Guinea Geschichte

Aus Länder-Lexikon.de

(Weitergeleitet von Guinea (Geschichte))

Vermutlich waren die Regenwaldgebiete in der heutigen Republik Guinea bereits vor Beginn der christlichen Zeitrechnung von Pygmäen besiedelt, die als Jäger und Sammler lebten. Im ersten Jahrtausend n.Chr. wanderten verschiedene Viehzucht und Wanderackerbau betreibende Volksstämme ein und besiedelten das Gebiet. Große Teile des Landes standen zeitweise unter dem Einfluss des westsudanesischen Reiches Gana, das bis ins 9. Jahrhundert n.Chr. Bestand hatte. Im 13. Jahrhundert gehörte der Osten des heutigen Guinea zum islamischen Königreich Mali (heute Republik Mali), das im 15. Jahrhundert an Einfluss verlor.

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Küste Guineas von portugiesischen Seefahrern entdeckt, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte vereinzelte Niederlassungen entlang der Küste errichteten, aber nicht ins Landesinnere vorstießen.

Im 16. Jahrhundert wanderten aus dem Norden Angehörige der nomadischen Fulbe ein und siedelten sich vorwiegend im Bergland Fouta Djalon an. Sie gründeten hier einen islamischen Staat, der sich teilweise bis in das heutige Mali ausdehnte.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen die Auseinandersetzungen zwischen den beiden europäischen Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich um die Gebiete in Westafrika. In Guinea konnte sich Frankreich durchsetzen und begann mit der Besiedlung zunächst der Küstenregion. Etwa zeitgleich bildete sich am Lauf des oberen Niger in der Nähe der heutigen Stadt Kankan ein Reich der Malinke unter der Führung von Samori Ture (Samory Touré), dem es gelungen war, bis dahin verfeindete Stämme zu einen. Im Gegensatz zu den Fulbe-Häuptlingen, die mit den Franzosen Protektoratsverträge abschlossen, leisteten die Malinke im Nordosten den vordringenden französischen Truppen erfolgreichen Widerstand.

1882 gründeten die Franzosen die Kolonie "Rivières du Sud", 1891 wurde diese gemeinsam mit dem Hinterland des heutigen Guinea zur Kolonie Französisch-Guinea zusammengefasst. Ein Jahr zuvor waren die Truppen des Malinke Samory Tourés zerschlagen und dieser zur Unterzeichnung eines "Freundschaftsvertrages" gezwungen worden.

1895 wurde Französisch-Guinea dem Generalgouvernement "Afrique Occidentale Française" (AOF/Französisch-Westafrika) angegliedert. Wenig später begannen die Franzosen mit dem Bau einer Eisenbahnlinie zwischen der Hafenstadt Conakry und Kankan im Landesinneren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs formierten sich in Guinea politische und gewerkschaftliche Organisationen. 1947 war Sékou Touré, ein Enkel des Malinke-Widerstandskämpfers, bei der Gründung der linksgerichteten "Parti Démocratique de Guinée" (PDG) beteiligt, ebenso wie bereits ein Jahr zuvor an der in gesamt Französisch-Westafrika operierenden Unabhängigkeitsbewegung "Rassemblement Démocratique Africain" (RDA). 1952 wurde Touré Vorsitzender der PDG.

1957 wurde Französisch-Guinea die innere Autonomie gewährt. Die populäre PDG gewann die ersten Wahlen zum Landesparlament mit Sitz in Conakry. Sékou Touré wurde erster Ministerpräsident des Landes. Ein Jahr später lehnte Guinea als einzige der französischen Kolonien in Westafrika in einem Volksreferendum den Beitritt zur "Communauté Française" ab und erklärte im Oktober 1958 seine Unabhängigkeit als Republik Guinea. Daraufhin zog die ehemalige Kolonialmacht ihr gesamtes Inventar inklusive vorhandene Industrieanlagen und Fachleute aus Guinea ab und stellte sämtliche finanzielle Unterstützung des Landes ein, was in Guinea zu schweren wirtschaftlichen Problemen führte.

Touré suchte in der Folgezeit Anlehnung an die Sowjetunion und die Ostblockstaaten. Sein Führungsstil wurde zunehmend autoritärer, die Regierungspartei PDG entwickelte sich zur Einheitspartei. 1961 übernahm Touré zusätzlich das Amt des Staatspräsidenten und konnte seine Machtstellung damit weiter ausbauen. Bedroht durch drastische "Säuberungsmaßnahmen" verließen bis 1970 mehr als zwei Millionen Menschen Guinea, unter ihnen zahllose Intellektuelle und Oppositionspolitiker.

Gemeinsam mit Mali und Ghana gründete Guinea im Juli 1961 die "Union Afrikanischer Staaten", ein Jahr später gehörte das Land zu den Gründungsmitgliedern der OAU (Organization for African Unity/Organisation für Afrikanische Einheit), deren Ziel die Entkolonialisierung Afrikas war und die Beseitigung der weißen Minderheitsregierungen.

In der ersten Hälfte der 1970er Jahre kam es in Guinea nach mehreren fehlgeschlagenen Putschversuchen gegen Sékou Touré zu erneuten Säuberungsaktionen in Armee und Partei. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage des Landes versuchte Touré, mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich die Beziehungen wieder aufzunehmen und auch mit den anderen westlichen Industrienationen wirtschaftliche Kontakte aufzubauen.

1984 verstarb der Diktator, nach einem unblutigen Staatsstreich übernahm das Militär unter der Führung von Oberst Lansana Conté die Macht. Die Regierungspartei PDG wurde aufgelöst und die Reprivatisierung der von Touré verstaatlichten Betriebe begonnen. In einem Referendum sprach sich das Volk von Guinea im Dezember 1990 für eine neue Verfassung aus, die eine Zivilregierung und ein Mehrparteiensystem vorsah. Ende 1991 trat die neue Verfassung in Kraft und es kam zur Gründung von politischen Parteien, die erst nach verstärktem innenpolitischem Druck vom Staatsoberhaupt zugelassen wurden. Relevante Gruppierungen waren vor allem die "Parti de l'Unité et du Progrès" (PUP) von Lansana Conté und "Rassemblement du Peuple Guinéen" (RPG) unter der Führung von Alpha Condé.

Erst im Dezember 1993 kam es zu den ersten freien Präsidentschaftswahlen in Guinea. Mit über 50 % der abgegebenen Stimmen wurde Staats- und Regierungschef Lansana Conté im Amt bestätigt. Die Opposition (Herausforderer Alpha Condé und die RPG) warfen der Regierung Wahlbetrug vor. Auch die Parlamentswahlen mussten aufgrund von gescheiterten Putschversuchen gegen Conté und schweren Unruhen mehrmals verschoben werden und fanden erst im Juni 1995 statt. Die regierende "Parti de l'unité et du progrès" (PUP) von Staatsoberhaupt Lansana Conté konnte die Mehrheit der Sitze im Parlament für sich gewinnen.

1998 wurde Lansana Conté bei den Präsidentschaftswahlen erneut im Amt bestätigt, erneut sprach die Opposition von massivem Wahlbetrug. Als ein Jahr später die führenden Oppositionspolitiker Alpha Condé und Mamadou Bah inhaftiert wurden, kam es landesweit zu schweren Unruhen. Im Mai 2001 wurde Condé aus der Haft entlassen.

Ab September 2000 häuften sich Grenzkonflikte mit den benachbarten Bürgerkriegsländern Sierra Leone und Liberia durch Angriffe von Guerillaorganisationen. Die Arbeit der in Guinea tätigen internationalen Hilfsorganisationen, die die aus Sierra Leone und Liberia stammenden Flüchtlinge in Guinea versorgten (schätzungsweise 450 000), wurde dabei schwer beeinträchtigt. Trotz verschiedener Treffen zwischen Politikern von Liberia und Guinea hat sich das Verhältnis der beiden Länder nicht verbessert.

Bei den mit einer Verspätung von zwei Jahren Ende Juni 2002 stattfinden Parlamentswahlen (sie wurden von Präsident Conté wegen einer Rebellion mehrere Male verschoben) gewann die PUP von Conté mit deutlicher Mehrheit. Der Vorsitzende der Oppositionspartei "Rassemblement du Peuple Guinéen" (RPG), Alpha Condé, war wegen des Vorwurfs der Verschwörung von den Wahlen ausgeschlossen worden; die Opposition sprach deshalb von Wahlbetrug. Staatspräsident Lansana Conté wurde bei den Präsidentschaftswahlen 2003 mit 95,6 % der Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt. Die meisten oppositionellen Parteien boykottierten die Wahl.

Ein Generalstreik im Januar 2007, der über Wochen das gesamte öffentliche Leben lahmlegte, forderte den Rücktritt des autokratisch regierenden und inzwischen schwer kranken Präsidenten. Als die Gewalt eskalierte und der Massenprotest sich zum Volksaufstand auszuweiten begann, ernannte Conté seinen engsten Vertrauten, Eugène Camara, zum neuen Regierungschef. Nachdem es zu weiteren Ausschreitungen kam, die zahlreiche Menschenleben forderten, verhängte Conté den Ausnahmezustand. Schließlich nahm er die Ernennung Camaras wieder zurück und ernannte den Diplomaten Lansana Kouyaté zum neuen Ministerpräsidenten. Die mit Kouyaté verbundene Hoffnung der Bevölkerung auf Reformen und eine Verbesserung der Lebensumstände erfüllte sich jedoch nicht ; es kam aufgrund der Lebensmittel-, Energie- und Wasserknappheit weiterhin zu Unruhen, verstärkt nachdem Kouyaté im Mai 2008 im Amt des Premierministers durch Ahmed Tidiane Souaré ersetzt wurde. Souaré gehörte zum engsten Kreis des Präsidenten.

Conté blieb bis zu seinem Tod am 22. Dezember 2008 Präsident. Wenige Stunden nach seinem Tod übernahm das Militär die Führung. Danach wurde ein Nationalrat gegründet, den Eugène Camara anführen sollte, bis Neuwahlen stattfinden würden. 2009 wurde Camara aber Opfer eines Attentates und dabei schwer verletzt. Er war danach faktisch entmachtet. Sein Stellvertreter übernahm die Amtsgeschäfte und änderte den Kurs. Im Mai 2010 wurde eine neue Verfassung verkündet und einen Monat später fand der erste Durchgang der Präsidentenwahlen statt. Danach wurden die Stichwahlen für mehrere Monate verschoben. Seit Dezember 2010 ist Alpha Condé mit 52,5 % der Stimmen Präsident Guineas. Damit hat das Land zum ersten Mal einen demokratisch gewählten Präsidenten. Entscheidend für die weitere demokratische Entwicklung war die erfolgreiche Durchführung der mehrfach verschobenen Parlamentswahlen im September 2013. Die Zeit vor den Wahlen war durch innere Spannungen und gewalttätige Auseinandersetzungen geprägt.