Burkina Faso Geschichte

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Erste Informationen über das Staatsgebiet reichen in das 16. Jahrhundert, möglicherweise bis ins 12. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit bestanden im Land Königreiche unter der Herrschaft der Mossi. Ein gut organisiertes Verwaltungssystem und die Tradition des göttlichen Königtums mit einem einflussreichen Mogho Naba (Kaiser) an der Spitze verhinderten die Eroberung und Eingliederung in die benachbarten Sudanreiche - mit einer Ausnahme: der Eroberung durch das Königreich der Songhai, das aber Ende des 16. Jahrhunderts endete.

Im späten 19. Jahrhundert wurde das Gebiet von Frankreich unterworfen. Das Königreich wurde zum Protektorat und zahlreiche Arbeitskräfte gingen in das fruchtbare Nachbarland Elfenbeinküste. Die französische Kolonialmacht unternahm in den darauf folgenden Jahrzehnten vielfältige Umstrukturierungen und Neuzuordnungen des Protektorats: 1904 wurde das Land Teil der Kolonie Haut-Sénégal-Niger, 1919 Teil von Französisch-Westafrika und 1932 unter Französisch-Sudan und der Elfenbeinküste aufgeteilt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 wurden die einzelnen Landesteile wieder zusammengeführt.

Nach Versuchen, die ehemaligen Kolonien in den französischen Staat einzugliedern, erhielt Burkina Faso 1958 einen autonomen Status innerhalb der französischen Gemeinschaft und 1960 die Unabhängigkeit. Bei seiner Unabhängigkeitserklärung 1960 erhielt das Land den Namen Obervolta und wurde sechs Jahre von Staatspräsident Maurice Yaméogo regiert. Jahrzehnte politischer Umstürze und Unruhen folgten. 1966 wurde das autoritäre und korrupte Regime durch einen Militärputsch unter General Sangoulé Lamizana abgelöst. Militär- und Zivilregierungen lösten sich in kurzen Abständen ab. Unter keinem der Machthaber konnte die Wirtschafts- und Versorgungslage grundsätzlich verbessert werden. 1980 wurde Lamizana gestürzt und Oberst Saye Zerbo wurde Präsident. Es folgte 1983 die Machtübernahme durch Hauptmann Thomas Sankara, einen linksgerichteten Sozialisten. Massive soziale Umgestaltungsmaßnahmen begannen und ein so genannter Volkswohlfahrt-Ausschuss (PSC) leitete radikale Reformen ein. Erklärtes Ziel war, die bisher Unterprivilegierten wie Frauen und Bauern zu emanzipieren und den nach wie vor sehr starken Einfluss Frankreichs und des Nachbarlands Elfenbeinküste zu vermindern. Zugleich bekämpfte Sankara die grassierende Korruption und senkte den Anteil der Gehälter des öffentlichen Dienstes innerhalb von vier Jahren von 70 % der Staatsausgaben auf 40 %. 1984 wurde der Landesname in Burkina Faso (Land der Unbestechlichen) geändert. Die Radikalität seiner Reformen machte Sankara zwar in weiten Kreisen der ländlichen Bevölkerung populär, doch einige Gruppierungen, die die Politik Sankaras am Anfang unterstützten, entfremdeten sich seiner Politik. Nach mehreren Sabotageakten regierte Sankara ohne Kabinett, bei einem Putsch 1987 wurde er erschossen. Nachfolger wurde sein ehemaliger politischer Berater Hauptmann Blaise Compaoré. Im Laufe der nächsten Jahre wurden wieder Parteien zugelassen. 1991 wurde Blaise Compaoré bei einer Wahlbeteiligung von unter 30 % (die Opposition hatte zum Boykott aufgerufen) zum Staatspräsidenten gewählt. Im Mai 1992 wurden erstmals seit 14 Jahren wieder Parlamentswahlen durchgeführt. 1996 schloss sich die Regierungspartei ODP-MT (Organisation pour la Démocratie Populaire-Mouvement du Travail) mit zehn bisherigen Oppositionsparteien zum CDP (Congrès pour la Démocratie et le Progrès) zusammen und Blaise Compaoré wurde 1998 wiedergewählt.

Ein Zeichen für die innenpolitisch angespannte Lage Ende der 1990er Jahre war die Ermordung von Norbert Zongo, Chefredakteur der Zeitung "L'Indépendant" und Vorsitzender der "Gesellschaft privater Zeitungsverleger" (Société des éditeurs de la presse privée). Norbert Zongo war ein scharfer Kritiker der Regierung. Grund für die Ermordung waren unter anderem seine Bemühungen, den Mord an David Ouédraogo, der im Januar 1998 in der Haft an den Folgen der Folter gestorben war, aufzuklären. Sein Tod löste erhebliche Proteste und soziale Unruhen aus. Die Regierung reagierte mit der Einsetzung einer Untersuchungskommission. Im Fall David Ouédraogo nahm die Polizei 1999 drei Verdächtige fest, gegen die Anklage erhoben wurde. Gegen die der Ermordung Norbert Zongos Verdächtigten wurden zunächst keine rechtlichen Schritte eingeleitet; im Februar 2001 kam es - nach Protesten internationaler Menschenrechtsorganisationen - zur Anklage gegen den Hauptverdächtigen, einem Mitglied der Präsidentengarde. Angesichts dieser Fakten und einer Reihe weiterer ungeklärter Todesfälle von Inhaftierten und Oppositionellen startete das wirtschaftlich schwache Land mit großen innenpolitischen Problemen in das neue Jahrtausend. Das Regierungsbündnis CDP erhielt bei den Parlamentswahlen 2002 zwar knapp die absolute Mehrheit, verlor jedoch gegenüber den vorhergegangenen Wahlen zahlreiche Sitze. Compaoré, der bei den Präsidentschaftswahlen 2005 erneut kandidieren durfte, errang einen deutlichen Wahlsieg. Bei den Parlamentswahlen 2007 konnte die CDP entsprechend wieder deutlich zulegen. Insgesamt haben sich die demokratischen Verhältnisse im Land stabilisiert, wenn es auch manchmal Rückschläge wie z.B. die Zusammenstöße zwischen Militär und Polizei im Dezember 2006 gibt. Auch kam es wegen des starken Anstiegs der Lebenshaltungskosten im Februar 2008 zu teilweise gewalttätigen Protesten und Krawallen. 2010 stellte sich Compaoré ein weiteres Mal erfolgreich zur Wiederwahl. Bei den Parlamentswahlen im Dezember 2012 konnte die CDP trotz Zugewinnen der Opposition ihre Mehrheit verteidigen.