Dschibuti Geschichte

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Im Rahmen des Vordringens der Araber in das nördliche Afrika kam auch das Territorium des heutigen Dschibuti im Laufe des 7. Jahrhunderts unter arabischen Einfluss. Dieser wurde erst im 16. Jahrhundert durch die Vorherrschaft des Osmanischen Reichs abgelöst. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts begann der französische Einfluss, und nachdem Frankreich Obok und Dschibuti unter eine gemeinsame Verwaltung gestellt hatte, wurde im Jahr 1896 Französisch-Somaliland offiziell als Kolonie ausgerufen. Wichtigste wirtschaftliche Leistung dieser Zeit war die Erschließung des Hinterlandes, die Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte. Mit dem Bau einer Eisenbahnlinie nach Äthiopien wurde dabei eine Infrastrukturmaßnahme vollzogen, der heute noch eine Schlüsselfunktion im Warenverkehr mit dem Nachbarland zukommt.

Im Jahr 1967 erhielt die Region als Afar- und Issa-Territorium (benannt nach den vorherrschenden Stämmen) eine begrenzte Autonomie innerhalb des kleiner werdenden französischen Nachkolonialsystems. 1977 wurde Dschibuti souverän, sehr spät im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Ländern, was sich aus den stetigen Territorialkonflikten am Horn von Afrika erklärt. Dschibuti wurde in den folgenden Jahren Mitglied der Arabischen Liga und der UN. Der Kontakt zu Frankreich blieb aber weiterhin sowohl politisch als auch wirtschaftlich sehr eng. Dabei war die Tatsache bemerkenswert, dass es dem unabhängigen Land gelang, weder von Äthiopien noch von Somalia in deren bestehende Konflikte hineingezogen oder gar okkupiert zu werden, obwohl die Völker der Afar und Issa jeweils starke ethnische Bezüge zu diesen Ländern hatten.

Erster Präsident des unabhängigen Landes wurde H. Gouled Aptidon, der in den folgenden Jahren ein Einparteiensystem mit der RPP (Rassemblement Populare pour le Progrès) an der Spitze des Landes einführte. Dabei stützte sich die Machtbasis des Präsidenten primär auf die größte Ethnie im Land, die somalischen Issa. Es gelang, durch strikte außenpolitische Neutralität in den 80er Jahren die Unabhängigkeit des kleinen Landes zu gewährleisten und 1981 und 1987 wurde Aptidon jeweils im Amt wiedergewählt. Gleichwohl waren ab Einführung des Einparteiensystems die kurz nach der Unabhängigkeit aufflammenden ethnischen Konflikte verkleinert worden, was aber mit einer Bevorzugung der Issas einherging.

1991 kam es zu einem Aufstand der im Norden wohnenden Afar und im Jahr 1992 wurde daraufhin ein Mehrparteiensystem eingeführt und eine neue Verfassung verabschiedet. 1994 unterschrieb die von der Widerstandsbewegung gegründete Partei FRUD (Front pour la Restauration de l’Unité de la Démocratie) einen Friedensvertrag mit der amtierenden Regierung, der unter anderem die Legalisierung der FRUD beinhaltete. Ismail Omar Guelleh (RPP), der Neffe von Hassan Gouled Aptidon, gewann 1999 die Präsidentenwahlen und folgte seinem Onkel im Amt; ein Putschversuch der Nationalpolizei Ende 2000 scheiterte. Gleichwohl bleibt die soziale und politische Situation des kleinen Landes am Horn von Afrika in starker Weise von den territorialen Konflikten der größeren Länder in der Region abhängig. Die geografische Lage Dschibutis führte dazu, dass sich das Land ab 2002/03 zu einem wichtigen Militärstützpunkt der so genannten Anti-Terror-Koalition entwickelte.