Kiribati Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Die Besiedelung eines Teils der Inseln, die heute zur Republik Kiribati gehören, begann wahrscheinlich im 1. Jahrtausend v.Chr. Vermutlich kamen die Vorfahren der Mikronesier aus Südostasien, später ließen sich auch Polynesier auf den Inseln nieder.

Entdeckung der Inseln durch die Europäer

Die ersten Europäer, die die Inseln entdeckten, waren spanische Seefahrer, die den Südpazifik im 16. Jahrhundert bereisten. 1606 sichtete der Spanier Pedro Fernández de Quirós das zu den Gilbert-Inseln gehörende Atoll Butaritari. Erforscht wurden die Inseln erst rund 150 Jahre später von den Briten. Neben John Byron und Thomas Gilbert, die ab 1765 die Gilbert-Inseln bereisten, sichtete der Brite James Cook 1777 auf seiner dritten Südseefahrt die heutige Hauptinsel der Line-Inseln, Kiritimati. Nach dem Datum der Entdeckung nannte er sie "Christmas Island".

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts waren die Gewässer rund um die Gilbert-Inseln ein begehrtes Revier für europäische Walfänger. Die erste Besiedelung der Gilbert-Inseln durch europäische Kaufleute fand etwa ab 1820 statt. Sie begannen, mit Kokosnussöl und Kopra zu handeln. Kurz danach begannen Missionare, die einheimische Bevölkerung zu christianisieren.

Britische Vorherrschaft

1892 erklärte Großbritannien die Gilbert-Inseln zum Protektoratsgebiet, vier Jahre später wurden sie mit den neun südlich gelegenen Ellice-Inseln (heute: Tuvalu) zum "Gilbert and Ellice Islands Protectorate" zusammengefasst. Nachdem auf Banaba im Jahr 1900 reiche Phosphatvorkommen entdeckt worden waren, wurde diese Insel dem Protektorat angegliedert (1979 waren die Phosphatvorkommen erschöpft, worauf sich Großbritannien von der durch den Abbau verwüsteten Insel zurückzog).

1915 wurde das Protektorat offiziell zur britischen Kronkolonie erklärt. Im Laufe der nächsten Jahre wurden auch das zu den Line-Inseln gehörende Atoll "Ocean Island" (1916), die Christmas-Insel (1919) und die Phönix-Inseln (1937) der Kronkolonie angegliedert. Einige der Phönix-Inseln (Canton, Enderbury) wurden 1939 aufgrund ihrer großen strategischen Bedeutung unter die gemeinsame Verwaltung von Großbritannien und den USA gestellt. Die Vereinigten Staaten hatten bereits im frühen 20. Jahrhundert Anspruch auf die Phönix-Inseln erhoben.

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden die Gilbert-Inseln vorübergehend von japanischen Truppen besetzt, dann von australischen und US-amerikanischen Truppen wieder befreit. Bei der Schlacht um die Hauptinsel Tarawa kamen mehr als 8 000 Soldaten und viele Zivilisten ums Leben. Die Insel wurde nahezu vollkommen verwüstet. Nach dem Ende des Krieges wurde die Stadt Bairiki auf der Gilbert-Insel Tarawa der Verwaltungssitz der britischen Kronkolonie "Gilbert and Ellice Islands".

Ab dem Anfang der 60er Jahre wurde der Kolonie die innere Selbstverwaltung schrittweise zugestanden. 1967 wurde ein erstes Parlament gewählt. Bei einer Volksabstimmung auf den Ellice-Inseln sprach sich 1974 die Mehrheit der Bevölkerung für einen separaten Status ihrer Inselgruppe aus. Ein Jahr später wurden die Ellice-Inseln von den Gilbert-Inseln abgetrennt (und wurden 1978 zum souveränen Staat Tuvalu). Ab 1977 wurde den Gilbert-Inseln von Großbritannien die volle innere Autonomie gewährt.

Unabhängiger Staat

Im Juli 1979 wurden die Gilbert-Inseln, die Phönix-Inseln und acht der insgesamt elf Line-Inseln sowie die Insel Banaba zur unabhängigen Republik Kiribati innerhalb des britischen Commonwealth. Die Hautstadt wurde Bairiki auf der Insel Tarawa. Die Verfassung legte ein Präsidialsystem fest, zum ersten Staats- und Regierungschef wurde Jeremia Tabai gewählt.

Im gleichen Jahr waren die Phosphatvorkommen auf der Insel Banaba erschöpft, deren Verkauf einen Großteil der Exporte ausgemacht hatte. Um die wirtschaftlichen Einbußen aufzufangen, verkaufte die politische Führung von Kiribati Fischereirechte an Japan.

In den 1980er Jahren wurde das Staatsgebiet um die Atolle Teraina (Washington-Insel) und Tabuaeran (Fanning-Insel) erweitert, die dem Großkonzern Burns Philip abgekauft wurden. Zu Beginn der 1990er Jahre verkündete die Regierung von Kiribati ihren Plan, innerhalb der nächsten Jahre an die 5 000 Menschen von den Gilbert- auf die nördlichen Line-Inseln umzusiedeln. Grund dafür war der Mangel an Siedlungsfläche und Trinkwasser auf den Gilbert-Inseln.

Bei den Präsidentschaftswahlen im Juli 1991 wurde Teatao Teannaki neuer Staats- und Regierungschef von Kiribati. Er wurde im Mai 1994 durch ein Misstrauensvotum gestürzt, neuer Staatschef wurde Teburoro Tito. 1999 wurde Kiribati Mitglied der Vereinten Nationen (UN). Seit 2003 ist Anote Tong Staats- und Regierungschef.

Hauptproblem neben einer hohen Auslandsverschuldung und chronischem Trinkwassermangel ist für die Republik Kiribati die globale Erwärmung der Erdatmosphäre (Treibhauseffekt), durch die der Meeresspiegel (durch die Abschmelzung der polaren Eismassen) kontinuierlich ansteigt. Es wird prognostiziert, dass die meist nur zwei bis drei Meter aus dem Wasser ragenden Inseln der Republik Kiribati bereits Mitte des Jahrhunderts überflutet sein werden.