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    Unser Altweibersommer

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    Warme Tage, Sonnenschein und gelb gefärbte Laubbäume kann man natürlich auch in Europa erleben. In Deutschland tritt in der zweiten Septemberhälfte nahezu alljährlich der so genannte Altweibersommer in Erscheinung. Ursache ist ein Festlandshoch über Osteuropa, das trocken-kontinentale Luft nach Mitteleuropa einströmen lässt. Typisch sind auch die morgendlichen Nebelfelder in den Flussniederungen, die sich vormittags durch die noch ausreichend starke Sonneneinstrahlung auflösen. Diese Wetterlage kann mit etwas Glück bis in den Oktober hinein andauern.


    Mit betagten Damen hat der Begriff „Altweibersommer“ freilich nichts zu tun, der Name leitet sich vielmehr von den Spinnfäden ab, die im Frühherbst durch die Lüfte fliegen. Millionen von Jung- und erwachsenen Kleinspinnen wie die Baldachinspinnen produzieren die durch die Luft schwebenden Fäden. Die Spinnen erklettern einen herausragenden Punkt und lassen dann in einer besonderen Stellung die Fäden aus ihrem Hinterleib austreten, um sich damit durch die Luft tragen zu lassen.

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    Aber auch das Christentum hatte dieses Naturphänomen für sich vereinnahmt und sah darin ein Zeichen Gottes und der heiligen Maria. In Süddeutschland bezeichneten die Menschen die Spinnfäden deshalb auch als Marienseide oder Mariengarn. Eine entsprechende Legende besagt, dass die Silberfäden des Altweibersommers aus dem Mantel Marias stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt trug.