El Salvador Geschichte

Aus Länder-Lexikon.de

(Weitergeleitet von El Salvador (Geschichte))

Inhaltsverzeichnis

Frühzeit bis 17. Jahrhundert

Auf dem Gebiet des heutigen El Salvador wurden Siedlungsspuren aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus entdeckt. Um 900 n.Chr. war das Gebiet Teil des großen Mayareiches, das sich vom heutigen südlichen Mexiko über Belize und Guatemala bis nach El Salvador erstreckte.

1524 eroberten die Spanier unter Pedro de Alvarado (1485-1541) das Land. Für rund 300 Jahre war es (angegliedert an Guatemala) spanische Kolonie. Die einheimische Bevölkerung wurde zur Zwangsarbeit verpflichtet. Alvarado gründete ein Jahr später die "Stadt des Erlösers", San Salvador. Im 17. Jahrhundert entstanden systematisch Großplantagen für die Produktion von Indigo, einem in Europa begehrten Farbstoff.

Das 19. Jahrhundert

1821 wurde Guatemala und damit auch das heutige El Salvador unabhängig von Spanien. Nach einem vorübergehenden Anschluss an Mexiko schloss sich das Land 1823 der Zentralamerikanischen Föderation an. Rund 20 Jahre später zerbrach die Föderation; aus ihr gingen die selbstständigen Republiken Costa Rica, Nicaragua, Guatemala, Honduras und El Salvador (1841) hervor.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein synthetischer Farbstoff entwickelt und der Markt für Indigo brach zusammen. El Salvador stellte den Anbau komplett um auf Kaffee. Die gesamte Wirtschaft basierte auf den Großplantagen, die sich seit der Kolonialisierung in den Händen einer kleinen, aber reichen und mächtigen Bevölkerungsschicht befanden (man spricht von der Oligarchie der "14 Familien"). Dieser konservativen Oberschicht standen liberale städtische Händler und Intellektuelle gegenüber, die sich 1885 unter General Francisco Menéndez (1830 bis 1890) durchsetzen konnten, wobei es wiederholt zu politischen Umstürzen kam, meist durch Militärputsche.

Das 20. Jahrhundert

Die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre und der damit verbundene Einbruch der Preise für Kaffee war für die Wirtschaft in El Salvador und in Folge davon für die Bevölkerung des Landes verheerend. Die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an, zahllose Kleinbauern standen vor dem Ruin. Unter Augustín Farabundo Martí wurde 1930 die Kommunistische Partei gegründet. Die sozialen Unruhen wurden nach einem von der Oligarchie vorangetriebenen Militärputsch unter Hernández Martínez 1932 auf brutalste Art und Weise niedergeschlagen. Über 20 000 Bauern wurden vom Militär ermordet (in die Geschichte El Salvadors eingegangen als La Matanza, "das Gemetzel").

Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb das Militär an der Macht und beherrschte die politische Szene. Zwar wurden Wahlen abgehalten, deren Ergebnisse aber kontrolliert waren. Auch die durchgeführten Agrarreformen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit aller Macht eine Beibehaltung der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse angestrebt wurde. Mehrere diktatorische Machthaber wechselten sich ab, während Streiks und militante Anschläge linker Guerilla-Gruppen zunahmen. Rechtsgerichtete "Todesschwadronen", die von der Regierung geduldet waren, sorgten im Land zusätzlich für Terror.

1979 eskalierte der Konflikt: als Erzbischof Oscar Arnulfo Romero von Rechtsextremisten ermordet wurde, begann der offene Bürgerkrieg zwischen der FMLN ("Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional"), einer Gruppe aus fünf marxistisch ausgerichteten Guerillagruppen, und den Regierungstruppen, die von den USA unterstützt wurden. Zahllose Bürger des Landes verloren in den Auseinandersetzungen ihr Leben bzw. flüchteten außer Landes. Dem Präsidenten Napoleón Duarte, der von 1980 bis 1989 regierte, gelang es nicht, durch Reformprogramme und Kompromissvorschläge zwischen der linken Opposition und dem rechten Flügel, d.h. den konservativen Militärs und den nach wie vor mächtigen Großgrundbesitzern, zu vermitteln. Zu den innenpolitischen Problemen kamen 1986 noch die Verwüstungen und Zerstörungen durch ein schweres Erdbeben.

1989 wurde Alfredo Christiani von der rechtsliberalen ARENA ("Alianza Republicana Nacionalista") neuer Präsident des Landes und übernahm von seinem Vorgänger Duarte die ungelösten Konflikte. Erst 1992, als der Kalte Krieg beendet war, kam es durch Vermittlung der UNO zu einem Friedensabkommen, das u.a. die Demokratisierung der Armee, Bodenreformen und die Einhaltung der Menschenrechte zum Inhalt hatten. Rund 80 000 Tote waren dem Konflikt zum Opfer gefallen. Als Folge des Abkommens wurde 1993 eine Generalamnestie für Bürgerkriegsverbrecher erlassen, wobei ein Bericht der UN rund 85 % der Verbrechen der letzten zwölf Jahre den offiziellen Streitkräften anlastete. Nach dem Friedensschluss erhielt El Salvador zunehmend Entwicklungshilfe aus dem Ausland, um die innenpolitische und wirtschaftliche Lage zu stabilisieren: Zwei Drittel der Bevölkerung des Landes lebten in extremer Armut.

Nach dem Bürgerkrieg

Staatspräsident nach den Wahlen 1999 wurde der Kandidat der ARENA-Partei, Francisco Flores, der in Oxford und Harvard Politik studiert hatte. 2000 wurde die Generalamnestie für Kriegsverbrecher wieder aufgehoben, was bedeutete, dass nun Verbrechen aus der Bürgerkriegszeit von 1980 bis 1992 vor Gericht gebracht werden konnten. Zur Stabilisierung der Wirtschaft wurde der amerikanische Dollar als Zweitwährung eingeführt und die einheimische Währung (Colón) mit einem festen Wechselkurs an diesen gekoppelt. Elías Antonio Saca González, Kandidat der ARENA, gewann die Präsidentschaftswahl 2004. Saca führte die neoliberale Wirtschaftspolitik seines Vorgängers weiter. 2009 wurde er vom FMLN-nahen Mauricio Funes abgelöst, der eine sozial betonte Agenda verfolgte. Seit 2014 ist Sánchez Cerén Präsident; er war unter Funes Vizepräsident und zeitweise zugleich Bildungsminister und will dessen Kurs fortsetzen.

El Salvador leidet nach wie vor unter den Folgen des Bürgerkriegs. Auf dem Land und in den Randbereichen der Städte herrscht Armut, fast die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung hat keine feste Arbeit. Die Kriminalitätsrate ist extrem hoch: Mehr als zehn Morde und Hunderte von Raubüberfällen täglich zeigt die Statistik. Damit hat das Land eine der höchsten Mordraten Lateinamerikas. Aufgrund der schwierigen Wirtschafts- und Sicherheitslage verlassen immer mehr Einwohner das Land. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 6,7 Millionen Menschen leben ungefähr 2,6 Millionen legal oder illegal im Ausland, vor allem in den USA. Das hat dazu geführt, dass heute fast ein Fünftel des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus Geldrücksendungen im Ausland lebender Salvadorianer stammt.