Berlin (Stadt)

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Hauptstadt von Deutschland. Berlin ist mit ca. 3,4 Millionen Einwohnern und über 891 km² die größte Stadt Deutschlands. Die zwölf Bezirke der Stadt bilden das Bundesland Berlin. Berlin hat drei Universitäten, mehrere Akademien und ist Parlaments- und Regierungssitz. In Berlin haben zahlreiche Konzernverwaltungen und Bundesbehörden ihren Sitz.

Kunst und Kultur

Aus dem 17. Jh. gibt es einige wenige Beispiele bildender Kunst (Totentanzfresko; Marienkirche). Um 1700 wurde Berlin zu einem Zentrum deutscher Barockkunst, hauptsächlich der Plastik (Andreas Schlüter, Reiterdenkmal Kurfürst Friedrich Wilhelms). Im deutschen Klassizismus war Gottfried Schadow der bedeutendste Plastiker. Menzel machte Berlin im 19. Jh. zu einem Mittelpunkt der realistischen deutschen Malerei und Grafik. Zum Ende des 19. Jh.s holten Liebermann, Slevogt, Corinth die bedeutendsten deutschen Impressionisten nach Berlin. Kollwitz, Zille, später Nagel, Heartfield, Grosz u.a. spielten für die künstlerische und kulturelle Entwicklung eine große Rolle. Besonders in den 20er Jahren hielt Berlin eine führende Position in der deutschen bildenden Kunst, begründet durch zahlreiche Ausstellungen, Kunstschulen und die Preußische Akademie der Künste. Im 19. Jh. wurde Berlin eine Museumsstadt erster Qualität.

Das Stadtschloss wurde im 2. Weltkrieg zerstört und später völlig abgetragen. Die einfache Burganlage von 1443-51 wurde 1538 zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Unter Schlüter wurde 1698 ein umfangreicher Um- und Neubau begonnen (zweigeschossige Arkaden im Osthof, Gigantentreppe, die an römischen Palazzi erinnernde Südfront mit machtvollem Säulenportal, die dem Lustgarten zugewandte Nordfassade). Das Schloss wurde zum mächtigsten profanen Barockbau nördlich der Alpen. M. Böhme beendete 1716 vorläufig den Außenbau. Bis zum Anfang des 19. Jh.s waren unter anderem Gontard, Schinkel, Hoppenhaupt am Innenausbau beteiligt. Die Skulpturen von Schlüter und andere erhaltene Plastiken wurden nach Zerstörung und Abtragung des Schlosses in den Museen untergebracht.

Um 1270 wurde die Marienkirche gegründet, im 15. Jh. erfolgte der Turmbau, 1789/90 kam der Turmhelm von Langhans dazu (in neugotischen Formen). Die Kirche besitzt eine dreischiffige Hallenanlage aus Backsteinen. Das Brandenburger Tor ist das Wahrzeichen Berlins. Es wurde als Wach- und Zolltor 1788 bis 91 von Langhans erbaut. 1794 wurde die Quadriga nach einem Modell Schadows von Emmanuel Jury aus Kupfer getrieben. Die Neue Wache unter den Linden ist das erste und gilt als schönstes Werk Schinkels (1816-18). Sie wurde an Stelle der alten "Königswache" errichtet und "einem römischen Kastrum mit vier Ecktürmen nachgebildet" (Schinkel). Davor steht ein reicher dorischer Portikus mit zehn Säulen. Das Pergamonmuseum gilt als das reifste Werk von Schinkel. Es entstand 1822 bis 30 mit platzbeherrschender Säulenfassade. Das Museum ist neben der Münchener Glyptothek der älteste deutsche Museumsbau. In der Mitte des Gebäudes befindet sich die kuppelgewölbte Rotunde, die von korinthischen Säulen umstanden wird.

Sehenswert sind unter anderem das Schloss Charlottenburg, das Reichstagsgebäude, das Olympiastadion, der Botanische Garten und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Kurfürstendamm.

Geschichte

Der Name kommt aus dem Wendischen. Berlin entstand aus den Fischerdörfern Berlin und Kölln, die um 1237 das Stadtrecht erhielten und 1307 vereinigt wurden. Im 15. Jh. war die Stadt Mitglied der Hanse, ab 1486 ständige Residenz der Kurfürsten von Brandenburg. Unter dem Großen Kurfürsten fand im 17. Jh. eine Stadterweiterung statt, Schlüters Barockbauten (Schloss, Zeughaus) setzten erste städtebauliche Akzente. Die Aufnahme von Hugenotten (Réfugiés) nach 1685 wirkte sich positiv auf Wirtschaft und Geistesleben aus. Im 18. und 19. Jh. entwickelte sich Berlin zum beherrschenden wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des preußischen Staates. Die klassizistischen Baumeister (Langhans, Schinkel) gaben Berlin die repräsentative Gestalt. 1871 bis 1945 war Berlin Hauptstadt des Deutschen Reiches. 1920 wurde Berlin mit den umliegenden Gemeinden zu Großberlin vereinigt, die höchste Bevölkerungsziffer wurde 1943 mit 4,5 Millionen erreicht.

1936 war Berlin Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.

Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, wurde Berlin 1945 in vier Besatzungssektoren eingeteilt und von den Siegermächten zunächst gemeinsam verwaltet. Die sowjetische Blockade 1948 beantworteten die Westalliierten mit der Luftbrücke. Im September 1948 kam es zur Abtrennung des Ostsektors unter eigenem Magistrat, die Spaltung war vollzogen. Ost-Berlin wurde zur Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erklärt. Die DDR-Regierung trennte 1961 durch den Bau der Mauer den Westteil der Stadt vom Ostteil und vom Umland ab. Das Berlin-Abkommen von 1971 regelte unter anderem den Verkehr von und nach West-Berlin und zwischen den beiden Stadthälften neu. Mit der Vereinigung 1990 endete die Teilung der Stadt, 1991 wurde sie zur Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland erklärt. 1999 nahm die Bundesregierung ihre Arbeit in Berlin auf.