Benin Geschichte

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    Vermutlich lebten auf dem Gebiet des heutigen Benin schon vor Beginn der christlichen Zeitrechnung kleine Gruppen von Buschmännern (Pygmäen) als Jäger und Sammler. Nach dem ersten Jahrtausend n.Chr. siedelten sich verschiedene Volksstämme an: vermutlich im Norden die Somba, im Nordosten die Bariba und Fulbe, während im Süden die zum Volk der Ewe gehörenden Fon lebten. Mehrere kleine Königreiche entstanden im Laufe der Jahrhunderte.

    Ab dem 16. Jahrhundert begannen die Reiche im Süden mit portugiesischen Seefahrern Handel zu betreiben (Elfenbein, Pfeffer, Sklaven), später kamen auch Engländer und Franzosen als Händler dazu. Die Adja hatten die Reiche Allada und Adjatsche gegründet, letzteres wurde von den Portugiesen in Porto-Novo umbenannt. Später gründeten die Fon im Zentrum des heutigen Benin das Reich Dahome, das zum mächtigsten Königreich der Region aufstieg und sich nach Süden und Norden ausdehnte. Für den Ausbau der dafür benötigten Streitkräfte wurden auch (von den Europäern bestaunte) Frauenregimenter geschaffen.

    Im 19. Jahrhundert erreicht Dahome unter König Ghezo den Höhepunkt seiner Macht und dominierte u.a. auch den Sklavenhandel. Großbritannien versuchte seit 1807, den Handel mit Menschen in Afrika zu unterbinden, doch erst nach 1830 konnte sich stattdessen der Handel mit Palmöl und Baumwolle verbreiten.

    Mitte des 19. Jahrhunderts begann Frankreich, sich zunächst in den Küstengebieten des heutigen Benin festzusetzen. Bis zum Ende des Jahrhunderts wurden die vorhandenen Königreiche unterworfen bzw. durch entsprechende Protektoratsverträge gebunden. 1894 wurden die Königreiche Allada, Porto-Novo und Dahome zur Kolonie "Dahomey" vereint und dem Generalgouvernement Französisch-Westafrika angegliedert.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Dahomey zum Überseeterritorium innerhalb der Französischen Union erklärt und erhielt beschränkte innere Autonomie. 12 Jahre später wurde das Land zur autonomen Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft (Communauté Française) erklärt. Als führende politische Parteien hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt die "Parti du Regroupement Dahoméen" (PRD), "Rassemblement Démocratique Dahoméen" (RDD) und die "Union Démocratique Dahoméen" (UDD) etabliert. Im August 1960 erhielt die Republik Dahomey ihre volle Souveränität. Hauptstadt wurde Porto Novo, Regierungssitz die Hafenstadt Cotonou.

    Durch die großen ethnischen Gegensätze im Land, gepaart mit unterschiedlichen Religionen (im Norden herrschte der Islam vor, während im Süden überwiegend Naturreligionen praktiziert wurden bzw. Christen lebten) erwies sich der neue Staat innenpolitisch als äußerst instabil. Von 1960 bis 1972 kam es zu insgesamt fünf Regierungswechseln durch Staatsstreiche. Die Verfassung wurde fünfmal geändert, zehn verschiedene Staatspräsidenten waren in diesem Zeitraum im Amt.

    1972 putschte das Militär erneut, diesmal unter der Führung von General Mathieu Kérékou. Dieser ernannte sich zwei Jahre später zum Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und rief einen marxistisch-leninistisch orientierten Staat aus (1975 "Volksrepublik Benin", nach dem alten Königreich Benin, dessen Zentrum allerdings auf dem Territorium des Nachbarstaates Nigeria lag). Die Einheitspartei "Parti de la Révolution Populaire du Bénin" (PRPB) verdrängte die Opposition, ein Großteil aller Betriebe im Land wurden verstaatlicht. In der Verfassung von 1977 wurde das Staatsprinzip des Einkammer- und Einparteiensystems verankert.

    Nachdem das Land Ende der 1980er Jahre am Rande des wirtschaftlichen Ruins stand (geschätzte Auslandsschulden 1,5 Milliarden US-Dollar), musste die Staatsführung von Benin auf Druck der Geldgeberländer (vor allem Frankreich) die Abkehr vom Marxismus-Leninismus erklären und einen Demokratisierungsprozess einleiten. 1991 wurde die Staatsform wieder zur parlamentarischen Präsidialrepublik geändert und eine neue Verfassung proklamiert. Bei den Wahlen zum Amt des Staatspräsidenten musste sich Mathieu Kérékou seinem Kontrahenten Nicéphore Soglo geschlagen geben.

    Die neue Staatsführung bemühte sich um eine rasche Reprivatisierung der Betriebe und eine Steigerung der Wirtschaftsleistung. Durch die von der Weltbank und der IWF (Internationaler Währungsfonds) verordneten Sparmaßnahmen kam es u.a. zum Anstieg der Arbeitslosigkeit, vor allem bei der ländlichen Bevölkerung. 1996 wurde Soglo abgewählt und Mathieu Kérékou übernahm erneut die Führung Benins, diesmal als gewählter Präsident. Er behielt die Reformpolitik seines Vorgängers bei. Trotz stabiler Wachstumsraten seit Anfang der 1990er Jahre von um die 5 % zählt Benin auch weiterhin zu den ärmsten Ländern weltweit, u.a. aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums.

    Im März 2001 konnte sich Mathieu Kérékou erneut gegen seinen Herausforderer Nicéphore Soglo bei der Wahl um das Amt des Staatspräsidenten durchsetzen: Nachdem aufgrund des knappen Ergebnisses eine Stichwahl notwendig geworden war, zog Soglo seine Kandidatur zurück. Kérékou wurde im April 2001 für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren vereidigt und, nachdem er kein weiteres Mal kandidieren durfte, im April 2006 vom ehemaligen Präsidenten der westafrikanischen Entwicklungsbank BOAD, Boni Yayi, abgelöst. Im Mai 2011 wurde erstmals ein (in der Verfassung nicht vorgesehener) Premierminister gewählt. Dieser hat koordinierende Funktion und nimmt Aufgaben wahr, die ihm vom Präsidenten zugeteilt werden.