Iran Geschichte

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    Resa Schah Pahlevi

    Die Geschichte des modernen Staates Iran beginnt in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts, als der Armeeoffizier Resa Khan sich 1925 zum "Schah" (König) wählen ließ und den Namen Resa Schah Pahlevi annahm. Er benannte das Land von Persien in Iran um und versuchte, nach den Wirren des Ersten Weltkriegs das Land frei von Fremdbestimmung zu einem modernen Staat auszubauen. 1941 wurde er auf Grund seiner Annäherung an das nationalsozialistische Deutschland durch britische und sowjetische Besatzungstruppen zur Abdankung gezwungen. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Mohammed Resa Pahlevi.

    Mohammed Resa Pahlevi

    Mohammed Reza Pahlewi, der letzte Schah von Persien

    Zu Beginn der 50 Jahre musste der Schah das Land verlassen, weil sich in der Erdölfrage eine starke antiwestliche, vor allem antibritische Bewegung unter Premierminister Mossadegh gebildet hatte. Erst dessen Sturz ermöglichte dem Schah 1953 die Rückkehr. 1961 wurden eine Vielzahl an westlichen Vorbildern orientierte soziale und wirtschaftliche Reformen durchgeführt (die so genannte "Weiße Revolution"), die große Unruhen im Land auslösten. Die Maßnahmen umfassten eine Bodenreform, die Bildung landwirtschaftlicher Genossenschaften, den Ausbau des Gesundheitswesens, die Gewährung politischer Rechte für Frauen und andere mehr. Proteste und Massenkundgebungen, die vom Regime teilweise durch Waffengewalt unterdrückt wurden, häuften sich in den nächsten Jahren.

    Auch außenpolitisch orientierte sich der Schah am Westen und schloss Abkommen (z.B. 1959 mit den USA) bzw. intensivierte seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland. Im Land wuchs die Opposition gegen die Verwestlichung und Modernisierung des Irans. Die schiitische Geistlichkeit prangerte die Vernachlässigung islamischer Werte an. Das Schah-Regime unterdrückte diese Bewegungen mithilfe des staatlichen Geheimdienstes SAVAK und zahlreicher Verhaftungen. (Amnesty International schätzte 1977 die Zahl der politischen Häftlinge im Iran auf ca. 25 000 bis 100 000.)

    Ausrufung der islamischen Republik

    Zwischen August 1978 und Februar 1979 erreichten die Proteste und Streiks ihren Höhepunkt. Der Schah wurde zum Verlassen des Landes gezwungen und der Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini, der von seinem Exil in Paris aus die Aufstände geschürt hatte, verkündete die Islamische Republik Iran. Nach dem Schah-Regime wurde das Land nun nach den Prinzipien des islamischen Fundamentalismus neu gestaltet.

    Die Beziehungen zu den westlichen Ländern, die ein Übergreifen der islamischen Revolution befürchteten, verschlechterten sich zunehmend. Als die USA dem Schah für eine medizinische Behandlung die Einreise gewährten, besetzten islamische Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran und nahmen die Botschaftsmitglieder als Geiseln. Sie forderten die Auslieferung des Schahs im Austausch gegen die Geiseln. Die USA brachen daraufhin die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab und verhängten Wirtschaftssanktionen. Auch andere westliche Staaten rückten im Verlauf der 1980er Jahre vom Iran ab. Auf Empörung im Westen traf die 1989 von Ayatollah Khomeini gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie verhängte Todesstrafe, weil dieser mit einem Roman ("Die satanischen Verse") angeblich den Islam beleidigt hätte.

    Neuere Entwicklungen

    Innenpolitisch versuchte das fundamentalistische Regime, auch mithilfe zahlreicher Verhaftungen und Hinrichtungen, jegliche Opposition des radikalen Kurses zu unterdrücken. 1980 führte eine Grenzstreitigkeit im Bereich des Schatt el Arab zum Krieg mit dem Nachbarn Irak. Der acht Jahre dauernde Krieg führte auf beiden Seiten zu schweren Verlusten und zu einer enormen Schwächung der Wirtschaft. Nach dem Tod von Khomeini 1989 wurde der ehemalige Staatspräsident Chamenei neuer Führer der Nation. Der neue Staatspräsident Rafsandjani versuchte eine vorsichtige Annäherung an den Westen. 1997 gewann Muhammad Chatami mit 70 % der Stimmen die Präsidentschaftswahlen. Diese Wahl eines als Reformer geltenden Politikers war für die religiöse konservative Führungsschicht des Irans eine unangenehme Überraschung. Chatami tritt für eine gesellschaftliche Öffnung des Irans ein, was den Interessen der konservativen Kräfte zuwiderläuft. Dieser Konflikt hält weiter an, denn die Reformer um Chatami errangen bei den Wahlen im Februar 2000 erneut einen deutlichen Sieg und Chatami wurde bei den Präsidentschaftswahlen 2001 im Amt bestätigt.

    Vor den Parlamentswahlen 2004 schloss der zwölfköpfige Wächterrat, der aus islamischen Rechtsgelehrten und aus Juristen besteht, mehrere tausend Kandidaten von den Wahlen aus. Betroffen waren v.a. die Reformer unter Chatami. Wie erwartet gewannen die konservativen Abgeordneten die Mehrheit bei den Parlamentswahlen; eine Neuausrichtung der Politik (Stärkung des Islam, Durchsetzung von "Glaube und Moral") war die Folge und die liberalen Reformversuche unter Chatami galten als beendet. Bei den Parlamentswahlen 2008 wiederholte sich dieses Bild (Ausschluss der reformorientierten Kandidaten, Wahlsieg der Konservativen).

    Bei den Präsidentschaftswahlen 2005 gewann überraschend der ultrakonservative Teheraner Oberbürgermeister Mahmud Ahmadinejad. Er provozierte zum einen durch seine ausgeprägte antiisraelische Haltung und die Leugnung des Holocaust. Zum anderen ließ er die internationale Gemeinschaft im Unklaren über wichtige Grundzüge seines Atomprogramms; so bestehen nach wie vor berechtigte Zweifel daran, ob die Urananreicherung im Lande tatsächlich nur friedlichen Zwecken dienen soll. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte in mehreren Resolutionen seit 2006 wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran. Ahmadinejad wurde für sein Verhalten in der Auseinandersetzung um das Atomprogramm auch im Iran selbst kritisiert. Die Regierung gab außerdem durch ihre Wirtschaftspolitik sowie ihre Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Inflation Anlass zu einer innenpolitischen Debatte und zu Kritik aus dem Parlament und den Medien.

    Bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 durfte Ahmadinejad nicht mehr antreten und es setzte sich der moderate Kleriker Hassan Rohani durch. Die Auswirkungen der internationalen Sanktionen in der Wirtschaft werden immer spürbarer.