Katar Geschichte

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18. Jahrhundert

Über die Geschichte des Landes vor dem 18. Jahrhundert ist nur sehr wenig bekannt. Bis 1766, als das Scheichtum Katar gegründet wurde, lebten vermutlich nur wenige Nomaden auf dem heutigen Staatsgebiet. Zusätzlich existierten einige kleine Fischerdörfer an der Küste.

Die moderne Geschichte des Landes beginnt mit der Einwanderung von kuwaitischen Familien, insbesondere der Al Khalifahs, die aus der Al-Hasa-Provinz Arabiens stammten. Die Siedlung, die diese in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gründeten, nannte sich Az-Zubarah und wurde mit den Jahren zu einem lokalen Handelszentrum. Die Perlentaucherei in den Korallenriffen der Umgebung spielte dabei eine wichtige Rolle. 1783 eroberten die Al Khalifahs Bahrain, wo sie bis heute herrschen. Nach ihrem Weggang aus Katar wurde das Land durch verschiedene in ihrer Machtfülle territorial begrenzte Scheiks regiert, von denen der bekannteste Scheik Rahmah ibn Jabir al-Jalahimah war, der von den Briten für einen Führer der so genannten Piratenküste gehalten wurde. Die vielen geschützten Buchten im Südosten des Persischen Golfs dienten zu dieser Zeit Seeräubern als Versteck.

19. und frühes 20. Jh.

Die in der Region aktiven Briten griffen erstmals in die politischen Verhältnisse des Landes ein, als auf Grund eines Krieges zwischen dem in Bahrain herrschenden Königshaus und den Bewohnern Katars die Stadt Doha zerstört wurde. Sie schlossen ein gesondertes Abkommen mit einem der Scheiks, Muhammad ath-Thani. Diese Tatsache bildete 1868 den Ausgangspunkt für die zukünftige Unabhängigkeit des Landes unter der Herrschaft der Al-Thani-Familie. Bereits vier Jahre später besetzten die Osmanen das Land, wurden aber 1913 von saudi-arabischen Truppen aus Katar verdrängt.

Im Jahr 1916 unterzeichnete Großbritannien ein weiteres Abkommen mit Katar, das dem britischen Königshaus die Kontrolle über die Außenpolitik des Sultanats zugestand und es gleichzeitig unter britischen Schutz stellte, also de facto zum Protektorat machte.

1935 unterzeichnete das bis zu diesem Zeitpunkt arme Land ein Abkommen mit der staatlichen Irakischen Ölfördergesellschaft, was einschneidende Konsequenzen haben sollte. Nach vier Jahren Suche wurde Öl gefunden, das aber vor 1949 nicht kommerziell genutzt wurde.

Neuere Entwicklungen

Die Briten griffen erneut in das politische Geschehen des Landes ein, als es zwischen den Scheiks zu Streitigkeiten um die Einnahmen aus den Ölfunden kam. 1968 erklärte Großbritannien seinen Rückzug aus dem Gebiet. Nach Verhandlungen, die auch die benachbarten Scheichtümern Vereinigte Arabische Emirate und Bahrain einschlossen, erklärte Katar am 1. September 1971 seine Unabhängigkeit. Noch im gleichen Monat wurde es Mitglied in der Arabischen Liga und den Vereinten Nationen.

Es folgte im Jahr 1981 gemeinsam mit fünf Arabischen Nachbarstaaten die Gründung des "Gulf Cooperation Council", dessen Ziele eine gemeinsame Verteidigung und verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit waren. Die Gründung war angesichts der Revolution im Iran und des iranisch-irakischen Kriegs als Schutzmaßnahme der relativ kleinen Staaten gedacht. Folgerichtig nahmen Katars Truppen auf Seiten der von den USA angeführten Armeen am Golfkrieg in den Jahren von 1990 bis 1991 teil. Die Hauptstadt Doha diente dabei französischen, kanadischen und US-amerikanischen Flugzeugen als Basis für ihre Luftangriffe.

1995 kam es zu erneuten innenpolitischen Konflikten über die Ölförderung und in einem Palaststreich putschte sich der Sohn des regierenden Scheik Khalifahs, Scheik Hamad an die Macht, obwohl er von seinem Vater bereits als künftiger Herrscher vorgesehen war. Nachdem der Sohn einen Gegenputsch im folgenden Jahr niedergeschlagen hatte, und Streitigkeiten über das in die Billionen gehende Staatsvermögen des Landes zwischen Sohn und Vater außergerichtlich ausgeräumt waren, wurde er als Herrscher auch von diesem anerkannt.

Die ersten freien und geheimen Wahlen seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1971 wurden 1999 als ein Zeichen gesehen, dass der reformoffene Emir Scheik Hamad bin Khalifa Al Thani eine vorsichtige demokratische Öffnung des Landes anstrebt. 2005 trat eine neue Verfassung in Kraft. Sie sieht eine Beratende Versammlung vor, deren Mitglieder zu zwei Dritteln gewählt und zu einem Drittel vom Emir ernannt werden sollen. Bisher jedoch sind alle Mitglieder dieses Gremiums ernannt; ein allgemeines Wahlrecht zur beratenden Versammlung besteht weiterhin nicht. Außerdem hob der Emir die Zensur der Presse auf; katarische Medien üben jedoch starke Selbstzensur. Erstmals überhaupt in der Golfregion können Frauen sowohl an den Wahlen teilnehmen als auch als Kandidatinnen aufgestellt werden (wenn auch lediglich bei Wahlen zum Gemeinderat u. Ä.).

Ende Juni 2013 kam es zur Machtübergabe des Emirs an seinen Sohn, Kronprinz Tamim. Dieser führt den gemäßigten Modernisierungskurs seines Vaters fort.