Griechenland Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Vor- und Frühgeschichte

Das heutige griechische Staatsgebiet war seit der Altsteinzeit besiedelt; um 3500 bis 2800 v.Chr. existierte die jungsteinzeitliche Sesklo-Kultur Thessaliens, eine frühe Bauernkultur mit Viehzucht und Getreidebau, von der sich vor allem bunt bemalte Keramik erhalten hat. Ab 2800 v.Chr. drang von Norden her die Dimini-Kultur ein, der bereits die Verwendung von Kupfer und Gold geläufig war. Aus dieser Zeit stammen die ersten stadtähnlichen Festungsanlagen. Mit Beginn der Bronzezeit entwickelte sich im 3. und in der ersten Hälfte des 2. Jt.s v.Chr. die ägäische Kultur (Kykladen-Kultur) auf den ägäischen Inseln.

Auf der Insel Kreta entstand ab 2500 v.Chr. durch das Volk der Minoer die erste europäische Hochkultur. Die Minoer erbauten u.a. die berühmten Paläste von Knossos und Phaistos. Das griechische Festland wurde etwa ab 2000 v.Chr. von indogermanischen Stämmen besiedelt (Achäer), die aus dem Nordosten kamen. Ab 1600 v.Chr. entwickelte sich hier neben anderen Reichen die mykenische Kultur, benannt nach ihrem Zentrum Mykene. Um 1400 v.Chr. begann der Untergang des mykenischen Reiches, Mykene selbst wurde um 1200 v.Chr. zerstört. Von Norden her wanderten dorische Stämme ein und vertrieben die ansässige Bevölkerung in Richtung Süden (Ionische Wanderung, 11. bis 8. Jahrhundert v.Chr.). Diese bevölkerten die Inseln der Ägäis und die Küsten Kleinasiens. In dieser Zeit könnte der von Homer beschriebene Trojanische Krieg stattgefunden haben, als Auseinandersetzung zwischen einfallenden Ioniern und Äoliern und dem trojanischen Volk.

Archaische Zeit

Die ersten vier Jahrhunderte dieser Epoche, die vom 12. Jh. v.Chr. bis zum Beginn der Perserkriege (500 v.Chr.) reicht, trugen deutliche Zeichen des Niedergangs ("Dunkles Zeitalter").

Unter dem Druck der Einwanderer erreichte eine erste Welle griechischer Kolonisatoren die ägäischen Inseln und die gegenüberliegende Küste Kleinasiens, Es entstanden zahlreiche bedeutende Städte, darunter Milet, Ephesos und Troja (vor 1000 v.Chr.). Im 10. und 9. Jh. übernahmen die Griechen die phönikischen Schrift ("Phoinikeiä") unter Einfügung von Vokalzeichen. Die Verbreitung der Schrift erfolgte durch Kolonisten und Händler im ganzen Mittelmeerraum. Das Kolonisationswerk erreichte um 750 bis um 550 v.Chr. seinen Höhepunkt und dann seinen Abschluss mit der Erschließung der Küsten Unteritaliens, Siziliens und Spaniens.

Ab etwa 800 v.Chr. wurde die Geschichte Griechenlands für die nächsten Jahrhunderte von den entstandenen Stadtstaaten (Polis) bestimmt. Von ihnen ist bekannt, dass eine strenge hierarchische Gesellschaftsordnung herrschte. Die Macht der Könige wurden vom Adel übernommen (Oligarchie), dessen Rechte wurden ausgeweitet auf die nicht adeligen Vermögenden (Timokratie, Verfassung des Solon 594/593 v.Chr.).

Das klassische Griechenland

Die Reformen des Kleisthenes (508/507 v.Chr.) bereiteten den Weg für die athenische Demokratie, in der alle Freien erstmals die gleichen Rechte hatten. Während sich auch in anderen Stadtstaaten eine ähnliche Entwicklung vollzog, bildete das Reich von Sparta auf der Peloponnes eine Ausnahme. Dessen Schwerpunkt lag auf der Ausbildung und Schlagkraft einer Armee. An der Spitze des Peloponnesischen Bundes (550 v.Chr.) dominierte Sparta ganz Südgriechenland. Im Inneren herrschte eine klar definierte Gesellschaft, von den führenden Spartiaten (erwachsene männliche Vollbürger) über die Periöken (Freie ohne Rechte) bis zu den Heloten, einer Art Sklaven. Während die Stadtstaaten weitgehend voneinander unabhängig blieben, bildeten die ab 776 v.Chr. regelmäßig abgehaltenen Olympischen Spiele ein übergreifendes Ereignis.

Gegen die Bedrohung durch die Perser schlossen sich die griechischen Stadtstaaten 481 v.Chr. unter der Führung von Athen und Sparta zum Hellenen-Bund zusammen. Nach der Niederlage der Perser in der Schlacht bei Salamis 480 v.Chr. und in Platäa (479 v.Chr.) mussten diese die Küstengebiete in Kleinasien aufgeben. Der aufkommende Konflikt um die Vorherrschaft in Griechenland zwischen Athen und Sparta führte zum Peloponnesischen Krieg (431 bis 404 v.Chr.), den Sparta mit Unterstützung Persiens für sich entscheiden konnte (404 v.Chr. Einzug des spartanischen Feldherrn Lysander in Athen). Im Korinthischen Krieg unterlag Sparta einem Bündnis aus Athen, Theben, Argos und Korinth (387 v.Chr.). Die immer wieder aufflackernden Konflikte zwischen den einzelnen Mächten verhalfen dem makedonischen Königreich unter König Phillipp II. zum Aufstieg. 338 v.Chr. besiegte Makedonien bei der Schlacht bei Chaironeia die griechischen Verbündeten.

Der Sohn Phillipps II., Alexander der Große, führte die Vernichtung des Perserreiches herbei (Schlachten bei Issos 334 v.Chr. und Gaugamela 331 v.Chr.). Das Reich Alexanders des Großen umfasste neben Griechenland auch Ägypten, den Nahen Osten, Kleinasien und Nordindien. Dieses Weltreich, in dem die griechische Sprache und die hellenische Kultur dominierten, bestand bis zu Alexanders Tod 323 v.Chr. Alexanders Nachfolger (Diadochen) gründeten die Reiche drei Makedonien - zu dem die meisten Gebiete des heutigen Griechenland gehörten -, das ptolemäische Ägypten und das Seleukidenreich.

Römisches und byzantinisches Reich

Der seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. bestehende Konflikt mit den Römern endete mit der Unterwerfung des makedonischen Reiches, ganz Griechenland wurde 27 v.Chr. zur römischen Provinz Achaia erklärt. Während der römischen Vorherrschaft konnte sich die griechische Kultur erhalten und griff auf die Führungsschicht der Besatzer über, die teilweise die griechische Sprache übernahmen. Der römische Kaiser Konstantin der Große verlegte im 4. Jahrhundert n.Chr. die Reichshauptstadt von Rom nach Konstantinopel. Aus dem Oströmischen Reichsteil entwickelte sich nach der Teilung des Römischen Reiches das Byzantinische Reich, dessen Kaiser (basileios) römisch-griechische Traditionen pflegten. Das Christentum wurde Staatsreligion. In den folgenden Jahrhunderten musste sich das Byzantinische Reich gegen einfallende Araber, Slawen, Bulgaren, Normannen und Venezianer erwehren und wurde auf die Gebiete des heutigen Griechenlands und Kleinasiens eingeschränkt. Im 11. Jahrhundert fiel Kleinasien in die Hände der Seldschuken, 1331 ergriffen die Osmanen dort die Herrschaft. Deren Übergriffe auf die Balkanhalbinsel endeten mit der Unterwerfung Griechenlands Mitte des 15. Jahrhunderts. Unter der Herrschaft der Türken gelang es vielen Griechen, einen Platz in der Führungsschicht zu finden, während sich vor allem Bauern und Handwerker oft in abgelegenere Gegenden zurückzogen und dort selbstverwaltete Dörfer gründeten. So konnte sich die griechische Sprache und Kultur und der orthodoxen Glaube über Jahrhunderte hinweg erhalten. Versuche, die osmanische Fremdherrschaft abzuschütteln, scheiterten wiederholt (z.B. während des russisch-türkischen Krieges 1769/70).

19. Jahrhundert

Unter dem Einfluss der Ideen der Französischen Revolution bildeten sich in Griechenland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts national gesinnte Geheimbünde, die von griechischen Kaufleuten getragen und von der griechisch-orthodoxen Kirche unterstützt wurden. Auch im Ausland erhielt die Nationalbewegung in Griechenland viel Unterstützung (philhellenische Bewegung). Im März 1821 begann nach dem Aufruf des Erzbischof von Patras zum Kampf gegen die Türken ein achtjähriger Freiheitskampf. 1822 verkündete der griechische Nationalkongress die Unabhängigkeit des hellenischen Volkes, doch erst die Intervention Großbritanniens, Russlands und Frankreichs, die zum Untergang der osmanischen Flotte bei der Seeschlacht bei Navarino (1827) führte, brachte eine entscheidende Wende. Im Londoner Protokoll wurde 1830 die Unabhängigkeit Griechenlands als Erbkönigreich festgeschrieben. Der von den hilfreichen Mächten vorgeschlagene Wittelsbacher Prinz Otto bestieg 1833 als König Otto I. den griechischen Thron. Seine Akzeptanz bei der Bevölkerung war nur gering, zumal er das Parlament abschaffte und autokratisch regierte. Er verlegte die Hauptstadt Griechenlands von Návplion (auf der Peloponnes) nach Athen. Otto I. musste 1862 nach anhaltenden Unruhen und einer Militärrevolte auf die Krone verzichten, sein Nachfolger wurde der dänische Prinz Wilhelm als König Georg I. In der Verfassung von 1864 führte er die parlamentarische Monarchie in Griechenland ein. Durch weitere Kriege der europäischen Mächte mit dem Osmanischen Reich wurde Griechenland, dessen Staatsgebiet bis zu diesem Zeitpunkt im wesentlichen nur die Peloponnes umfasste, auf die Ionischen Inseln, Thessalien, große Teile Mittelgriechenlands und Kreta ausgedehnt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit eröffnet (April 1896).

20. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg gelang es dem Regenten Konstantin I. zunächst, Griechenland aus dem Konflikt herauszuhalten. Der griechische Ministerpräsident Eleutherios Venizelos jedoch gestattete den Briten und Franzosen die Errichtung von militärischen Stützpunkten auf griechischem Boden. Der durch griechische Nationalisten ausgelöste Krieg gegen die Türkei, in dem diese Teile Kleinasiens erobern wollten, endete 1922 mit der Niederlage Griechenlands. Rund eineinhalb Millionen griechische Flüchtlinge mussten Kleinasien verlassen. Die folgenden zwei Jahrzehnte waren geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen Monarchisten und den Befürwortern einer Republik; weder wurde die Monarchie akzeptiert, noch erwies sich die Republik als tragfähig. 1936 errichtete der General Ionannis Metaxas, der von König Georg II. zum Regierungschef und Außenminister ernannt worden war, ein diktatorisches Regime.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das mit Großbritannien verbündete Griechenland 1941 von deutschen und italienischen Truppen besetzt. In London bildete sich eine griechische Exilregierung, gleichzeitig entstanden im Land griechische Widerstandsbewegungen, die teils nationalistisch (EDES), teils kommunistisch (EAM/ELAS) gesinnt waren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zum Bürgerkrieg zwischen Royalisten und Kommunisten, der mithilfe britischer und amerikanischer Truppen 1949 zugunsten der Monarchie entschieden wurde. Drei Jahre zuvor hatte sich die griechische Bevölkerung mit großer Mehrheit für eine Beibehaltung der Monarchie ausgesprochen.

Griechenland verfolgte einen Kurs der Westintegration (ab 1952 NATO-Mitglied, 1962 assoziiertes EWG-Mitglied; EU-Beitritt 1981). 1952 erhielt das Land eine neue Verfassung, in dem eine konstitutionelle Monarchie festgeschrieben wurde. Die Gesetzgebung lag beim König und beim Parlament, die Gesetzesausübung bei der Regierung, die wiederum dem Parlament verantwortlich war.

Eine innenpolitische Krise Mitte der 60er Jahre führte zu einem Militärputsch unter der Führung von Georgios Papadopoulos. 1973 wurde der König offiziell für abgesetzt erklärt, die militärische Führung erklärte Griechenland zur präsidialen Republik mit Georgios Papadopoulos als erstem Ministerpräsidenten.

1974 übernahm wieder eine Zivilregierung unter der Führung von Konstantinos Karamanlis die politische Macht in Griechenland. Seine prowestliche, konservative Partei Neue Demokratie (Nea Demokratia, ND) erhielt die Mehrheit der Stimmen bei den ersten freien Wahlen seit sieben Jahren. Im Dezember des gleichen Jahres sprach sich die griechische Bevölkerung für eine Beibehaltung der Republik als Staatsform aus. Auf Grund des Zypernkonflikts trat Griechenland aus der NATO aus (Wiedereintritt 1980). In den 80er und 90er Jahren kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei, Auslöser war nicht nur die Insel Zypern, sondern auch die Ausbeutung von Erdölvorkommen im Ägäischen Meer. Der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien sorgte in den 90er Jahren für weiteren Konfliktstoff. Mit dem neu entstandenen makedonischen Staat im Norden Griechenlands wurde ein Streit über die Namensgebung geführt (Griechenlands Nordprovinz heißt ebenfalls Makedonien). 1981 wurde der Sozialist Andreas Papandreou (von der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung, PASOK) neuer griechischer Regierungschef. Er blieb bis zu seinem Tod 1996 bestimmende Figur der politischen Landschaft Griechenlands. Sein Nachfolger als Regierungschef wurde Kostas Simitis von der PASOK. Er wurde im März 2004 vom ND-Vorsitzenden Kostas Karamanlis abgelöst, damit ist die politische Dominanz der PASOK vorerst beendet, sie bleibt aber - auch nach den Wahlen 2007 - stärkste Oppositionspartei.

Das neue Jahrtausend

Seit Beginn des neuen Jahrtausends zeichnet sich eine Annäherung zwischen der griechischen und der türkischen Regierung ab: Im Januar 2000 besuchte Georgios Papandreou als erster griechischer Außenminister seit knapp 40 Jahren die Türkei und schloss mit der türkischen Regierung ein Abkommen in den Bereichen Tourismus, Umwelt, Bekämpfung des Terrorismus und Schutz der Investitionen. Beim Gegenbesuch einen Monat später sprachen die Außenminister beider Länder von einer neuen Ära in den griechisch-türkischen Beziehungen. Mehrere bilaterale Vereinbarungen folgten. Mit dieser Annäherungspolitik ging auch ein starker Aufschwung des Handelsaustausches einher. Ende 2007 wurde die erste türkisch-griechische Gaspipeline eingeweiht. Schon 2000 war Griechenland in die Eurozone aufgenommen worden. 2004 fanden die Spiele der XXVIII. Olympiade in Athen statt.

Verheerende Waldbrände zerstörten im August 2007 eine Fläche von der Größe Luxemburgs (rund 269 000 Hektar). Mehr als 120 Dörfer wurden zerstört bzw. schwer beschädigt. Die Gesamtzahl der Geschädigten wird auf etwa 100 000 geschätzt; 67 Menschen starben. Betroffen waren Regionen auf dem Peloponnes, auf der Insel Euböa und in Attika. Demonstranten klagten die Regierung ob der Tatsache an, dass Bodenspekulanten ungehindert Brände legen konnten. - Nachdem ein 15-jähriger Junge von einem Polizisten erschossen worden war, kam es Anfang Dezember 2008 in Athen und weiteren Städten zu Straßenkämpfen und schweren Ausschreitungen durch Autonome.

Nach den Wahlen 2009 wurde unter Giorgos Andrea Papandreou (PASOK) eine Regierung gebildet, die sich u.a. umfassende Staatsreformen zum Ziel machte. Sie musste sich allerdings schon bald mit einer massiven Schuldenkrise auseinandersetzen. Im Frühjahr 2010 verkündete die Regierung ein drastisches Stabilisierungsprogramm (u.a. Steuererhöhungen und eine effektivere Steuererhebung, eine Rentenreform, Einschnitte im aufgeblähten Staatsdienst, die Sanierung des Gesundheitswesens, die Privatisierung von Staatsbetrieben sowie eine weitreichende Gebietsreform). Eine aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) bestehende „Troika“ gewährte Überbrückungskredite; im Gegenzug wurden in der Folgezeit weitere Reformen vereinbart. Das in Griechenland beispiellose Sparpaket stieß auf den Widerstand der Linksparteien und hatte Demonstrationen und eine Reihe von Generalstreiks zur Folge.

Nachdem sich im Herbst 2011 abzeichnete, dass die griechischen Finanzen sich nicht so bald wie beabsichtigt erholen würden, beschloss der Eurogipfel in Brüssel den Ausbau und die beschleunigte Inkraftsetzung des europäischen Stabilitätsmechanismus. Ohne Absprache mit seinen europäischen Partnern kündigte Papandreou zurück in Griechenland ein Referendum an. Internationale und innenpolitische Proteste zwangen Papandreou darufhin, zurückzutreten. Es folgte eine Übergangsregierung.

Nach erneuten Neuwahlen im Juni 2012 (im Mai war eine Regierungsbildung gescheitert) bildeten NEA DIMOKRATIA, PASOK und DIMAR (letztere bis 2013) eine Koalitionsregierung unter dem ND-Vorsitzenden Antonis Samaras. Im Dezember 2012 konnte die griechische Regierung mit der "Troika" ein drittes Memorandum zu Hilfskrediten vereinbaren. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 die Schuldentragfähigkeit des Landes wieder herzustellen. Alle Oppositionsparteien fordern hingegen eine Beendigung der Sparpolitik.