Dominikanische Republik Geschichte

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Mittelalter

Etwa 700 n.Chr. wanderten aus Venezuela kommend Stämme der Aruak über die Kleinen Antillen auf das heutige Staatsgebiet der Dominikanischen Republik ein. Sie bildeten den Höhepunkt der kulturellen Entwicklung vor dem Auftauchen europäischer Seefahrer. 1492 traf Christoph Kolumbus auf der gebirgigen Insel ein und nannte sie La Española, auf lateinisch Hispaniola. 1496 kehrte er auf seiner zweiten Westindien-Fahrt mit spanischen Siedlern zurück und gründete das spätere Santo Domingo, das sich rasch zum Zentrum der Verwaltung der neuen spanischen Besitzungen entwickelte. Die Versklavung der Aruak-Indianer und eingeschleppte Seuchen dezimierten die einheimische Bevölkerung, und die Kolonialherren führten schwarzafrikanische Sklaven als Arbeiter für die entstandenen Zuckerrohrplantagen ein. Dadurch war bereits Anfang des 16. Jahrhunderts die einheimische Bevölkerung weitgehend durch Afrikaner ersetzt.

Frühe Neuzeit und 19. Jh.

Mitte des 17. Jahrhunderts eroberten so genannte Bukanier, französische Freibeuter, nach und nach den Westteil der Insel Hispaniola. Im Frieden von Rijswijk 1697 musste Spanien diesen Teil der Insel an Frankreich abtreten. Wegen ihrer Zuckerrohr-, Kakao-, Kaffee- und Tabakplantagen war die Kolonie aber auch weiterhin für die Kolonialherren lukrative Einnahmequelle. Knapp hundert Jahre später, im Jahr 1795, musste Spanien im Frieden von Basel auch den Westteil der Insel an Frankreich abgeben.

Doch bereits einige Jahre zuvor hatten Schwarze und Mulatten anfangs im Westteil, später auch im Ostteil der Insel die französische Revolution zum Anlass genommen, um ihrerseits gegen die weißen Großgrundbesitzer zu rebellieren. Unter dem schwarzen ehemaligen Sklaven Toussaint Louverture gelang es den Aufständischen, Ende des 18. Jahrhunderts die beiden Inselteile zu vereinigen und Anfang des 19. Jahrhunderts gegen angreifende Napoleonische Truppen zu verteidigen. 1804 erklärte Jean-Jacques Dessalines Hispaniola als "Haiti" für unabhängig und erhob sich selbst zum Kaiser. Er wurde jedoch bereits zwei Jahre später ermordet; den spanischstämmigen Bewohnern des Ostteils gelang es mit britischer Hilfe, eine Mulattenrepublik zu gründen, die sich wieder der spanischen Krone unterstellte.

Doch diese Phase währte nur kurz. 1821 erhob sich die dominikanische Bevölkerung gegen Spanien, Haiti besetzte daraufhin den Westteil und einte für kurze Zeit die Insel ein weiteres Mal. Im Jahr 1844 wurden sie vertrieben. Die unabhängige "Dominikanische Republik" wurde ausgerufen und kam nochmals für zwanzig Jahre unter spanische Oberherrschaft. Ein weitere Aufstand führt 1865 zur endgültigen Unabhängigkeit.

Das 20. Jahrhundert

Nachdem 1870 der US-Senat den Antrag zum Beitritt der Republik zur USA abgelehnt hatte, begannen jahrzehntelange blutige Auseinandersetzungen, denen erst eine militärische Intervention der USA Anfang des 20. Jahrhunderts ein Ende setzte. 1905 übernahm die USA die Zollhoheit, 1907 die Finanzhoheit, 1916 tilgten sie die aufgelaufenen Schulden des verarmten Landes und besetzten es. 1924 ging die Besetzung zu Ende und die Dominikanische Republik gab sich eine freiheitliche Verfassung, die jedoch mit einem Putsch des Oberbefehlshabers der Armee, R. L. Trujillo y Molina, endete. Bis 1962 beutete dieser gemeinsam mit seiner Familie das Land aus. Erst ein Jahr nach seiner Ermordung willigten seine Söhne in eine erneute Liberalisierung und freien Wahlen ein, die der linke Exilpolitiker Juan Bosch mit einer Zweidrittelmehrheit gewann. Doch bereits 1963 putschte das Militär erneut und ein weiterer Bürgerkrieg folgte, der erst durch eine zweite Militärintervention der USA beendet werden konnte.

1966 übernahm der gemäßigt-konservative Politiker J. Balaguer als neu gewählter Präsident die Macht. Ungewollt unterstützt durch den Boykott der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen durch die stärkste Oppositionspartei, die Partido Revolucionario Dominicana (PRD) des früheren Präsidenten Bosch, gewann Balaguer ebenfalls die Wahlen 1970 und 1974. Sein Regierungsstil war autoritär, ohne notwendige soziale und politische Reformen anzugehen. 1978 unterlag er und der neu gewählte sozialdemokratische Präsident A.S. Guzmán Fernández kam an die Macht. Aber auch ihm gelang es nicht, wesentliche soziale und wirtschaftliche Veränderungen durchzusetzen. Fernández beging 1992 Selbstmord und ihm folgte Jorge Blanco als Kandidat der PRD nach. 1986 kam Balaguer erneut an die Macht und leitete bis 1996 das Land als Staatspräsident. Im Juni wurde er von Leonel Fernández Reyna von der Dominikanischen Befreiungspartei (PLD) abgelöst. Bereits Anfang der 90er Jahre war die innenpolitische Situation im Land erneut von Ausschreitungen und Unruhen gekennzeichnet. Dennoch nahmen die Urlauberzahlen in diesem Zeitraum ständig zu und entwickelten sich neben dem Export von Nahrungsmitteln zum wichtigsten Devisenbringer.

1998 fanden Parlamentswahlen statt und die PRD konnte die Mehrheit der Stimmen sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Senat erringen, während die Partei des amtierenden Präsidenten in die Opposition ging. 2000 wurde der Unternehmer Hipólito Mejía von der PRD zum Staatschef der Republik gewählt. Er wurde vier Jahre später aufgrund der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Banken- und Wirtschaftskrise erneut von Leonel Fernández Reyna abgelöst. Dieser konnte die Krise dank seiner Konsolidierungspolitik in Zusammenarbeit mit dem IWF überwinden und wurde 2008 im Amt bestätigt. Die PLD stellt seit August 2012 mit Präsident Danilo Medina Sánchez weiterhin die Regierung.