Botswana Geschichte

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Archäologische Funde weisen auf eine Besiedelung des Gebietes des heutigen Botswana lange vor Beginn der christlichen Zeitrechnung hin (z.B. Smithfield-, Wilton-Kultur). Vor rund 2 000 Jahren war das Gebiet (und das ganze südliche Afrika) ausschließlich von den Angehörigen des Nomadenvolkes der San bewohnt, von denen heute noch ungefähr 40 000 Nachfahren in Botswana leben. Ab dem 2. Jahrhundert n.Chr. wurden die San von den viehzüchtenden Khoi-Khoi verdrängt.

Etwa ab dem 3. Jahrhundert n.Chr. wanderten Bantu sprechende Bauern und Viehzüchter in den Süden Afrikas ein. Auf dem Gebiet des heutigen Botswana wurden die frühesten Siedlungsspuren im Norden und Nordosten am Fluss Chobe auf etwa 200 n.Chr. datiert, in Francistown auf ca. 400 n.Chr. und in Molepolole auf etwa 700 bis 900 n.Chr. Die in den Nordteil des Landes eingewanderten Stämme kamen aus Zentralafrika, im Nordosten handelte es sich um Angehörige der Shona, im Südosten überwogen Tswana- und Kgalagadi-Völker, die aus dem Süden kamen. Etwa ab 1500 erfolgte eine erneute verstärkte Besiedelung des Gebietes durch Tswana-Stämme (Bakwena, Bamangwato, Bangwaketse), die aus dem Südwesten kamen und sich als die dominierende Volksgruppe durchsetzen konnten.

Der britische Afrikaforscher David Livingstone erkundete ab 1841 Teile des heutigen Botswana. Wenig später bereisten immer mehr europäische Forscher und Missionare das Land. 1885 erklärte Großbritannien das Gebiet als Betschuanaland kurzerhand zum Protektorat. Zum einen hatten die Führer der Tswana-Stämme die britische Missionsgesellschaft um Hilfe gegen die Überfälle burischer Siedler gebeten, zum anderen waren im benachbarten Südafrika reiche Diamanten- und Goldvorkommen gefunden worden. Auch hatte das deutsche Kaiserreich das Gebiet des heutigen Namibia zur deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika erklärt, so bekam das Gebiet des heutigen Botswana zusätzlich eine strategische Bedeutung für das konkurrierende Großbritannien, das einen Zusammenschluss zwischen den Deutschen (im Westen) und den burischen Republiken Transvaal und Oranjefreistaat (im Südosten) befürchtete.

Kurz darauf wurde das Gebiet von Großbritannien zur Kronkolonie Britisch-Betschuanaland erklärt. Dabei versuchten die Briten, die inneren Angelegenheiten der einzelnen Stämme möglichst wenig zu beeinflussen, wobei die Häuptlinge der Stämme der Kolonialregierung unterstanden. Doch kam es zu einer starken Bevorzugung weißer Siedler, die sich überwiegend im wirtschaftlich interessanten Osten des Landes niederließen (Crownlands und Freehold-Farms) und der Abdrängung der Einheimischen in dafür vorgesehen Reservate.

1895 wurde das Gebiet südlich des Flusses Molopo der britischen Kapkolonie in Südafrika angegliedert, das Gebiet nördlich des Flusses blieb weiterhin unter britischem Protektorat. Die Einführung von Steuern durch die britische Kolonialverwaltung führte dazu, dass viele Tswana sich als Lohnarbeiter im benachbarten Südafrika (ab 1931 unabhängig) verdingten.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bildete sich eine nationalistische Bewegung in Betschuanaland heraus. Gleichzeitig kam es zu mehreren Versuchen Südafrikas, das Gebiet unter Kontrolle zu bringen, die aber an den Forderungen der britischen Kolonialmacht nach Rechtsgarantien für die schwarze Bevölkerung des Landes und an der Intervention des Tswana Häuptlings Khama III. scheiterte. Dessen Enkel und Thronfolger Seretse Khama, der aufgrund seiner Heirat mit einer Engländerin vorübergehend das Land verlassen musste, war maßgeblich beteiligt an den politischen Bestrebungen Betschuanalands zur Erreichung der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht.

1960 wurde die "Bechuanaland People's Party" (BPP) gegründet, zwei Jahre später die "Bechuanaland Democratic Party" (BDP) unter der Führung von Seretse Khama. 1961 erhielt Betschuanaland von Großbritannien die beschränkte innere Selbstverwaltung zugestanden, 1965 fanden die ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung statt. Die BDP errang mit über 80 % der abgegebenen Stimmen den Wahlsieg. Im September 1966 erhielt die Republik Botswana ihre volle politische Souveränität. Seretse Khama wurde der erste Staatspräsident des Landes (bis 1980) und war damit laut Verfassung gleichzeitig Regierungschef der parlamentarisch aufgebauten Republik.

Ab den 1970er Jahren vollzog sich in Botswana durch den beginnenden Abbau der reichen Bodenschätze (Diamanten, Kohle, Kupfer) ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung. 1976 führte das Land eine eigene Währung ein, den Pula. Dennoch blieb das Binnenland wirtschaftlich und verkehrstechnisch in starkem Maße vom benachbarten Südafrika abhängig.

Nach dem Tod von Seretse Khama 1980 wurde der bisherige Vizepräsident Quett Ketumile Joni Masire (BDP) neuer Staatschef von Botswana. Im gleichen Jahr gehörte das Land zu den Mitbegründern der "Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika" (Southern African Development Community, SADC), gemeinsam mit Angola,Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Swasiland und Tansania. Ziel der Vereinigung mit Sitz in Gaborone ist die engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Staaten (z.B. durch schrittweisen Abbau von Zöllen und Bildung einer Freihandelszone) und die Erhaltung des Friedens.

Zu Beginn der 1980er wurden neue Diamantenvorkommen in Botswana entdeckt (Jwaneng). Zehn Jahre später geriet die Wirtschaft des Landes in eine schwere Krise: Eine verheerende Dürrekatastrophe dezimierte die Viehbestände um rund 50 % (Botswana war zu diesem Zeitpunkt einer der größten Fleischlieferanten Afrikas), zudem verfiel der Weltmarktpreis für Diamanten, Hauptexportgut des Landes. Dennoch war das Land innenpolitisch auch weiterhin äußerst stabil, die BDP des amtierenden Staatspräsidenten errang auch bei den Wahlen 1994 die absolute Mehrheit der Stimmen. Im November 1997 kündigte der Präsident Quett Ketumile Joni Masire aus Altersgründen seinen Rücktritt an. Sein Nachfolger wurde der bisherige Minister für Finanzen und Entwicklung, Festus Gontobanye Mogae (BDP). Nachfolger von Mogae als Präsident ist seit April 2008 Seretse Ian Khama.

Die Bevölkerung von Botswana weist einen der weltweit höchsten Infizierungsgrade mit HIV, dem Erreger der Immunschwächekrankheit AIDS, auf; knapp jeder vierte erwachsene Bewohner ist infiziert.