Irland Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Frühzeit bis Spätantike

Auf irischem Boden finden sich Besiedlungsspuren aus der Steinzeit (Megalithkultur). Ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. wanderte ein keltisches Volk aus Großbritannien kommend ein und unterwarf die ansässige Urbevölkerung. Die Insel wurde als einziges europäisches Land nie von den Römern beherrscht, die ab dem 1. Jahrhundert v.Chr. versuchten, Großbritannien zu erobern, Irland jedoch unbehelligt ließen. Bis zum 5. Jahrhundert n.Chr., als das Land christianisiert wurde, hatten Könige als Führer von Stammensverbänden und eine starke Priesterschaft, die Druiden, die Macht auf der Insel inne. Die mächtigsten Königtümer waren Ulster, Leinster, Munster, Connaught und Meath.

432 n.Chr. begann die Christianisierung der Insel durch den späteren Nationalheiligen des heutigen Irland, St. Patrick. Der Christianisierungsprozess nahm nur rund zwei Jahrzehnte in Anspruch. Die Druiden wurden ihrer Macht beraubt, die von Angehörigen des christlichen Klerus und des Adels übernommen wurde. In den folgenden Jahrhunderten wurden in Irland viele große Abteien errichtet und zahlreiche Mönche verließen die Insel, um auf dem europäischen Festland zu missionieren.

Mittelalter

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts fielen die aus Skandinavien kommenden Wikinger auf der Insel ein und zerstörten und plünderten zahlreiche Klöster. 841 gründeten sie die Stadt Dublin an der Ostküste. Unter dem keltischen König Brian Boru aus Munster schlossen sich mehrere kleinere keltische Königreiche zusammen und verhinderten ein Ausbreiten der Wikinger (Schlacht bei Clontarf 1014).

Mitte des 12. Jahrhunderts landete der englische König Heinrich II. mit seinen Truppen in Irland und eroberte Dublin und weitere Landesteile. Er zwang den irischen Adel im Osten des Landes zur Anerkennung der englischen Oberherrschaft. Der Einflussbereich Englands in Irland wurde ab dem 13. Jahrhundert immer mehr ausgeweitet, irische Adlige mussten zugunsten des englischen Adels auf ihr Land und ihre Macht verzichten. Im Statut von Kilkenny (1366) wurde der Gebrauch der irischen Sprache verboten, ebenso die Heirat zwischen Iren und Engländern.

Neuzeit

Daniel O´Connell; Porträt

1541 nahm der englische König Heinrich VIII. den Titel König von Irland an. Die von ihm gegründete Church of England (Anglikanische Kirche, Heinrich VIII. hatte 1534 die englische Kirche von Rom gelöst) traf bei der irischen Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Der Kampf gegen den irischen Katholizismus führte 1539 zu einem Aufstand in Nordirland unter der Führung des Grafen von Kildare, der zu Ungunsten der Iren ausging. Die Hinrichtung von Aufständischen und weitreichende Enteignungen des irischen Adels zugunsten der Engländer waren die Folge. Vor allem in Nordirland wurden daraufhin gezielt englische Presbyterianer angesiedelt, damit wurde der Grundstein des bis heute andauernden Nordirland-Konflikts gelegt.

Im 17. Jahrhundert gab es zahlreiche irische Aufstände, die auf diesem Konflikt basierten (z.B. 1641 bis 51) und alle von England (teils unter dem Regime von Oliver Cromwell) unterdrückt wurden. Auch die Unterstützung der Iren durch den Papst und den spanischen König Philipp II. konnten daran nichts ändern.

1801 wurde Irland durch die so genannte Unionsakte in das neu geschaffene "Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland" aufgenommen bzw. wurde englische Kolonie. 1829 wurde die Gleichberechtigung der Katholiken und der Protestanten erreicht, so dass die Irland seit 1800 zugestandenen Abgeordnetensitze im Londoner Parlament erstmals von Katholiken besetzt wurden.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Irland durch eine schnell wachsende Bevölkerung und durch Missernten (auf Grund der Kartoffelpest) eine dramatische Hungersnot, schätzungsweise 850 000 Menschen starben an Unterernährung. Eine große Auswanderungswelle vor allem nach Amerika war die Folge (heute schätzt man den Anteil der irisch-stämmigen Bevölkerung in Nordamerika auf rund 16 Millionen Menschen). Während in England die Industrielle Revolution einsetzte, lagen im überwiegend agrarisch geprägten Irland weite Landstriche brach und wurden nicht mehr bewirtschaftet. Immer wiederkehrende Aufstände führten dazu, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Rechte der englischen Großgrundbesitzer in Irland eingeschränkt wurden und irische Pächter Landbesitz als freie Bauern zugesprochen bekamen. Ungefähr zur gleichen Zeit entstanden politische Bewegungen, die sich für eine irische Unabhängigkeit stark machten: 1870 wurde die Home Rule League gegründet, 1899 entstand die patriotische Sinn-Féin-Bewegung ("Wir selbst"), die neben der Unabhängigkeit des Landes die keltischen Wurzeln und die gälische Sprache betonte. Auch unter den englischen Liberalen fanden sich Befürworter der irischen Unabhängigkeit (bei weiter bestehender staatsrechtlicher Bindung an Großbritannien).

20. und 21. Jahrhundert

1916 kam es zum Dubliner Osteraufstand, bei dem von den Aufständischen die Irische Republik ausgerufen wurde. Nach einer Woche wurde der Aufstand durch englische Truppen blutig niedergeschlagen. Bei Parlamentswahlen in Irland 1918 errang die patriotische Sinn-Féin-Bewegung einen deutlichen Sieg. Zwei Jahre später erreichten die Auseinandersetzungen zwischen irischen Nationalisten (Anhänger von Sinn Féin und der 1919 gegründeten IRA unter der Führung von Michael Collins) und der britischen Armee (Royal Irish Constabulary und Black and Tans) die Ausmaße eines Untergrundkrieges (anglo-irischer Krieg). 1922 erkannte Großbritannien die Selbstständigkeit Irlands unter der Oberherrschaft der englischen Krone an, wobei die überwiegend protestantische nordirische Provinz Ulster bei Großbritannien blieb. Diese Teilung der Insel führte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der provisorischen irischen Regierung und radikalen Nationalisten, die dem extremen Flügel der Sinn Féin angehörten. 1932 gewann die radikale Partei Fianna Fáil (FF) unter Eamon de Valera die Wahlen in Irland. Als Regierungschef löste dieser die staatsrechtliche Anbindung an Großbritannien, 1937 wurde der unabhängige Staat "Éire" ausgerufen, laut Verfassung eine parlamentarisch-demokratische Republik. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem sich Irland neutral verhielt, erkannte Großbritannien die Unabhängigkeit des Landes an. 1949 trat Irland aus dem Commonwealth aus. 1955 erfolgte der Beitritt zur UNO, 1973 zur Europäischen Gemeinschaft.

Seitdem verwandelte sich Irland von einer im Wesentlichen landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft in den "keltischen Tiger", eine moderne, technisch hoch entwickelte Wirtschaft, was durch Steueranreize für ausländische Investoren und die Fördermittel der EU unterstützt wurde. Die Subprime-Krise (Immobilienkrise) in den USA und die plötzliche Illiquidität des bisher stark wachsenden Marktes mit forderungsbesicherten Wertpapieren löste 2007/2008 eine weltweite Finanz- und Vertrauenskrise aus, die auch vor Irland nicht Halt machte. Das schwer getroffene irische Bankensystem wurde 2010 zum Risikofaktor für die Stabilität der Eurozone. Im November 2010 erhielt Irland ein Stützungspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds, das ein Konsolidierungsprogramm für die Staatsfinanzen umfasst. Dank einer fortgesetzten Sparpolitik gelang dem Land Anfang 2013 die Rückkehr auf den Kapitalmarkt.