Liechtenstein Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Frühzeit bis 19. Jh.

Das Gebiet des heutigen Liechtenstein gehörte seit dem 1. Jahrhundert v.Chr. zur römischen Provinz Rätien, bis die Germanen etwa im 5. Jahrhundert n.Chr. die Herrschaft der Römer beendeten. Seit dem frühen Mittelalter siedelte hier das Volk der Alemannen. Im Spätmittelalter entstanden die Grafschaften Vaduz und Schellenberg, die von Kaiser Karl VI. (1711 bis 1740) 1719 zum reichsunmittelbaren Fürstentum Liechtenstein zusammengeschlossen wurden. Der Name stammte vom adligen Geschlecht der Liechtensteiner, die ursprünglich aus Niederösterreich stammten, und 1699 bzw. 1712 die Territorien Schellenberg bzw. Vaduz erwarben.

19. und frühes 20. Jh.

1806 erlangte Liechtenstein die volle Souveränität. 1815 schloss sich das Land dem auf dem Wiener Kongress gegründeten Deutschen Bund an, der insgesamt aus 39 deutschen Einzelstaaten bestand und von Österreich dominiert wurde. Die enge Bindung an Österreich, die schon unter dem Fürsten Johann I. (1813-1836) begonnen hatte, vertiefte sich weiter. Sein Sohn Fürst Alois II. (1836-1858) schloss mit dem Nachbarland eine Zollunion (1852).

Nach der Auflösung des Deutschen Bundes 1866 wurde Liechtenstein ein eigenständiger Staat. Von 1876 bis 1918 bildete Liechtenstein mit Österreich ein gemeinsames Zoll- und Steuergebiet. Nach dem Ende der Habsburgermonarchie 1918 musste sich das Land neu orientieren. Unter Fürst Johann II. (1858-1929) schloss sich Liechtenstein eng an die Schweiz an. 1923 bzw. 1924 wurde eine Zoll- und Währungsunion geschlossen und die Schweiz übernahm die außenpolitische Vertretung des kleinen Landes. Zwei Jahre zuvor löste eine neue Verfassung die alte von 1862 ab, und die konstitutionelle Erbmonarchie auf parlamentarisch-demokratischen Grundlage wurde festgeschrieben.

Vom 1. Weltkrieg bis zu den 1990er Jahren

In beiden Weltkriegen verhielt sich Liechtenstein neutral (bereits seit 1868 hatte das Land keine stehende Armee mehr). 1955 wurde das Land Mitglied bei der UNO. Seit August 1984 führt Hans-Adam II. die Regierungsgeschäfte des Landes, nach dem Tod seines Vaters Franz Joseph II. wurde er 1989 Fürst von Liechtenstein. Durch eine Verfassungsänderung erhielten 1984 auch Frauen das volle Stimm- und Wahlrecht. Zu Beginn der 90er Jahre sprach sich das Volk von Liechtenstein für einen Beitritt des Landes zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) aus.

Das politische Geschehen in Liechtenstein bestimmen die beiden großen Parteien: die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP, 1918 gegründet) und die Vaterländische Union (VU, 1936 gegründet). Von 1938 bis 1997 wurde das Land von einer Koalition beider Parteien regiert, bevor die FBP 1997 in die Opposition ging. Bei Parlamentswahlen im Februar 2001, bei denen rund 16 500 der insgesamt etwa 32 000 Einwohner des Landes zur Wahl aufgerufen wurden, errang die FBP überraschend die absolute Mehrheit (13 von insgesamt 25 Sitzen), worauf Ministerpräsident Mario Frick (VU) nach achtjähriger Amtszeit seinen Rücktritt ankündigte. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 90 %. Regierungschef wurde Otmar Hasler (FBP). Bei den Wahlen 2005 errang die FBP zwölf, die VU zehn Sitze. Es kam erneut zu einer großen Koalition.

Liechtenstein als Finanzzentrum

Durch die günstige Steuergesetzgebung, die viele ausländische Kapitalanleger und Firmen anzieht, gilt Liechtenstein als eine der so genannten "Steueroasen". Im November 1999 kam es zu Unstimmigkeiten mit Deutschland, als eine inoffizielle Studie des Bundesnachrichtendienstes bekannt wurde: Liechtenstein wurde unterstellt, mit seinem Finanzsystem indirekt Mafia-Organisationen und südamerikanische Drogenkartelle zu unterstützen und zur Geldwäsche regelrecht einzuladen. Im Juni 2000 warf die OECD (Organization for Economic Co-operation and Development, Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Liechtenstein - und weiteren 13 Steueroasen - erneut mangelnde Zusammenarbeit im Kampf gegen Geldwäsche vor und setzte den Zwergstaat auf die so genannte Schwarze Liste der nicht kooperativen Länder. Die Regierung bemühte sich daraufhin, schärfer gegen organisierte Kriminalität und Geldwäsche vorzugehen (Juli 2000 Abschaffung der anonymen Konten). Im Folgejahr wurde Liechtenstein zwar von der Schwarzen Liste gestrichen, Anfang 2008 gab es jedoch eine neuerliche Affäre um Steuerhinterziehung in Liechtenstein, bei der in neun OECD-Staaten, darunter auch in Deutschland, Ermittlungen stattfanden. Nach der Unterzeichnung von zwölf Abkommen zum Informationsaustausch in Steuerfragen wurde Liechtenstein im November 2009 auch von der Grauen Liste der OECD gestrichen. Ende 2008 trat Liechtenstein der Schengen-Zone bei.

Regierungschef des Fürstentums ist seit März 2013 Adrian Hasler von der FBP. FBP und VU haben sich wie in der Vergangenheit auf eine Fortsetzung der großen Koalition verständigt, dieses Mal unter der Führung der FBP.