Gambia Geschichte

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    Frühzeit

    Erste Besiedlungsspuren im Mündungsbereich des Gambia-Flusses werden auf die Steinzeit zurückdatiert. Das älteste schriftliche Zeugnis über das Gebiet stammt aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. von dem Karthager Hanno, der versuchte, Afrika zu umschiffen. Im Laufe der Jahrhunderte siedelten sich verschiedene negroide Volksstämme auf dem Gebiet des heutigen Gambia an, die Viehzucht und Wanderackerbau betrieben. Vor 1000 n.Chr. war das Gebiet im Einflussbereich des westsudanesischen Reiches Ghana, ab dem 13. Jahrhundert gehörte es zum islamischen Reich von Mali. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits islamisierte Volksstämme wie die Wolof, Mandingo und Fulbe im Gebiet des heutigen Gambia niedergelassen und dort verschiedene kleine Königreiche gegründet.

    Sklavenhandel

    Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts betrat der venezianische Seefahrer Alvise Cadamosto im Auftrag der Portugiesen im Mündungsdelta des Gambia-Flusses das Land. Es wurden mehrere Handelsniederlassungen gegründet, von denen aus die Erforschung und Eroberung des Landes begann. Aus dem Hinterland herangeschaffte Sklaven wurden nach Südamerika und auf die Karibischen Inseln verschifft. Portugal ermöglichte auch anderen Nationen wie Großbritannien und Frankreich, den Gambia als Transportweg zu nutzen. Als sich die Portugiesen aus der Gegend zurückziehen mussten, entbrannte ein Kampf zwischen Frankreich und Großbritannien um die Gebiete des heutigen Gambia und Senegal (das Gambia umgibt). Während Frankreich einen Großteil des Gebietes für sich erobern konnte, setzten sich die Briten im Mündungsdelta und Unterlauf des Gambia-Flusses fest. Auf einer der Flussinseln wurde eine befestigte Siedlung angelegt (St. James), von der aus in den nächsten 150 Jahren unzählige Sklaven nach Amerika verschifft wurden.

    Britische Kolonialisierung

    1765 wurden das Mündungsgebiet des Gambia-Flusses und einige zurückeroberte Gebiete im heutigen Senegal britische Kolonie (Senegambia), 1816 erhielt der Küstenbereich den Protektoratsstatus. 1815 wurde an der Gambia-Mündung die Stadt Bathurst gegründet (heutige Hauptstadt Banjul).

    1843 wurde das Küstengebiet zur Kronkolonie erklärt, das Hinterland des heutigen Gambia kam erst im Jahr 1888 dazu. Ein britisch-französisches Abkommen von 1889 legte die Grenzen der heutigen Republik Gambia fest.

    Unabhängigkeitsbestrebungen

    Zu Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich allmählich eine Unabhängigkeitsbewegung zu formieren, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verstärkte. Großbritannien gewährte politisches Mitspracherecht, dem die Gründung verschiedener Parteien im Lande folgte wie die "United Party" (UP) und die "People's Progressive Party" (PPP). 1960 wurde Gambia beschränkte Autonomie zugestanden, bei ersten allgemeinen Wahlen ging die PPP unter der Führung von Dawda Kaiwara Jawara als Sieger hervor. Dennoch wurde zunächst Pierre N'Jie von der UP zum Regierungschef von Gambia ernannt, erst 1962 übernahm Dawda Kaiwara Jawara von der stärksten Partei PPP das Amt. Am 18. Februar 1965 erhielt Gambia seine volle Unabhängigkeit im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations.

    Die Präsidialrepublik

    1970 wurde Gambia nach einem Volksentscheid zur Präsidialrepublik erklärt. Dawda Kaiwara Jawara wurde damit Staatspräsident und Regierungschef in einer Person. Jawara regierte das Land über 20 Jahre lang. 1982 vereinte sich Gambia mit dem Senegal zur Konföderation "Senegambia", deren Präsident das senegalesische Staatsoberhaupt war, Jawara war Vizepräsident. Die Konföderation hatte nur bis 1989 Bestand, dann wurde sie von Senegals Staatspräsident Abdou Diouf Diouf aufgelöst. Ein Freundschaftsvertrag regelte in der folgenden Zeit das weiterhin enge Verhältnis zwischen den beiden Ländern.

    Im Juli 1994 wurde Jawara durch einen Armeeputsch gestürzt und floh ins Exil nach Senegal. Der Führer des Putsches, General Yayah Jammeh, erklärte sich zum Vorsitzenden des "Provisorischen Regierungsrats der Streitkräfte" (Armed Forces Provisional Ruling Council), setzte die Verfassung außer Kraft und erließ ein Parteienverbot. Auf internationalen Druck - sowohl die USA als auch die Europäische Union (mit Großbritannien) kürzten die lebenswichtige finanzielle Unterstützung Gambias - kündigte die Militärjunta 1996 allgemeine Wahlen an und versprach, die Macht an eine Zivilregierung zu übergeben. 1997 trat eine neue Verfassung in Kraft. Bei Wahlen Anfang 1997 (das Parteienverbot war aufgehoben worden) gewann die Partei Yayah Jammehs die Mehrheit der Sitze und konnte diese bis heute halten. Er selbst wurde 1996 zum Präsidenten gewählt und 2001, 2006 und 2011 im Amt bestätigt, wobei die Oppositionsparteien wiederholt von Wahlbetrug sprachen. Es kommt immer wieder zu Protestaktionen der Bevölkerung und zu Putschversuchen (zuletzt im März 2006) gegen die Staatsführung. Für Aufregung sorgte der Präsident, als er ankündigte, Aids mit pflanzlichen Mitteln und Gebeten kurieren zu können. Die Regionalchefin des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Fadzai Gwaradzimba, kritisierte die Heilmethode als wissenschaftlich nicht haltbar und wurde daraufhin des Landes verwiesen. Die Menschenrechtslage in Gambia wird international scharf kritisiert; die Pressefreiheit ist eingeschränkt.