Kolumbien Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Frühzeit bis 15. Jahrhundert

In der Region gefundene Keramiken, die zu den ältesten in der Neuen Welt gehören, werden auf ein Alter von etwa 5000 Jahren geschätzt. Etwa ab 1500 v.Chr. existierten kleine Fürstentümer im Gebiet des heutigen Kolumbiens, die im 15. Jahrhundert vom Inkaherrscher Rachacutec Yupanqui unterworfen und dem Inkareich einverleibt wurden. Dieses erstreckte sich kurz vor Ankunft von Christoph Kolumbus im Jahr 1498 von Argentinien bis Südkolumbien.

Kolonialzeit

1509 begann die Kolonialisierung des Landes durch die Spanier und ab den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts unterwarf der Spanier Gonzalo Jiménez de Quesada weite Gebiete des heutigen Kolumbiens. Er gründete 1538 u.a. mit dem Deutschen Federmann die Stadt Bogotá. Unter dem Namen Nueva Granada wurden die neuen Besitzungen vom spanischen Vizekönigreich Peru aus verwaltet. 1717 wurde "Neu-Granada" eigenständiges Vizekönigreich, zu ihm zählten neben Kolumbien auch Ecuador, Panama und Venezuela. 1801 besuchte der Naturforscher und Geograph Alexander von Humboldt Kolumbien, führte Ortsbestimmungen und Höhenmessungen durch und begründete in seinen späteren Vorlesungen u.a. die moderne Pflanzengeographie und Landeskunde.

Unabhängigkeit

Das Ende der Kolonialzeit begann 1810, als eine revolutionäre Junta die Unabhängigkeit des Landes erklärte und nach dem Sieg Simon Bolívars im Jahr 1819 die Republik Großkolumbien gegründet wurde. Die Republik, die sich am Anfang über den gesamten Landesraum Neu-Granadas erstreckte, zerfiel jedoch bald. Ecuador und Venezuela machten sich selbstständig und nach Jahrzehnten innenpolitischer Kämpfe um eine zentralistische oder föderalistische Staatsform setzten sich die Zentralisten durch. Im Jahr 1863 entstanden die Vereinigten Staaten von Kolumbien und 1886 die Republik Kolumbien, von der sich 1903 Panama als eigenständiger Staat abtrennte. Grund war die Ablehnung der kolumbianischen Regierung, den von den USA gewünschten Panamakanal zu bauen, woraufhin die USA Panama zur Unabhängigkeit drängten, um das Projekt durchführen zu können.

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts übernahmen die Liberalen die Regierung in Kolumbien und leiteten Reformen ein. Steuer-, Arbeits- und Sozialgesetze wurden in Hinblick auf größere Rechte der Bevölkerung überarbeitet. Doch die Veränderungen verschärften den Konflikt zwischen liberal und konservativ Gesinnten und im Jahr 1948 brach ein offener Bürgerkrieg aus, der etwa 200 000 Menschen das Leben kostete und 800 000 aus ihrer Heimat vertrieb. 1953 übernahm General Gustavo Rojas Pnilla die Macht, beendete den Bürgerkrieg und errichtete ein Militärregime, das 1958 von einer Regierung der nationalen Front abgelöst wurde, die zu gleichen Teilen aus Konservativen und Liberalen bestand.

Unter den im Vierjahresrhythmus zwischen Konservativen und Liberalen wechselnden Präsidentschaften kam es ab den 1960er Jahren auf Grund der sozialen Notlage vieler Bürger wiederholt zu Massenaufständen. Guerillabewegungen wurden gegründet, die ganze Landstriche unter ihre Herrschaft gebracht haben. Terror und Gegenterror beherrschen den politischen Alltag und eine finanzkräftige Rauschgiftmafia ist entstanden. Ermordete Menschenrechtler, entführte Kirchenmitglieder, Anschläge auf Ölleitungen: Willkür und Angst bestimmen den kolumbianischen Alltag. Nach wie vor sterben jährlich Tausende entweder durch Guerillaterror oder Regierungstruppen. Der immer noch andauernde Bürgerkrieg hat inzwischen über 200  000 Todesopfer gefordert und ist für knapp vier Millionen Flüchtlinge im In- und Ausland verantwortlich.

1982 wurde Belisario Betancur Cuartos von der Konservativen Partei neues Staatsoberhaupt, 1986 folgte ihm Barco Vargas von der Liberalen Partei. Auch diesen gelang es jedoch nicht, den Terror der Guerillas zu beenden, so fiel 1989 der liberale Präsidentschaftskandidat einem Mordanschlag zum Opfer.

1990 wurde der ebenfalls liberale César Gaviría Trujillo Präsident und es gelang ihm, die Guerillaorganisation M-19 und zwei weitere Terrorgruppen zur Einstellung des Kampfes zu bewegen. Dennoch nahmen Terroranschläge und Entführungen der Drogenmafia zu, so dass der Ausnahmezustand über das Land verhängt wurde. 1991 trat eine neue Verfassung in Kraft, die die zentrale Macht einschränkte und den Provinzgouverneuren mehr Macht gab. Pablo Escobar, Chef des Medelliner Drogenkartells, stellte sich freiwillig, fast 1 800 Mitglieder des Kartells wurden festgenommen und zahlreiche Drogenfarmen zerstört.

Ein schweres Erdbeben erschütterte 1993 Kolumbien, über 1 000 Menschen kamen dabei ums Leben. Im gleichen Jahr wurde der ein Jahr zuvor entflohene Pablo Escobar bei der Festnahme erschossen. 1994 wurde Ernesto Samper Pisano von der Liberalen Partei neuer Präsident, sah sich aber dem Vorwurf ausgesetzt, seinen Wahlkampf mit illegalen Drogengeldern finanziert zu haben. Die Untersuchungen wurden eingestellt, als mehrere Drogenbosse für ihn aussagten.

Im April 1998 trafen die Staatschefs von Bolivien, Ecuador, Peru, Venezuela und Kolumbien zusammen, um sowohl eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch eine koordinierte Bekämpfung des Drogenhandels zu organisieren. Im selben Jahr wurde Andrés Pastrana von der Konservativen Partei neuer Präsident. Nur sehr umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen konnten den regulären Ablauf der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen trotz Einschüchterungsversuchen kommunistischer Guerillaorganisationen gewährleisten.

1999 kam es zu einem weiteren Erdbeben, das rund 2 000 Menschenleben kostete, Tausende obdachlos machte und die wirtschaftliche Lage für die Bevölkerung weiter verschlechterte. Die Auseinandersetzungen zwischen Guerilleros und Regierungstruppen gehen mit großer Härte weiter, ebenso wie die Geiselnahmen durch Rebellen und rechtsgerichtete Paramilitärs, die die Rebellen bekämpfen und versuchen, ihnen die Kontrolle über den Drogenmarkt zu entziehen. Im Februar 2002 erklärte die Regierung große Teile der entmilitarisierten Guerilla-Zone im Süden zum Kriegsgebiet.

Im Mai 2002 wurde der Konservative Alvaro Uribe zum Präsidenten gewählt; er baute die Armee aus, um den Konflikt mit den Rebellen in den Griff zu bekommen. Der 2006 für eine zweite Amtszeit vereidigte Uribe war mit dieser Politik des harten Vorgehens erfolgreich: Die Guerilla-Organisation FARC (Fuerzas Armadas Revolucionariasa de Colombia) wurde deutlich geschwächt und verlor über die Hälfte ihrer Mitglieder, außerdem mehrere Anführer. Die wohl bekannteste Geisel der FARC, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, konnte im Juli 2008 nach über sechs Jahren Gefangenschaft befreit werden.

2008 gründete Kolumbien zusammen mit den anderen elf unabhängigen Staaten Südamerikas die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) nach Vorbild der Europäischen Union. Immer noch ist das Land weltweit führender Exporteur von Heroin und Kokain.

Seit August 2010 ist Juan Manuel Santos Calderón Präsident Kolumbiens. Er ist Vorsitzender der rechtskonservativen U-Partei (Social de Unidad Nacional). Bereits bei den Parlamentswahlen im März 2010 konnten die Mitte-Rechts-Parteien ihre Mehrheit ausbauen. Die Abstimmungen liefen vergleichsweise friedlich ab. Santos' Regierung führt seit November 2012 Friedensgespräche mit der FARC. Langfristig soll es in den Gesprächen um die Entwaffnung der Rebellen und die Entschädigung der Opfer gehen.