Ostpakistan, obwohl es von diesem Land mehr als 1500 km entfernt lag. Die beiden Landesteile unterschieden sich sowohl von der Struktur als auch von der Bevölkerung her ganz wesentlich, gemeinsam war ihnen nur die Religion, der Islam. Die Spaltung des Landes vollzog sich auch im gesamtpakistanischen Parlament: die Muslimliga repräsentierte den Westteil Pakistans, die nationalistische Awami-Liga Ostpakistan. 1962 erhielt Ostpakistan ein eigenes Parlament und mehr Selbstständigkeit, doch die Awami-Partei forderte die volle Unabhängigkeit. Als sie bei den Wahlen im Dezember 1970 stärkste Partei wurde und die Gegenseite die Bildung des Parlaments verzögerte und das Kriegsrecht verhängte, kam es erneut zu Aufständen in Ostpakistan.

Am 26. März 1971 erklärte der Führer der Awami-Partei, Scheich Mujib-ur-Rahman, das Land Bangladesch als unabhängigen Staat. Der daraufhin folgende Bürgerkrieg entschied sich zugunsten Bangladeschs, nicht zuletzt deswegen, weil Indien für den neuen Staat Partei ergriff. 1972 wurde Bangladesch Mitglied des britischen Commonwealth, und zwei Jahre später erkannte Pakistan die Souveränität des neuen Landes an. Bis 1982 herrschten innenpolitische Instabilität und soziale Spannungen in Bangladesch: Hochwasserkatastrophen, die Obdachlosigkeit, Hungersnöte und große Unzufriedenheit bei der Bevölkerung auslösten, führten dazu, dass 1975 das Parlament aufgelöst wurde und Scheich Mujib-ur-Rahman eine Präsidialherrschaft errichtete. Erst in der ersten Hälfte der 1980er Jahre unter der Herrschaft von General Muhammed Ershed schien sich die Lage etwas zu beruhigen: das Kriegsrecht wurde aufgehoben und die Verfassung wieder eingesetzt (1986). Im Juni 1988 wurde der Islam als Staatsreligion erklärt. 1991 trat eine neue Verfassung in Kraft, in der sich Bangladesch wieder zur parlamentarischen Demokratie hin orientierte und die Befugnisse des Staatspräsidenten stark einschränkt wurden.

Von 1996 bis 2001 war Hasina Wajed Premierministerin von Bangladesch. Im Juni 1999 schloss sie mit Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee ein Abkommen über den Ausbau von Handelsbeziehungen zwischen beiden Staaten, das unter anderem einen Kredit Indiens für Bangladesch beinhaltete. Im März 2000 unterzeichnete Bangladesch als erstes südasiatisches Land das Teststop-Abkommen für Atomwaffen. Wajed wurde nach einem Wahlkampf mit blutigen Ausschreitungen von der Oppositionsführerin Khaleda Zia abgelöst. Zia stützt sich auf eine Koalition der Bangladesh National Party und der radikalen islamistischen Partei Jamaat-e-Islami, die bei den Parlamentswahlen 2001 große Stimmenzuwächse hatte.

Bangladesch war und ist trotz umfangreicher ausländischer Entwicklungshilfe nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt. Korruption in der Politik und eine desolate Wirtschaftslage, die begründet ist in den sich ständig wiederholenden Umweltkatastrophen und dem starken Bevölkerungswachstum, verhindern, dass sich die Lage für die Bevölkerung wesentlich verbessert. Internationale Initiativen wie z.B. der so genannte Flood Action Plan (FAP) sollen zumindest das Land vor weiteren Flutkatastrophen schützen: Dabei handelt es sich um ein Küstenschutzprojekt, das bis zum Jahr 2015 realisiert werden soll und bei dem versucht wird, mit Dämmen das Land vor Überflutung zu bewahren.

Anfang 2007 hätten in Bangladesch Wahlen stattfinden sollen, doch unter Führung der oppositionellen Awami-Liga kam es zu schweren Unruhen; Staatspräsident Iajuddin (seit 2002) rief am 11. Februar 2007 den Ausnahmezustand aus. Seitdem besteht eine Übergangsregierung, der Fakhruddin Ahmed als Regierungschef vorsteht.