Eritrea Geschichte

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Anfänge

Bis zum Erreichen der Unabhängigkeit 1993 gehörte Eritrea zum Nachbarland Äthiopien. Etwa ab 400 v.Chr. ließen sich aus Südarabien stammende Einwanderer im Horn von Afrika nieder. Im 2. Jh. n.Chr. wurde Eritrea Teil des äthiopischen Königreiches Aksum, im 4. Jh. wurde das koptische Christentum zur Staatsreligion. Nach der Auflösung des Königreichs, das sich erfolgreich gegen den Ansturm des Islam erwehren konnte, kam Eritrea ebenso wie Äthiopien unter die Vorherrschaft der ebenfalls christlichen Amharen. Im 16. Jh. konnte sich das äthiopische Kaiserreich mit Hilfe portugiesischer Truppen gegen die vordringenden Osmanen (Türken) wehren. Der Küstenbereich Eritreas wurde von den Osmanen besetzt und in den nächsten Jahrhunderten von Äthiopiern, Türken und Ägyptern heftig umkämpft.

Im 19. Jh. war das Gebiet des heutigen Eritrea begehrtes Ziel der europäischen Kolonialmächte, vor allem aufgrund seiner strategisch bedeutsamen Lage am Roten Meer. 1881 besetzten italienische Truppen den Küstenstreifen und erklärte das gesamte Land zur italienischen Kolonie. 1934 rückten von Eritrea aus italienische Truppen nach Äthiopien vor und besetzten das Land. Für kurze Zeit gehörte es zusammen mit Äthiopien und Somaliland zu Italienisch-Ostafrika.

Äthiopische Vorherrschaft

Nach der Niederlage Italiens im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des heutigen Eritrea unter britische Verwaltung gestellt. Von 1945 bis 1952 war es britisches Treuhandgebiet der Vereinten Nationen. Anfang der 50er Jahre beschlossen die Vereinten Nationen, Eritrea als autonome Provinz an Äthiopien anzugliedern. Entgegen dem Widerstand der eritreischen Bevölkerung wurde das Land 1952 Teil des äthiopischen Kaiserreiches. 1962 hob die äthiopische Führung den autonomen Status auf und Eritrea wurde als äthiopischen Provinz an Äthiopien angegliedert.

Anfang der 60er Jahre begann sich der Widerstand gegen die äthiopische Vorherrschaft zu formieren. Zwei Gruppierungen führten den militärischen Freiheitskampf an: die "Eritrean Liberation Front" (ELF), die 1961 gegründet worden war und ab 1970 auch die marxistisch-orientierte "Eritreans People's Liberation Front" (EPLF), die beide für die Unabhängigkeit des Landes kämpften. In den folgenden zwei Jahrzehnten kam es zu einer Vielzahl von militärischen Auseinandersetzungen zwischen den eritreischen Guerillakämpfern und den äthiopischen Regierungstruppen, die zahlreiche Menschenleben kosteten. 1987 gewährte die äthiopische Führung (die Monarchie war seit Mitte der 70er Jahre abgelöst worden durch eine provisorische Militärregierung) Eritrea den Status einer autonomen Region. Die eritreische Unabhängigkeitsbewegung führte ihren Kampf dennoch fort.

Unabhängiger Staat

1991 hatten die Verbände der EPLF fast das gesamte Gebiet Eritreas und den Norden Äthiopiens unter ihre Kontrolle gebracht. Im Mai 1991 marschierten die Truppen der EPLF und der TPLF (Volksbefreiungsfront Tigray) in der äthiopischen Hauptstadt ein und stürzten das Militärregime. Sowohl in Äthiopien als auch in Eritrea kam es zur Bildung von Übergangsregierungen. Zwei Jahre später wurde die Republik Eritrea offiziell unabhängig, nachdem der überwiegende Teil der Bevölkerung sich für eine Loslösung von Äthiopien ausgesprochen hatte. Hauptstadt des Landes wurde Asmara. Erster Staatspräsident und Regierungschef des Landes wurde Isayas Afewerki, der vom Zentralkomitee der EPLF gewählt worden war. Im Juli 1993 wurde mit Äthiopien ein Vertrag über politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit abgeschlossen. Durch die Abspaltung Eritreas war Äthiopien zum reinen Binnenland geworden und sicherte sich so die Zugänge zu den Häfen Assab und Massawa.

Die Versorgungslage der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt war mehr als desolat: Zu den Folgen des Krieges kamen rund eine halbe Million Kriegsflüchtlinge dazu, die aus dem Sudan heimkehrten. Schwierig gestaltete sich auch die Wiedereingliederung der ehemaligen Befreiungskämpfer in das zivile Leben. Die Regierung Eritreas bemühte sich um deren Einsetzung beim Wiederaufbau des Landes. Zu innenpolitischen Spannungen führten auch die Versuche von radikalen Islamisten, die den Sturz der überwiegend christlichen Regierung herbeiführen wollten (Christen und Moslems halten sich in Eritrea etwa die Waage).

Die ehemalige Volksbefreiungsfront EPLF benannte sich Anfang 1994 um in "People's Front for Democracy and Justice" (PFDJ), die heute noch die regierende Partei bildet. Mitte des gleichen Jahres wurde mit der Ausarbeitung einer Verfassung für Eritrea begonnen.

1995 kam es zu außenpolitischen Spannungen einmal mit dem Sudan, dem eine Unterstützung der radikalen Islamisten in Eritrea vorgeworfen wurde (auf der anderen Seite unterstützte Eritrea offen die sudanesische Opposition), und mit dem südarabischen Jemen um die Hanish-Inseln im Roten Meer, auf denen Erdölvorkommen vermutet wurden. (Ein Urteil des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag im Dezember 1999 führte zur Aufteilung der Hanish-Inseln zwischen beiden Ländern. Das Urteil wurde von beiden Staaten anerkannt.)

In den 90er Jahren begann in Eritrea ein langsamer Wiederaufbau des Landes, das durch den Krieg schwer beschädigt worden war. Die Regierung Afewerki legte dabei großen Wert darauf, möglichst ohne ausländische Hilfsmittel auszukommen, die den jungen Staat in eine neuerliche Abhängigkeit führen könnten. Damit verband sich die Hoffnung nicht nur auf eine Beschäftigung möglichst vieler Eritreer, sondern auch auf das Entstehen einer nationalen Identität innerhalb der neun ethnischen Gruppen im Land. Ausländische Hilfsangebote werden von der Regierung nach wie vor genau geprüft.

Im Mai 1997 wurde die ausgearbeitete Verfassung präsentiert, trat aber noch nicht in Kraft. Vorgesehen waren ein Mehrparteiensystem und freie Wahlen, die bis heute nicht durchgeführt wurden. Im gleichen Jahr führte Eritrea eine eigene Währung ein und beendete damit die Währungsunion mit Äthiopien. Als Äthiopien daraufhin die Einfuhr der neuen Währung ins eigene Land untersagte und die eritreischen Häfen boykottierte, kam es in Eritrea zu gravierenden Preissteigerungen und Lebensmittelknappheit. Ein halbes Jahr später führten Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Ländern zum offenen Konflikt. Trotz ausgehandelter Waffenstillstandsabkommen hielten die Kämpfe bis zum Juni 2000 an. Eine 25 km breite Sicherheitszone entlang der Grenze und eine UN-Friedenstruppe sollten den Frieden nun dauerhaft sichern. Im Oktober 2000 wurde von beiden Seiten ein Friedensvertrag unterzeichnet; im April 2002 erkannten beide Regierungen den vom Ständigen Schiedshof für die Beilegung internationaler Konflikte in Den Haag neu festgelegten Grenzverlauf als "endgültig und bindend" an. Äthiopien hat mittlerweile die Zustimmung wiederrufen, so dass derzeit ein angespannter und unsicherer Friede zwischen den beiden Ländern herrscht.

Zu Dschibuti ist das Verhältnis nach dem Überschreiten der Grenze durch eritreische Truppen im Juli 2008 gestört. Eritrea hat seine Truppen inzwischen wieder zurückgezogen, eine endgültige Lösung steht aber aus.

Innenpolitisch ist die Lage äußerst restriktiv: Politische Gegner und religiöse Minderheiten werden verfolgt, Pressefreiheit existiert nicht. Die weitgehend vom Ausland aus agierende Opposition ist zerstritten und wegen ihrer Zusammenarbeit mit Äthiopien innerhalb Eritreas weithin diskreditiert.