Jamaika Geschichte

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Spanische Herrschaft

Bevor die Europäer mit Christoph Kolumbus im Mai 1494 jamaikanischen Boden betraten, lebten hier rund 100 000 Arawaks (oder Aruaks), die im ersten Jahrtausend von Südamerika eingewandert waren. Sie überlebten die Anfang des 16. Jahrhunderts beginnende Kolonisierung der Insel durch die Spanier, die damit einhergehende Zwangsarbeit und die eingeschleppten Krankheiten keine hundert Jahre. Den Mangel an Arbeitskräften auf den Zuckerrohrplantagen (Zucker war im Europa des 17. Jahrhunderts begehrt und wurde teuer gehandelt) glichen die Spanier (und nach ihnen die Engländer) in den folgenden Jahrzehnten durch afrikanische Sklaven aus, die auf die Insel gebracht wurden. 1655 übernahmen die Engländer Jamaika und machten die Insel zum Zentrum ihres westindischen Kolonialreiches. Von den Spaniern bei ihrem Rückzug freigelassene Sklaven, die als "Maroons" bezeichnet wurden, forderten schon zu diesem Zeitpunkt Autonomie von den Kolonialherren (die ihnen eingeschränkt 1738 zugestanden wurde).

Britische Herrschaft

Jamaika wurde im 18. Jahrhundert Hauptumschlagplatz für afrikanische Sklaven, schätzungsweise eine Million Schwarze wurden hier verkauft, ein Teil von ihnen blieb auf der Insel. Jamaika war zu diesem Zeitpunkt die reichste Kolonie Großbritanniens. Im 19. Jahrhundert änderte sich dies: Die Sklaverei wurde verboten (1807, ab 1838 galt das verbindlich für alle britischen Kolonien), Zucker direkt in Europa aus der dort angebauten Zuckerrübe gewonnen. Der Bevölkerung zugestandene Selbstständigkeiten wurden dieser wieder aberkannt und Jamaika wurde 1866 in eine Kronkolonie umgewandelt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Stimmen, die die Unabhängigkeit von Großbritannien forderten, immer lauter. 1938 löste die schlechte wirtschaftliche Lage bei der Bevölkerung Unruhe und Streiks aus. Die zwei auch heute noch maßgeblichen politischen Parteien, die konservative Jamaica Labour Party (JLP) und die sozialistische People’s National Party (PNP), entstanden.

Unabhängigkeit

1959 wurde Jamaika die innere Autonomie zugestanden, 1962 wurde die Insel als Mitglied des Commonwealth unabhängig. Staatsoberhaupt blieb damit formell der britische Monarch. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte lockerten sich die traditionellen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zu Großbritannien und neue Kontakte zu den USA wurden geknüpft. Die zwei großen Parteien People's National Party (PNP) und Jamaica Labour Party (JLP) wechselten sich bei der Regierungsführung ab, wobei es bei den Wahlen oft zu teils blutigen Unruhen kam. Beiden Parteien gelang es nicht, die innenpolitischen Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft und Verelendung weiter Bevölkerungsteile zu lösen. Zur Wirtschaftskrise führten in den 1970er Jahren der anhaltende Preisverfall für Zuckerrohr und andere Exportprodukte, die für die Insel wichtig waren. Jamaika weist eine der höchsten Mordraten weltweit auf.