Frankreich Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Vor- und Frühgeschichte

Archäologische Funde auf dem Gebiet des heutigen Frankreich lassen vermuten, dass hier bereits vor 100 000 Jahren Menschen lebten. Aus der jüngeren Altsteinzeit haben sich mehrere Höhlenmalereien erhalten; zu den bedeutendsten kulturellen Zeugnissen dieser Zeit gehören die Felszeichnungen von Lascaux in Südfrankreich.

Jungsteinzeitliche Spuren (4000 bis 2000 v.Chr.) der Megalithkultur finden sich vor allem in der Bretagne in Form von Menhiren und im Pariser Becken in Form von Dolmen.

Antike und Mittelalter

Um 400 v.Chr. siedelten sich Kelten und Gallier auf weiten Teilen des Staatsgebietes an.

Das Gebiet zwischen Rhein, Alpen, Pyrenäen und Atlantik war seit dem 1. Jahrhundert v.Chr. römische Provinz, Julius Cäsar hatte die dort seit etwa 400 v.Chr. ansässigen keltischen Volksstämme unterworfen (Alesia 52 v.Chr.). Im 5. Jahrhundert n.Chr. eroberten einwandernde Germanenstämme (Franken) das Gebiet, es entstand das Reich der Merowinger.

Im 8. Jahrhundert lösten die Karolinger das Geschlecht der Merowinger ab, unter Karl dem Großen (768-814, ab 800 Kaiser) entstand ein großes Reich, das das heutige Frankreich, große Teile Deutschlands und Teile von Italien umfasste. Nach der Teilung des Fränkischen Reiches (Vertrag von Verdun, 843) entstand ein West- und ein Ostfränkisches Reich, Vorläufer des späteren Frankreich bzw. Deutschland. Im Westfränkischen Reich regierten bis zum 10. Jahrhundert Herrscher aus dem Geschlecht der Karolinger. Hugo Capet (987-996) begründete die Kapetinger-Dynastie, die die Karolinger als herrschendes Königshaus ablöste.

Im 12. Jahrhundert war die Hälfte Frankreichs unter der Herrschaft des englischen Königshauses Anjou-Plantagenet (durch die Heirat der Eleonore von Aquitanien mit Heinrich II. von England).

Im 13. Jahrhundert stieg Frankreich unter Philipp IV. (1285-1314) zur stärksten Macht in Europa auf. Ihm gelang es auch, die einzelnen Adelsgeschlechter zugunsten des Königtums zu schwächen und das Papsttum zum Werkzeug seiner Politik zu machen (ab 1309 residierte der Papst in Avignon). Nach dem Aussterben des Kapetinger-Geschlechts 1328 kam es im Zusammenhang mit der Thronfolge zum Hundertjährigen Krieg (1337-1453), als der englische König Eduard III. Ansprüche auf den französischen Thron anmeldete. Englische Truppen eroberten große Teile Frankreichs, dazu kamen Aufstände von Bürgern und Bauern in verschiedenen Regionen gegen die Krone. Die Wende zugunsten Frankreichs trat 1429 ein, als die Bauerntochter Jeanne d’Arc das französische Heer bei Orléans anführte, letzte Schlacht in diesem Krieg war der Sieg der Franzosen bei Castillon. England verlor seine Besitzungen in Frankreich (bis auf Calais).

In der Mitte des 15. Jahrhunderts begann der langjährige Konflikt Frankreichs mit den Habsburgern, die seit 1440 die deutschen Kaiser stellten. Burgund war nach dem Tod Herzog Karls des Kühnen 1477 an die durch Heirat erbberechtigten Habsburger gefallen. Frankreichs König Karl VIII. führte ab 1483 mehrere Eroberungszüge gegen Gebiete in Italien, die von den Habsburgern beansprucht wurden.

Neuzeit

Im 16. Jahrhundert erschütterten die erbitterten Religionskriege zwischen den protestantischen Hugenotten und den Katholiken bzw. den katholischen Königen das Land. Bekanntes Zeugnis dafür war die so genannte Bartholomäusnacht im Jahr 1572, als in Paris tausende Hugenotten ermordet wurden. Unter König Heinrich IV., der selbst ursprünglich Protestant war, zur Erlangung der Krone aber zum Katholizismus übertreten musste (1593), beruhigte sich die Lage und den Protestanten wurde Religionsfreiheit gewährt (Edikt von Nantes). Das Königtum wurde wieder zum Symbol nationaler Einheit.

Zeitalter des Absolutismus

Unter König Ludwig XIII. hatte dessen Kanzler Kardinal Richelieu (1624-42) die politische Macht inne, er und sein Nachfolger Mazarin (1643-61) leiteten den Umbau Frankreichs hin zu einem absolutistisch geführten Staat ein, den der "Sonnenkönig" Ludwig XIV. (1643-1715) schließlich vollendete: Zugunsten des Königs wurde der Adel vollkommen entmachtet. Der französische Hof in Versailles wurde zum Vorbild der höfisch-aristokratischen Gesellschaft in Europa. Die Kunst des Barock, der klassischen Literatur, der Philosophie und der Malerei erlebte eine außergewöhnliche Blüte. Auf der anderen Seite hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes auf, worauf über eine halbe Million Hugenotten außer Landes flüchteten.

Die Expansionspolitik Ludwigs XIV. führte zu einer Ausweitung der französischen Kolonien in Nordamerika und des Staatsterritoriums in Europa (z.B. 1667 Frieden von Aachen, Gewinn von Lille; 1678 Friede von Nimwegen, Gewinn von Burgund und Teilen der Niederlande). Damit geriet Frankreich zwangsläufig in Konflikt mit allen anderen Großmächten. 1714 unterlag Frankreich im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges einer Allianz europäischer Mächte und verlor seinen Hegemonialanspruch. Versuche, verlorene Gebiete wieder zu gewinnen, scheiterten im Verlauf des 18. Jahrhunderts. 1763 verlor Frankreich auch seine Kolonien in Nordamerika (Friede von Paris als Ende des Siebenjährigen Krieges).

Prunksucht der Herrscher und die teure Kriegsführung führten dazu, dass die Staatsfinanzen bis 1788 gänzlich ruiniert waren. Zudem kam eine hohe Steuerbelastung für das aufstrebende Bürgertum und eine Privilegierung des Adels. Das führte zu harter Kritik der französischen Aufklärer (u.a. Montesquieu, Voltaire, Rousseau) am Gesellschaftssystem.

Französische Revolution

Mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 brach die Französische Revolution aus, die vom Bürgertum getragen wurde und den Untergang des Absolutismus darstellte. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die Abschaffung des Adelsstandes und die Enteignung des Klerus gehörten zu den ersten Maßnahmen, die die neue Nationalversammlung beschloss. Da die Geschehnisse in Frankreich drohten, auf die umliegenden europäischen Länder überzugreifen, versuchte eine Allianz österreichischer, preußischer und englischer Truppen im Land zu intervenieren, scheiterten aber an dem von den Revolutionären aufgebauten Volksheer (Levée en masse). 1792 wurde in Frankreich das Königtum abgeschafft, das Land wurde zur Republik (Erste Republik). Intern konkurrierten verschiedene Gruppierungen, die unterschiedlich radikale Vorgehensweisen forderten und in der Diktatur des Jakobiners Robespierre eine ihre blutigsten Ausprägungen erlebten.

Napoleon Bonaparte beendete 1799 durch einen Staatsstreich die Unruhen im Land: Unter seiner diktatorischen Führung (1804 ließ er sich zum "Kaiser der Franzosen" krönen) wurde eine bürgerliche Gesellschaftsordnung geschaffen, deren Grundlagen (Gleichheit vor dem Gesetz, liberale Wirtschaftsordnung) im Code Napoléon festgeschrieben waren. Unter Napoleon gerieten große Teile des europäischen Kontinents unter französische Herrschaft. Die Wende brachte der Russlandfeldzug Napoleons 1812 und die ein Jahr später folgenden Befreiungskriege, die zum Zusammenbruch des napoleonischen Frankreich führten (1815 Schlacht bei Waterloo).

Zweite und Dritte Republik

Eine Phase der Restauration folgte, die bourbonischen Könige kehrten auf den französischen Thron zurück. Im Gegenzug führte die Februarrevolution 1848 zur Errichtung der Zweiten Republik. 1852 bestieg Louis Napoléon Bonaparte als Kaiser Napoleon III. den französischen Thron, wurde aber 1870 nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg wieder entthront. Im August 1871 wurde in Frankreich die Dritte Republik ausgerufen (bis 1940). Die Dritte Republik war gekennzeichnet durch Krisen im Inneren (z.B. Aufstand der Pariser Kommune 1871, Dreyfuß-Affäre 1894-99) und eine expansive Kolonialpolitik, die u.a. Indochina, Tunesien, Madagaskar und den Kongo in französischen Besitz brachte.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand Frankreich an der Seite von Russland und Großbritannien gegen das deutsch-österreichisch-ungarische Bündnis. Auf französischem Boden fand ein verlustreicher Stellungskrieg statt, der erst durch das Eingreifen der Amerikaner beendet werden konnte. Im Friedensvertrag von Versailles 1919 wurden Frankreich Elsass und Lothringen zugesprochen, die es 1871 an Deutschland hatte abgeben müssen. Das deutsch-französische Verhältnis blieb weiter angespannt, auch wenn nach Betreiben der Außenminister beider Staaten (Stresemann und Briand) im Vertrag von Locarno 1925 ein Ausgleich erzielt wurde. Innenpolitisch kam es auch in Frankreich durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu einem Ansteigen des Links- und Rechtsradikalismus. Gegenüber dem rasch aufrüstenden Deutschland unter Adolf Hitler verhielt sich die französische Regierung zunächst abwartend und nahm den Anschluss Österreichs und die Annexion des Sudetenlands durch deutsche Truppen hin.

Die Wende brachte der deutsche Angriff auf Polen im September 1939 und damit der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Frankreich erklärte dem Deutschen Reich den Krieg.

1940 wurden in nur sechs Wochen große Teile Frankreichs von deutschen Truppen besetzt. Die französische Regierung Vichy unter Marschall Pétain zog sich in den noch unbesetzten Südteil des Landes ("États Français") zurück und wurde dort von Deutschland, mit dem sie zusammenarbeitete, geduldet. In London bildete sich unter General Charles de Gaulle eine Exilregierung, die auch die französische Widerstandsbewegung "Résistance" unterstützte. Im August 1944 wurde Paris von amerikanischen und französischen Truppen befreit, Charles de Gaulle rief am 3. September die IV. Republik aus.

Nachkriegszeit

1949 trat Frankreich dem Nordatlantischen Verteidigungsbündnis (NATO) bei. In den Folgejahren lösten sich auf Grund der großen Parteienvielfalt immer wieder verschiedene Koalitionsregierungen ab, durch die Auflösung des französischen Kolonialreiches und die sich daraus ergebenden Konflikte (Indochinakrieg 1946-54, Algerienkrise ab 1958) war die Vierte Republik von sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Instabilität gekennzeichnet.

1958 wurde Charles de Gaulle Ministerpräsident Frankreichs und begründete die V. Republik mit einer neuen Verfassung, in der die Stellung des Staatspräsidenten gestärkt wurde. Erster Staatspräsident der neuen Republik wurde 1959 de Gaulle. 1960 entließ Frankreich unter Führung de Gaulles (gegen den Widerstand rechtsgerichteter Kreise) einen Großteil seiner Kolonien in die Unabhängigkeit (z.B. Tschad, Kongo, Zentralafrikanische Republik, Algerien 1962). In seinen Regierungsjahren (bis 1969) gelang de Gaulle eine neue Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland und dessen Bundeskanzler Konrad Adenauer, beide Staaten sah er als wichtige Akteure in einem zukünftigen selbstständigen Europa (unter französischer Führung). Durch den teilweisen Austritt aus der NATO versuchte de Gaulle, sich von der Vorherrschaft Amerikas zu lösen.

Unter de Gaulles Nachfolgern (1969 bis 1974 Georges Pompidou, 1974 bis 1981 Valérie Giscard d'Estaing, 1981 bis 1995 François Mitterand, 1995 bis 2007 Jacques Chirac, 2007-2012 Nicolas Sarkozy, seit 2012 François Hollande) und verschiedenen Koalitionsregierungen, bei denen sich Gaullisten und Sozialisten als Regierungschefs ablösten, baut Frankreich seinen Kurs eines selbstständigen, starken Landes innerhalb eines geeinten Europa weiter aus. Schwerpunkte bleiben weiter das Interesse an einer eigenständigen europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Das französisch-amerikanische Verhältnis ist geprägt von Skepsis gegenüber der amerikanischen Vormachtsstellung und teilweise angespannt durch unterschiedliche Standpunkte in Punkten wie z. B. Welthandel. In den Vereinten Nationen gehört Frankreich zu den tragenden Mitgliedern (sowohl auf diplomatischer als auch auf militärischer Ebene).

Präsident Nicolas Sarkozy (konservative gaullistische UMP) war 2007 mit einem umfassenden Reformprogramm angetreten. Umgesetzte Projekte umfassen eine Hochschulreform, Maßnahmen zur Erhöhung des Wachstums (u.a. durch ein neues Arbeitsrecht), eine Anpassung der defizitären Sonder-Rentensysteme im öffentlichen Sektor an das allgemeine Rentensystem sowie den Abbau staatlicher Leistungen. Dagegen richteten sich zahlreiche Protestveranstaltungen und Streikaktionen. Die Verschärfung der Einwanderungspolitik löste Kontroversen und neue Unruhen in den Vorstädten (Banlieus) aus. Zur Verbesserung der Situation in den Vorstädten, die sich seit den großen Unruhen von 2005 nicht entspannt hatte, wurde ein Plan ("Hoffnung für die Vorstädte") gefasst, der u. a. die Schaffung von 45 000 Arbeitsplätzen in den Banlieues vorsah. Das Parlament stimmte 2008 der von Sarkozy initiierten größte Verfassungsreform seit 40 Jahren zu. Die Änderungen betrafen über ein Drittel der Verfassungsartikel. Vor allem die Rolle des Parlaments wurde gestärkt. Zu den Neuerungen zählen auch die Anerkennung der Regionalsprachen und das Recht auf Referendumsinitiativen aus der Bevölkerung. Bei jedem neuen EU-Beitritt wird eine Volksabstimmung abgehalten. Viele der Veränderungen gehen auf langjährige Forderungen der Sozialisten zurück.

Seit Mai 2012 ist der Sozialist François Hollande Staatspräsident. Die anschließende Neuwahl der Nationalversammlung ergab eine deutliche linke Mehrheit. Die Regierung bekennt sich zu einer Politik der Haushaltskonsolidierung und zum europäischen Fiskalpakt. Weitere Schwerpunkte sind die Förderung von Wachstum und Beschäftigung. Zudem kommt der Jugend und Bildung sowie der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit besondere Aufmerksamkeit zu. Ab dem Spätsommer 2012 wurden, neben diversen Steuererhöhungen für Wohlhabende und Großbetriebe, auch Einsparungen im öffentlichen Dienst eingeleitet. Im Januar 2013 wurde eine Arbeitsmarktreform vereinbart.