Brunei Geschichte

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Die Insel Borneo (nach Grönland und Neuguinea mit rund 755 000 Quadratkilometer die drittgrößte Insel der Welt) war bereits vor der Mitte des dritten Jahrtausends v.Chr. besiedelt, als aus Hinterindien und Südchina stammende Völker auf die Insel einwanderten. Etwa ab dem 3. Jahrhundert n.Chr. verbreiteten sich der Hinduismus und später der Buddhismus durch indische Kaufleute und Missionare. Ab dem 9. Jahrhundert ist die Existenz eines hinduistischen Königreiches Brunei im Norden Borneos belegt. Bis zum 15. Jahrhundert war dieses Königreich in großem Maße abhängig von indonesischen Großreichen (Srivijaya, ab dem 14. Jahrhundert Majapahit).

Bereits ab dem 10. Jahrhundert hatten sich arabische Kaufleute an der Nordküste Borneos angesiedelt und dort den Islam verbreitet. 1410 erklärte sich das Königreich Brunei zum unabhängigen Sultanat, der Islam wurde zur Staatsreligion erhoben. Innerhalb weniger Jahrzehnte konnte Brunei seinen Einfluss auf fast die ganze Insel Borneo ausweiten und stieg durch seine große Flotte zur dominierenden Handelsmacht im Südchinesischen Meer auf.

Mit der europäischen Kolonialisierung Südostasiens begann der Niedergang des Sultanats. 1580 konnten die Spanier einen Teil Bruneis erobern, jedoch nur für kurze Zeit. Ab Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Niederlande die dominierende Kolonialmacht auf den südostasiatischen Inseln. Die Insel Borneo kam mit Ausnahme des Ursprunggebiets des Sultanats Brunei an der Nordküste in den Machtbereich der Niederlande.

1841 schlug der Sultan von Brunei mit Hilfe britischer Truppen unter Führung von Sir James Brooke einen Aufstand in Sarawak nieder. Aus Dank für die Unterstützung ernannte der Sultan den britischen Offizier zum Statthalter der Provinz Sarawak. Auch im Kampf gegen die Piraterie im Südchinesischen Meer kam der britischen Kolonialmacht immer mehr Bedeutung zu, zu diesem Zweck überließ der Sultan von Brunei 1846 die vorgelagerte Insel Labuan den Briten. 1877 musste der Sultan die Provinz Sabah an die britische Handelsgesellschaft "North Borneo Company" verkaufen. Das restliche Sultanat wurde 1888 unter britischen Schutz gestellt.

Formal blieb Brunei als Sultanat unabhängig, doch stand es unter Kontrolle eines britischen Residenten, während der Sultan nur noch repräsentative Funktion hatte. 1929 wurden auf dem Territorium von Brunei große Erdölvorkommen entdeckt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Insel Borneo (ebenso wie fast ganz Südostasien) durch japanische Truppen besetzt. Nach der Kapitulation der Japaner 1945 wurde Brunei wieder britisches Verwaltungsgebiet: Dabei handelte es sich nur noch um Teile des ursprünglichen Sultanats. Ein Großteil Borneos wurde unter dem Namen "Kalimantan" Teil der neugegründeten "Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien". Die Provinzen Sarawak und Sabah wurden 1946 eigenständige britische Kronkolonien.

Das Sultanat Brunei erhielt 1959 das Recht auf innere Selbstverwaltung und eine erste Verfassung. Diese schrieb die fast uneingeschränkte Macht des Sultans fest. Nach einem Aufstand der Bruneischen Volkspartei 1962 wurde der Ausnahmezustand für das Land ausgerufen (und ist bis heute in Kraft).

Die Kolonialmacht Großbritannien wollte das Sultanat dem 1963 gegründeten Staatenbund Malaysia (Malaya, Singapur, Sabah, Sarawak) anschließen, doch das durch die Erdölförderung inzwischen zu großem Reichtum aufgestiegene Land lehnte den Beitritt ab.

1971 erhielt Brunei die volle innere Autonomie, blieb aber auf eigenen Wunsch weiterhin britisches Protektorat. Erst im Januar 1984 wurde "Brunei Darussalam" als Staat unabhängig und noch im gleichen Jahr Mitglied des 1967 gegründeten ostasiatischen Staatenverbundes "ASEAN" (Association of Southeast Asian Nations). Zur Hauptstadt wurde offiziell Bandar Seri Begawan ernannt. Im September 1984 wurde Brunei in die UNO aufgenommen.

Seit 1967 herrschte Sultan Haji Hassanal Bolkiah als absoluter Monarch über das Land. Er erließ 1988 ein Parteienverbot – die einzige zugelassene Oppositionspartei ist die 1985 gegründete Nationaldemokratische Partei, die vergeblich auf eine Demokratisierung drängt.

Die außenpolitischen Leitlinien des Landes werden bis heute durch die fortdauernden engen Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien und die Einbindung in die ASEAN-Staatengemeinschaft bestimmt. 2002 trat das Freihandelsabkommen der ASEAN in Kraft. Auch zu den westlichen Industrienationen und zu den USA pflegt Brunei gute Beziehungen.