Lesotho Geschichte

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    Von den Ureinwohnern Lesothos, den San, ist kaum etwas bekannt. Ab dem 15. Jahrhundert wanderten bantusprechende Völker wie Zulu, Sotho, Tswana, Xhosa in den südlichen Teil Afrikas ein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts flohen die Hirtenvölker der Nguni und der Süd-Sotho vor den kriegerischen Zulu aus dem Gebiet der heutigen südafrikanischen Provinz Oranjefreistaat in das unwirtliche und karge Bergland des heutigen Lesotho.

    Unter dem Häuptling Moshoeshoe I. (Motlotlehi) wurden die Stämme der Sotho und Nguni vereint zum Volk der Basuto. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu Konflikten zwischen den Süd-Sotho und den Buren, die auf der Suche nach weiterem Ackerland nach Norden zogen. Häuptling Moshoeshoe I. bat Großbritannien um Schutz vor den eindringenden Buren, 1868 wurde das Gebiet unter dem Namen Basutoland zunächst britisches Protektorat, drei Jahre später wurde es der britischen Kapkolonie angegliedert. Durch die Weigerung der Süd-Sotho, die Kolonialregierung anzuerkennen, kam es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. 1884 wurde Basutoland direkt der britischen Krone unterstellt und erhielt dadurch das Recht zur weitgehenden Selbstverwaltung. Als 1910 die "Südafrikanische Union" (aus der Kapkolonie, Oranjefreistaat, Natal und Transvaal) gegründet wurde, weigerten sich die führenden Stammeshäuptlinge von Basutoland, das inmitten des Staatsterritoriums der Union liegende Land diesem Staat anzugliedern. Zu diesem Zeitpunkt bestanden enge wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Basutoland und der Südafrikanischen Union, da bereits ab 1870 viele Süd-Sotho als Arbeitskräfte in die südafrikanischen Gold- und Diamantenminen entsandt worden waren. Offiziell unterstand Basutoland der Oberaufsicht des in Kapstadt residierenden britischen Generalgouverneurs.

    In den 1950er Jahren kam es zu Parteiengründungen in Basutoland: 1952 wurde die panafrikanisch-sozialistische Partei "Basotho Congress Party" (BCP) gegründet unter der Führung von Ntsu Mokhele, fünf Jahre später spaltete sich von dieser die "Marema Tlou Party" ab. 1958 gründete der Häuptling Leabua Jonathan die konservative "Basutoland National Party" (BNP). Bei ersten Wahlen 1960 erlangte die BCP mit ihrem Ziel der Unabhängigkeit des Landes die Mehrheit der Stimmen. 1965 musste die Partei die Mehrheit an die BNP abgeben, ihr Vorsitzender Leabua Jonathan wurde Premierminister (bis 1986).

    Im Oktober 1966 wurde Basutoland unter dem Namen Lesotho im Rahmen des britischen Commonwealth unabhängig. Staatsform wurde die konstitutionelle Monarchie, der Monarch Moshoeshoes II. nahm überwiegend repräsentative Aufgaben wahr. Nach den Wahlen 1970 kam es zu einem Staatsstreich durch Leabua Jonathan, der die Verfassung außer Kraft setzte, die Führer der Oppositionsparteien inhaftieren ließ und den Ausnahmezustand ausrief.

    1973 spaltete sich von der Basotho Congress Party (BCP) ein radikaler Flügel unter Ntsu Mokhele ab, ab 1979 bildete sich aus dieser Bewegung die "Lesotho Liberation Army" (LLA), die mit ihrer Guerillatätigkeit versuchte, die Regierung Jonathan zu stürzen.

    Lesotho war wirtschaftlich in hohem Maße von Südafrika abhängig, weigerte sich jedoch, die südafrikanische Apartheidspolitik anzuerkennen. Das Verhältnis zum großen Nachbarn verschlechterte sich weiter, als die politische Führung Lesothos 1983 Verbindungen zur Volksrepublik China und zur Sowjetunion aufnahm. 1986 wurde Leabua Jonathan vom Militär abgesetzt, die politische Führung Lesothos übernahm zunächst ein Militärrat unter der Führung von General Justin Lekhanya (bis 1991). 1990 wurde König Moshoeshoe II. von der Militärregierung abgesetzt und ging ins Exil nach England. Sein Sohn David Mohato Letsie Bereng Seeiso (Letsie III.) wurde neuer Monarch Lesothos.

    1991 wurde General Justin Lekhanya gestürzt, sein Nachfolger Elias Phitsoane Ramaema übernahm den Vorsitz des Militärrats und kündigte eine Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie an. Die bis zu diesem Zeitpunkt verbotenen politischen Oppositionsparteien wurden wieder zugelassen. 1993 erhielt Lesotho eine neue Verfassung, in der als Staatsform die parlamentarische Monarchie festgelegt wurde. Bei den Wahlen im gleichen Jahr gewann die oppositionelle "Basuto Congress Party" (BCP) alle 65 Parlamentssitze. Ihr Vorsitzender Ntsu Mokhele übernahm die Regierungsgewalt. Ein Jahr später versuchte das Militär mit einem Putsch, das Parlament aufzulösen und die Verfassung außer Kraft zu setzen, scheiterten aber mit ihrem Vorhaben. Für ein Jahr wurde Moshoeshoe II. nochmals Regent von Lesotho, nach seinem Tod im Januar 1996 stieg erneut König Letsie III. auf den Thron.

    1997 gründete der umstrittene Regierungschef Ntsu Mokhele eine eigene Partei ("Lesotho Congress for Democracy", LCD), 41 der 64 BCP-Parlamentsabgeordneten wechselten zur neuen Partei. Bei den Wahlen im Mai 1998 gelang es der neuen Partei von Mokhele, 78 der insgesamt 80 Parlamentssitze zu erringen. Dennoch wurde aufgrund eines Beschlusses der Häuptlinge im Senat der Vorsitzende der BCP, Bethuel Pakalitha Mosisili, neuer Regierungschef Lesothos. Nach anhaltenden Unruhen unter der Bevölkerung bat König Letsie III. Südafrika um militärische Unterstützung bei der Niederschlagung der Aufstände. Erst im Mai 1999 zog Südafrika den Großteil seiner Truppen wieder aus Lesotho ab; Mosisili blieb vorerst Regierungschef. Die für das Jahr 2001 geplanten Wahlen wurden nicht abgehalten. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2002 wurde der LCD ebenso wie bei den Wahlen im Februar 2007 erneut stärkste Kraft. Die Wahlen im Mai 2012 ergaben erstmals eine Koalitionsregierung unter Thomas Thabane (All Basotho Convention, ABC).

    Die hohe Sterblichkeitsrate infolge von AIDS führt zu beträchtlichen wirtschaftlichen Verlusten und trägt wesentlich zum Zusammenbruch traditioneller Strukturen und zur Verschärfung der sozialen Lage im Land bei.