Mali Geschichte

Aus Länder-Lexikon.de

Inhaltsverzeichnis

Mittelalter bis Neuzeit

Im 7. Jahrhundert n.Chr. bildete sich im Südwesten der heutigen Republik Mali das Königreich Ghana (Gana) heraus, das sich durch den regen Handel mit Gold rasch ausdehnte. Ab dem 11. Jahrhundert wurde das Königreich von den Almoraviden, einer islamischen Berberdynastie, bedrängt, im 13. Jahrhundert erobert und in das Königreich Mali eingegliedert. Dieses Königreich hatte sich ab 1100 am oberen Niger entwickelt und war durch den Transsaharahandel mit Salz, Gold und Sklaven zu großem Reichtum gekommen. In der Mitte des 14. Jahrhunderts erreichte das Mali-Reich unter Mansa Mussa (1312- 37) seine Blütezeit und hatte durch seine Ausdehnung und seinen Wohlstand eine Vormachtsstellung in Westafrika inne. Im 15. Jahrhundert wurde das Königreich Mali durch anhaltende Kämpfe mit den Völkern der Songhai, Tuareg und Mossi geschwächt. Um 1464 gründete der Songhai-Häuptling Sonni Ali das Reich von Goa, das sich unter seinem Nachfolger Aksia Mohammed nahezu über das gesamte ehemalige Mali-Reich ausbreitete. Das Songhai-Reich galt als Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Das Eindringen hellhäutiger Berberstämme aus dem Norden führte gegen Ende des 16. Jahrhunderts zum Zerfall des Songhai-Reiches in mehrere kleinere Gebilde, die nun innerhalb des marokkanischen Herrschaftsbereiches lagen. Im Südwesten des heutigen Mali wurde Anfang des 17. Jahrhunderts von den Bambara ein unabhängiges Königreich gegründet, das regionale Bedeutung hatte und neben mehreren anderen lokal begrenzten Staatsgebilden existierte.

Französische Herrschaft

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden große Teile Malis immer wieder von Kämpfern der islamischen Erneuerungsbewegung erobert, die sich aber gegen den Widerstand der ansässigen Bevölkerung nicht dauerhaft durchsetzen konnten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat die französische Kolonialmacht auf den Plan: Nach lang andauernden Kämpfen wurde 1883 Bamako eingenommen, 1893 Timbuktu. Mali wurde unter dem Namen "Soudan" ein Teil des Kolonialgebietes Französisch-Westafrika.

Der Weg zur Unabhängigkeit

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten sich erste Parteien heraus, die die Unabhängigkeit des Landes zum Ziel hatten. Sozialistisch orientiert war die Afrikanische Demokratische Sammlungsbewegung (Rassemblement Démocratique Africain, RDA), die sich Ende der 50er Jahre mit der islamischen Fortschittspartei zur Union Soudanaise (US-RDA) vereinte. 1958 erhielt die Kolonie "Soudan" innerhalb der Französischen Gemeinschaft die volle innere Autonomie. Die Union Soudanaise gewann die Parlamentswahlen, ihr Vorsitzender, Modibo Keita, wurde Regierungschef der Republik Soudan. Ein Jahr später schloss sich das Land mit der Republik Senegal zur so genannten "Mali-Föderation" zusammen, der im Juni 1960 von Frankreich die volle staatliche Unabhängigkeit zugestanden wurde. Nur wenig später zerbrach die Föderation, im September schon wurde Bamako die Hauptstadt der Republik Mali. Staatspräsident wurde Modibo Keita. Um das Land wirtschaftlich und außenpolitisch vom ehemaligen Mutterland Frankreich zu lösen, bemühte sich Modibo Keita um eine Annäherung an sozialistische Staaten. Nach deren Vorbild kollektivierte er die Agrarwirtschaft und initiierte ein Programm für den Ausbau einer staatlich kontrollierten Industrie. 1963 wurde Mali Mitglied der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, Organization for African Unity), die von 30 unabhängigen afrikanischen Staaten in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gegründet wurde.

Neuere Entwicklungen

Wirtschaftliche Schwierigkeiten und innenpolitische Spannungen (unter anderem mit den Tuareg, die für die Errichtung eines unabhängigen Staates im Norden Malis kämpften), führten dazu, dass Präsident Modibo Keita Anfang 1968 das Parlament auflöste und an der Spitze eines Revolutionskomitees die alleinige Macht in Mali übernahm. Nur wenige Monate später wurde er durch einen Putsch von Armeeoffizieren unter der Führung von Yoro Diakité und Moussa Traoré gestürzt.

Neues Staatsoberhaupt Malis für die nächsten zwei Jahrzehnte wurde Oberst Moussa Traoré, der das Land autoritär regierte. Er versuchte die Kollektivierungsmaßnahmen in der Wirtschaft teilweise zurückzunehmen und suchte außenpolitisch eine Annäherung an den Westen. 1972 erlitten die wirtschaftlichen Reformmaßnahmen einen schweren Rückschlag durch eine verheerende Dürrekatastrophe, die den Großteil der Bevölkerung Malis in ihrer Existenz bedrohte.

1974 erhielt Mali eine neue Verfassung, in der ein Übergang zu einer gewählten Zivilregierung innerhalb eines bestimmten Zeitraums festgeschrieben wurde. Bei den ersten Präsidentschaftswahlen im Juni 1979 wurde Traoré als Chef einer überwiegend aus Zivilisten bestehenden Regierung im Amt bestätigt.

Die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage (unter anderem war die Auslandsverschuldung Malis Ende 1990 auf über 2,7 Milliarden US-Dollar angestiegen) führte zu innenpolitischen Spannungen, Demonstranten forderten die Absetzung Traorés und die Demokratisierung des Landes. Nur wenig später wurde Traoré durch einen Militärputsch gestürzt, die Staatsführung übernahm der Anführer des Putsches, Amadou Toumani Touré, der die Durchführung demokratischer Reformen versprach.

Auf der Grundlage einer neuen Verfassung wurden 1992 Wahlen abgehalten. Stärkste Parteien waren die Alliance pour la Démocratie au Mali (ADEMA) und die Parti Africain pour la Solidarité et la Justice (PASJ). Staatspräsident wurde Alpha Oumar Konaré (ADEMA). Noch im gleichen Jahr kam es zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit den Tuareg im Norden des Landes, denen eine regionale Selbstverwaltung zugesichert wurde, die jedoch nie realisiert wurde. Der Konflikt mit den Tuareg flammte immer wieder auf: Mehrere Male wurde die vereinbarte Waffenruhe von den Rebellen gestört. Der parteilose Ex-Putschist und -General Amadou Toumani Touré wurde 2002 zum Präsidenten gewählt und 2007 im Amt bestätigt. Mit ausländischer Unterstützung führte er Reformen in Verwaltung und Justiz durch.

Anfang 2012 griffen Tuareg-Verbände das malische Militär im Nordosten des Landes an, bis zum Frühjahr hatten sie den gesamten Norden unter ihre Kontrolle gebracht und erklärten das Gebiet für unabhängig. In den Nordprovinzen kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Die malischen Sicherheitskräfte beklagten eine fehlende Unterstützung durch die Regierung und im März 2012 kam es zum Militärputsch. Als die Rebellen Anfang 2013 auch den Süden des Landes erobern wollten, bat Übergangspräsident Dioncounda Traoré die frühere Kolonialmacht Frankreich um Hilfe. Mit der Operation Serval konnten die Islamisten schnell besiegt und das Kommando an afrikanische Truppen zurück übertragen werden. Nach Präsidentschaftswahlen wurde im September 2013 der frühere Premierminister Ibrahim Boubacar Keïta als Präsident vereidigt.