Jemen Geschichte

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Frühzeit und Antike

Im Altertum wurde das Gebiet des heutigen Jemen auf Grund seiner fruchtbaren Täler "Glückliches Arabien" (lateinisch: Arabia felix) genannt. Drei große Kulturen prägten die südarabische Halbinsel: Minäer, Sabäer und Himyariten. Die Minäer wurden um 950 v.Chr. von den Sabäern verdrängt, die den Jemen etwa 14 Jahrhunderte prägen sollten. Erzählungen über die Königin von Saba und ihren Besuch bei König Salomon im 10. Jahrhundert v.Chr. verweisen noch heute auf das Reich der Sabäer. Es verdankte seinen Wohlstand zum großen Teil dem Gewürzhandel. Weihrauch und Myrrhe erzielten in der antiken Welt hohe Preise, da Ägypter, Griechen und Römer die Duftstoffe für Rituale nutzten. Kamele transportierten die aus Indien angelandeten Gewürze über die so genannte "Weihrauchstraße" über Mekka nach Gaza in Ägypten. Neben dem Gewürzhandel gelang es den Sabäern zudem, eine effektive Landwirtschaft aufzubauen. Symbol hierfür war der Damm von Marib, ein gewaltiges Stauwehr, das etwa im 8. Jahrhundert v.Chr. erbaut wurde, rund 1000 Jahre der Bewässerung des Ackerlands diente und dessen Ruinen heute als Weltwunder angesehen werden. Die Himyariten waren kulturell den Sabäern untergeordnet und betrieben Handel zwischen dem Hafen von al-Muza und dem Roten Meer.

Mit der Eroberung Jemens durch die Römer nahm die Bedeutung des Seehandels zu. Parallel hierzu wurde der Mittelmeerraum christianisiert, die religiösen Riten und damit der Gebrauch von Gewürzen nahm ab. Die vormals im östlichen Teil des Landes existierenden Hochkulturen zerfielen und die Bedeutung der Staaten im Hochland nahm zwischen dem 1. und dem 3. Jahrhundert n.Chr. zu. Judentum und Christentum setzten sich ab dem 4. Jahrhundert auch im Jemen durch und als gegen Mitte des 6. Jahrhunderts der stets instandgehaltene Damm bei Marib zum letzten Mal brach, wurde dies zum Symbol des Untergangs des sabäischen Königreichs.

Islamisierung

Anfang des 7. Jahrhunderts, noch zu Lebzeiten Mohammeds, setzte die Islamisierung des Jemen durch arabische Kalifen ein und eine erste große Moschee wurde im Jahr 8 der 622 n.Chr. beginnenden islamischen Zeitrechnung in Sana'a al-Jamad gebaut.

Mit der Islamisierung entstanden Imamate in Jemen, von denen vor allem das zaiditische Imamat ab Ende des 9. Jahrhunderts bis zur Revolution 1962 von großer Bedeutung war. Jahrhunderte der Fremdherrschaft folgten. Vom 12. bis ins 15. Jahrhundert stand Jemen unter ägyptischer Herrschaft, ab dem frühen 16. Jahrhundert war es für über 100 Jahre von den Osmanen besetzt, die jedoch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von den zaiditischen Imamen weitgehend aus dem Jemen vertrieben werden konnten.

19. und 20. Jahrhundert

1839 gelang es Großbritannien, den Süden des Landes zum Protektorat zu machen. Aden wurde als Flottenstützpunkt eine der wichtigsten Handelsstationen auf der Indienroute und gewann zusätzliche Bedeutung nach dem Bau des Suezkanals im Jahr 1869.

Parallel zur britischen Okkupation kehrten die Osmanen Mitte des 19. Jahrhunderts in den Jemen zurück und besetzten sowohl die Tihama als auch das Gebiet zwischen Sanaa und Taizz. Das Land war dadurch Ende des 19. Jahrhunderts dreigeteilt: Großbritannien beherrschte den Süden, die Türken den Westen und die Zaiditen den Norden. Nach dem Ersten Weltkrieg endete die türkische Herrschaft und der Nordjemen wurde zu einer souveränen Monarchie unter den Zaiditen, die das Land außenpolitisch isolierten. Aufständen und Umstürzen in den 30er und 40er Jahren folgte ein Militärputsch im Jahr 1962, der die Herrschaft der Zaiditen beendete. Die Arabische Republik Jemen wurde ausgerufen. Ein Bürgerkrieg zwischen imamtreuen Royalisten und Republikanern brach aus und endete Ende der 60er Jahre mit dem Sieg der Republikaner.

Der Süden gehörte bis 1937 als Protektorat zu Britisch-Indien, 1947 wurde es britische Kronkolonie. Von 1963 bis 1967 folgte eine kurze Zeit als Staat Aden. Im November 1967 erklärte sich Aden für unabhängig und Großbritannien zog sich aus dem Land zurück. Es folgte eine kurze Herrschaft der Widerstandsbewegung, die sich nach der Revolution im Norden formiert hatte. Diese wurde jedoch nach wenigen Jahren von der extremen Linken entmachtet. Im Südjemen entstand mit Gründung der Demokratischen Volksrepublik Jemen ein kommunistischer Einheitsstaat nach sowjetischem Vorbild, der ab 1978 die Jemenitische Sozialistische Partei vorstand. 1980 wurde A. Nassir Muhammed Präsident, der im Bürgerkrieg 1986 nach Nordjemen floh und von H. Abu Bakr al-Attas abgelöst wurde. Jemen war in zwei politisch gegensätzliche Staaten geteilt, die sich immer wieder blutige Auseinandersetzungen lieferten.

Im Nordjemen hatte 1974 das Militär die Macht übernommen, 1978 wurde Ali Abdullah Saleh Präsident und leitete eine Demokratisierung des Landes ein. Seit Ende eines ersten Grenzkriegs 1971 wurden wiederholt Vereinigungsverhandlungen geführt, die nach einem zweiten Grenzkonflikt im Jahr 1981 zu einem Koordinierungs- und Kooperationsabkommen führten. Die Folgen des Zusammenbruchs des Ostblocks Ende der 80er Jahre ebneten schließlich auch im Jemen den Weg für einen konkreten Wiedervereinigungsplan. 1989 wurde ein Organisationskomitee gebildet und im folgenden Jahr folgte der Zusammenschluss zur Islamischen Republik Jemen, deren erster Präsident Saleh wurde. Sana wurde zur politischen, Aden zur wirtschaftlichen Hauptstadt erklärt und 1991 billigte die Bevölkerung eine Übergangsverfassung. De facto blieb aber eine Zweiteilung von Nord und Süd erhalten: sowohl die Einheiten der Armeen als auch die Verwaltungsstrukturen blieben getrennt.

Der Golfkrieg 1991 brachte schwere innenpolitische Belastungen. Die pro-irakische Haltung des Jemen führte dazu, dass knapp eine Million jemenitischer Gastarbeiter aus Saudi-Arabien ausgewiesen wurden. Dazu kamen die Veränderungen der Märkte im Ostblock, die eine Freigabe der Preise zur Folge hatte. Das führte im Jemen zu einer hohen Inflationsrate, verstärkter Arbeitslosigkeit und innenpolitischen Auseinandersetzungen. Eine Koalitionsregierung bemühte sich ab 1993 um eine innenpolitische Stabilisierung, konnte aber nicht verhindern, dass sich 1994 im Südjemen eine Widerstandsbewegung formierte, die auf die Wiederherstellung der Demokratischen Republik Jemen drängte, aber von Regierungstruppen niedergeschlagen wurde. Die Separatisten sind jedoch weiterhin aktiv. Die Tatsache, dass in den zurückliegenden Jahren mehr als 100 Ausländer im Jemen entführt wurden mit dem Ziel, die Regierung im eigenen Land zu bestimmten Maßnahmen zu zwingen, zeigt, dass die innenpolitischen Verhältnisse im Land weiterhin schwierig sind.

Im September 1999 wurde der seit 1989 regierende Ali Abdullah Saleh bei den ersten direkten Präsidentenwahlen in Jemen mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt, ebenso 2006. Seit der durch Volksabstimmung im Februar 2001 gebilligten Verfassungsänderung bestand neben dem Parlament mit dem "Schura-Rat" im Ansatz eine zweite Kammer. Anfang 2001 akzeptierten die Jemeniten in einem Referendum weitreichende Verfassungsänderungen. Dabei wurden die Rechte des Präsidenten ausgeweitet; im Gegenzug wurden regionale Parlamente eingeführt, die allerdings kein Budgetrecht hatten und indirekt durch die vom Präsidenten ernannten Gouverneure kontrolliert wurden. Die Entführungen von zahlreichen Ausländern im Jemen mit dem Ziel, die Regierung im eigenen Land zu bestimmten Maßnahmen zu zwingen, spiegeln die Schwierigkeit der innenpolitischen Verhältnisse wider.

Im Rahmen des Arabischen Frühlings begannen auch im Jemen Ende Januar 2011 Proteste und Demonstrationen gegen den seit über 20 Jahren regierenden Präsidenten Salih. Salih konnte die Protestbewegung durch seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur nicht beschwichtigen, in der Folge verschärften sich die Konflikte zwischen regierungstreuen Gruppierungen und Oppositionellen bis hin zu bewaffneten, bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Im November 2011 unterzeichnete Saleh schließlich ein Machttransferabkommen, das den Weg zur Bildung einer Regierung des nationalen Konsens und zu vorgezogenen Präsidentschaftswahlen freimachte. Übergangspräsident ist seit Februar 2012 Abed Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2013 tagt die Konferenz "Nationaler Dialog" mit 565 Delegierten. Ziel der Konferenz ist unter anderem die Ausarbeitung einer neuen Verfassung.

Bisher ist es der Über­gangs­re­gie­rung nur be­dingt ge­lun­gen, wie­der die um­fas­sende Kon­trolle über das Staats­ge­biet zu erlangen. Teile des Nord­jemen befinden sich de facto wei­ter­hin unter Kon­trolle der so­ge­nannten Houthi-Rebellen. Auch im Süden bleibt die Sicher­heits­lage an­ge­spannt. Die sepa­ra­tis­tische Be­we­gung konnte ihren Ein­fluss dort aus­bauen.