Frankreich

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Republik in Westeuropa mit langer Mittelmeer- und Atlantikküste, westlicher Nachbarstaat Deutschlands, 547 026 km² , 66 Millionen Einwohner, Hauptstadt Paris, Amtssprache Französisch. Siehe auch Geschichte Frankreichs.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Mit einer Fläche von 547 026 km² (inklusive Korsika, ohne überseeischen Regionen) ist die Republik Frankreich (amtlich: République française; kurz: France) das größte Land Westeuropas. Sowohl die Nord-Süd- als auch die Ost-West-Ausdehnung beträgt ungefähr 1 000 km. Zum Staatsgebiet gehört auch die Insel Korsika. Im Norden grenzt das Land an den Ärmelkanal, im Nordosten an Belgien und Luxemburg, im Osten bilden der Rhein, der Jura und die Alpen eine natürliche Grenze zu den Ländern Deutschland, Schweiz und Italien. Im Süden Frankreichs liegt das Mittelmeer , hier grenzt das Land an das Fürstentum Monaco. Der Gebirgszug der Pyrenäen bildet die Grenze zu Andorra und Spanien, im Westen des Landes liegt der Atlantische Ozean.

Für die Landschaft Frankreichs sind vor allem Beckenlandschaften und Mittelgebirge charakteristisch, zudem hat das Land Anteil an den Hochgebirgssystemen der Alpen und der Pyrenäen.

Die insgesamt rund 3 120 km lange Küste ist unterschiedlich geformt: Der nördliche Teil der Atlantikküste (Ärmelkanal) ist von Sanddünen und weißen Kalkfelsen gekennzeichnet, die Westküste ist in ihrem nördlichen Teil eine buchtenreiche Steilküste, in Richtung Süden folgen die Trichtermündungen der Flüsse Loire und Gironde, gefolgt von der Dünenlandschaft der "Landes" mit Haffzonen und Strandseen im Süden (hier befindet sich Europas größte Düne, die Dune de Pyla, mit einer Höhe von 115 m). Die Mittelmeerküste weist im Bereich des breiten Rhône-Deltas sumpfige Gebiete auf, in Richtung Osten folgt Felsenküste mit kleinen Buchten und steil ansteigendem Hinterland.

Rund 60 % der Landesfläche liegen unterhalb von 250 m ü.NN. Den Kernraum des Landes bildet das Pariser Becken mit einer Fläche von rund 100 000 km², hier liegt auch die Hauptstadt Paris. Im Nordosten und Osten schließen sich die Mittelgebirge der Ardennen und Vogesen an, hier werden Höhen von ca. 300 m bzw. 1 424 m erreicht (Vogesen: Grand Ballon). Im Südwesten liegt das Aquitanische Becken (Garonne-Becken) mit Kalksteinplateaus und fruchtbaren Tälern, Zentrum ist die Weinstadt Bordeaux. Im Süden Aquitaniens liegen die Pyrenäen (Höhen bis zu 2 884 m, Pic du Midi d’Ossau), im Osten das Zentralmassiv (Massif Central, Mont Dore, 1 886 m). Dritte große Beckenlandschaft ist die von Nord nach Süd verlaufende Rhône-Saône-Senke, die östlich des Zentralmassivs und westlich der Alpen liegt. In den Alpen im Südosten des Landes an der Grenze zu Italien liegt der höchste Berg Frankreichs und der Alpen, der Montblanc mit einer Höhe von 4 807 m. Die bedeutendsten Flüsse Frankreichs sind die Loire mit einer Länge von 1 020 km, die Seine mit 776 km und die Rhône, die nach 523 km in das Mittelmeer mündet.

Klima

Landschaft in der Auvergne

Entsprechend seiner geografischen Lage zwischen Atlantik, Mittelmeer und europäischem Festland ist das Klima in Frankreich je nach Region verschieden. Das flache Land im Westen und Norden steht unter dem Einfluss des ozeanischen Klimas, typisch sind kühle Sommer und milde Winter. Die durchschnittlichen Temperaturen in Brest in der Bretagne im Nordwesten Frankreichs liegen im Januar bei 6 °C, im Juli bei 16 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr liegt bei 1 125 mm, häufig sind lang anhaltender Sprühregen und kräftige Winde. Im Südwesten sind die Sommer etwas wärmer.

Im Pariser Becken herrschen kontinentale Klimaeinflüsse vor mit ausgeprägteren Temperaturunterschieden, die Sommer sind trocken und warm (mittlere Julitemperaturen von 19 °C), die Winter kalt (Durchschnittstemperatur im Januar 3 °C). Die Niederschlagsmenge in Paris liegt bei durchschnittlich rund 620 mm.

Der Montblanc, der höchste Berg Europas

An der Mittelmeerküste und im südlichen Teil der Rhône-Senke (Provence) herrscht mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und feuchten und milden Wintern (Marseille: Juli 23,5 °C, Januar 5,5 °C). Die Niederschlagsmenge liegt bei 545 mm. Eine klimatische Besonderheit ist der Mistral, ein starker Fallwind, der aus Richtung Norden durch das Rhône-Tal kalte Luftmassen in Richtung Mittelmeer bringt.

In den Höhenlagen der Gebirge sind die Temperaturen entsprechend niedriger und die Niederschlagsmengen höher. Im französischen Teil der Alpen gibt es Regionen mit Gletschern und ewigem Eis.

Flora und Fauna

Entsprechend den verschiedenen Klimazonen unterscheiden sich auch die Vegetationsformen in Frankreich. Allgemein liegt Frankreich im Laubwaldgürtel der gemäßigten Zone. Für die flachen Landstriche im Westen und Norden sind heute ausgedehnte Heidelandschaften mit Ginster und Heidekraut charakteristisch, ursprünglich gab es hier große Bestände an Eichenwäldern. In den Beckenlandschaften Frankreichs finden sich Bestände an Laubwald (Eichen, Buchen, Ahorn, Eschen, Platanen) und Nadelwäldern (vor allem Kiefern). In den Gebirgslagen liegt die Baumgrenze zwischen 1 800 m und 2 300 m. Darüber finden sich alpine Matten, bis 1 800 m kommt vor allem Nadelwald vor. An der Mittelmeerküste herrschen Hartlaubgewächse (Macchie) und Felsheiden (Garrigue) vor. Zur Mittelmeervegetation gehören Steineichen, Pinien, Zypressen, Korkeichen und Aleppokiefern. In den Dünenlandschaften im Südwesten Frankreichs (Landes) wurde durch intensive Aufforstung ein über 800 000 Hektar großes Waldgebiet geschaffen (überwiegend Kiefern).

In ganz Frankreich gibt es Natur- und Nationalparks, die einen geschützten Lebensraum für viele Tierarten bieten. In den Gebirgen finden sich Adler, Geier, Murmeltiere und Gämsen, in den Pyrenäen auch vereinzelt Braunbären und Luchse. In den Flüssen leben Biber und Fischotter, die in manchen Gegenden neu angesiedelt wurden. Typisch für das Rhône-Delta (Camargue) sind die bekannten rosa Flamingos (Bestand von ca. 50 000 Tieren) und die halbwild lebenden Pferde und Stiere. Auf den Inseln vor der Atlantikküste finden sich seltene Vogelarten wie Gerfalke, Papageientaucher und Großer Schlammläufer.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Frankreichs umfasst rund 66 Millionen Menschen. 94 % sind Franzosen, die größten Minderheiten stammen aus Algerien, Marokko und anderen afrikanischen Staaten. Knapp 80 % der Bevölkerung sind Katholiken, größte Minderheit mit 5 % sind Anhänger des Islams, die meist aus den ehemaligen französischen Kolonien stammen. Außerdem gibt es rund 800 000 Protestanten und 600 000 Juden im Land. Die Bevölkerungsdichte ist mit 111 Einwohnern pro Quadratkilometer im Vergleich zu anderen europäischen Staaten relativ gering. Größtes Ballungszentrum ist der Großraum Paris (Ile de France), jeder sechste Franzose lebt hier. Weitere größere Zentren sind Marseille (1,52 Millionen Einwohner im Großraum) und Lyon (1,65 Millionen im Großraum). Insgesamt leben über 70 % der Franzosen in Städten.

Die Landessprache ist Französisch, im Elsass und in Lothringen wird als Umgangssprache auch deutsch gesprochen, in der Bretagne bretonisch, im Südwesten katalanisch (Roussillon) und baskisch, auf Korsika korsisch. In Südfrankreich kommt vereinzelt noch das Provenzalische vor. Sowohl die katalanischen Minderheiten an der spanischen Grenze als auch die Flamen und die Bretonen fordern kulturelle Autonomie, im Baskenland und auf Korsika bestehen ebenfalls Forderungen nach mehr Unabhängigkeit, die hier auch durch gewalttätige Gruppen vertreten werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Bevölkerung des Landes sprunghaft von 40 auf 55 Millionen Menschen an, heute beträgt das Bevölkerungswachstum nur noch etwa 0,5 %. Immer noch wandern aus den ehemaligen Kolonien vermehrt politische Flüchtlinge ein, die überwiegend in der Hauptstadt Paris und in Südfrankreich leben. 1993 wurde ein Gesetz erlassen, das die Einwanderung erschwert, noch immer gilt aber in Frankreich das Gesetz, dass jeder in Frankreich Geborene das Recht auf Einbürgerung hat.

Der Lebensstandard in Frankreich ist hoch, Gesundheits- und Sozialwesen sind umfassend ausgebaut. Für Kinder von sechs bis 16 Jahren besteht Schulpflicht, eine Besonderheit bei den weiterführenden Schulen sind die so genannten "grandes écoles", Eliteschulen, in denen gezielt der Führungsnachwuchs für Staat und Wirtschaft ausgebildet wird. Älteste Universität des Landes ist die Pariser Sorbonne, die 1257 gegründet wurde.

Politisches System

Die Republik Frankreich ist eine Parlamentarische Präsidialdemokratie. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident (seit Mai 2007 Nicolas Sarkozy, RPR), der für fünf Jahre (seit einer Volksabstimmung 2000, vorher: sieben Jahre) direkt gewählt wird. Der Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat weitreichende Machtbefugnisse, er ernennt den Ministerpräsidenten (François Fillon, seit 2007) und kann das Parlament auflösen. Die Legislative liegt beim Parlament, das aus zwei Kammern besteht: Die 577 Abgeordneten der Nationalversammlung werden für fünf Jahre gewählt, die 331 Mitglieder des Senats (davon 14 aus Überseegebieten und zwölf von im Ausland ansässigen Franzosen gestellt) werden für eine Amtsdauer von sechs Jahren gewählt (vorher neun Jahre). Teilwahlen finden alle drei Jahre statt. Beide Kammern haben an der Gesetzgebung gleichen Anteil.

Zu den wichtigsten Parteien im Land gehören die Union pour la Majorité Présidentielle (UMP), Parti Socialiste (PS), Nouveau Centre (NC), Parti Communiste (PC) und die Parti Radical de Gauche (PRG).

Frankreich ist in 22 Regionen mit eigener Selbstverwaltung aufgeteilt, diese wiederum in 96 Departements. Neben der Insel Korsika gehören noch zahlreiche Überseegebiete zum Land, die in Überseedepartements, Gebietskörperschaften und Territorien mit beschränkter Selbstverwaltung eingeteilt sind. Dazu gehören Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Réunion, Mayotte und Saint-Pierre-et-Miquelon. Beschränkte Selbstverwaltung, aber Wahlrecht für das französische Parlament haben Französisch-Polynesien, Neukaledonien und Wallis und Futuna. Frankreich erhebt weiter Anspruch auf einige Inseln im Indischen Ozean, die weitgehend unbewohnt sind (insgesamt rund 7 500 km²) und Gebiete in der Antarktis (Adélie-Land, 430 000 km²).

Wirtschaft

Frankreich gehört zu den führenden hoch entwickelten Industrienationen, gemessen am Bruttosozialprodukt nimmt das Land nach den USA, Japan und Deutschland den vierten Platz ein. Die Arbeitslosenquote lag 2007 bei etwa 8 %, das Wirtschaftswachstum war in den letzten Jahren stabil und im EU-Vergleich relativ hoch, nach einer Stagnation 2003 betrug es im Folgejahr erneut 2,1 %. Im Jahr 2006 blieb das Wirtschaftswachstum mit 2,0 % am unteren Ende der Erwartungen vom Jahresanfang stecken. Diese Unregelmäßigkeiten hängen auch mit der zunehmenden Liberalisierung und Privatisierung der früher stark durch Staatsbesitz und -interventionen bestimmten Wirtschaft zusammen.

Die Subprime-Krise (Immobilienkrise) in den USA und die plötzliche Illiquidität des bisher stark wachsenden Marktes mit forderungsbesicherten Wertpapieren löste eine weltweite Finanz- und Vertrauenskrise aus, die auch vor Frankreich nicht Halt machte. Die Regierung reagierte darauf mit einem (Banken-)Hilfspaket in Höhe von 360 Milliarden Euro. Die Finanzkrise zieht auch zunehmend die Realwirtschaft in Mitleidenschaft (u.a. Automobilhersteller); etliche Prognosen wurden weltweit bereits erheblich nach unten korrigiert.

Traditionell ist die Landwirtschaft von großer Bedeutung in Frankreich, obwohl sie nur noch 2,2 % zum Bruttosozialprodukt beiträgt. Rund 4 % aller Erwerbstätigen sind hier beschäftigt, über die Hälfte der Staatsfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Die Landwirtschaft wird durch den Staat massiv subventioniert; zugleich ist Frankreich nach den USA der größte Nahrungsmittelexporteur weltweit. Wichtigste Produkte im Ackerbau sind Getreide (Weizen, Hauptanbaugebiet Ile-de-France), Kartoffeln und Futterpflanzen, weiter werden Gemüse und Obst (vor allem in der Normandie) angebaut. Eine besondere Bedeutung hat der Anbau von Wein, wichtige Anbaugebiete liegen im Elsass, in der Champagne, in Burgund, im Bordelais, im Loire-Tal und im Languedoc. Französische Weine gelten als besonders qualitativ hochwertig und werden weltweit gekauft. Auch die Viehhaltung hat große Bedeutung, vor allem in der Bretagne, aus der auch ein Großteil der Fischereiprodukte stammt.

Die Industrie in Frankreich hat sich in den letzten Jahren von den traditionellen Bereichen der Kohle- und Stahlindustrie sowie der Textilherstellung umorientiert hin zum Aufbau einer Hightech-Industrie. Immer noch sind einige Regionen von den schweren Einbrüchen im Kohle- und Stahlbereich besonders betroffen, was sich in hohen Arbeitslosenzahlen ausdrückt (z.B. Lothringen). Zentrum der Industrie ist der Großraum Paris, die Schwer- und Metallindustrie ist vor allem in Nordfrankreich angesiedelt (Dünkirchen). Wichtige Branchen der hoch spezialisierten Industrie sind der Maschinen- und Fahrzeugbau, der Flugzeugbau (Airbus-Produktion bei Toulouse), Chemie, Elektrotechnik, Elektronik, Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie die Erzeugung von Textilien und Luxuswaren. Rund 80 % der Elektrizität in Frankreich wird in Kernkraftwerken erzeugt, alternative Energien (Solar- und Windenergie) spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle.

Große Bedeutung hat auch der Tourismus in Frankreich, dem Urlaubsland Nummer Eins in Europa.

Wichtigste Handelspartner Frankreichs sind die EU-Länder, allen voran Deutschland.

Frankreich verfügt über 893 000 km gut ausgebauter Straßen mit einer sehr guten Anbindung der Ballungsgebiete, wobei die nur dünn besiedelten Gebiete bislang vernachlässigt wurden. Mit Rhone, Seine und Teilen des Rhein (Rhin) besitzt der Staat 8 500 km schiffbarer Flüsse. In Frankreich verkehren seit Anfang der 1980er Jahre Hochgeschwindigkeitszüge (TGV). Seit 1994 besteht der Eurotunnel, der unter dem Ärmelkanal eine Verbindung zu Großbritannien darstellt. Die wichtigsten Häfen des Landes sind in Marseille und Le Havre.

Kunst

Mittelalter

Die Romanik breitete sich in verschiedenen Schulen der Baukunst in der Normandie (Caen), in Burgund (Cluny, Autun, Vézelay), Aquitanien (Toulouse, Moissac) und der Provence (Arles, Saint-Gilles-du-Gard) aus. Besonders bedeutend für die Entwicklung der Architektur war das Kloster Cluny. Gebaut wurden gewölbte Basiliken (Saint-Trophime, Arles), aber auch bald protogotische Formen (in der Normandie und Burgund), mit Staffelchor, Chorumgang, Kapellenkranz, Einwölbung von Mittelschiff mit Kreuzgarten und -rippen, Emporen an der Innenwand, Laufgänge und Dienste, Entwicklung der Zweiturmfassade).

Erster Sakralbau der französischer Gotik, die in der Ile-de-France unter burgundischen, normannischen und provenzalischer Einfluss entstand, war die Abteikirche Saint-Denis nahe Paris (1132 bis 44) mit Auflösung des streng strukturierten, romanischen Raumes in einen hellen Gesamtraum mit großen Glasfenstern und feingliedrigen Strebepfeilern (Außenbau). Frühgotische Kathedralen sind Chartres, Sens, Senlis, Laôn, Noyon, Paris (Notre-Dâme) u.a. Die Entwicklung hochgotischer Sakralarchitektur wurde durch den Ausbau des Chors (fast gleiche Länge wie das Haupthaus) und die zentrale Lage des Querhauses (Neubau in Chartres, Amiens, Reims, Soissons u.a.) bewirkt; die oberen Fensterreihen (Gaden) gliedern sich in zwei Spitzbogenfenster mit Rosette. Die Tendenz zur Überdimensionalität (Grundriss, Höhe) trat in der Spätgotik hervor (Bourges, Le Mans, Beauvais, Coutances). Als Ausklang mittelalterlicher französischen Kunst ist der ursprüngliche englische dekorative "Style flamboyant" (preziöse Kleinformen als Dekorationsmittel, Kathedrale von Rouen) zu werten.

Die romanische Plastik (hauptsächlich Bauplastik wie Reliefs) war bestimmt durch ekstatische Visionen (erste Hälfte des 12. Jh.s) und ausgeprägte Ornamentik (Moissac, Vézelay, Autun u.a.). Auch in der Gotik war die Plastik Bauplastik, auch wenn sie bereits als Vollplastik (Königsportal, Chartres, ca. 1145) existierte. In der Hochgotik wurden freiere Körperhaltung und neue Bildtypen gestaltet (stehende Madonna mit Kind); in der Spätgotik entstanden dann monumentale Plastiken in Burgund (unter Einfluss des Niederländers C. Sluter) und von M. Colombe (in Nantes).

Im 15. Jh. ragen in der Malerei insbesondere die Gebets- und Stundenbücher hervor (Jean Fouquet). In Avignon am Hof der Exilpäpste (italienischer Einfluss) und in Burgund (flämischer Einfluss) wurde in der mittelalterlichen Malerei das Tafelbild (Altarbild, von der Architektur gelöst) geschaffen. Auf dem Gebiet der Buchmalerei entwickelte sich unter niederländischem Einfluss ein frühbürgerlicher, realistischer Stil (Brüder Limburg). Einen weiteren Höhepuntk der mittelalterlichen Malerei stellen die Glasfenster der Kathedralen dar (Chartres, Bourges, Sainte-Chapelle in Paris).

16. bis Anfang des 19. Jh.s

Die französische Renaissance nahm italienische Einflüsse (Leonardo, später Primaticcio u.a.) auf und verschmolz sie mit eigenen Tendenzen. Im 17. Jh. fand die französische Kunst ihre spezifische klassische Form. Gegen Ende des 18. Jh.s, als in Architektur, Bildhauerei, Kunstgewerbe bereits ein klarer Neoklassizismus entstand, stellte die Malerei (J.B.S. Chardin, J.-B. Greuze) Themen des bürgerlichen Lebens dar.

Mit der Französischen Revolution (1789-94) setzte sich in der französischen Kunst durch Anlehnung an Ideale antiker Demokratie programmatisch der Klassizismus durch (Directoirestil, Malerei J.L. Davids). Im nachfolgenden napoleonischen Empirestil dominierten als Ausdruck feudaler Repräsentation klassizistische Stilelemente (Schloss Malmaison), vermischt mit altägyptischen, assyrischen Momenten.

Die profane Renaissancearchitektur (Schlossbau) wurde bis gegen Ende des 18. Jh.s durch die politischen Vorgaben (Repräsentation und Ideologie) geprägt; "convenance" (das Angemessene) und "bon goût" (Würde und Geschmack) dominierten die Baukunst. Der nachfolgende Barock setzte die für die Renaissancearchitektur charakteristische Elemente fort, getragen von einer französisch-klassizistischen, rationalen Denkweise (Barock von den Franzosen als Klassik aufgefasst). Richtungweisend wurde die Südfassade von Schloss Chambord (1523-35, Frührenaissance), später Zentrum der gesamten Schlosskomposition mit dem Eingangsportal (als Risalit konstruiert) als Symmetrieachse. Die einstige mittelalterliche Vierflügelanlage wurde zur Dreiflügelanlage umgebaut (Schloss Vaux-le-Vicomte, 1655-62), so dass die Fassade (bzw. Hauptgebäude, "Corps de logis") durch Seitenflügel mit Ehrenhof gegliedert ist. Diese Komposition wurde zum Muster für Ludwigs XIV. Riesenprojekt Versailles (1661 bis 82) mit dem staatssymbolisch wichtigen, königlichen Schlafgemach (mit Ehrenhof) und dem Spiegelsaal als Zentrum, mit Gartenanlagen und Radialstraßen. Diese Architektur bewirkte auch axiale, radiale Stadtgrundrissplanungen von Paris (Place de Vosges, ab 1605) und Nancy (1751 bis 55) und auch Konstruktionen von Pariser Hôtels und Wohnhäusern (kleinerer Maßstab). Die feudale Architektur dieser Zeit konzentrierte sich auf Paris (Louvre, Tuillerien, Palais du Luxembourg, Palais Royal u.a.). Um 1700 Auflockerung des Prunkstils im Régence-Stil, der zum Rokoko überleitete. An alten Vorbildern orientierte sich der Stil des Klassizismus (Petit Trianon in Versailles) unter Ludwig XVI.

Zwischen 16. und 18. Jh. umfasste die französische Plastik verschiedene Stilrichtungen (Klassik, Manierismus, Barock). F. Primaticcio (Stuckdekoration in Fontainebleau), J. Goujon (Reliefs), G. Pilon (Grabmäler) gelten als manieristische Bildhauer. Bevorzugt wurden im 17. Jh. an antiken Vorbildern orientierte Standbilder, Reiterstatuen, Büsten, gestaltet von in der Mehrzahl klassizistischen Bildhauern, vereinzelt auch mit barocken Stilvarianten (A. Coysevox, M. Desjardins, É. Falconet, J.-B. Pigalle); bei P. Puget und J.-A. Houdon fehlen klassizistische Elemente.

Inbegriff der französischen Klassizität ist in der Malerei N. Poussin durch ziervolle, gestellte Figurengruppen, harmonische Kompositionen mit weiten Räumen, präzise Zeichnung und Farbgebung. Ebenso bedeutsam sind der Porträtist P. de Champaigne und, als Gegenspieler Poussins (im 17. Jh.), der Landschaftsmaler Claude Lorrain mit mythologischen, leuchtenden, romantischen (Ideal-)Landschaften. Bedeutende provenzalische Maler dieser Epoche sind die Brüder Nain (Bauernbilder) und G. de La Tour. Im 18. Jh. bildete sich, als Rückzug ins Private, in Malerei und Kunstgewerbe der Rokokostil heraus, charakterisiert durch heitere, muschelartige Formgebung ("Rocaille"), durch frischen und natürlichen Ausdruck, helle Farbgebung und weichen, generösen Malstil, mit den Hauptmeistern A. Watteau, J.H. Fragonard, F. Boucher u.a.

19. und 20. Jh.

Durch Restauration und Deuxième Empire wird in der Architektur ein pompöser Historismus etabliert, mit eklektischer Aufnahme verschiedenster Stilelemente. Neubauten standen neben der Restauration alter Denkmäler, neben Neugotik, Neubarock, Neoklassizismus der (aus England kommende) Eisenskelettbau (Eiffelturm, 1889). Zu Beginn des 20. Jh. entwickelte sich mit Le Corbusier die avantgardistische profane wie sakrale Architektur, die expressive Wirkung mit funktionaler Systematik verbindet, der Baustil ist materialgerecht und streng.

Die französische Plastik wurde zunächst überwiegend durch klassizistische Bildhauer bestimmt (A. Préault war eine kaum beachtete Ausnahme). A. Rodin, zunächst wegen der romantischen Wirkung seines Werkes abgelehnt, wurde dann im 20. Jh. der künstlerische Gegenpol zur klassizistischen Plastik A. Maillols.

Auch in der Malerei wirkte im 19. Jh. der Kontrast zwischen Klassizismus und Romantik; bedeutende klassizistische Künstler waren David und Ingres; romantische Stilelemente reichten von den Rokokomalern über E. Delacroix, Th. Géricault bis zu den Historienmalern und Symbolisten (G. Moreau). Neue Tendenzen entwickelten sich parallel, so sozialkritische Grafik (G. Doré, H. Daumier), realistische Landschaftsmalerei (Courbet, realistische Schule von Barbizon) und Freilichtmalerei (insbesondere C. Corot) als Vorläufer des Impressionismus (C. Monet, A. Renoir, A. Sisley, C. Pissarro u.a.). Insbesondere É. Manet verzichtete auf die Tiefenillusion des Gemäldes (allerdings nicht auf den tektonischen Aufbau). Mit dem Pointilismus (G. Seurat, P. Signac) wurden die Farben unter physikalischen Gesichtspunkten gesetzt. Spätimpressionistische Aspekte bestimmen die Bilder von P. Bonnard, E. Vuillard u.a.

Zu Beginn des 20. Jh.s entstanden symbolistische und synthetische Kunststile (Schule von Pont Aven), die der Farbe eine emotionale Bedeutung zuwiesen. Ähnliche Ansatzpunkte finden sich auch in der Malerei P. Gauguins, V. van Goghs oder H. Toulouse-Lautrecs und später der Fauves (darunter H. Matisse, M. de Vlaminck, A. Derain). Paul Cézanne wies mit seiner farbigen "Modulation" der Bildfläche (ähnlich wie vorher Manet) neue Wege, die z.B. den Kubismus (von G. Braque, P. Picasso 1907 in Paris gegründet und 1912 von J. Gris zum synthetischen Kubismus stilisiert) vorbereiteten. An die kubistische Flächengestaltung der Collagekunst knüpfte F. Léger an. Als emotionsbetonte Stilrichtungen der französischen Malerei des 20. Jh.s entstanden Dadaismus und Surrealismus mit bekannten Künstlern wie M. Ernst, H. Arp, S. Dali, J. Miró, A. Masson. M. Duchamp schuf mit seinen Readymades bereits den Übergang zur Objektkunst.

Nur langsam entfaltete sich die abstrakte Malerei, die sich – nach zögerlichen Anfängen durch R. Delaunays Orphismus (dem Kubismus verwandt – mit Künstlerinnen und Künstlern der École de Paris (R. Bissière, J. Bazaine, M. Estève, A. Manessier, G. Schneider, P. Soulages, N. de Staël) erst in den späten vierziger Jahren etablierte. Es entwickelten sich verschiedene Stile wie der französische Tachismus (abstrakter Expressionismus, R. Mathieu, S. Poliakoff) u.a.; in den 50er Jahren dann Aufhebung traditioneller Gattungsvorstellungen und Etablierung der Objektkunst wie die "Assemblagen" aus Fundstücken und Trödel (César, Arman, J. Dubuffet), wie Sand- und Sackbilder (A. Burri, Dubuffet), wie "Nouveau Réalisme" u.a. Y. Klein konzipierte die einfarbige Malerei und stellte später die Verbindung der französischen Malerei zu Fluxus (Aktionskunst Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre) her, zu Happening und Konzeptkunst.

In den 60er Jahren entstand der neokonstruktivistische Stil (Op-Art de Vasarélys und Sotos, Minimal-Art und kinetische Kunst), in den 70er Jahren die Riesendamen-Objekte von Niki de Saint-Phalle.

Literatur

11 bis 15. Jahrhundert

Am Beginn der französischen Literatur stehen einerseits religiöse Werke ("Alexiuslied"), andererseits die Heldenepen (Chansons de geste), die sich bereits im 11. Jh. herausbildeten und unter anderen auch das deutsche Heldenepos stark beeinflussten (Rolandslied, Kreuzzugszyklus). Im 12. Jh. entstanden bei Hofe die ersten Versromane (Alexanderroman, Erec, Yvain). Als wichtigster Vertreter des höfischen Romans gilt Chrétien de Troyes. In Südfrankreich entstand die Troubadour-Dichtung, die, gleich dem Minnesang, die Lobpreisung der Liebe zum Thema hat. Im 13. Jh. blühte die Form der Allegorie in den so genannten Rosenromanen. Gleichzeitig entstand die bürgerlich geprägte Literatur in Form von Balladen, Tanzliedern (Virelai, Rondel), Satiren, Dramen und Passionsspielen. Im 15. Jh. wirkte der unkonventionelle und überaus bekannte Lyriker F. Villon.

16. und 17. Jahrhundert

Bedeutende Schriftsteller des 16. Jh.s sind Margarete von Navarra (Heptameron), Rabelais (Gargantua und Pantagruel) und Montaigne (Essays). Unter Ronsard bildete sich eine neue Schule heraus, die "Pléiade".

Die Klassik des 17. Jh.s ist geprägt von der Sprachreform Malherbes; 1635 erfolgte die Gründung der Académie Française. Pascals Prosa wurde zum Vorbild, Corneille und Racine brachten die klassische Tragödie, Molière die Komödie, Fontaine die Fabel, Mme. de Sévigné die Briefliteratur zur Blüte.

18. und 19. Jahrhundert

Diese Periode umfasst Voltaires Religions- und Gesellschaftskritik, die "Encyclopédie" von Diderot; Rousseau wurde der Vorläufer der Romantik und der Revolution. Ferner wirkte der Lyriker A. Chénier. Frei von den klassischen Regeln schrieben Mme. de Staël (De l'Allemagne) und V. Hugo.

Das 19. Jh. beginnt die Epoche des Realismus, mit Stendhal, Mérimée und Balzac. Flaubert führte sie zum Naturalismus (Zola, Daudet, Maupassant). Der Symbolismus brachte die Lyriker Baudelaire, Verlaine und Rimbaud, die Dramatiker Claudel und Maeterlinck hervor.

Das 20. Jahrhundert

Bedeutender Lyriker war P. Valéry, als Romanschriftsteller sind Proust, Jammes, Romains und Duhamel zu nennen; religiöse Fragen behandelten Péguy, Mauriac und Gide. Vom Naturalismus geprägt sind Colette und Rolland.

Die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und der Wiederstandsbewegung floss in das philosophische Weltverständnis des Existenzialismus, der als literarische Schule Bedeutung gewann (Cocteau, Sartre, Camus). Avantgardistisches Theater wird von lonesco, Genet und Adamov vertreten. Der Surrealismus schuf die Inspiration zur sprachexperimentellen Lyrik (Breton, Eluard). Charakteristische Vertreter des Neuen Romans ("Nouveau Roman") sind A. Robbe-Grillet, M. Duras, N. Sarraute. Die jüngere französische Literatur steht unter starker Einwirkung der "Neuen Philosophen" (J. Derrida).

Hauptvertreter der belgischen Literatur in französischer Sprache sind Verhaeren, Maeterlinck, Ch. De Coster (Till Eulenspiegel), C. Lemonnier, G. Eekhoud, Plisnier, Tousseuls, Marceau, F. Crommelynk. Lyriker: Kinon, Ramaekers, Fontainas, Elskamp.

Musik

erste Blüte im 17. Jh. mit Lully und Charpentier. Im 18. Jh. Höhepunkt der Oper (Rameau und Couperin). Im 19. Jh. brachte L.H. Berlioz die Programmmusik und einen neuen Stil. Opernkomponisten L. Cherubini, Auber, Adam, Meyerbeer, Gounod, G. Bizet und Massenet. Impressionistische Schule mit Debussy und Ravel. Die Komponisten des 20. Jh.s (Milhaud, Poulenc, Messiaen) unter anderem von I. Strawinsky beeinflusst.

Weblinks


République française
Amtssprache Französisch
Hauptstadt Paris
Staatsform Parlamentarische Präsidialdemokratie
Fläche 547.026 km²
Einwohner 66.000.000
Währung Euro
Zeitzone UTC+1
KFZ-Kennzeichen F
Internet-TLD .fr
Telefonvorwahl 0033

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