Kroatien

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Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Republik Kroatien (amtlich kroatisch: Rupublika Hrvatska) liegt im Südosten Europas an der Adriaküste. Kroatien grenzt im Norden an Slowenien, im Nordosten an Ungarn, im Osten an Serbien und im Südosten an Bosnien-Herzegowina.

Die Landschaften Kroatiens sind vielfältig. Flache Ebenen entlang der ungarischen Grenze finden sich ebenso wie niedrige Berge und Hochländer an der Adriaküste und auf den Inseln. Vier Großlandschaften lassen sich unterscheiden: Istrien, Dalmatien, Nieder- und Hochkroatien.

Der südliche Teil der Adriahalbinsel Istrien liegt im äußersten Norden des Landes, besteht zum großen Teil aus verkarsteten Kalkgebieten und hat im Ucka mit 1 396 m seinen höchsten Berg. Der sich zum Süden hin verjüngende Südwesten wird von Dalmatien an der Adriaküste eingenommen. Einer etwa 1 800 km langen Adriaküste sind die Dalmatinischen Inseln vorgelagert, die sich von der Insel Pag im Norden bis zur Bucht von Kotor im äußersten Süden des Landes hinziehen. Im Dinarischen Gebirge nördlich von Split befindet sich mit dem Dinara der mit 1 831 m höchste Berg des Landes. Neben Istrien und Dalmatien können die Landschaften von Niederkroatien und Hochkroatien unterschieden werden. Niederkroatien besteht aus den fruchtbaren Ebenen der Posavina und Podravina sowie einem Inselgebirge, das zwischen den Flüssen Drau, Donau und Save liegt. Diese Region, die Slawonien genannt wird, geht in eine etwa 700 m hoch gelegene Beckenlandschaft über, die von Gebirgszügen (Velebit 1 752 m) umgeben ist. In dieser Region, die auch Hochkroatien genannt wird, liegen die Plitvicer Seen.

Klima

In Kroatien treffen mediterrane und kontinentale Klimaeinflüsse zusammen. Die Küstenregionen an der Adria weisen milde Winter und heiße Sommer auf, wogegen die im Landesinneren gelegenen Landschaften kalte, kontinental beeinflusste Winter haben. Die Durchschnittstemperaturen betragen in der Hauptstadt Zagreb im Landesinneren im Januar 0 °C, im Juli 22 °C. Die jährlichen Niederschläge sind mit 3 000 mm in der Hauptstadt des Landes recht hoch. Sie werden aber an den Westflanken der Küstengebirge noch übertroffen. Eine auf die erhöhte Tektonik der Region zurückzuführende Besonderheit sind regelmäßig auftretende Erdbeben.

Flora und Fauna

Im Küstenbereich besteht die natürliche Vegetation aus Macchie, einer mediterranen Vegetationsform, die auch im Dinarischen Gebirge zu finden ist. Sie wird aus Sträuchern und bis zu fünf Meter hohen Bäumen (u.a. Agaven, Pinien, Olivenbäume, Zedern und Zypressen) und Hartlaubgehölzen wie etwa Echter Lorbeer gebildet. Daneben sind Dornsträucher und Stauden sowie - seltener - Lianen anzutreffen. Entstanden ist die Macchie meist an Stellen in Kulturlandschaften, wo einst gerodete Waldflächen wieder der Natur überlassen wurden. Die Vegetation im Landesinneren ist abwechslungsreicher, in Niederkroatien finden sich beispielsweise Eichenwälder. In den Gebirgsregionen steht Mischwald sowie Buchen- und Eichenwald, in größeren Höhen auch Nadelwald.

Neben der für Mitteleuropa typischen Fauna weist Kroatien als Besonderheit in den wenig vom Tourismus tangierten Regionen in den Gebirgen vereinzelt Braunbären auf. Auch Wölfe und Gämsen haben hier ihr Revier. Auf einigen der Inseln sind Wanderfalken zu finden. Sie machen Jagd auf fliegende Vögel bis zu einer Größe von Enten. In Norddalmatien finden sich überdies vereinzelt Reviere von Gänsegeiern und Steinadlern.

Bevölkerung

Kroatien zählt insgesamt etwa 4,49 Millionen Einwohner. Größte Stadt des Landes ist die Hauptstadt Zagreb, in der rund 780 000 Menschen wohnen. 90 % der Bevölkerung sind Kroaten und aufgrund der systematischen Vertreibungen Ende der 1990er Jahre nur noch 4,5 % Serben, beides südslawische Völker. Die kleineren Minderheiten setzen sich aus Italienern, Ungarn, Slowaken, Slowenen, Deutschen, Bosniern, Tschechen, Albanern, Ruthenen (Ukrainern) und Makedoniern zusammen.

Rund 93 % der Bevölkerung gehören der christlichen Religion an, davon ist der Großteil - anders als in den östlichen Nachbarländern - römisch-katholisch (87,8 %). 4 % der Bevölkerung, darunter praktisch die gesamte serbische Minderheit, sind serbisch-orthodox. Etwa 1,3 % der Bevölkerung ist muslimischen Glaubens.

Landessprache laut neuer Verfassung ist Kroatisch. Die serbokroatische Sprache wird neben Kroatien noch in Serbien, Montenegro sowie in Bosnien und Herzegowina gesprochen. Modifizierte Formen finden sich in Südostösterreich, der Slowakei und Ungarn sowie dem rumänischen Banat und der italienischen Region Molise. Während die Serben die kyrillische Schrift verwenden, benutzen die Kroaten eine erweiterte lateinische Schrift.

Die Analphabetenquote beträgt 1,5 %, das Bevölkerungswachstum liegt aufgrund der geringen Geburtenraten praktisch bei Null. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 78,3 Jahren.

Politisches System

Die Republik Kroatien ist eine parlamentarische Demokratie (Verfassung von 1990). Der starke Staatspräsident (Ivo Josipović, seit Februar 2010) wird alle fünf Jahre gewählt. Er ernennt nach Zustimmung des Parlaments den Premierminister (Zoran Milanović, seit Dezember 2012). Das Repräsentantenhaus (Sabor) besteht derzeit aus 151 Abgeordneten. Diese werden für vier Jahre gewählt; acht Sitze sind für nationale Minderheiten bestimmt, drei für Auslandskroaten. Die Ausübung der rechtsprechenden Gewalt ist formell unabhängig.

Die Republik Kroatien ist als Zentralstaat in 20 Komitate ("Zupanija") und die Verwaltungseinheit Zagreb unterteilt.

Wirtschaft

Kroatien erlebte nach 1991, in den ersten Jahren seiner Selbstständigkeit, eine deutliche Rezession. Ab der Jahrtausendwende erfolgte der Aufschwung auf der Basis des erfolgreichen Fremdenverkehrs, des Bankwesens und öffentlicher Investitionen. Die Privatisierung und Umorientierung auf den westeuropäischen Markt ist mit einer hohen Arbeitslosigkeit (2012: 19 %) verbunden. Hohe Lohnnebenkosten, komplizierte Ein- und Ausfuhrbestimmungen, ein hohes Zinsniveau und überzogene Grundstückspreise sind weitere Hemmnisse. Es gibt ein großes regionales Gefälle bei der Wirtschaftskraft. 2013 trat Kroatien der EU bei.

Rund 40 % der Gesamtfläche des Landes werden landwirtschaftlich genutzt. Viehhaltung und insbesondere Schafzucht sind in Hochkroatien vorherrschend, Fischerei an den Küsten. Es werden Mais, Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben, Gemüse, an der Küste auch Wein sowie Zitrusfrüchte, Ölbäume und Tabak angebaut. Der Agrarsektor erwirtschaftet rund 5 % des Bruttoinlandsprodukts, der Dienstleistungssektor zeichnet für 68 % verantwortlich, die Industrie für 27 %.

Bodenschätze sind nur in geringer Menge vorhanden. Hier sind vor allem Bauxit, Braun- und Steinkohle sowie Erdöl und Erdgas in Slawonien hervorzuheben.

Etwa zehn Millionen Touristen jährlich besuchen vor allem die Küstenregionen Istriens und Dalmatiens und bringen die wichtigen Devisen nach Kroatien.

Wichtigste Exportgüter sind Erdöl, Maschinen, Metalle, Bekleidung, Pharmaerzeugnisse und Nahrungsmittel, die nach Italien, Bosnien-Herzegowina und Deutschland geliefert werden. Die Importe - vor allem Erdöl, Maschinen, Elektronik, chemische Erzeugnisse und Nahrungsmittel - stammen aus Italien, Deutschland und Russland. 2001 vereinbarten Kroatien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Jugoslawien, Makedonien und Rumänien mit Wirkung zum Jahr 2003 eine Freihandelszone.

Ein gut ausgebautes Verkehrsnetz ist vorhanden. Seehäfen sind Rijeka, Split, Zadar, Pula und Dubrovnik; die bedeutendsten Flughäfen sind Zagreb, Rijeka, Split, Dubrovnik, Pula, Zadar und Osijek.

Währung ist der Kuna (= 100 Lipa).


Fl kroatien.jpg Wappen kroatien.svg
Republika Hrvatska
Amtssprache

Kroatisch

Hauptstadt

Zagreb

Staatsform Republik
Fläche 56.542 km²
Einwohner 4.490.000
Währung Kuna
Zeitzone UTC +1 (MEZ)
KFZ-Kennzeichen HR
Internet-TLD .hr
Telefonvorwahl 00385