Indonesien Geschichte

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    Frühzeit bis 19. Jahrhundert

    Der indonesische Archipel ist eines der ältesten bewohnten Gebiete der Erde. Hier lebte schon vor rund 500 000 Jahren der so genannte Javamensch (Homo erectus). Die Vorfahren der heutigen indonesischen Völker kamen wahrscheinlich um 1000 v.Chr. aus Asien auf die Inseln. Im 16. Jahrhundert war es zunächst die portugiesische, später dann die holländische Kolonialmacht, die die Kontrolle über die Molukken (Gewürzinseln), Java und Sumatra übernahm. Abgesehen von einem kurzen Zwischenspiel der Briten in der ersten Hälfte blieben die Inseln auch im 19. Jahrhundert fest in holländischer Hand.

    Die erste Hälfte des 20. Jh.s

    Achmed Sukarno

    Erste nationalistische Bewegungen wie die von dem Indonesier Achmed Sukarno 1927 gegründete Indonesische Nationalpartei (PNI) waren die Antwort auf das strikte Vorgehen der Kolonialherren gegen antiniederländische Aufstände. Im Zweiten Weltkrieg wurde Indonesien von Japan besetzt (1942 bis 45), Sukarno wurde von der Besatzungsmacht als Statthalter eingesetzt. Nach der japanischen Kapitulation erklärte er am 17. August 1945 die "Republik Indonesien" zum unabhängigen Staat. Sukarnos Regierungszeit dauerte bis 1965 und war gekennzeichnet durch Korruption, antiwestliche Politik und eine zunehmende Auflösung der Demokratie hin zu einem diktatorischen Führungsstil. 1965 übernahm das Militär, ehemals Verbündeter Sukarnos, unter General Suharto die Macht. Suharto wurde 1968 zum Präsidenten gewählt. Wirtschaftlich erlebte das Land in den folgenden Jahren mithilfe ausländischer Investoren einen starken Aufschwung.

    Die Herrschaft Suhartos

    1976 wurde das überwiegend von Christen besiedelte Ost-Timor, das bis zu diesem Zeitpunkt noch zu Portugal gehörte, von der ehemaligen Kolonialmacht in seine Unabhängigkeit entlassen. Trotz der dort starken Unabhängigkeitsbewegung (Partei FRETELIN, Revolutionäre Front für ein unabhängiges Ost-Timor) besetzte Indonesien das Land und erklärte es zur indonesischen Provinz. Der andauernde Konflikt forderte in den nächsten Jahrzehnten viele Menschenleben. Auch ein 1983 unterzeichnetes Waffenstillstandsabkommen zwischen der FRETELIN und der indonesischen Regierung änderte daran nichts.

    Innenpolitisch erfuhr die Regierung Suharto wachsende Ablehnung: Korruption und die Unterdrückung von Regierungsgegnern und Oppositionsparteien führten zu Massenprotesten der Bevölkerung, die von den Militärs niedergeschlagen wurden. Die guten Wahlergebnisse für die Regierungspartei "GOLKAR" waren unter anderem darauf zurückzuführen, dass nur noch regierungskonforme Parteien zugelassen wurden. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre geriet die indonesische Regierung durch die asiatische Wirtschaftskrise und die extrem hohe Auslandsverschuldung weiter unter Druck. Die Bevölkerung litt neben Arbeitslosigkeit und der drastischen Preiserhöhung für Lebensmittel unter der gesundheitsgefährdenden Luftverschmutzung, die durch schwere Waldbrände (1997 auf Borneo, Sulawesi und Sumatra) verursacht wurden. 1998 wurde Präsident Suharto von Bacharuddin Jusuf Habibie abgelöst, der politische Reformen ankündigte. Im andauernden Konflikt um Ost-Timor bot Habibie eine beschränkte Autonomie an, die jedoch von FRETELIN abgelehnt wurde.

    Neueste Entwicklungen

    Im August 1999 kam es zu den ersten freien Wahlen in Indonesien seit vier Jahrzehnten. Nachfolger von Habibie wurde der gesundheitlich schwer beeinträchtigte Muslimführer Abdurrahman Wahid. Im gleichen Monat wurde das von der Unabhängigkeitsbewegung in Ost-Timor geforderte Referendum durchgeführt: 78,5 % der Bevölkerung Ost-Timors entschieden sich für die Loslösung von Indonesien und für die Unabhängigkeit. In den folgenden Monaten kamen bei Kämpfen zwischen pro-indonesischen Banden, Anhängern der Unabhängigkeitsbewegung und indonesischen Militärs zahlreiche Menschen ums Leben. Die UN entsandte eine 7 500 Mann starke Friedenstruppe auf die Insel, die im Februar 2000 von einer UN-Blauhelmtruppe abgelöst wurde. Ost-Timor wurde schließlich am 20. Mai 2002 in die Unabhängigkeit entlassen.

    Im August 2000 wurde in der Hauptstadt Jakarta der Prozess gegen den ehemaligen indonesischen Präsidenten Suharto angesetzt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe sich während seiner über 30 Jahre währenden Herrschaft um bis zu 1,2 Milliarden Mark bereichert, das Vermögen seiner Familie wurde auf 98 Millionen Mark geschätzt. Der Prozess wurde jedoch noch im September wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten eingestellt. Suharto starb 2008.

    Der gesundheitliche schwer angeschlagene Staatspräsident Wahid gab schon im August 2000 einen großen Teil seiner Amtsgeschäfte an Vizepräsidentin Megawati Sukarnoputri ab, behielt sich aber vor, die wichtigsten Richtlinien der Politik weiterhin festzulegen. Im Juli 2001 schließlich wurde der greise Präsident vom Parlament abgesetzt und Megawati Sukarnoputri zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Das zentrale Element der neuen Regierung ist das international begrüßte wirtschaftliche Team mit den beiden Technokraten Dorodjatun Kuntjoro-Jakti auf dem Posten des Wirtschaftsministers und Boediono als Finanzminister.

    Im August 2002 konnte die Reformbewegung einen durchschlagenden Erfolg verbuchen: Seit den Präsidentschaftswahlen 2004 wird der Präsident in direkter Wahl vom Volk gewählt und nicht mehr durch die Beratende Volksversammlung MPR. Außerdem sind Streitkräfte und Polizei nicht mehr als eigene Gruppe in der MPR vertreten. Die erste direkte Präsidentschaftswahl 2004 gewann Susilo Bambang Yudhoyono.

    Ost-Timor war nicht die einzige Provinz mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit; so gab es beispielsweise in Aceh, einer Provinz im äußersten Nordwesten Sumatras mit reichen Erdgas- und Erdölvorkommen, immer wieder blutige Auseinandersetzungen zwischen indonesischen Militärs und Vertretern der Unabhängigkeitsbewegung. Für Aceh und Papua (ehemals Irian Jaya) wurde Anfang 2002 eine weitreichende Sonderautonomie beschlossen. Auf den Molukken und in Zentralsulawesi/ Poso kam es wiederholt zu Unruhen zwischen Christen und Muslimen.

    Im Dezember 2004 traf ein Tsunami, der durch ein Seebeben vor Sumatra ausgelöst wurde, die indonesische Inselwelt. Zahlreiche Städte wurden vollständig zerstört; über 200 000 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben. Im Juli 2006 richtete erneut ein Tsunami im Süden Javas schwere Schäden an. Hierbei wurden über 40 000 Menschen obdachlos und mindestens 600 Menschen kamen ums Leben. Zu weiteren Todesfällen führte ein Erdbeben bei Padang (Sumatra) und Ende Januar eine Hochwasserkatastrophe in Jakarta. Außerdem waren in Indonesien weltweit die meisten Opfer der Vogelgrippe zu verzeichnen.