Guyana Geschichte

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Frühzeit und Kolonialisation

Die ersten Bewohner Guyanas wanderten etwa im ersten vorchristlichen Jahrtausend in die Region ein. Es wird angenommen, dass die Warrau-Indianer die ersten waren und später Arawak und Karibische Stämme folgten.

Christoph Columbus sichtete die guayanische Küste 1498 und Spanien erhob Anspruch auf das Land. Doch die Spanier mieden die so genannte Wilde Küste zwischen Amazonas und Orinoko, und so waren es Franzosen, Holländer und Engländern, die die Länder Guayanas (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Guyana) im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts einnahmen und besiedelten. Die einzelnen Landstriche der Region wechselten häufig ihren Besitzer und erst der Wiener Kongress 1815 sowie der Vertrag von London legte Anfang des 19. Jahrhunderts die heute noch gültigen Staatsgebiete fest. Guyana kam als Britisch-Guyana in britischen Besitz, Suriname wurde als Niederländisch-Guyana Holland zugesprochen und Französisch-Guayana erhielt Frankreich als Kolonialherrn.

Der Weg zur Unabhängigkeit

Im Jahr 1931 wurde Britisch-Guyana Kronkolonie. Ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gründeten sich erste politische Gruppierungen im Land. Darunter befand sich auch die erste Gewerkschaft der Karibik, aus der 1950 die PPP (People?s Progressive Party) des Inders Cheddi Jagan hervorging. Von 1953 bis 1964 regierte der Inder Jagan das Land. Doch er geriet unter Kommunismusverdacht und der PNC (People?s National Congress) spaltete sich unter der Führung des Afrikaners Forbes Burnham ab. 1961 erhielt die Kronkolonie die Selbstverwaltung und 1964 gelang es Burnham, begünstigt durch das von den Briten zur Abwehr einer weiteren Wahl des indischstämmigen Jagan eingeführte Verhältniswahlrecht, an der Spitze einer Koalitionsregierung Premierminister zu werden. 1966 wurde Guyana innerhalb des Commonwealth unabhängig und 1970 in eine Republik umgewandelt. Zusammen mit Jamaika, Barbados, Trinidad und Tobago gründete das Land den Karibischen Gemeinsamen Markt (CCM für Caribbean Common Market). Mit innenpolitischen Repressionsmaßnahmen und gezielten Wahlmanipulationen konnte sich Burnham trotz sozialer Unruhen bis 1985 an der Macht halten. 1986 folgte ihm mit Desmond Hoyte ein weiterer PNC-Vorsitzender als Premierminister nach.

Neueste Entwicklungen

Mit den weltpolitischen Umbrüchen Ende der 80er Jahre begann sich auch der sozialistische und auf Kooperativen abhebende Kurs Guyanas hin zu einer marktwirtschaftlichen Ausrichtung zu wandeln. Im Oktober 1992 wurde der ehemalige Regierungschef und Führer der oppositionellen PPP, Jagan, neuer Premierminister. Er wechselte 1997 ins Amt des Präsidenten, während S. Hinds neuer Premierminister wurde, verstarb aber nach kurzer Zeit im Amt. S. Hinds wurde vorübergehend neuer Präsident und ernannte die Witwe Jagans, die gebürtige US-Amerikanerin Janet Jagan zur neuen Regierungschefin. Bei den Wahlen im Dezember des Jahres wurde Janet Jagan zur neuen Staatspräsidentin gewählt und ernannte wiederum S. Hinds zum Regierungschef. Nach den Wahlen kam es jedoch zu Ausschreitungen, der unterlegene Hoyte zweifelte ihre Rechtmäßigkeit an. Hoytes Partei wurde in der Mehrzahl von den etwa 40 % der Wählern unterstützt, die afrikanischen Ursprungs sind, wogegen Jagans Partei die Mehrheit im Lande, die indischer Abstammung ist, vertrat. Die Auseinandersetzung konnte erst durch eine Vereinbarung zwischen den beiden Parteien, um zwei Jahre vorgezogene Neuwahlen abzuhalten, beigelegt werden.

Schon vor Ablauf dieser Frist trat Janet Jagan jedoch im August 1999 zurück und der bisherige Finanzminister Bharrat Jagdeo wurde als neuer Präsident vereidigt. Er wurde auch bei den Wahlen im März 2001 und 2006 im Amt bestätigt. Jagdeo gelangen zwar wirtschaftliche Reformen, die insbesondere den ineffektiven öffentlichen Sektor betrafen, und Restrukturierungen im Bergbau; trotzdem leben immer noch große Teile der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die öffentliche Sicherheit konnte nicht verbessert werden, im Gegenteil, ab Ende 2007 kam es zu einer deutlichen Zunahme der Gewaltkriminalität. Im seit Jahrzehnten andauernden Seegrenzkonflikt mit Suriname erging 2007 ein Urteil des Internationalen Seegerichtshofs, das das Meeresgebiet unter beiden Staaten aufteilt. 2008 gründete Guyana zusammen mit den anderen elf unabhängigen Staaten Südamerikas die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) nach Vorbild der Europäischen Union.

Die hauptsächlich von Indischstämmigen gewählte People's Progressive Party (PPP) war seit den Wahlen 1992 durchgängig an der Macht und stellte die Präsidenten. Bei den Parlamentswahlen vom November 2011 gewann sie zwar, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit mit nur einer Stimme. Die Regierung (seit 2011 Staatspräsident Donald Ramotar, PPP, Regierungschef nach wie vor Samuel Hinds) und das von der Opposition dominierte Parlament befinden sich seitdem im Dauerkonflikt.