Malawi Geschichte

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Bevor Bantu sprechende Völker etwa ab dem 6. Jahrhundert n.Chr. begannen, das Gebiet des heutigen Malawi zu besiedeln, lebten dort vermutlich kleinere Gruppen eines Volkes, das mit den San verwandt war. Im 14. Jahrhundert entstand das Königreich von Maravi, dessen Zentrum sich südlich des Malawisees befand. Von diesem Königreich berichteten auch Aufzeichnungen von portugiesischen Reisenden, die im 16. Jahrhundert von der afrikanischen Ostküste aus bis zum Malawisee vordrangen. Etwa ab der Mitte des 17. Jahrhunderts fielen arabische und portugiesische Sklavenhändler in das Bantureich ein und begannen, die Bevölkerung zu verschleppen. Ganze Landstriche wurden dabei entvölkert, das Reich zerfiel.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich schottische Missionare auf dem Gebiet des heutigen Malawi nieder und gründeten mehrere Siedlungen (z.B. Blantyre). Der britische Afrikaforscher David Livingstone, der 1859 den Malawisee entdeckte und das umliegende Gebiet erforschte, hatte in seinen Berichten die Auswirkungen den Sklavenhandels auf die ansässige Bevölkerung geschildert und angeklagt.

Den Missionaren folgten Händler und Siedler, nach dem Abschluss mehrerer "Schutzverträge" mit lokalen Häuptlingen wurde das Gebiet im Jahr 1891 unter der Bezeichnung "Zentralafrika" Protektorat der britischen Krone. Wenig später gelang es britischen Truppen, die Sklavenhändler endgültig zu vertreiben. Die weißen Siedler begannen mit dem Anlegen großer Plantagen, auf denen vor allem Tee, Zuckerrohr, Tabak und Kaffee angebaut wurden. 1907 wurde das Protektorat in "Njassaland" umbenannt.

Ein Aufstand der schwarzen Bevölkerung gegen die britischen Kolonialherren wurde 1915 niedergeschlagen. 1944 wurde der "Nyassaland African Congress" (NAC) als Interessensvertretung der Schwarzen gegründet. Als Njassaland 1953 gemeinsam mit Nord- und Südrhodesien (heute Sambia und Simbabwe) zur "Zentralafrikanischen Föderation" zusammengeschlossen wurde, war die Auflösung der Föderation eines der wichtigsten Ziele des NAC. Nach Unruhen und Aufständen, die von den Truppen der Föderation niedergeschlagen wurden, wurden im Februar 1959 der führende NAC-Vertreter Hastings Kamuzu Banda und mehrere Mitglieder verhaftet und der NAC offiziell verboten. Nur einige Monate später wurde der NAC als "Malawi Congress Party" (MCP) neu gegründet. Nach seiner Haftentlassung im April 1960 übernahm Hastings Kamuzu Banda erneut die führende Rolle in der Partei.

1963 wurde die Zentralafrikanische Föderation aufgelöst und Njassaland erhielt von Großbritannien die innere Autonomie zugestanden. Bei den ersten Wahlen erreichte die MCP die Mehrheit der Stimmen, Banda wurde erster Regierungschef des Landes. Im Juli 1964 wurde Njassaland unter dem Namen Malawi in die Unabhängigkeit entlassen, Staatsform war ab Juli 1966 eine Präsidialrepublik. Banda von der MCP war nach der neuen Verfassung Staatsoberhaupt, Chef der Regierung und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person. Er erklärte die MCP zur Einheitspartei und verbot oppositionelle Parteien. Sein außenpolitischer Kurs war westlich orientiert, geriet aber in die internationale Kritik, als er 1968 als einziger afrikanischer Staat die Apartheidsregierung der Republik Südafrika anerkannte und diplomatische Beziehungen aufnahm. Statt des erhofften wirtschaftlichen Aufschwungs geriet Malawi in die außenpolitische Isolation und wurde vor allem von den schwarzafrikanischen "Frontstaaten" angefeindet.

1971 ernannte sich Banda zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit. Sein autoritärer Führungsstil wurde von einer strengen Pressezensur und der von ihm aufgebauten Geheimpolizei untermauert. Politische Gegner und Intellektuelle wurden verhaftet oder verschwanden. Erst Anfang der 1990er Jahre musste sich Banda dem zunehmenden innen- und außenpolitischen Druck beugen und einer Volksabstimmung über die künftige Regierungsform zustimmen. Als oppositionelle Parteien hatten sich die "Alliance for Democracy" (AFORD) und die "United Democratic Front" (UDF) formiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung Malawis durch die anhaltende Dürre weiter verschlechtert: 1991 hatte es seit fast zwei Jahren in der Region nicht mehr geregnet, fast drei Viertel der Ernte wurden dadurch vernichtet. Etwa 80 % der Bewohner lebten in bitterster Armut. 1992 verschlechterte sich die Situation durch Flüchtlingsströme aus dem benachbarten Mosambik weiter.

1993 sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung Malawis in einer Volksabstimmung gegen den Fortbestand des Einparteiensystems aus. Eine Übergangsverfassung und ein gemeinsames Exekutivorgan, gebildet aus AFORD, UDF und MCP, bereiteten die Neuwahlen vor, die Mitte 1994 stattfanden. Die UDF unter Bakili Muluzi errang 85 der Sitze im Parlament, die ehemalige Regierungspartei MCP 54 und die AFORD 35 Sitze. Muluzi wurde als Staatspräsident im Amt vereidigt. Im Mai 1995 trat die neue demokratische Verfassung von Malawi in Kraft. Bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2004 gewann der Regierungskandidat, der Ökonom Bingu wa Mutharika. Er wurde 2009 wiedergewählt. Nach seinem Tod im April 2012 folgte die vorherige Vize-Präsidentin Joyce Banda. Seit Mai 2014 ist Peter Mutharika, der Bruder von Ex-Präsident Bingu wa Mutharika, Präsident Malawis.

Trotz Demokratisierung hat sich die Lebenssituation der Bevölkerung Malawis nicht verbessert, nach wie vor zählt Malawi zu den ärmsten Ländern weltweit.