Republik Kongo Geschichte

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Anfänge

Das Kongobecken wurde ursprünglich von Pygmäen besiedelt, die vermutlich ab dem 2. Jh. n.Chr. von einwandernden Bantuvölkern in unzugängliche Gebiete zurückgedrängt wurden. Die Bantuvölker lebten von Ackerbau und Rinderzucht und besaßen Kenntnisse über die Verarbeitung von Eisen.

Kolonialzeit

Als gegen Ende des 15. Jh.s portugiesische Seefahrer begannen, von der Kongomündung aus das Land zu erforschen, existierten auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo (und der benachbarten Länder) mehrere Königreiche wie z.B. die Reiche der Batéké und Loango, die durch den Handel mit Eisenwaren, Elfenbein und Textilien zu großem Wohlstand gelangt waren. Der Norden gehörte zum Großreich der Kongo. Im 16. Jh. entwickelten sich rege Handelsbeziehungen zwischen den Portugiesen und dem Königreich Kongo, der Handel mit Menschen, die aus dem Hinterland herangeschafft und nach Südamerika verschifft wurden, blühte auf. Am Sklavenhandel beteiligten sich ab dem 18. Jh. auch englische und französische Händler. Bis zum Verbot der Sklaverei Mitte des 19. Jh.s wurden schätzungsweise zwei Millionen Menschen aus dem Gebiet der heutigen Republik Kongo verschleppt.

1880 schloss der französische Gesandte und Afrikaforscher Pierre Savorgnan de Brazza mehrere so genannte Schutzverträge mit Bantu-Häuptlingen im Gebiet des Batéke-Königreiches. Am Stanleypool, einer Ausweitung des Flusses Kongo, gründete er die Hauptstadt Brazzaville. Kurz darauf erklärte Frankreich das Gebiet der heutigen Republik Kongo zum Protektorat. Auf der Berliner Kongo-Konferenz 1885 wurden die französischen Ansprüche auf das Gebiet von den anderen europäischen Großmächten anerkannt. 1891 wurde das Gebiet als "Mittelkongo" französische Kolonie. Es begann eine Phase der wirtschaftlichen Ausbeutung von Land und Menschen.

1910 wurde Mittelkongo zusammen mit Gabun, Ubangi-Schari (heute Zentralafrikanische Republik) und dem Tschad zur Kolonialföderation Französisch-Äquatorialafrika zusammengefasst.

Unabhängiger Staat

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Kongo zum französischen Überseeterritorium mit beschränkter innerer Selbstverwaltung erklärt, ab 1958 zur autonomen Republik. Bereits in den 20er Jahren hatten sich erste Widerstandsbewegungen gegen das Mutterland Frankreich gebildet, nach dem Zugeständnis der Selbstverwaltung kam es zur Gründung von Parteien, deren unterschiedliche Anschauungen wiederholt zu bewaffneten Konflikten führten.

Erster Staatschef des unabhängigen Landes (ab August 1960 Republik Kongo-Brazzaville) wurde Fulbert Youlou von der "Union Démocratique de Défense des Intérêts Africains" (UDDIA), nach dessen Rücktritt folgte Alphonse Massamba-Débat, unter dem eine Einheitspartei ("Mouvement National de la Révolution", MNR) gebildet und eine Verfassung geschaffen wurde. Ab 1968 regierte General Marien Ngouabi, der die neue Einheitspartei "Parti Congolais du Travail" (PCT) mit marxistisch-leninistischer Orientierung gründete. 1970 rief Ngouabi die Volksrepublik Kongo aus. Die meisten Erdöl- (1957 waren die ersten Erdölvorkommen entdeckt worden) und Versicherungsgesellschaften wurden verstaatlicht.

Nach der Ermordung Ngouabis 1977 im Rahmen eines Putschversuches übernahm zunächst Jacques-Joachim Yhombi-Opango die Macht, kurze Zeit darauf Denis Sassou Nguesso, der Vorsitzende der PCT. Eine neue Verfassung manifestierte die sozialistische Orientierung des Staates und die dominante Rolle der Einheitspartei PCT.

Nguesso regierte das Land bis 1992 mit diktatorischer Härte. 1990 hatte er dem wachsenden Druck aus der Bevölkerung nachgeben und der Einführung des Mehrparteiensystems zustimmen müssen. Bei den Wahlen 1992 gewann der oppositionelle Pascal Lissouba (von der "L'Union Panafricaine pour la Démocratie Sociale"/UPADS) die Wahlen, das Land erhielt erstmals eine demokratische Verfassung. Nguesso ging mit seiner Partei in die Opposition.

Mitte 1993 erreichte die UPADS bei vorgezogenen Parlamentswahlen die absolute Mehrheit, die Opposition unter dem Ex-Diktator Nguesso erkannte das Ergebnis nicht an. Die schweren Unruhen, die schon die Wahlen begleitet hatten, brachten das Land an den Rande eines Bürgerkriegs. Verschiedene Waffenstillstandsabkommen dämmten die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Verbänden der Opposition ("Cobra"-Milizen) zunächst ein. 1997 brachen die Kämpfe aber erneut aus, als im Vorfeld der anstehenden Präsidentschaftswahlen alle Privatmilizen im Land verboten bzw. deren Entwaffnung angeordnet wurde. Bei den Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und den Verbänden des Ex-Diktators Nguesso, die zunächst bis Mitte Oktober 1997 andauerten, kamen schätzungsweise an die 10 000 Menschen ums Leben. Eine zusätzliche Belastung stellten die zahlreichen Flüchtlinge aus dem benachbarten Zaire (seit 1997 Demokratische Republik Kongo) dar, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflohen waren und den Kampf vom Staatsgebiet der Republik Kongo aus weiterführten. Nach der Eroberung der Hauptstadt Brazzaville ernannte sich Nguesso zum Staatschef der Republik Kongo und kündigte eine baldige Rückkehr zur Demokratie an. Ein Übergangsparlament ("Conseil National de la Transition"), bestehend aus 75 Mitgliedern, wurde gebildet. In den Jahren 2002 und 2003 kam es erneut zu blutigen Unruhen zwischen "Ninja"-Milizen unter Bernard Kolélas und den Truppen des regierenden Nguesso; die "Ninja"-Milizen wurden 2008 schließlich aufgelöst.

Im Januar 2002 wurde in einem Referendum eine neue Verfassung angenommen (Senat und Repräsentantenhaus statt des bisherigen Parlaments, siebenjährige Amtszeit des Präsidenten). Laut Regierung sollte die neue Verfassung den Aufbau demokratischer Strukturen fördern; die Opposition warf Nguesso jedoch eine Zementierung seiner Machtposition vor. Zwei Monate später wurde Nguesso wie erwartet bei den Präsidentschaftswahlen im Amt bestätigt. Die aussichtsreichsten Konkurrenten waren entweder nicht zugelassen worden oder hatten ihre Kandidatur wegen Wahlbehinderung zurückgezogen. Auch bei den Präsidentschaftswahlen im Juli 2009 wurde Nguesso als Präsident bestätigt.