Deutschland (Kunst, 20. Jahrhundert)
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Jugendstil
Mit der Abwendung vom Historismus des 19. Jh.s. und der künstlerischen Gestaltung des gesamten menschlichen Lebensraumes im Jugendstil trat die deutsche Kunst ins 20. Jh. ein. In der Jugendstilarchitektur (A. Loos, P. Behrens, J. Hoffmann, B. Pankok, R. Riemerschmid, H.C. van de Velde) wurde durch funktionale Konzepte (Kölner Werkbundausstellung 1914, W. Gropius, B. Taut) die Architektur des Bauhauses (1919-33, Skelett-Glas-Bauweise) vorbereitet, deren hoher Standard erst wieder nach Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg in den 60er Jahren erreicht werden konnte (Berliner Philharmonie, 1960 bis 63, H.B. Scharoun). Der Jugendstil als künstlerisch-kreative Tendenz umfasste auch das Design täglicher Gebrauchsgegenstände (ebenfalls im Bauhaus aufgegriffen durch Verknüpfung von Handwerk, Industrie und Kunst), entwickelte dabei eine an Pflanzen oder am Abstrakten orientierte Ornamentik.
Expressionismus
Ab 1905 setzte sich der Expressionismus gegen die Jugendstil-Ästhetik durch. Nicht mehr die Betonung der ästhetischen Form, nicht die Künstlichkeit, sondern die Farbe als autonomes und psychisch wirksames Ausdrucksmittel wurde ins Zentrum der Malerei gestellt. Künstlergruppen bildeten sich (1905 "Die Brücke" in Dresden mit Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff u.a.; 1911 "Der Blaue Reiter" in München mit Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter u.a.); andere Künstler des deutschen Expressionismus waren M. Pechstein, O. Mueller, E. Nolde, E. Barlach (Plastik), W. Lehmbruck (Plastik); ausgehend vom "Blauen Reiter" (insbesondere von Kandinsky, Jawlensky, F. Marc) entwickelte sich die abstrakte Malerei in der deutschen Kunst, die sich allerdings erst unter internationalem Einfluss (De Stijl, Suprematismus, Konstruktivismus) nach dem Ersten Weltkrieg voll entfalten konnte;
Bauhaus
Künstler des Bauhauses (unter anderem L. Feininger, O. Schlemmer, P. Klee; C. Buchheister, F. Vordemberge-Gildewart, W. Dexel, W. Baumeister) trugen zur Entwicklung eines systematischen Gestaltungsgefüges abstrakter Malerei bei, während Maler wie G. Grosz, O. Dix, M. Beckmann, K. Hubbuch, die Künstlerin K. Kollwitz u.a. (nicht zuletzt unter dem Eindruck der Zerstörungen des Ersten Weltkrieges) einen gesellschaftskritischen Realismus konzipierten.
Dada
Daneben provozierten die Künstler des Dada (H. Arp, M. Ernst, R. Hausmann, K. Schwitters, H. Höch, J. Heartfield) die bürgerliche Gesellschaft mit Aktionen, Nonsens-Lyrik, Fotomontagen, Collagen, Materialbildern u.Ä. und begründeten den deutschen Surrealismus (Arp, Ernst), der sich erst in Paris kontinuierlich entfalten konnte (bis zur 2. Hälfte des 20. Jh.s.; von R. Oelze, H. Bellmer, M. Zimmermann später wieder aufgegriffen).
NS-Zeit
Der ideologisierende Neoklassizismus des Nationalsozialismus denunzierte alle anderen Kunststile als "entartete Kunst" und verbot bzw. verfolgte ihre künstlerischen Repräsentanten, von denen viele in die Emigration getrieben wurden.
Nachkriegszeit BRD
In der Nachkriegsentwicklung knüpfte die Kunst der Bundesrepublik Deutschland an die abstrakte Kunst der vornationalsozialistischen Zeit an, beeinflusst durch die internationale (insbesondere französische) Kunstentwicklung (H. Hartung, École de Paris; Wols u.a., Tachisten). Auch in der Plastik entfalteten sich neben figürlicher Bildhauerei abstrakte Tendenzen als Objektkunst, als konstruktivistisches Experiment (O.H. Hajek, E. Hauser, N. Kricke u.a.), in der Einbeziehung neuer Medien wie Bewegung, Licht, Wasser (seit den 60er Jahren). Hardedge (streng abgegrenzte Formen und flache Farbfelder), Minimal Art, Op-Art begründeten eine neokonstruktivistische Richtung (L. Quinte, P. Palermo, W. Gaul, G. Fruhtrunk, K.G. Pfahler), die in den 70er Jahren durch innovative, radikale Gegenständlichkeit nach US-amerikanischer Pop-Art und Ähnlichem bestimmt wird (B. Schultze, D. Roth, M. Buthe). Vertreter neuer Entwicklungen von Konzeptkunst, Happening, Fluxus, Neo-Dada, "Spurensicherung", "individueller Mythologie" sind J. Beuys, J. Gerz, F.E. Walther, K. Rinke, N. Lang, T. Ullrichs, A.D. Trantenroth u.a.; R. Girke und die Gruppe "Zero" (Ende der 50er Jahre, Heinz Mack, Otto Piene, Günter Uecker) integrieren mystische, naturromantische Impulse ins Werk; Neorealisten und fantastische Realisten wie die Gruppe "Zebra" (1962 gegründet, D. Asmus, P. Nagel, N. Störtenbecker, D. Ulrich), J. Grützke, K. Klapheck, W. Petrick u.a. arbeiten überwiegend im konventionellen Bereich Malerei und Plastik, z.T. auch in der Fotografie (G. Richter, L.M. Wintersberger, P. Wunderlich).
Neue innovative Momente haben sich in den 70er und 80er Jahren herausgebildet; so in der Fotografie mit neuen (technischen und künstlerischen) Möglichkeiten, so in der Malerei der Neuen Wilden, die durch sehr starke Farblichkeit, emphatische Gestik und persönliche Bildchiffren (anknüpfend an Expressionismus und Fauvismus) seit 1978 Eingang in die deutsche Kunst gefunden hat (insbesondere in Berlin R. Fetting, Salomé, H. Middendorf, E. Bach; in Köln die Gruppe "Mülheimer Freiheit"). Zur neueren deutschen Kunst zählt auch der fantastische Realismus (Horst Janssens Chamäleon-Zerrbilder, Paul Wunderlichs erotische Frauengestalten, Paul Mecksepers astronomische, feinmechanische Geräte) oder neuere Formen der Performance-Kunst wie Video-Installationen (Video-Objektkunst) von Wolf Vostell (seit den 60er Jahren) u.a.; auch die Auseinandersetzung mit deutschen Mythen und den politischen Zuständen der Gegenwart im Werk von A. Kiefer und J. Immendorff.
DDR
Die offizielle Kunst der DDR war bis zur Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland durch das Konzept des sozialistischen Realismus geprägt, eine dem arbeitenden Volk verbundene, die gesellschaftliche Entwicklung parteilich begleitende Kunst. In den Mittelpunkt künstlerischen Schaffens rückte die realistische Darstellung der Arbeitswelt, anknüpfend an Traditionen proletarisch-revolutionärer Kunst. Bekannte Bildhauer der DDR waren F. Cremer (Gedenkstätte Buchenwald), W. Lammert, W. Grzimek u.a.; bedeutende Maler waren vor allem O. Nagel, L. Grundig, W. Sitte.