Kosovo Geschichte

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Im Zuge der Völkerwanderung verbreiteten sich slawische Völkerstämme auf dem Balkan, die Region des heutigen Kosovo wurde jedoch bis ca. 1200 von Byzanz und später von Bulgarien beherrscht. Danach kam es zur Gründung eines serbischen Staates serbisch-orthodoxer Prägung, der nach und nach das Gebiet des heutigen Kosovo eroberte. In der Folge entwickelte sich das Kosovo zu einem wichtigen wirtschaftlichen Zentrum. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Ausdehnung des Osmanischen Reichs in das Balkangebiet, die 1389 in der sogenannten Schlacht auf dem Amselfeld gipfelte. Sie endete vermutlich unentschieden, begründete jedoch den Mythos der serbischen Verteidigung des christlichen Abendlandes.

Bis 1455 gelang es den Osmanen, Konstantinopel zu erobern und die serbischen Fürsten zu unterwerfen. Da die Albaner den muslimischen Glauben angenommen hatten, genossen sie Vorrechte und breiteten sich zunehmend auf dem Balkan und insbesondere im Kosovo aus. Über 200 Jahre später wurde mit der Eroberung von Budapest (1686) und Belgrad (1689) durch die Habsburger der langsame Zerfall der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan eingeleitet und im 18. Jahrhundert gründeten sich die Staaten Bulgarien, Griechenland, Rumänien und Serbien. Wegen des gemeinsamen Glaubens befürworteten die albanischen Gebiete weiterhin die Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich, sie fielen aber nach dem serbisch-osmanischen Balkankrieg (1912) an Serbien.

Das konkurrierende Verhältnis von Österreich-Ungarn (das Bosnien-Herzegowina beherrschte) und Serbien führte Anfang des 20. Jahrhunderts auf Drängen der Habsburger zur Gründung eines albanischen Staates. Sie wollten die serbischen Expansionsbestrebungen eindämmen und insbesondere einen serbischen Zugang zur Adria verhindern. Das Kosovo, in dem zu dieser Zeit nur in einigen Gebieten eine albanische Mehrheit vorhanden war, wurde jedoch nicht Teil des albanischen Staates und fiel an Serbien. Seitdem kam es, auch unter dem kommunistischen Jugoslawien, zu einer Serbisierungspolitik, mit der versucht wurde, den Anteil der Serben im Kosovo zu erhöhen und die Albaner durch Unterdrückung in die Emigration nach Albanien oder in die Türkei zu zwingen. Auf Grund der schlechten Wirtschaftslage gelang es jedoch kaum, Serben zur Zuwanderung zu bewegen und die Bevölkerung nahm eher ab.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kosovo zwischen den Achsenmächten Deutschland und Italien sowie den verbündeten Bulgaren aufgeteilt, wobei der größte Teil dem von Italien eroberten Albanien zugeschlagen wurde. Es kam zu einer Kooperation zwischen dem Deutschen Reich und Teilen der Albaner, gefolgt von albanischen Racheakten an den serbischen Kosovaren unter Beteiligung der SS. Gleichzeitig gab es aber auch Albaner unter den kommunistischen Partisanen Titos sowie eigenständige kommunistische Widerstandsgruppen in Albanien und im Kosovo.

Nach Kriegsende wurde das Kosovo in das Jugoslawien Titos eingegliedert, die slawische Dominanz wiederhergestellt und erneut eine Vertreibung- und Unterdrückungspolitik gegenüber den Albanern durchgeführt. Albanien, das zu dieser Zeit unter der Herrschaft des Diktators Hoxha stand, weigerte sich, Flüchtlinge aus dem Kosovo aufzunehmen, und so kam es bis 1966 zur Auswanderung von mehr als 200 000 Albanern in die Türkei. Diese Politik war im Politbüro des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens aber umstritten und nach dem Ausscheiden einiger serbischer Hardliner kam es zu einer neuen Kosovo-Politik. Das Kosovo wurde 1974 autonome Provinz innerhalb der Teilrepublik Serbien und es wurden mehr kulturelle Freiheiten eingeräumt, was zu einer Albanisierung führte.

Nach dem Tod Titos 1980 wurde unter Slobodan Milošević jegliche Autonomie zurückgenommen und Albanisch als Unterrichtssprache verboten. Mit den Unabhängigkeitsbestrebungen von Slowenien und Kroatien als Vorbild kam es im Kosovo zu einer Art Parallelverwaltung des Landes durch einen albanischen Schattenstaat, der Schulen, Krankenhäuser und Nahverkehr regelte.

Das albanische Parlament rief 1991 die "Republik Kosovo" aus, die jedoch international nicht anerkannt wurde. Daraufhin formierten sich zunehmend Gruppen von Rebellen - wie die Untergrundarmee der Kosovo-Albaner UÇK - und es kam zu Anschlägen und serbischen Vergeltungsakten, wie z.B. dem "Massaker von Drenica". Nach erfolglosen Friedensverhandlungen in Rambouillet begann die NATO 1999 ohne UN-Mandat Luftangriffe auf Serbien durchzuführen. Nach dem Rückzug Serbiens wurde das Kosovo UN-Protektorat.

Im Frühjahr 2002 wurde eine Regierung und in der Folge eine beschränkte Selbstverwaltung gebildet. Die ethnischen Konflikte zwischen Albanern und Serben flammten im Frühjahr 2004 erneut auf. Um die bereits stationierte KFOR-Friedenstruppe zu unterstützen, sandten mehrere NATO-Staaten daraufhin zusätzliche Soldaten in die autonome Provinz. Die zweite Parlamentswahl im Herbst 2004 wurde von den Kosovo-Serben wegen der mangelnden Sicherheit für diese Volksgruppe in der UN-Schutzzone boykottiert. Der Internationale Gerichtshof (IGH) wies Ende 2004 eine Klage von Serbien und Montenegro (ehemaliges Jugoslawien) gegen acht der an den Angriffen 1999 beteiligten NATO-Staaten ab.

Auf Grundlage eines Plans des früheren finnischen Staatspräsidenten Athisaari, der für die Vereinten Nationen ergebnislos mit Albanern und Serben verhandelt hatte, rief das kosovarische Parlament am 17. Februar 2008 die Republik Kosovo als unabhängigen Staat aus. Daraufhin kam es im Kosovo und in Serbien zu Gewaltausbrüchen. Serbien erkennt die Unabhängigkeit nicht an. Trotz des Widerstands von Russland im Weltsicherheitsrat unterstützten die USA und die Europäische Union die Proklamation.

Mit dem Rückzug des International Civilian Office (ICO) im September 2012 hat die Republik Kosovo die vollständige Souveränität erreicht – wenngleich nach wie internationale Missionen im Land sind. Die EU-Rechtsstaatsmission EULEX Kosovo hat Ende 2008 ihre Tätigkeit aufgenommen. In Kosovo sind gegenwärtig noch über 5 000 KFOR-Soldaten stationiert. Die Sicherheitslage im gesamten Kosovo hat sich in den vergangen Jahren stetig verbessert, mit Ausnahme der weiterhin angespannten Lage im Norden. Die Beziehungen zu Serbien bleiben geprägt vom Konflikt über den Status Kosovos, haben sich aber ebenfalls verbessert. Im Zentrum der Außenpolitik steht die schrittweise Integration in EU und NATO.