Deutschland (Kunst, Mittelalter)
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Die Anfänge einer deutschen Kunst lassen sich in ottonischer Zeit (9./10. Jh.) ansetzen, die eine erste Blütezeit der Architektur, Malerei und Plastik darstellt.
In der Romanik bestimmte noch der karolingische Kirchentyp die Baukunst: dreischiffige, z.T. doppelchörige, querschiffige Basilika mit ausgeschiedener Vierung (festes Maßsystem; so St. Michael, Hildesheim, 1033 geweiht), mit rhythmischem Stützenwechsel, geschlossener Wandfläche und typischem Würfelkapitell.
Neben der Baukunst existierten die Buch- und Wandmalerei (Reichenauer Schule), Goldschmiedekunst (Basler Antependium Heinrichs II., 1019 gestiftet), Bronzebildnerei (Bernwardstür, 1015). Auch in der Salierzeit (seit 1024) dominierte die sakrale Baukunst, wie der Speyerer Dom (ab 1030, mit Lisenen und Blendarkaden als Wandgliederung, technisch meisterhaftem Kreuzgratgewölbe des Mittelschiffs, ab 1180). Die romanische Plastik tendierte zu monumentalen Werken (Imad-Madonna, Paderborn, ca. 1060).
Die Sakralarchitektur der Stauferzeit (seit 1138) zeichnete sich durch geschlossene und schwere Bauwerke aus; von der französischen Gotik wurde erst im 12. Jh. das Rippengewölbe übernommen; weitere Außendifferenzierung durch mehrere Türme (Dome in Worms, ab 1171, Bamberg, ab 1185) folgte. In der spätstaufischen Bildhauerei manifestierte sich dann der Übergang zur Gotik. In Anlehnung an französische Vorbilder wurden eigenwillige Figurenzyklen (Straßburg, Südportal und Engelspfeiler, ca. 1230; Bamberg, Adamspforte und Bamberger Reiter, vor 1237; Naumburg, Stifterfiguren und Lettner, ca. ab 1249) geschaffen, die weniger an die Bauwerke gebunden waren und größere Bewegtheit und Gestik aufwiesen.
Die gotische Architektur bildete sich langsamer heraus; erste rein gotische (an der französischen Frühgotik orientierte) Sakralbauten waren die Trierer Liebfrauenkirche und die Marburger Elisabethkirche (beide ab 1235); durch frühgotische Raumkonzeption (Zentralbau, Hallenkirche mit hoch entwickelter Glasmalerei) entstand noch keine französische Dominanz; gegen Mitte des 13. Jh. setzte sich dann die französische Kathedralgotik im Kirchenbau durch (Neubau von Kölner Dom (seit 1248) und Straßburger Münster, Freiburger Münster).
Mit dem Hallenchor der Heiligkreuzkirche (Schwäbisch-Gmünd, H. Parler, 1351) begann die Spätgotik in der Baukunst; jetzt benennbare Architekten (wie P. Parler) prägten die deutsche Kunst (monumentale Netzgewölbe im Prager Dom; Ulmer Münster von U. von Ensingen; Landshuter St. Martin, ab 1380 von H. Stethaimer; Münchner Frauenkirche, 1468-88 von J. Ganghofer). Auch die profane Architektur entwickelte sich; mehrgeschossige Repräsentationsbauten, Bürgerpalais, Handels- und Rathäuser (Aachen, Braunschweig, Breslau, Lüneburg, Stralsund, Tangermünde, Thorn usw.) entstanden im Auftrag des sich emanzipierenden Stadtbürgertums und bestimmten das Stadtbild (wie ebenso Mauern, Türme, Tore u.Ä.).
Die spätgotische Plastik ist durch Portalarbeiten im 13./14. Jh. (nach französischem Vorbild in Straßburg, Köln, Regensburg, Freiburg i.B.), aber auch durch das von der Baukunst gelöste Andachtsbild (Pieta, Christus-Johannes-Gruppe) bestimmt; realistische Prägung der Bauskulptur im späten 14. Jh. durch P. Parler. Ins 15. Jh., eine sehr produktive Periode deutscher Bildhauerei (N. Gerhaert u.a.), führte der verfeinerte, internationale "Weiche Stil" (Schöne Madonnen); süddeutsche (H. Multscher, M. Pacher, Niclas Hagnower, Veit Stoß, T. Riemenschneider, G. Erhart, Meister H. L. u.a.) und norddeutsche Künstler (B. Notke u.a.) schufen herrliche Schnitzaltäre mit Tafelgemälden. Von besonderer Bedeutung war in der 2. Hälfte des 14. Jh. die böhmische Tafelmalerei (Meister Theoderich) mit Wirkung auf Hamburg (Meister Bertram) und andere Zentren (S. Lochner in Köln, K. Witz am Oberrhein).
Ab Mitte des 15. Jh. wirkte niederländischer Einfluss auf die Kölner Schule (Meister des Marienlebens), auf Hausbuchmeister, M. Schongauer, H. Pleydenwurff, M. Wolgemut u.a. Die Entwicklung der Druckgrafik (Meister der Spielkarten, Hausbuchmeister, Meister E.S., M. Schongauer) beförderte die Verbreitung und Entwicklung der deutschen Kunst.

