Brasilien Geschichte

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    Frühzeit bis Neuzeit

    Etwa 1000 v.Chr. lebten ca. 3,6 Millionen Menschen auf dem Gebiet des heutigen Brasilien. Die systematische Besiedelung des Landes durch die Portugiesen begann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1532 Gründung von São Vicente). Ein Generalgouverneur regierte von Bahia (dem späteren Salvador) aus die Ländereien. Auch die anderen Kolonialmächte meldeten Ansprüche auf das Land an, es kam zur Gründung von französischen und niederländischen Siedlungen. Es dauerte rund hundert Jahre, bis sie von brasilianischen Truppen vertrieben wurden (1654). Im 17. und 18. Jahrhundert unternahmen die Portugiesen zahlreiche Vorstöße ins Landesinnere auf der Suche nach Sklaven und Schätzen.

    Das 19. Jahrhundert

    Peter II., Kaiser von Brasilien

    Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Brasilien ein von Portugal abhängiges Vizekönigreich. Als die Franzosen 1807 in das Mutterland Portugal einmarschierten, wechselte der portugiesische Hof für kurze Zeit nach Brasilien. Als nach dessen Rückkehr die in Aussicht gestellte freiheitliche Verfassung für das Land weiter zurückgehalten wurde, kam es am 7. September 1822 zur Unabhängigkeitserklärung Brasiliens mit einem konstitutionellen Kaiser. Drei Jahre später erkannte Portugal die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Kolonie an. Große Einwanderungswellen, der Anbau von Kaffee und die Ausfuhr von Kautschuk führten zu einem raschen Anwachsen der brasilianischen Wirtschaft. Auf den schnell sich vergrößernden Plantagen wurden einheimische Indianer und aus Afrika importierte Sklaven als Arbeitskräfte eingesetzt. Erst 1888 wurde die Sklavenhaltung verboten. Kurz darauf wurde die Monarchie durch das Militär, unterstützt durch die Großgrundbesitzer, gestürzt und eine Republik nach amerikanischem Vorbild ausgerufen.

    Das 20. Jahrhundert

    Im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte Brasilien an der Seite der Alliierten. In den Jahren dazwischen wurde das Land durch die Weltwirtschaftskrise 1930 und den anhaltenden Preisverfall der Hauptexportgüter Kaffee und Kautschuk stark geschwächt. Soziale Unruhen und Aufstände der Landarbeiter gegen die Großgrundbesitzer waren die Folge, die extremistische Parteien erhielten starken Zulauf. Präsident G. Vargas (1930 bis 45) ließ nach einem Aufstand der Kommunisten alle politischen Parteien verbieten und regierte das Land mit diktatorischer Härte. Nicht zuletzt auf Grund der von ihm durchgeführten umfangreichen Sozialreformen wurde Vargas 1950 fünf Jahre nach seiner Entmachtung erneut zum Präsidenten gewählt.

    1960 löste Brasília im Binnenland Rio de Janeiro als Hauptstadt ab. Dies war der Höhepunkt einer Kampagne, den Ausbau des brasilianische Hinterlandes und die Industrialisierung voranzutreiben. Dazu gehörten auch die Ansiedlung ausländischer Industriekonzerne (z.B. VW in São Paulo).

    Nach mehreren Regierungswechseln, die oft gekennzeichnet waren durch Terror gegen Regimegegner, wurde 1985 bei den ersten demokratischen Wahlen ein Zivilist als Präsident gewählt. Auch in den folgenden Jahren gelang es nicht, die hohe Inflationsrate und die Staatsverschuldung zu meistern. 1989 wurde Fernando Collor de Mello direkt vom Volk als Präsident gewählt und legte ein radikales Finanzierungsprogramm vor. Der Nachweis von Bestechlichkeit und Korruption führten Ende 1992 zu seinem Rücktritt und einer Verurteilung.

    Mitte der 90er Jahre begann eine erste Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage Brasiliens unter dem Finanz- und Wirtschaftsexperten Fernando Henrique Cardoso. Erste gesetzliche Einschränkungen der Rodung des tropischen Regenwaldes wurden erlassen. Trotz der anhaltenden Finanzkrise wurde Cardoso 1998 im Amt bestätigt; im selben Jahr und erneut 2001 gewährte der IWF (Internationaler Währungsfond) Brasilien internationale Finanzhilfe. Im Juni 1999 kam es auf brasilianischem Boden (Rio de Janeiro) zu einem ersten Gipfeltreffen der Regierungschefs der Länder Lateinamerikas, der Karibik und der Europäischen Union. Zu diesem Zeitpunkt nahm die Kritik der Brasilianer an der Wirtschaftspolitik des Präsidenten Cardoso immer mehr zu; die wirtschaftliche Lage verschärfte sich weiter durch die Hochwasserkatastrophe im Januar 2000, bei der über 100 000 Menschen obdachlos wurden.

    Im neuen Jahrtausend konnte sich das Land wirtschaftlich erholen. Der Wert der Währung Real stieg gegenüber dem Euro. Der seit 2003 amtierende Präsident Luiz Ináco Lula da Silva, der der Arbeiterpartei angehört, verfolgt verstärkt soziale Ziele (Kampf gegen den Hunger, Landreform). Nach der vollständigen Tilgung der vormals extrem hohen Auslandsschulden ist Brasilien in die Riege der Gläubigerstaaten aufgestiegen. Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre ist beim Großteil der Bevölkerung jedoch nicht angekommen. Als problematisch für das Land erweist sich auch die weltweit gestiegene Nachfrage nach Biotreibstoffen. Die dafür notwendige Zuckerrohrproduktion führt zur Vernichtung des Regenwaldes und zu einem Preisanstieg anderer, durch das Zuckerrohr verdrängter landwirtschaftlicher Produkte. Zur Einhaltung der von Präsident Silva angekündigten Verringerung der Regenwaldabholzungen um 80 % bis zum Jahr 2020 sollten die Anbauflächen für Soja nicht ausgeweitet werden. Die Entdeckung eines riesigen Ölfeldes ("Franco", ca. 4,5 Mrd. Barrel Erdöl) vor der brasilianischen Küste, dessen Förderung die Erdölreserven Brasiliens verdreifachen wird, soll zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes führen.

    2008 gründete Brasilien zusammen mit den anderen elf unabhängigen Staaten Südamerikas die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) nach Vorbild der Europäischen Union.

    Im Oktober 2009 wurde vom Internationalen Olympischen Komitee entschieden, dass die Millionenstadt Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele 2016 austragen wird. Zudem ist Brasilien Austragungsort der Fußball-WM 2014. Ende 2009 unterzeichneten Deutschland und Brasilien ein Kooperationsabkommen zur Vorbereitung der anstehenden sportlichen Großprojekte. Die Regierung Brasiliens sagte zu, dass das Sicherheitsproblem des Landes durch eine umfassende Erneuerung des Systems überwunden werde und auch die notwendigen Großinvestitionen für die fehlenden Infrastrukturen gesichert seien.

    Seit Januar 2011 ist Dilma Vana Rousseff Präsidentin Brasiliens. Der ehemalige Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva durfte nach zweiperiodiger Amtszeit nicht erneut zur Wahl antreten.