Fidschi Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Entdeckung durch die Europäer

Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung der Fidschi-Inseln im 2. Jh. v.Chr. hin, zunächst von Polynesiern, später von Melanesiern.

Sonnenuntergang am Strand

Der holländische Seefahrer Abel Tasman erreichte im Jahr 1643 - nachdem er Neuseeland entdeckt hatte - auch einzelne Inseln der Fidschis, erforschte diese aber nicht. Über 100 Jahre später trafen auch die Engländer James Cook (auf seiner zweiten Südseefahrt, 1772-75) und William Bligh auf die Inseln und trafen dort auf die wehrhaften Fidschianer, die als Kannibalen galten.

Erst in den 20er Jahren des 19. Jh.s begann die Erforschung der Inseln durch europäische Händler und Forscher. Anlass dafür waren die großen Bestände an wertvollen Sandelholzbäumen, die binnen weniger Jahre abgeholzt wurden. Ab 1830 begannen die europäischen Siedler mit dem Anbau von Baumwolle.

1840 hatte sich einer der führenden Häuptlinge, Ratu Seru Cakobau, gegen rivalisierende Häuptlinge durchsetzen können und zum König von Fidschi ernannt. Er nahm das Christentum als Religion an, schaffte den Kannibalismus endgültig ab und schloss mit den Vertretern Großbritanniens eine Reihe von Handelsverträgen.

Britische Kolonialherrschaft

Im Oktober 1874 wurden die Fidschi-Inseln britische Kronkolonie, die Ortschaft Suva auf Viti Levu wurde Verwaltungssitz. Der erste Gouverneur der Inseln wurde Sir Arthur Gordon. Nachdem der Weltmarktpreis für Baumwolle verfiel, wurde mit dem Anbau von Zuckerrohr begonnen. Das von den Briten eingeführte Verbot von Zwangsarbeit und eine Masernepidemie, die 1875 fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Inseln dahinraffte (rund 70 000 Menschen), ließen einen Mangel an Arbeitskräften entstehen. Daraufhin verpflichtete die britische Verwaltung indische Kontraktarbeiter für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen. Bis 1916 kamen zu diesem Zweck über 60 000 Inder auf die Fidschi-Inseln. Auch nach der üblichen Vertragsdauer von zehn Jahren verblieben viele von ihnen auf den Inseln. Immer wieder kam es zu ethnischen Konflikten zwischen der melanesischen Bevölkerung und den Indern, die auch heute noch in der fidschianischen Gesellschaft eine große Rolle spielen.

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden die Fidschi-Inseln von den USA besetzt. In den 50er Jahren des 20. Jh.s betrug der Bevölkerungsanteil an Indern knapp über 50 %. Immer wieder kam es zu teilweise bewaffneten Konflikten zwischen Melanesiern und Indern (z.B. 1959).

Unabhängigkeit des Staates

1966 gewährte Großbritannien den Inseln die innere Autonomie, im Oktober 1970 wurden die Fidschi-Inseln im Rahmen des britischen Commonwealth als parlamentarische Monarchie unabhängig. Bei den ersten Parlamentswahlen wurde die konservative "Alliance Party", die die Interessen der melanesischen Bevölkerung vertrat, die dominante politische Kraft und stellte mit Ratu Sir Kamisese Mara den Premierminister des Landes (bis 1987).

Bis 1987 war die innenpolitische Situation des Landes weitgehend stabil. Bei den Parlamentswahlen im April dieses Jahres errangen zwei Parteien, die den indischen Anteil an der Bevölkerung repräsentierten, die Mehrheit der Stimmen. Timoci Bavadra von der "National Federation Party" wurde neuer Premier von Fidschi. Die neue Regierung wurde nach einem Monat durch einen Putsch gestürzt und der melanesische General Sitiveni Rabuka rief die Republik aus. In der Hauptstadt Suva kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden Bevölkerungsgruppen. Fidschi erklärte sich zur unabhängigen Republik und Großbritannien schloss die Inseln aus dem Commonwealth aus. Der bisherige Generalgouverneur, Ratu Sir Penaia Ganilau, wurde Staatspräsident des Landes. Nach Wahlen im Dezember 1987 wurde Ratu Sir Kamisese Mara erneut Regierungschef. Die Regierung verabschiedete im Juli 1990 eine neue Verfassung, in der der indische Teil der Bevölkerung benachteiligt wurde (z.B. durften Inder kein Land erwerben, sondern nur pachten). Auch in den zwei Kammern des Parlaments waren indischstämmige Politiker deutlich in der Minderzahl. Zum Staatspräsident des Landes konnte vom Großen Rat der Häuptlinge (Bose Levu Vakaturaga) nur ein melanesisch-stämmiger Fidschianer gewählt werden. Als Reaktion auf die neue Gesetzgebung verließen in den folgenden Monaten an die 50 000 Inder die Inseln. 1992 wurde Ratu Sir Penaia Ganilau als Staatspräsident der Republik bestätigt, Sitiveni Rabuka, der nach dem Putsch 1987 die Republik ausgerufen hatte, wurde Regierungschef des Landes. 1994 wurde Ratu Sir Kamisese Mara zum neuen Staatspräsidenten ernannt, nachdem sein Vorgänger gestorben war.

1997 kehrte Fidschi wieder ins Commonwealth zurück. 1998 trat eine neue Verfassung in Kraft, die unter anderem die Gleichberechtigung der Ethnien im Parlament festschrieb. Auch konnten Inder fortan zum Staatspräsidenten oder Regierungschef ernannt werden. Anfang 1999 wurde Ratu Sir Kamisese Mara als Staatsoberhaupt (Präsident) vom Großen Rat der Häuptlinge bestätigt. Nach den Parlamentswahlen im selben Jahr übernahm eine Koalition unter Vorsitz des indischstämmigen Mahendra Chaudry die Regierung.

Das 21. Jahrhundert

Im Mai 2000 kam es zu einem Putsch militanter melanesischer Nationalisten , bei dem Regierungschef Mahendra Chaudry sowie andere Politiker für 56 Tage als Geiseln genommen wurden. Der Führer des Aufstands, der Geschäftsmann George Speight, proklamierte eine Übergangsregierung unter dem Oppositionspolitiker Ratu Timoci Silatolu. Daraufhin rief Staatspräsident Ratu Sir Kamisese Mara den Ausnahmezustand aus. Nur wenig später übernahm das Militär unter Oberbefehlshaber Frank Bainimarama die Macht und verhängte das Kriegsrecht über die Inseln. Der Staatspräsident wurde für abgesetzt erklärt und eine Übergangsregierung unter Latisenia Qarase eingesetzt (Juli 2000). Der Große Rat der Häuptlinge setzte den Melanesier Ratu Josefa Illoilo als neuen Staatspräsidenten ein. Der Putschist George Speight wurde im Juli 2000 inhaftiert und des Hochverrats angeklagt. Im Februar 2002 wurde er zur Todesstrafe verurteilt, diese wurde jedoch in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

Im August 2001 fanden vorgezogene Neuwahlen zum Parlament statt. Danach wurde Laisenia Qarase Regierungschef. Die von ihm geführte SDL konnte die Wahlen 2001 und 2006 für sich entscheiden. Per Gerichtsentscheid wurde Qarase im Juli 2003 gezwungen, Mitglieder der von Indern dominierten zweitstärksten Partei FLP in die Regierung aufzunehmen.

Im Dezember 2006 kam es erneut zu einem Militärputsch. Überraschenderweise gab das Militär die Macht an den Präsidenten (Ratu Josefa Iloilo) zurück. Armeechef Frank Bainimarama ließ sich aber als Premierminister einsetzen und behielt damit die Exekutivgewalt in der Hand. 2009 erklärte der Oberste Gerichthof die Einsetzung Bainimaramas für nicht verfassungsgemäß. Daraufhin hob Präsident Iloilo die Verfassung auf, entließ die Richter und setzte Bainimarama erneut als Regierungschef ein. Dessen Weigerung, freie Wahlen abhalten zu lassen, führte im selben Jahr zur erneuten Suspendierung der Mitgliedschaft Fidschis im Commonwealth. Im Juli 2009 benannte Bainimarama Ratu Epeli Nailatikau als Präsidenten.

Im September 2013 trat eine neue Verfassung in Kraft. Sie enthält einen umfassenden Grundrechtekatalog. Wahlen finden nun alle vier Jahre statt. Gewählt werden 50 Abgeordnete auf Grundlage einer einzigen Liste im Rahmen einer Verhältniswahl. Die schließlich im September 2014 stattfindenden Parlamentswahlen gewann die Partei von Bainimarama. Der 60-Jährige hat Fidschi in den vergangenen Jahren autoritär geführt, er schränkte demokratische Rechte wie die Unabhängigkeit von Presse und Justiz ein. Zugleich stabilisierte sich das Land. Bainimarama kurbelte die Tourismuswirtschaft an und erlangte mit der Einführung von freier Schulbildung und Investitionen in Infrastruktur Popularität.