Island Geschichte

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Mittelalter

Bis ins 8. Jahrhundert n.Chr. war die Insel nicht besiedelt, auch wenn sie den seefahrenden Völkern vermutlich schon mehrere hundert Jahre bekannt war. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts kamen irische und schottische Mönche auf die Insel, errichteten aber keine dauerhaften Siedlungen. Erst um 875 wurden von aus Norwegen kommenden Wikingern unter der Führung von Ingólfr Arnason erste dauerhafte Siedlungen gegründet. In den nächsten Jahren folgten tausende von Bauern und Adligen aus Norwegen nach, die sich den Einigungsbestrebungen des norwegischen Königs Harald Hárfagr (Schönhaar) entziehen wollten. Mit ihnen kamen die norwegische Kultur und Traditionen auf die Insel, es entstand eine Herrschaft der einzelnen Adelsgeschlechter. 930 wurde von den mittlerweile 39 Sippen (Godentümern) eine Art Parlament gegründet (Althing), das für Rechtsprechung und Gesetzgebung zuständig war und aus 12 Thingkreisen (Adelsherrschaften) bestand. Ort der Versammlung war zunächst (bis 1798) Thingvellir am See Thingvallavatn.

Von Island aus startete Erik der Rote um 982 seine Fahrt, bei der er das von Eskimos bewohnte Grönland entdeckte. Etwa zur gleichen Zeit begann der damalige norwegische König Olaf Tryggvasson, die isländische Bevölkerung zu christianisieren. Um diese Einflussnahme abzuschwächen, beschloss das Althing im Jahr 1000 die Annahme des christlichen Glaubens für die Bevölkerung.

Zwistigkeiten unter den adligen Großgrundbesitzern, die das Land schwächten, führten dazu, dass im Jahr 1265 das Althing die Oberhoheit Norwegens anerkannte.1390 kam Island zusammen mit Norwegen unter die Herrschaft Dänemarks, dessen König Christian III. in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation gewaltsam und ohne jegliches Mitspracherecht der Bevölkerung in Island durchsetzte.

Neuzeit

Von 1602 bis 1854 hatte Dänemark das Handelsmonopol inne: Wer mit Isländern Geschäfte machen oder Handel treiben wollte, musste zunächst käuflich eine Lizenz erwerben. Dies bedeutete eine entscheidende Schwächung der isländischen Wirtschaft, dazu dezimierten Epidemien und die Folgen von Naturkatastrophen (1783 Ausbruch des Vulkan Laki) die Bevölkerung und führten zu Hungersnöten.

Im Jahr 1800 wurde das isländische Parlament Althing von Dänemark abgeschafft. Eine erste Widerstandsbewegung gegen die Vorherrschaft Dänemarks begann sich unter der Führung von Jón Sigurdsson zu formieren. 1834 wurde das Althing - mit begrenzten Rechten - wieder eingesetzt, 1854 wurde das dänische Handelsmonopol aufgehoben. Rund 20 Jahre später erteilte Dänemark dem Althing wieder gesetzgeberische Vollmachten, und Island erhielt eine eigene Verfassung. Im Dezember 1918 wurde Island als selbstständiger Staat anerkannt, blieb jedoch durch Personalunion mit Dänemark verbunden: Island erhielt eine eigene Regierung, die zwar durch den dänischen König (der weiterhin das Staatsoberhaupt blieb) ernannt, aber durch das Althing kontrolliert wurde. Die heute noch relevanten politischen Parteien bildeten sich heraus: die sozialdemokratische Partei Althýduflokkurinn (AF), die linksliberale Fortschrittspartei Framsókanrflokkurinn (FF) und die liberalkonservative Unabhängigkeitspartei Sjálfstædisflokkurinn (SF), die seit den 30er Jahren die stärkste parlamentarische Kraft bildete.

Ab dem Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das strategisch wichtige Island von britischen und amerikanischen Truppen besetzt. 1944 wurde die Personalunion mit Dänemark aufgehoben (97 % der Isländer sprachen sich für eine Loslösung aus), im gleichen Jahr wurde die Republik Island ausgerufen. Erster Staatspräsident wurde der direkt vom Volk gewählte Sveinn Bjørnsson. 1946 wurde Island Mitglied der UNO, 1949 Mitglied der NATO und war damit in das westliche Bündnissystem miteinbezogen. Ein zwei Jahre später geschlossenes Militärabkommen mit den USA führte dazu, dass Amerika seine Militärstützpunkte auf der Insel in Keflavík behielt. (1995 wurde das Abkommen erneut verlängert. Island unterhält keine eigenen Streitkräfte.)

In der Folgezeit kam es wiederholt zu Konflikten zwischen Island auf der einen Seite und Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland auf der anderen Seite ("Kabeljaukriege"). Mehrmals (1964, 1972, 1975) dehnte Island seine Hoheitsgewässer eigenmächtig auf bis zu 200 Seemeilen aus, um die Existenz seiner Fischereiflotte und der fischverarbeitenden Industrie zu sichern, die die Stützpfeiler der isländischen Wirtschaft darstellen. Im Juni 1976 wurde die 200-Meilen-Zone für den isländischen Fischfang völkerrechtlich anerkannt.

1985 erklärte sich Island zur atomwaffenfreien Zone.

Wurde ein Beitritt des Landes zur Europäischen Union wegen Unstimmigkeiten über die Fischereigrenzen früher abgelehnt, führte der Beitritt Schwedens und Finnlands dazu, dass sich 1994 die isländische Bevölkerung erstmals mehrheitlich für einen EU-Beitritt aussprach. Das isländische Parlament beschloss im Juli 2009 das EU-Beitrittsgesuch. Die Beitrittsverhandlungen wurden jedoch im Januar 2013 von der isländischen Linksregierung ausgesetzt. Bereits 2001 war Island dem Schengener Abkommen beigetreten.

Die globale Finanzkrise traf Island extrem schwer und führte 2008 zum Zusammenbruch des isländischen Bankensystems. Als Ursache gilt die aggressive internationale Expansion der drei größten isländischen Banken. Die isländische Finanzaufsicht übernahm im Oktober 2008 die Kontrolle über die drei größten Bankhäuser des Landes (Kaupthing Bank, Landsbanki, Glitnir). Das vom Staatsbankrott bedrohte Land erhielt internationale Finanzhilfen.

Im Oktober 2012 wurde eine nicht bindende Volksabstimmung über einen Entwurf für eine neue Verfassung abgehalten, der u. a. die Abschaffung der Staatskirche, eine Reform des Wahlrechts, die Übergabe der Energiequellen in unveräußerliches Volkseigentum und die Neuordnung der Fischereiquoten beinhaltete. Die Reform wurde angenommen; die Verwirklichung der Verfassungsänderungen verzögert sich jedoch.