Komoren Geschichte

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In den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung begann die Besiedelung der Komoren durch indonesische Seefahrer malaiisch-polynesischer Herkunft. Um 1000 n.Chr. landeten persische Seefahrer auf den Inseln, im Laufe der Zeit folgten Einwanderer aus Arabien und Afrika. Ab dem 16. Jahrhundert wurden auf den Inseln Handelsniederlassungen gegründet, u.a. auch von Portugiesen, Holländern und Franzosen, während islamische Einwanderer aus Ostafrika und Südarabien entlang der Küste kleine feudale Sultanate gründeten. Die Europäer gaben ihre Siedlungen auf den Komoren bald wieder auf und der arabisch-islamische Einfluss konnte sich durchsetzen.

Die Inseln wurden von den einzelnen Sultanen in Besitz genommen, die schwarze Sklaven vom afrikanischen Kontinent für sich auf den Plantagen arbeiten ließen. Im 19. Jahrhundert häuften sich die Überfälle von Piraten aus Madagaskar auf die Komoren, worauf die Kolonialmacht Frankreich von den Sultanen um militärische Unterstützung ersucht wurde. 1841 wurde die südlichste der vier großen Komoreninseln, Mayotte genannt, französisches Protektorat. Von hier aus wurde reger Handel mit Vanille, Gewürzen, Bananen, Sisal und Ylang-Ylang (einer Pflanze, die den Grundstoff für die Herstellung von Parfüm liefert) betrieben. Ab 1886 wurde die gesamte Inselgruppe (neben Mayotte noch Grande-Comore, Anjouan und Mohéli) zum französischen Protektorat erklärt.

Nachdem 1909 der letzte Sultan auf den Komoren abgedankt hatte, wurden die Inseln 1912 zur Kolonie "Comores" zusammengeschlossen. Von 1912 bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Inseln von dem ebenfalls französischen Madagaskar aus verwaltet. 1946 erhielten die Komoren den Status eines französischen Überseeterritoriums, was eine beschränkte innere Autonomie beinhaltete. Als Hauptstadt wurde die Stadt Dzaoudzi auf der Insel Mayotte benannt.

1956 stellte Frankreich die baldige vollständige Autonomie in Aussicht, die allerdings erst 1968 endgültig gewährt wurde. Bei einer Volksabstimmung 1958 sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung dafür aus, den Status eines französischen Überseeterritoriums beizubehalten. Auf Mayotte dagegen stimmte die Bevölkerung für einen engeren Anschluss an Frankreich. 1961 wurde der aus einer ehemaligen Sultansfamilie stammende Prinz Said Mohamed Cheikh Regierungschef. Nach dessen Tod übernahm 1970 Said Ibrahim die Führung der Regierung, ab 1974 Ahmed Abdallah Abderemane, der Führer der "Union Démocratique des Comores" (UDC).

Endgültig unabhängig wurden die Komoren erst 1975, als sich die Bewohner der drei Inseln Grande Comore, Mohéli und Anjouan mit 95 % der Stimmen für die Unabhängigkeit aussprachen. Maßgeblicher Wegbereiter für die Souveränität war die 1963 im Exil gegründete Unabhängigkeitsbewegung "Mouvement de Libération Nationale des Comores" (MOLINACO). Auch Ministerpräsident Abderemane forderte seit seinem Amtsantritt die Unabhängigkeit des Landes. Auf der Insel Mayotte sprachen sich 1976 über 60 % der Bevölkerung dafür aus, auch weiterhin unter französischer Führung zu bleiben.

1978 erhielten die Komoreninseln Grande Comore (Njazidja), Anjouan (Nzwani) und Mohéli (Mwali) eine neue Verfassung als "Islamische Bundesrepublik der Komoren". Der Islam wurde Staatsreligion. Ahmed Abdallah Abderemane wurde Staatspräsident (bis 1989), Salim Ben Ali Chef der Regierung. Vier Jahre später wurde die Einheitspartei "Union Comorienne pour le Progrès" (UCP) gegründet, die dominierende politische Kraft wurde und sozialistische und islamische Elemente in ihrem Programm vereinte.

1989 fiel Staatspräsident Abderemane einem Staatsstreich zum Opfer. Sein Nachfolger wurde Said Mohamed Djohar (UCP, bis 1995). Die erste Hälfte der 1990er Jahre waren gekennzeichnet durch gescheiterte Putschversuche, Auflösung der Bundesversammlung und Regierungsumbildungen. Angekündigte Wahlen wurden wiederholt verschoben, was zu schweren Unruhen in der Bevölkerung führte. 1995 wurde Staatspräsident Djohar durch einen Putsch französischer Söldner abgesetzt. Der bisherige Regierungschef Caambi El-Yachroutou wurde zum Übergangspräsidenten ernannt und bildete eine neue Regierung. Nach den Präsidentschaftswahlen im März 1996 wurde Mohamed Taki Abdulkarim neuer Staatspräsident der Komoren. Eine Verfassungsänderung aus dem gleichen Jahr erhöhte die Machtbefugnisse des Präsidenten.

Aus dem Unmut über den vorgeworfenen Wahlbetrug und die immer größer werdende Hinwendung des Staates zum Islam erklärten im August 1997 die Inseln Nzwani (Anjouan) und Mwali ihre Unabhängigkeit von der Islamischen Bundesrepublik der Komoren. Die komorische Regierung in Moroni erkannte die einseitig erklärte Unabhängigkeit nicht an und entsandte Truppen auf die zwei Inseln. Die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) bemühte sich in Folge um eine Vermittlung zwischen den Separatisten und der Regierung. Im April 1999 wurde ein Abkommen geschlossen, das Nzwani und Mwali weitgehende Selbstbestimmung zugestand. Kurz vor Ratifizierung des Abkommens kam es zu einem erneuten Staatsstreich durch die Armee mit dem Ziel der Erhaltung der "nationalen Einheit". General Azali Assoumani erklärte sich zum neuen Staatspräsidenten der Komoren, löste das Parlament auf und setzte die Verfassung vorübergehend außer Kraft.

Im Februar 2001 wurde zwischen General Assoumani und dem Separatistenführer Said Abeid von der Insel Nzwani ein Abkommen unterzeichnet, das eine neue Verfassung auf der Grundlage von mehr Unabhängigkeit für die drei komorischen Inseln in einem föderalistischen neuen Staat namens "Union des Comores/ Union der Komoren" vorsah. Bei den Präsidentenwahlen für diesen neuen Staat siegte der Islamist Ahmed Abdallah Sambi.

Der abtrünnige Oberst Mohamed Barca hielt ab Mai 2007 die Insel Nzwami (Anjouan) besetzt; er strebte ihre Unabhängigkeit an. Im März 2008 entsandte die Afrikanische Union (AU) deswegen 1 500 Soldaten auf die Insel und brachte sie wieder unter Kontrolle.

In einem Referendum im Mai 2009 wurde die Zentralgewalt gegenüber den Inseln gestärkt und der Wahlrhythmus harmonisiert. Mit der Verfassungsänderung wurden die drei Insel-Präsidenten zu Gouverneuren herabgestuft und die Insel-Minister zu Regierungsräten. Zudem hat der Präsident laut der neuen Verfassung die Möglichkeit, das Unionsparlament aufzulösen.