Madagaskar Geschichte

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Frühzeit bis 19. Jahrhundert

Eine erste Besiedelung der Insel durch indonesische Seefahrer malaiisch-polynesischer Herkunft fand wahrscheinlich im ersten Jahrhundert nach Christus statt. Ab dem Beginn des 9. Jahrhunderts gründeten arabische und afrikanische Sklavenhändler erste Niederlassungen an der Westküste Madagaskars. Um 1500 landeten portugiesische Seefahrer als erste Europäer auf der Insel. Weder den Portugiesen noch den nachfolgenden Niederländern, Engländern und Franzosen gelang es zunächst, sich auf der Insel zu etablieren bzw. die einheimische Bevölkerung zu unterwerfen und zu christianisieren. Neben dem erbitterten Widerstand der Stämme hatten die Europäer mit dem feuchten Klima entlang der Küsten zu kämpfen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstand auf der Insel das Königreich Merina, nachdem es dem Häuptling eines Hochlandstammes gelungen war, mehrere Stämme zu einen. Das Zentrum des Reiches bildete die Stadt Antananarivo. Unter König Andrianampoinimerina (1787-1810) wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts alle anderen Stämme auf Madagaskar unterworfen. Unter seinem Sohn Radama I. konnten die Engländer und mit ihnen die europäische christliche Kultur auf der Insel Fuß fassen, indem sie den Regenten mit Waffen belieferten. Nach dem Tod König Radamas I. wurden Missionare und Europäer zunächst wieder von der Insel vertrieben, erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierte sich unter der Herrscherin Ranavalona II. (1861 bis 1896) das Christentum auf der Insel.

Französische Herrschaft

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Madagaskar trotz des heftigen Widerstands der einheimischen Bevölkerung von den Franzosen erobert. 1896 wurde die Hauptstadt eingenommen, 1897 die Monarchie abgeschafft. Madagaskar wurde endgültig zur französischen Kolonie. An der Ostküste entstanden erste groß angelegte Plantagen für den Anbau von Tabak, Kaffee, Vanille, Gewürznelken und Zuckerrohr. Für den Abtransport der Waren zu den Häfen Toamasina und Manakara wurde Eisenbahnlinien gebaut.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Madagaskar von Frankreich zum französischen Territorium erklärt, die Bewohner der Insel erhielten die französische Staatsbürgerschaft und eine eingeschränkte Selbstverwaltung. Gleichzeitig bildete sich im Land die Widerstandsbewegung "Mouvement Démocratique de la Rénovation Malgache" (MDRM). Erneute Aufstände kosteten Tausende von Bewohnern das Leben.

Ende der 50er Jahre wurde Madagaskar als Republik innerhalb der französischen Gemeinschaft autonom und erhielt eine eigene Verfassung. Antananarivo wurde offizielle Hauptstadt des Landes. Erster Staatschef wurde Philibert Tsiranana von der "Parti Social-Démocrate" (SDP). 1960 erhielt die Insel endgültig ihre Unabhängigkeit. Wirtschaftlich blieb Madagaskar an Frankreich orientiert, ab Beginn der 70er Jahre wurden Handelsbeziehungen zum politisch isolierten Südafrika aufgenommen.

Neuere Entwicklungen

Innenpolitische Unruhen führten 1972 zu einer Militärregierung: Präsident des Obersten Revolutionsrates wurde Didier Ratsiraka (von 1975 bis 1993) von der Partei "Avantgarde de la révolution malagasy" (AREMA), der Madagaskar zur "Demokratischen Republik" erklärte. Die Regierung orientierte sich zunehmend weg von Frankreich und Südafrika hin in Richtung der Ostblockstaaten und China. Nach sozialistischem Vorbild wurden Banken, Versicherungen und Gesellschaften verstaatlicht, landwirtschaftliche Betriebe in Kooperativen umgewandelt und ein Einparteiensystem eingeführt. Die 80er Jahre waren durch zunehmende Unruhen in der Bevölkerung gekennzeichnet, die durch die schlechte Wirtschaftslage und soziale Gegensätze ausgelöst wurden.

Ende der 80er Jahre kam es zu einem Zusammenschluss westlich orientierter oppositioneller Kräfte ("Comité National des Forces Vives"), und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde der regierende Präsident Ratsiraka gezwungen, die Opposition an der Regierung zu beteiligen. 1992 wurde das Mehrparteiensystem wieder eingeführt und die Macht des Staatspräsidenten eingeschränkt. Bei Wahlen im Dezember 1992 entfielen die meisten Stimmen auf Albert Zafy, den Vertreter des Bündnis "Forces Vives". Im März 1993 wurde Zafy Staatspräsident und erließ eine Generalamnestie für politische Gefangene. Regierungschef wurde ebenfalls ein Vertreter der "Forces Vives", Francisque Ravony. Hauptproblem des Landes zu diesem Zeitpunkt waren die Armut weiter Teile der Bevölkerung und eine drohende Hungersnot.

1996 wurde Staatspräsident Zafy wegen Kompetenzüberschreitung seines Amtes enthoben, sein Nachfolger wurde erneut der aus dem Exil zurückgekehrte Didier Ratsiraka. Neuer Regierungschef wurde 1997 der parteilose Rascal Rakotomavo, der bereits in den 1980er Jahren unter Ratsiraka Finanz- und Wirtschaftsminister war. Die Regierungspartei AREMA (nun "Association pour la Renaissance de Madagaskar") errang bei Wahlen zum Parlament im Mai 1998 63 von insgesamt 150 Sitzen, neuer Regierungschef wurde René Tantely Andrianarivo.

Im Gefolge der Präsidentschaftswahlen von Dezember 2001 kam es zu Massenprotesten, bei denen Ratsiraka der Wahlmanipulation beschuldigt wurde. Nach einer Neuauszählung der Stimmen im April 2002 erklärte das Verfassungsgericht den Oppositionskandidaten Marc Ravalomanana zum Sieger. Seine Politik führte zu einer schnellen Erholung der Wirtschaft, in Folge derer aber die Inflationsrate so stark anstieg, dass Grundnahrungsmittel für viele Menschen kaum noch bezahlbar waren. Dennoch wurde Ravalomanana 2006 im Amt bestätigt.

2006 wurde Englisch neben Madagassisch und Französisch als dritte Amtssprache festgelegt. Damit sollte vor allem die wirtschaftliche und politische Integration in das südliche Afrika erleichtert werden. Dort wird in der Mehrheit der Länder offiziell Englisch gesprochen.

Im Juli 2007 löste Präsident Ravalomanana die Nationalversammlung vorzeitig auf, mit der Begründung, das Parlamament sei seit dem Referendum im April nicht mehr repräsentativ. In diesem Referendum waren mit großer Mehrheit u. a. eine Verwaltungsreform, eine Parlamentsverkleinerung und eine Änderung des Wahlsystems beschlossen worden. Der wirkliche Grund waren jedoch innerparteiliche Differenzen. Die Parlamentswahlen am 23. September 2007 führten zum Erdrutschsieg der Regierungspartei: Die TIM erhielt 105 von 127 Sitzen. Ravalomanana wurde Wahlbetrug vorgeworfen. Am 26. Oktober 2007 wurde die neue Regierung vorgestellt; General Rabemananjara blieb Premierminister.

Dem früheren Bürgermeister von Antananarivo, Andry Rajoelina, gelang es, mit seiner Oppositionsbewegung TGV öffentlichen Druck gegen die Regierung aufzubauen und er gelangte mit Hilfe militärischer Meuterer im März 2009 an die Macht. Das in den Jahren zuvor systematisch aufgebaute Image Madagaskars als politisch stabiles Land wurde durch Ausschreitungen, Plünderungen und Militäreinsätze mit Todesopfern im Januar/ Februar 2009 stark beeinträchtigt. Marc Ravalomanana musste das Land verlassen. Seit Ende März 2009 regierte eine demokratisch nicht legitimierte Übergangsregierung unter Rajoelina, die international diplomatischen Sanktionen ausgesetzt war. Von der internationalen Staatengemeinschaft überwachte Wahlen zum Präsidentenamt wurden schließlich im Oktober 2013 abgehalten. Die Stichwahl im Dezember 2013 konnte Hery Rajaonarimampianina für sich entscheiden; er wurde im Januar 2014 vereidigt. Rajaonarimampianina war der Kandidat des politischen Lagers von Rajoelina, nachdem dieser als Kandidat wegen eines Verstoßes gegen das Wahlgesetz vom Wahlgerichtshof disqualifiziert worden war.