Burundi Geschichte

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Vermutlich stellten die als Jäger und Sammler lebenden Pygmäen die Urbevölkerung des heutigen Burundi dar. Diese wurden ab dem 8. Jahrhundert allmählich von dem aus dem Süden einwandernden Volk der Hutu verdrängt. Die Hutu, die zu den Bantu-Völkern gehören, praktizierten überwiegend Ackerbau. Etwa ab dem 15. Jahrhundert drang von Norden her das kriegerische Volk der Tutsi (auch: Hima) in das Gebiet des heutigen Burundi ein und gründete ein Königreich, in dem die zahlenmäßig weit überlegenen Hutu nur eine untergeordnete Stellung einnahmen. Die Tutsi übernahmen die Sprache und Religion der Hutu, an der Spitze des Reiches stand der König ("Mwami"), der gleichzeitig das religiöse Oberhaupt des Landes darstellte.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drangen Europäer bis auf das Gebiet des heutigen Burundi vor, zu ihnen gehörten z.B. die britischen Forscher Richard Francis Burton und John Hanning. 1890 wurde Afrika unter den europäischen Kolonialmächten aufgeteilt, das spätere Burundi wurde Teil von "Deutsch-Ostafrika" (gemeinsam mit den heutigen Staaten Tansania und Ruanda).

Während des Ersten Weltkriegs rückten belgische Truppen vom Kongo aus in das Gebiet des heutigen Burundi vor und übernahmen dort die Herrschaft. Wie schon die deutschen Kolonialherren vor ihnen ließen sie die herrschenden Strukturen (eine Tutsi-Minderheit regierte die Mehrheit der Hutu-Bevölkerung) relativ unangetastet. Im Friedensvertrag von Versailles 1920 wurde das Gebiet des heutigen Burundi gemeinsam mit Ruanda zum Mandatsgebiet des Völkerbundes (Ruanda-Urundi) erklärt und unter belgische Verwaltung gestellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1946 wurde das Gebiet Treuhandgebiet der Vereinten Nationen (UN). Erstmals bemühte man sich um einen Abbau der Vormachtsstellung der Tutsi, indem man z.B. Verwaltungsämter gezielt mit gebildeten Hutu besetzte.

Im Zuge der Entkolonialisierung wurden Ende der 1950er Jahre politische Parteien zugelassen. Von den insgesamt rund 20 entstehenden Parteien hatten nur zwei Bedeutung: die antibelgische "Parti de l'Unité et du Progrès National" (UPRONA) unter Führung des Tutsi Louis Rwagasore und die von der ehemaligen Kolonialmacht unterstützte "Parti Démocrate Chrétien" (PDC). Die UPRONA gewann bei den von der UNO überwachten Parlamentswahlen im September 1961 die Mehrheit der Stimmen. Ihr Führer Louis Rwagasore wurde erster Regierungschef von Burundi, das inzwischen verwaltungsmäßig von Ruanda getrennt war und dem die innere Autonomie und Selbstverwaltung zugestanden worden war.

Nur wenige Tage nach der Wahl wurde Louis Rwagasore ermordet. Als daraufhin in einem Vergeltungsschlag vier Hutu-Gewerkschafter durch radikale Tutsi ermordet wurden, brach Anfang 1962 der Konflikt zwischen den beiden Völkern offen aus und ist bis heute nicht beigelegt. Vor diesem Hintergrund wurde Burundi im Juli 1962 als konstitutionelle Monarchie mit Mwami Mwambutsa II. als Staatsoberhaupt in die Unabhängigkeit entlassen.

Die inzwischen einzig relevante Partei des Landes, UPRONA, zerfiel in einen radikalen und einen gemäßigten Flügel (Casablanca- bzw. Monrovia-Flügel). In etwa zur gleichen Zeit kamen im benachbarten Ruanda mit Unterstützung Belgiens die Hutu an die Macht und vertrieben die gesamte Oberschicht der dort ansässigen Tutsi aus dem Land. Der aus Ruanda vertriebene König Mwami Kigéri V. gründete in Burundi eine Exilregierung und startete von hier aus Invasionsversuche nach Ruanda, die von den dortigen Regierungstruppen mit Vergeltungsschlägen, die auch auf burundisches Gebiet übergriffen, beantwortet wurden.

Nach innenpolitischen Wirren mit mehreren Regierungswechseln und anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Völkern der Hutu und Tutsi (allein im Oktober 1965 kamen bei einer Vergeltungsmaßnahme der Tutsi-dominierten Armee mehr als 5000 Hutu ums Leben) wurde im November 1966 die Republik ausgerufen. Die UPRONA unter dem Tutsi Michel Micombero wurde zur Einheitspartei erklärt, Micombero ernannte sich zum ersten Präsident der Republik (bis 1976). In der Folgezeit wurden Hutu aus allen bedeutenden Ämtern in Politik und Verwaltung vertrieben und es kam zu Massenverhaftungen. Einen neuen Höhepunkt erreichten die Spannungen im April 1972, als es nach einem Putschversuch von Hutu und der Ermordung zahlreicher Tutsi zu extremen Gegenmaßnahmen der Regierungstruppen kam. Bei Massenhinrichtungen kamen die verbliebenen Mitglieder der Hutu-Elite ums Leben, rund 100 000 Flüchtlinge verließen das Land. Die folgenden Jahre waren geprägt von blutigen Anschläge von Hutu-Guerillas von den umliegenden Ländern aus und ebenso grausamen Vergeltungsmaßnahmen des burundischen Militärs gegen die im Land lebenden Hutu.

Ab Mitte der 1970er Jahre schien es zu einer leichten Entspannung zu kommen, als die UPRONA als Einheitspartei abgeschafft wurde (ab 1982 "Unité pour le Progrès National") und vermehrt Hutu in den Verwaltungsapparat des Landes miteinbezogen wurden. 1982 wurde eine neue Verfassung angenommen und es fanden erstmals seit 17 Jahren wieder Wahlen statt, bei denen der seit 1976 regierende Jean-Baptiste Bagaza in seinem Amt als Staatspräsident bestätigt wurde.

Bagaza wurde 1987 durch einen unblutigen Militärputsch entmachtet, die politische Führung des Landes übernahm ein "Militärkomitee des Nationalen Heils" (Comité Militaire du Salut National/CMSN), das neue Staatsoberhaupt wurde Major Pierre Buyoya (Tutsi). Im folgenden bemühte sich die Führung um einen Ausgleich zwischen den verfeindeten Völkergruppen, jedoch ohne großen Erfolg. Ab Mitte 1988 wurde eine Regierung der "Nationalen Versöhnung" mit zunächst zwölf Hutu und elf Tutsi gebildet (ein Jahr später 14 Hutu, 10 Tutsi). Per Verfassungsänderung wurde das Mehrparteiensystem wieder eingeführt und demokratische Wahlen angekündigt.

Aus diesen Wahlen ging 1993 der Hutu Melchior Ndadaye mit 65 Prozent der Stimmen als Wahlsieger hervor und wurde neues Staatsoberhaupt in Burundi. Bei den folgenden Parlamentswahlen gewann die Hutu-Partei FRODEBU ("Front pour la démocratie au Burundi"/"Front für die Demokratie") des amtierenden Staatschefs über 70% der abgegebenen Stimmen und damit 65 der insgesamt 81 Parlamentssitze. Im Oktober des gleichen Jahres wurden Ndadaye und sechs weitere Hutu-Politiker ermordet, worauf es erneut zu blutigen Unruhen mit mehreren Tausend Toten und Flüchtlingen kam. In den Lagern in den Nachbarländern führte die erneute Flüchtlingswelle (schätzungsweise eine Million) zu Hungerkatastrophen und den Ausbruch von Epidemien.

Der neue Hutu-Staatschef Cyprien Ntaryamira ernannte im Februar 1994 den Tutsi Anatole Kanyen Kiko zum Chef einer Koalitionsregierung aus FRODEBU und UPRONA. Nur wenige Monate später kamen der burundische und der ruandische Staatschef bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, worauf es in beiden Ländern erneut zu Massakern zwischen den Ethnien kam.

In Burundi wurden die politischen Geschicke des Landes auch in den nächsten Jahren von einem Hutu-Staatspräsidenten und einem Tutsi-Regierungschef und dessen Koalitionsregierung geleitet, doch immer wieder kam es zu blutigen Auseinandersetzungen z.B. zwischen Hutu-Milizen und der Tutsi-dominierten Armee, bei denen auch zahllose Zivilisten ums Leben kamen.

1996 übernahm nach einem Putsch erneut das Militär die Macht in Burundi. Ex-Parteichef Pierre Buyoya kehrte zurück, erklärte das Parlament für aufgelöst und den amtierenden Präsidenten (Sylvestre Ntibantunganya) für abgesetzt. Daraufhin verhängten einige afrikanische Länder ein Wirtschaftsembargo gegen Burundi, die USA und die Europäische Union drohten mit der Einstellung der für Burundi lebenswichtigen Entwicklungshilfe.

Trotz der Aufhebung des Parteienverbotes und der offiziellen Wiedereinsetzung des Parlaments kam das Land auch in den folgenden Jahren nicht zur Ruhe. Staatschef Buyoya bot seine Bereitschaft zu Verhandlungen mit der von Hutu geführten Guerillaorganisation "Nationalrat für die Verteidigung der Demokratie" (CNDD) an unter der Voraussetzung der Entwaffnung der Milizen.

Im Juni 1998 wurde ein Friedensvertrag zwischen der burundischen Regierung und der Hutu-Rebellenorganisation CNDD unter ihrem Führer Léonard Nyangoma geschlossen, der jedoch von keiner der beiden Seiten eingehalten wurde. 1999 kam es erneut zu Zwangsumsiedlungen von rund 350 000 Hutu in so genannte "beschützte Siedlungen". In diesen Massenlagern, die vollkommen von ausländischen Hilfslieferungen abhängig waren, herrschten katastrophale Lebensbedingungen. Nach der Ermordung von UN-Mitarbeitern durch Hutu-Rebellen stellten internationale Hilfswerke ihre Lieferungen teilweise ganz ein, während die UN von der burundischen Regierung die Auflösung der Lager forderte.

Im August 2000 kam es nach monatelanger Vermittlung durch den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen den verfeindeten Gruppierungen, doch einige Kriegsparteien boykottierten die Verhandlungen und das Abkommen. Am 1. November 2001 wurde schließlich eine Übergangsregierung vereidigt. Seit 2005 ist eine neue Verfassung in Kraft, die Burundi zu einer präsidialen Republik macht. Im selben Jahr wurden demokratische Wahlen abgehalten, durch die Pierre Nkurunziza zum Präsidenten gewählt wurde. Die Parlamentssitze wurden gemäß dem Anteil der Ethnien innerhalb der Bevölkerung vergeben.