Finnland Geschichte

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    Frühzeit bis Mittelalter

    Finnland ist seit etwa 9000 Jahren besiedelt. Unter den damaligen Stämmen werden bereits Vorfahren der Samen (Lappen) vermutet, die heute noch die polaren Nordregionen Skandinaviens bewohnen. In zwei Wellen vor etwa 6000 Jahren und dann im ersten Jahrtausend v.Chr. wanderten weitere Stämme von Südwesten kommend ein, so dass vor Christi Geburt verschiedene finnougrisch sprechende Stämme, darunter Tavasten und Karelier, im Land lebten und die Samen nach Norden abdrängten. Zwischen dem 2. und dem 8. Jahrhundert n.Chr. folgten weitere finnische Besiedlungswellen vom Baltikum und aus dem Osten.

    Bereits vor der Wikingerzeit, die vom 8. bis 11. Jahrhundert dauerte, hatten sich Schweden an der Südwestküste Finnlands niedergelassen. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde Finnland von dem südwestlich gelegenen Tavastland (heute Häme) christianisiert. Schrittweise eroberten die Schweden große Teile des Landes, so dass Ende des 13. Jahrhunderts Karelien an der heutigen Ostgrenze Finnlands erreicht war. Gleichzeitig hatte sich von Osten her das Fürstentum Nowgorod in Richtung Westen ausgedehnt. 1323 legten Nowgorod und Schweden die finnische Ostgrenze durch Teilung von Karelien fest. Schweden integrierte Finnland in sein Herrschaftssystem. 1362 wurde den Finnen das Recht zugestanden, an königlichen Wahlen teilzunehmen. Mit der Zeit entwickelte sich ein gemeinsamer schwedisch-finnischer Reichstag. Ende des 14. Jahrhunderts wurde Finnland durch seine Zugehörigkeit zu Schweden Teil der Kalmarer Union, die Dänemark, Norwegen und Schweden bis 1523 einte. Zugleich setzte im Inneren ein Prozess ein, in dem die finnischen Stämmen unter schwedischer Vorherrschaft begannen, sich als Einheit zu verstehen. Damit verbunden war die Tatsache, dass der Reformator Mikael Agricola, Schüler Luthers und Melanchthons, Teile des alten Testaments in einen südwestfinnischen Dialekt übertrug und damit erstmals eine einheitliche finnische Schriftsprache initiierte.

    Neuzeit

    1581 wurde Finnland zum Großfürstentum, blieb aber schwedische Provinz. Schon seit dem 14. Jahrhundert hatten schwedische Kolonisten auch über die 1323 festgelegte Grenze hinaus gesiedelt und 1595 wurde im Frieden von Teusina die neu entstandene Grenze, die bis zum Eismeer reichte, von Moskau anerkannt. Ein innenpolitischer Konflikt entstand über religiöse, soziale und machtpolitische Fragen; ein Bauernaufstand war die Folge. Dieser wurde 1596/97 blutig niedergeschlagen. Wirtschaftlich hatte dies jedoch keine Folgen: Im 17. Jahrhundert folgte eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, die als "Grafenzeit" in die Geschichtsbücher einging.

    Die schwedisch-russischen Feindseligkeiten setzten sich durch das gesamte 18. Jahrhundert hin fort. Der 2. Nordische Krieg 1700 bis 1721 brachte finnische Gebietsverluste. Zuerst das südwestliche Karelien und dann Gebiete bis zum Kymijoki wurden an Russland abgetreten. Als es 1788 bis 1790 zu einem weiteren Konflikt kam, entstand durch eine Verschwörung des finnischen Adels- und Offiziersstandes eine erste, wenn auch erfolglose nationale Unabhängigkeitsbewegung. Der russisch-schwedische Krieg 1808/09 brachte für Finnland einschneidende Änderungen: Es wurde zum autonomen Großfürstentum im russischen Reich, dem die vorab verlorenen Gebiete eingegliedert wurden.

    19. Jahrhundert

    Trotz der Zugehörigkeit zum russischen Reich erwachte im 19. Jahrhundert nun auch in der breiten Bevölkerung ein finnisches Nationalbewusstsein. Es richtete sich einerseits gegen die politische Einflussnahme Russlands, andererseits gegen die kulturelle Dominanz Schwedens. Die weitgehende Autonomie brachte die Umwandlung der vorab als Verwaltungsorgan arbeitenden Ständeversammlung zu einem regelmäßig tagenden Landtag, der zunehmend politische Aufgaben übernahm. 1863 wurde die finnische Sprache dem Schwedischen gleichgestellt, 1878 eine eigene Armee aufgestellt.

    20. Jahrhundert

    Eine kurze Phase der Russifizierung um den Jahrhundertwechsel zum 20. Jahrhundert wurde nach der russischen Revolution 1905 revidiert und 1906 mit der Landtagsreform ein demokratisch gewählter Landtag eingeführt. Die Sozialdemokraten entwickelten sich zur stärksten Partei des Landes.

    Die russische Oktoberrevolution 1917 gab dem finnischen Landtag die Möglichkeit, sich für selbstständig zu erklären. 1918 wurde mit Deutschland ein Sonderfrieden geschlossen und mit Unterstützung der deutschen Ostseedivision gelang es den finnischen "weißen" Truppen, die "roten" bolschewistischen Truppen aus dem Land zu drängen. 1919 gab sich Finnland eine republikanische Verfassung und wurde 1920 offiziell von Sowjetrussland anerkannt. 1921 sprach der Völkerbund Finnland die Ålandinseln zu, die bereits seit dem Mittelalter von Finnland aus verwaltet worden waren.

    Die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg war durch Gegensätze zwischen finnischen und schwedischen Volksgruppen gekennzeichnet. Innenpolitische Unruhen führten zu 23 verschiedenen Regierungen in der Zeit zwischen 1917 und 1939. 1929 entstand die Lappo-Bewegung, eine radikale nationalistische Bauernbewegung, die durch einen "Marsch auf Helsinki" den Rücktritt der Regierung erzwang. Nach Neuwahlen wurden antikommunistische Gesetze erlassen. Ein Putschversuch 1932 scheiterte jedoch und 1944 wurde die Nachfolgeorganisation der Lappo-Bewegung, die Vaterländische Volksbewegung, verboten. 1933 waren die Sozialdemokraten wieder an die Macht gekommen, es kam zu einer Phase wirtschaftlichen Aufschwungs bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs.

    Nach Territorialforderungen, die nicht erfüllt wurden, griff Russland Finnland an, nach dem Winterkrieg 1939/40 waren etwa 10 % des finnische Territoriums von Russland besetzt. 1941 nahm Finnland auf der Seite Deutschlands den Krieg gegen Russland wieder auf und eroberte im "Fortsetzungskrieg" Territorien zurück, musste aber im Frieden von Paris dieselben Gebiete wie 1940 wieder an die UdSSR abgeben. Finnland blieb jedoch unbesetzt und erholte sich rasch von den Kriegsfolgen und den 300 Millionen Dollar Reparationszahlungen, die es bis 1952 an Russland zahlen musste.

    Das selbstständig gebliebene Land verfolgte außenpolitisch einen Kurs, der auf gutnachbarschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion setzte. Die in diese Richtung zielenden Verträge mit Russland wurden erstmals 1948 unterschrieben und 1955, 1970 und 1983 verlängert. Parallel dazu wurden die Beziehungen zu Skandinavien intensiviert. 1955 trat Finnland dem Nordischen Rat bei und wurde Mitglied in den Vereinten Nationen. 1961 wurde es assoziiertes Mitglied der EFTA, 1974 trat ein Handelsvertrag mit der EWG in Kraft.

    Äußerst bedeutsam war 1969 der Vorschlag Finnlands, eine europäische Sicherheitskonferenz in Helsinki einzuberufen. Die KSZE arbeitete in drei Phasen von 1973 bis 1975 ein Abschlussdokument aus, das als Schlussakte von Helsinki das Zusammenleben der europäischen Staaten regelte und seit 1995 als OSZE, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, weiterwirkt. Der Vorschlag wurde wesentlich von Urho Kaleva Kekkonen, einem der wichtigsten Nachkriegspolitiker Finnlands, getragen, der mehrfach Ministerpräsident und von 1956-1981 Staatspräsident war. Neben der Zentrumspartei war die Sozialdemokratische Partei in der Nachkriegszeit immer wieder an der Regierungsbildung beteiligt. Sie führte mit K. Sorsa als Ministerpräsidenten eine Koalitionsregierung bis 1987, die von H. Holkeri von der Nationalen Sammlungspartei abgelöst wurde. Dessen Koalition war insbesondere deshalb ungewöhnlich, da mit ihr die Zentrumspartei erstmals nach 50 Jahren in die Opposition ging.

    1991 wurde die Zentrumspartei jedoch wieder stärkste Kraft im Parlament und bildete eine Koalitionsregierung unter dem Ministerpräsidenten E. Aho. Er schloss nach der Auflösung der Sowjetunion mit Russland einen neuen Grundlagenvertrag, der an die Stelle der Freundschaftspakte der Nachkriegszeit rückte. 1994 wurde bei der ersten Direktwahl eines Staatspräsidenten M.O. Ahtisaari Nachfolger von Koivistos. Im Folgejahr trat Finnland der EU bei. Finnland ist das einzige skandinavische Land, das 1999 dem Eurogebiet beitrat.

    2000 trat eine neue Verfassung in Kraft, die die Befugnisse des Staatspräsidenten einschränkte. Ab März 2000 war Tarja Halonen Staatspräsidentin. Im Juni 2003 trat Ministerpräsidentin Anneli Jääteenmäki nach nur dreimonatiger Amtszeit zurück. Sie hatte das Amt von Paavo Lipponen übernommen. Jääteenmäki reagierte mit ihrem Rücktritt auf Vorwürfe, im Wahlkampf aus vertraulichen Unterlagen des Außenministeriums zitiert zu haben. Als Nachfolger Jäätteenmäkis wurde der vorherige Verteidigungsminister Matti Vanhanen von der Zentrumspartei vereidigt. Er wurde 2010 von Mari Kiviniemi abgelöst. Bei den Parlamentswahlen im April 2011 erhielt die Nationale Sammlungspartei unter Führung von Jyrki Katainen die meisten Sitze, gefolgt von den Sozialdemokraten und der rechtspopulistischen Partei "Wahre Finnen" (seit 2012 "Die Finnen"). Seit Juni 2011 ist Katainen Ministerpräsident. Die Präsidentschaftswahlen im Anfang 2012 gewann Sauli Niinistö von der Nationalen Sammlungspartei.